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Echte Kamille
VorsichtMatricaria chamomilla · (Matricaria chamomilla)
Korbblütler (Asteraceae)
Beschreibung
Die Echte Kamille zählt zu den bekanntesten Heilpflanzen Mitteleuropas. Kennzeichnend ist ihr hohler, nach oben gewölbter Blütenboden — daran lässt sie sich von ähnlichen Korbblütlern unterscheiden. Genutzt werden die im Frühsommer (Mai bis August) geernteten Blüten. Ihr ätherisches Öl mit dem Hauptbestandteil (−)-α-Bisabolol wird mit entzündungshemmenden und krampflösenden Eigenschaften in Verbindung gebracht; darauf beruht die überlieferte Anwendung bei Magen-Darm-Beschwerden und leichten Entzündungen, wie sie die Monographien von EMA und Kommission E beschreiben. Da die Kamille zur Familie der Korbblütler gehört, sollten Menschen mit Allergien gegen Beifuß, Chrysanthemen oder Ambrosia die Verträglichkeit zuerst vorsichtig prüfen.
Klassischer Kamillentee (Kommission E positiv) bei gastrointestinalen Spasmen, Gastritis und entzündlichen Erkrankungen des Verdauungstraktes.
Anleitung & Dosierung
AUFGUSS (Kommission-E-Indikation): 3–5 g getrocknete, zerkleinerte Kamillenblüten (Matricariae flos) mit 150 ml kochendem Wasser übergießen, zugedeckt 5–10 Minuten ziehen lassen, abseihen. 3–4× täglich frisch bereitet, vorzugsweise zwischen den Mahlzeiten, als heiße Tasse trinken. Tagesdosis 9–15 g Droge. Indikation: Gastrointestinale Spasmen und entzündliche Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes, Gastritis, Reizmagen. Wirkung tritt in der Regel nach 1–2 Tagen ein; bei Beschwerden über mehr als 2 Wochen Arzt konsultieren. Kinder 6–12 J.: 1,5–3 g; 2–6 J.: 1–1,5 g.
- Trockenmenge
- 3–5 g
- Anwendungen/Tag
- 3×
- Max. Anwendungsdauer
- 2 Wochen
⚠ Altersbeschränkung: ≥ 2 Jahre — Kinder ab 2 Jahren mit altersgerechter Dosis. Unter 6 Monaten nur nach ärztlicher Empfehlung.
Traditionelle Kamillentinktur bei nervösen Magenbeschwerden und Reizdarmsymptomen — Alternative zum Tee bei akzeptiertem Ethanolanteil.
Anleitung & Dosierung
TINKTUR (DER 1:5 in 40–70 % Ethanol): 1–3 ml (~20–60 Tropfen) in etwas Wasser verdünnt, 3× täglich vor oder zwischen den Mahlzeiten. Traditionelle Anwendung bei nervösen Magenbeschwerden, Reizdarmsymptomen und leichter Unruhe. Wegen Ethanolgehalt nicht bei Schwangerschaft, Stillzeit, Alkohol- oder Lebererkrankung. Anwendung über 4 Wochen ohne Besserung: ärztliche Abklärung.
- Flüssigkeit
- 1–3 ml
- Anwendungen/Tag
- 3×
- Max. Anwendungsdauer
- 4 Wochen
⚠ Altersbeschränkung: ≥ 18 Jahre — Tinktur wegen Ethanolgehalt nur für Erwachsene.
Blaues Kamillenätherisches Öl (reich an Chamazulen und alpha-Bisabolol-Oxiden) — äußerlich entzündungshemmend, hautberuhigend; Kommission E positiv für Haut- und Schleimhautentzündungen.
Anleitung & Dosierung
ÄTHERISCHES ÖLLÖSUNG (Blaues Kamillenöl): 1–2 Tropfen blaues Kamillenöl (Matricariae aetheroleum) in 10 ml Trägeröl (z.B. Mandelöl, Jojobaöl) verdünnen (1–2 % Lösung). Äußerlich auf betroffene Hautstellen oder Gelenke auftragen, sanft einmassieren. Für Inhalationen: 1–2 Tropfen in Dampfinhalation oder Aromadiffusor. Die tiefblaue Farbe des Öls (durch Chamazulen) verblasst beim Erhitzen — nicht überhitzen. Licht- und luftdicht in Dunkelglasflasche bei unter 20 °C lagern; Haltbarkeit nach Anbruch ca. 6–12 Monate. NICHT unverdünnt auf die Haut auftragen.
