© Franz Eugen Köhler, Köhler's Medizinal-Pflanzen · Public domain · Commons
Mutterkraut
VorsichtTanacetum parthenium · (Tanacetum parthenium)
Korbblütler (Asteraceae)
Beschreibung
Mutterkraut ist eine Pflanzenart aus der Gattung Tanacetum innerhalb der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Andere Trivialnamen sind Falsche Kamille, Zierkamille und Fieberkraut.
In der Schwangerschaft KONTRAINDIZIERT
KONTRAINDIZIERT. Mutterkraut hat eine dokumentierte emmenagoge und uterusstimulante Wirkung (Parthenolid hemmt Thrombozytenaggregation und stimuliert glatte Muskulatur) — erhöhtes Risiko für Fehlgeburt und Frühgeburt. Laut EMA, Kommission E und ESCOP in Schwangerschaft nicht anwenden.
In der Stillzeit KONTRAINDIZIERT
KONTRAINDIZIERT. Sesquiterpenlactone (insbesondere Parthenolid) können in die Muttermilch übergehen und beim Säugling Koliken und Reizbarkeit verursachen. EMA und ESCOP empfehlen Meidung in der Stillzeit.
Bei Kindern KONTRAINDIZIERT
Laut EMA nicht für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren — keine ausreichenden Sicherheitsdaten. Bei Kindern mit Migräne immer pädiatrische Fachberatung.
- RohBlattInnerlichTraditionell
Traditionelle Einnahme frischer Blätter zur Migräne-Prophylaxe — tägliche Gabe als Langzeitanwendung, typisch englische Volksmedizin; nicht zur Akuttherapie.
Anleitung & Dosierung
FRISCHE BLÄTTER (Traditionelle Langzeit-Prophylaxe): 1–2 frische Mutterkrautblätter täglich, entweder direkt (in einem Sandwich oder zusammen mit Brot, Quark o. ä.) eingenommen oder als Belag — NICHT pur kauen, da frische Blätter Parthenolid-Mundschleimhaut-Irritationen verursachen können (Aphten, Schwellungen). Traditionelle Anwendung zur Vorbeugung von Migräne — bewährt in britischer Volksheilkunde seit dem 18. Jahrhundert, beschrieben im British Herbal Pharmacopoeia. Regelmäßige tägliche Einnahme über mindestens 4–6 Wochen bis zur Wirkbeurteilung; klinische Studien bestätigen moderate Wirkung (Cochrane 2004: bescheidene Evidenz für Migräheprophylaxe). Bei Abbruch nach längerer Einnahme NICHT abrupt stoppen — schrittweise ausschleichen (s. Warnhinweise 'Post-Feverfew-Syndrom').
- Trockenmenge
- 1–2 g
- Anwendungen/Tag
- 1×
- Max. Anwendungsdauer
- 16 Wochen
⚠ Altersbeschränkung: ≥ 18 Jahre — Nur für Erwachsene — keine ausreichenden Daten für Kinder.
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- TinkturBlattInnerlichTraditionell
Mutterkraut-Tinktur zur traditionellen Migräne-Prophylaxe (EMA Traditional Use) — magenfreundlichere Alternative zur frischen Blatt-Einnahme.
Anleitung & Dosierung
TINKTUR (DAB-Qualität, DEV 1:5 in 25–45 % Ethanol): 1–2 ml (~20–40 Tropfen) 3× täglich, jeweils mit Wasser verdünnt, bevorzugt zu den Mahlzeiten einnehmen. Wirkstoffgehalt: mindestens 0,2 % Parthenolid auf Trockenblatt bezogen. Tinktur-Formulierungen vermeiden das direkte Kauen roher Blätter und reduzieren das Mundschleimhaut-Reizrisiko erheblich. Langzeitanwendung (Migräne-Prophylaxe) — Wirkung erst nach 4–6 Wochen regelmäßiger Einnahme beurteilbar. EMA-Traditional-Use-Monographie (2016) bestätigt traditionelle Anwendung für diese Form. Nicht abrupt absetzen nach mehr als 8 Wochen Einnahme.
- Flüssigkeit
- 1–2 ml
- Anwendungen/Tag
- 3×
- Max. Anwendungsdauer
- 16 Wochen
⚠ Altersbeschränkung: ≥ 18 Jahre — Nur für Erwachsene. Wegen Ethanolgehalt nicht bei Alkoholerkrankung, Lebererkrankung oder Epilepsie.
[#src_ema_tanacetum] [#src_escop_tanacetum] [#src_wichtl_tanacetum]
- TeeKrautige TeileInnerlichVolksmedizin
Volksheilkundlicher Aufguss bei Fieber und Kopfschmerzen sowie zur Regelförderung — historisch weit verbreitet, heute wissenschaftlich nur für Migräne-Prophylaxe belegt.
Anleitung & Dosierung
AUFGUSS: 1–2 TL (~1–2 g) getrocknetes Mutterkrautkraut (blühendes Kraut, Droge nach DAB) mit 250 ml kurz aufgekochtem Wasser (nicht sprudelnd kochend) übergießen, 10 Minuten zugedeckt ziehen lassen, abseihen. Bis zu 2 Tassen täglich, bevorzugt zu den Mahlzeiten (leicht bitter — Honig oder Pfefferminz als Ergänzung möglich). Volksheilkundliche Anwendung bei Fieber, Kopfschmerzen und zur Förderung der Regelblutung (emmenagoge Wirkung — daher Schwangerschaft KONTRAINDIZIERT). Der Name 'Fieberkraut' verweist