Äußerliches Vollbad oder Sitzbad bei entzündlichen Haut- und Schleimhauterkrankungen, Ekzemen, Vulvitis, Hämorrhoiden — Kommission E positiv.
Anleitung & Dosierung
VOLLBAD / SITZBAD (Kommission E, Haut-Schleimhautindikation): 50–100 g getrocknete Kamillenblüten auf ca. 10 Liter Wasser als Aufguss (10 Min. ziehen, abseihen), dem Badewasser zusetzen. Badetemperatur 35–38 °C, Badezeit 10–15 Minuten; 1× täglich. Sitzbad: geringere Menge (20–30 g auf 5 L) für Perinealbereich, Hämorrhoiden, Analfisteln, gynäkologische Entzündungen. KONTRAINDIKATION VOLLBAD: offene Wunden, akute Hauterkrankungen, hohes Fieber, schwere Infektionen, Herzinsuffizienz. Nach dem Bad kurze Ruhepause einhalten.
- Trockenmenge
- 50–100 g
- Anwendungen/Tag
- 1×
- Max. Anwendungsdauer
- 2 Wochen
Kamillenumschlag bei schlecht heilenden Wunden, Furunkeln und leichten Hautverletzungen — entzündungshemmend und wundheilungsfördernd durch Chamazulen und alpha-Bisabolol.
Anleitung & Dosierung
KOMPRESSE / UMSCHLAG: 3–10 g getrocknete Kamillenblüten mit 200 ml kochendem Wasser übergießen, 10 Minuten zugedeckt ziehen lassen, abseihen und auf Trinktemperatur abkühlen. Sauberes Leinentuch tränken, leicht ausdrücken und auf betroffene Hautstelle legen; 15–20 Minuten einwirken lassen. 2–3× täglich. Indikationen: schlecht heilende Wunden, Furunkel, oberflächliche Verletzungen, leichte Hautreizungen. Feuchte Wärme verstärkt die Wirkung. Kompresse nicht auf offene Wunden mit Zeichen tiefer Infektion (Rötung, Schwellung, Eiter, Fieber) — dann Arzt aufsuchen.
- Trockenmenge
- 3–10 g
- Anwendungen/Tag
- 3×
- Max. Anwendungsdauer
- 2 Wochen
Kamillen-Mundspülung oder -Gurgelwasser bei Aphthen, Gingivitis und leichten Rachentzündungen — von Kommission E positiv bewertet, EMA-Monographie als traditionelle Anwendung.
Anleitung & Dosierung
MUNDSPÜLUNG / GURGELWASSER (Kommission E): 3–5 g zerkleinerte Kamillenblüten mit 150 ml kochendem Wasser übergießen, 5–10 Minuten ziehen lassen, abseihen, auf handwarme Temperatur abkühlen. 3–4× täglich als Mundspülung oder Gurgelwasser verwenden — 30–60 Sekunden spülen, nicht schlucken. Indikation: Aphthen, Gingivitis, Stomatitis, leichte Entzündungen im Rachenraum. Kinder unter 12 Jahren: nur unter Aufsicht und wenn sicheres Ausspucken gewährleistet ist. Bei anhaltenden Beschwerden nach 7 Tagen Zahnarzt oder Arzt aufsuchen.
- Trockenmenge
- 3–5 g
- Anwendungen/Tag
- 4×
- Max. Anwendungsdauer
- 1 Wochen
⚠ Altersbeschränkung: ≥ 6 Jahre — Gurgeln unter 6 Jahren wegen Aspirationsgefahr nicht empfohlen; 6–12 J. nur unter Aufsicht.
Traditionelle Dampfinhalation mit Kamillenblüten oder blauem Kamillenöl bei katarrhalischen Erkrankungen der oberen Atemwege — entzündungshemmend und schleimhautberuhigend.
Anleitung & Dosierung
DAMPFINHALATION: 5–10 g getrocknete Kamillenblüten in eine Schüssel geben, mit ca. 1 Liter kochendem Wasser übergießen, 2–3 Minuten ziehen lassen. Kopf über die Schüssel beugen, Handtuch über Kopf und Schüssel legen. 5–10 Minuten langsam und tief atmen. 1–2× täglich bei Erkältungssymptomen, katarrhalischen Beschwerden der oberen Atemwege und Sinusitis. Alternativ: 2–3 Tropfen blaues Kamillenätherisches Öl statt Droge. Kinder unter 6 Jahren: Dampfinhalation NICHT empfohlen (Verbrühungsgefahr, zu starker Reiz). 6–12 Jahre: nur unter Aufsicht.
- Trockenmenge
- 5–10 g
- Anwendungen/Tag
- 2×
- Max. Anwendungsdauer
- 1 Wochen
Traditionelle Kamillensalbe oder -creme bei entzündlichen Hauterkrankungen, Neurodermitis-Schüben, Wundheilung und trockener Haut — alpha-Bisabolol als Hauptwirkstoff.
Anleitung & Dosierung
KAMILLENSALBE / -CREME: Handelsübliche Kamillen-Cremes oder -Salben (standardisiert auf alpha-Bisabolol ≥0,5 % oder Chamazulen) auf betroffene Hautstellen dünn auftragen, 2–3× täglich. Alternativ Eigenherstellung: 50 g getrocknete Blüten mit 200 ml Olivenöl bei 50 °C 2–3 Stunden im Wasserbad erwärmen (Mazeration), abseihen und mit 10 g Bienenwachs zu Salbe eindicken. Indikationen: Neurodermitis-Schübe (milde), Kontaktdermatitis, trockene rissige Haut, Windpocken-Juckreiz, Sonnenbrand. Augen-Bereich meiden — Augenbäder nur unter strenger Hygiene und mit steril filtriertem Aufguss.
WICHTIG: Überempfindlichkeitsreaktionen sind bei Korbblütlern (Asteraceae) möglich — vor der ersten Anwendung Hautverträglichkeit an kleiner Stelle testen. Bei bekannter Allergie gegen Kamille, Beifuß, Chrysanthemen, Ambrosia oder andere Asteraceae NICHT anwenden — Kreuzreaktivität möglich. Augenbäder nur unter strenger Hygiene und mit steril filtriertem Aufguss, Kontaminationsrisiko beachten. Kamille BEHANDELT NICHT die Grunderkrankung — bei Beschwerden über 1–2 Wochen ohne Besserung Arzt aufsuchen. Vollbäder sind bei offenen Wunden, akuten Hauterkrankungen, hohem Fieber, schweren Infektionen und Herzinsuffizienz kontraindiziert. Ätherisches Öl nie unverdünnt anwenden.
Tee aus zerkleinerter Droge: laut EMA für traditionellen use (nicht well-established) auch in der Schwangerschaft verwendet — jedoch mangels systematischer Sicherheitsdaten Vorsicht geboten, therapeutische Hochdosen meiden. Ätherisches Öl und Tinktur in der Schwangerschaft nicht empfohlen. Gelegentliche Tassen Tee gelten als unkritisch. Bei Bedenken Arzt konsultieren.
Tee aus zerkleinerten Blüten: laut EMA traditioneller use schließt stillende Frauen ein; kutane Anwendung im Brustwarzenbereich meiden (Sensibilisierung des Säuglings). Ätherisches Öl und Tinktur: mangels Daten nicht empfohlen. Gelegentlicher Tee in normalen Mengen unbedenklich.
Tee ab 6 Monaten (EMA, traditioneller use) mit altersgerechter Dosis. Dampfinhalation unter 6 Jahren nicht empfohlen (Verbrühungsgefahr). Gurgeln unter 6 Jahren nicht geeignet (Aspirationsgefahr). Tinktur (Ethanolgehalt) erst ab 18 Jahren. Bei Kleinkindern immer Arzt hinzuziehen — Magen-Darm-Beschwerden können ernst sein.
Wechselwirkungen
Cumarin-Antikoagulanzien (Warfarin, Phenprocoumon)
Kamille enthält geringe Mengen natürlicher Cumarinderivate (7-Hydroxycumarin-Glukoside) sowie Flavonoide, die theoretisch die Thrombozytenaggregation hemmen können. Bei Hochdosis-Langzeitanwendung (Extrakte, Tinktur) ist eine Verstärkung der gerinnungshemmenden Wirkung von Cumarinen möglich. Fallberichte existieren. Bei Patienten unter oraler Antikoagulation regelmäßige INR-Kontrolle empfohlen.
CYP450-Substrate (CYP1A2, CYP3A4)
In-vitro- und tierexperimentelle Daten deuten auf eine mögliche Hemmung von CYP1A2 und CYP3A4 durch Kamillenextrakte hin. Bei Nierentransplantierten unter Ciclosporin und Langzeit-Hochdosis-Kamillenapplikation wurden erhöhte Ciclosporinspiegel berichtet. Klinische Relevanz bei therapeutischer Standarddosierung (Tee) unklar, aber Vorsicht bei eng therapeutischem Fenster (Immunsuppressiva, Zytostatika, Antiepileptika).
Sedativa, Anxiolytika, Benzodiazepine
Kamillenextrakte können schwache anxiolytische und sedierende Eigenschaften aufweisen (GABA-A-Rezeptormodulation durch Apigenin). Theoretisch additive Wirkung mit Sedativa und Benzodiazepinen. Klinisch bei Standardtee gering relevant, bei Hochdosis-Extrakten (Kapseln) jedoch Wachheit und Reaktionsfähigkeit im Auge behalten.
Kontraindikationen
- Überempfindlichkeit gegen Matricaria chamomilla oder andere Korbblütler (Asteraceae/Compositae) — Kreuzallergie möglich mit Beifuß, Ambrosia, Chrysanthemen.
- Vollbäder: offene Wunden, akute Hauterkrankungen, hohes Fieber (über 38,5 °C), schwere Infektionen, manifeste Herzinsuffizienz, schwere Kreislaufschwäche.
- Ätherisches Öl (unverdünnt): darf nicht direkt auf Haut oder Schleimhäute aufgetragen werden.
- Dampfinhalation unter 6 Jahren: Verbrühungsgefahr, zu starker Schleimhautreiz.
Erntet wird: Blüten
- Tageszeit:
- An trockenem, sonnigem Vormittag (ca. 9–12 Uhr), nachdem der Morgentau vollständig abgetrocknet ist. Ätherisches Öl und Wirkstoffgehalte (alpha-Bisabolol, Apigenin) sind in den Morgenstunden und bei sonnigem Wetter am höchsten. Bei bedecktem oder regnerischem Wetter und nach Regen ernten vermeiden.
- Trocknung:
- ERNTE: Nur vollständig geöffnete Blütenköpfchen sammeln, bei denen die weißen Zungenblüten waagrecht abstehen oder bereits leicht nach unten gebogen sind — das ist das optimale Erntestadium für maximalen Wirkstoffgehalt. Blüten, bei denen die Zungenblüten bereits stark nach unten hängen oder bräunlich werden, meiden. Stiele so kurz wie möglich abschneiden. ERKENNUNG: Echter Kamillenboden hohl (beim Querschnitt) — Merkmal zur Unterscheidung von Hundskamille (voller Boden, kein Geruch) und Strahlenloser Kamille. TROCKNEN: Blüten einlagig auf Papier, Stoff oder Siebrahmem ausbreiten, Schatten, gute Belüftung, max. 35 °C. Nicht im Ofen über 40 °C (Chamazulen-Verlust). Regelmäßig wenden. Trocknung dauert je nach Luftfeuchtigkeit 3–7 Tage. Trocken, wenn Blüten rascheln und Stiele brechen. Lagerung luftdicht in dunklen Gläsern, kühl und trocken — innerhalb von 12–18 Monaten aufbrauchen. Qualitätsprüfung: Intensiver apfelähnlicher Geruch und bitterer Geschmack = gute Qualität.
- Lagerung:
- 18 Monate — Luftdicht verschlossene dunkle Glas- oder Metalldosen, kühl (unter 20 °C), trocken, lichtgeschützt. Innerhalb von 12–18 Monaten aufbrauchen. Bei Abnahme des Geruchs oder bräunlicher Verfärbung Qualitätsverlust — nicht mehr verwenden.
- Tageszeit:
- Trockene Morgen- bis Mittagsstunden im April–Mai, wenn die Pflanze noch im Rosettenstadium oder kurz vor der Blüte ist — für volksmedizinische Frischpflanzenzubereitungen (Frischpflanzentinktur, Frischpflanzensaft). Für das Kraut (Herba Matricariae): Pflanzen kurz vor oder zu Blühbeginn, wenn Wirkstoffgehalte im Kraut noch hoch sind.
- Trocknung:
- GESAMTE PFLANZE (Frischpflanzenzubereitung oder Kraut): Ganze Pflanze (Stängel, Blätter, Knospen) bodennah abschneiden. Für Frischpflanzentinktur sofort verarbeiten (1:1 oder 1:2 in 45–60 % Ethanol). Für Kräutertrocknung: Bündel oder einlagig bei max. 40 °C trocknen, gut belüftet. Getrocknetes Kraut ist aromatisch, enthält weniger ätherisches Öl als die Blüten — weniger für Arzneiqualität verwendet, aber geeignet für Hausgarten-Kräutertees und Mischungen. Krautqualität entspricht nicht Blütenqualität der Pharmacopöe.
- Lagerung:
- 12 Monate — Getrocknetes Kraut luftdicht dunkel lagern, innerhalb von 12 Monaten aufbrauchen. Frischpflanzentinktur dunkel und kühl, Haltbarkeit 2–5 Jahre.
- alpha-Bisabolol ((-)-alpha-Bisabolol)SonstigeAnteil: 0.1-0.5 %Blüte
Hauptwirksames Terpenol des ätherischen Öls — leicht blumig-süßer Geruch. Stark entzündungshemmend (Hemmung von COX-1, 5-LOX), wundheilungsfördernd, antimikrobiell und antipyretisch. Leitsubstanz für Qualitätskontrolle nach PhEur und EMA. Wichtigster Inhaltsstoff für Haut- und Schleimhautindikationen.
- ChamazulenSesquiterpenAnteil: 1-15 % (im EO)Blüte
Entsteht erst durch Wasserdampfdestillation aus Matricin (Prochamazulen) — das ätherische Öl erscheint dadurch charakteristisch tiefblau. Stark entzündungshemmend (5-LOX-Hemmung, Histaminfreisetzung reduziert), antioxidativ. Verantwortlich für die beruhigende Wirkung auf entzündete Haut. Gehalt sehr variabel je nach Herkunft und Sorte (niedrigere Werte bei Anbausorten, höhere bei Wildkamille).
- Matricin (Prochamazulen)SesquiterpenAnteil: 0.1-0.4 %Blüte
Sesquiterpenlacton der Guaianolid-Klasse — direkter Vorläufer von Chamazulen bei der Wasserdampfdestillation. In frischer Droge und wässrigem Extrakt als Matricin vorhanden, nicht als Chamazulen. Hat eigenständige entzündungshemmende Wirkung. Auch im Teeaufguss pharmakologisch relevant.
- Apigenin-7-O-glucosid (Apigenin-7-glucosid)FlavonoidAnteil: 0.5-1.5 %Blüte
Quantitativ bedeutendstes Flavonoidglykosid der Kamille — nach Hydrolyse freies Apigenin. Apigenin zeigt anxiolytische und leicht sedierende Eigenschaften durch partielle Agonistenwirkung an GABA-A-Rezeptoren. Antispasmodisch (glatte Muskulatur), antioxidativ und antimutagene Eigenschaften in vitro. Leitsubstanz für Qualitätsprüfungen.
- Luteolin-7-O-glucosid und Quercetin-GlykosideFlavonoidAnteil: 0.1-0.5 %Blüte
Begleitflavonoide neben Apigenin — Luteolin mit antiphlogistischer und antihistaminischer Wirkung, Quercetin antiproliferativ und kapillarprotektiv. Synergetisch mit alpha-Bisabolol und Chamazulen für die Gesamtentzündungshemmung.
- Ätherisches Öl (Matricariae aetheroleum) — GesamtölÄtherisches ÖlAnteil: 0.4-1.5 %Blüte
Gesamtgehalt des ätherischen Öls in der Droge (PhEur-Mindestanforderung: 0,4 %). Komplex zusammengesetzt: alpha-Bisabolol (~50 %), Bisabolol-Oxide A und B, Bisabololoxid A, Chamazulen (nach Destillation), en-in-Dicycloäther (Spiroether), Matricin. Die tiefblaue Farbe des Öls (durch Chamazulen) ist ein Qualitätsmerkmal. Öl wirkt antiphlogistisch, spasmolytisch, antibakteriell und wundheilend.
- Spiroether (cis- und trans-Spiroether, en-in-Dicycloäther)SonstigeAnteil: Spuren bis 0.3 %Blüte
Charakteristische Verbindungen der Echten Kamille — zur Differenzierung von anderen Kamillenarten (z.B. Geruchlose Kamille, Hundskamille) genutzt. Spasmolytisch und entzündungshemmend; in der Drogenidentifizierung analytisch bedeutsam.
- Schleimpolysaccharide (Uronsäure-haltige Polysaccharide)SchleimstoffAnteil: 1-5 %Blüte
Hochmolekulare Polysaccharide aus Arabinose, Xylose, Galaktose und Glukuronsäure. Schleimhautprotektiv und entzündungsmodulierend über Makrophagen-Aktivierung. Tragen zur magenschleimhaut-schützenden Wirkung des Tees bei — ergänzen die spasmolytische Wirkung des ätherischen Öls.
- [1]MonographieEMA/HMPC/55843/2011 — European Union herbal monograph on Matricaria recutita L. (syn. Matricaria chamomilla L.), flos (Final, 25 March 2015)(abgerufen: 2026-05-21)
- [2]MonographieKommission E — Matricariae flos (Kamillenblüten), Monographie positiv, BAnz Nr. 228, 05.12.1984 (zuletzt aktualisiert 1990)(abgerufen: 2026-05-21)
- [3]MonographieESCOP Monographs — Matricariae flos (Chamomile Flower), 2nd ed. incl. supplement 2009(abgerufen: 2026-05-21)
- [4]MonographieWHO Monographs on Selected Medicinal Plants — Volume 1: Flos Matricariae (Chamomile Flower)(abgerufen: 2026-05-21)
- [5]BuchWichtl, M. (Hrsg.) — Teedrogen und Phytopharmaka: Ein Handbuch für die Praxis auf wissenschaftlicher Grundlage, 5. Aufl., WVG Stuttgart, 2009 — Matricariae flos, S. 410–415(abgerufen: 2026-05-21)
Verbreitung in Europa
🤝 Permakultur-Partner
Diese Pflanze ist in deinem Garten ein/e:
✨ Beste Symbiose-Partner
- 🌿 Schafgarbe Klassischer Mischkultur-Partner.
- 🌿 Zwiebel Kamille verstärkt Zwiebel-Aroma — alte Bauernregel.
- 🌿 Knoblauch Kamille stärkt Knoblauch und hält Wurzelpilze fern.
- 🌿 Bärlauch Klassischer Mischkultur-Partner.
- 🌿 Ringelblume Klassischer Mischkultur-Partner.
- 🌿 Gartenkürbis Kamille stärkt Kürbis-Wachstum (klassische Mischkultur).
- 🌿 Pfefferminze Kamille verstärkt Minz-Aroma — Holzer-Lieblingspaar.
- 🌿 Oregano Klassischer Mischkultur-Partner.
- 🌿 Echter Salbei Klassischer Mischkultur-Partner.
- 🌿 Mutterkraut Klassischer Mischkultur-Partner.
- 🌿 Echter Thymian Klassischer Mischkultur-Partner.
- 🌿 Große Kapuzinerkresse Klassischer Mischkultur-Partner.
- 🌿 Große Brennnessel Brennnessel-Jauche stärkt Kamille und viele andere Kräuter.
Quelle: Helga und Margarete Langerhorst, Mein gesunder Naturgarten (eigene Kuration)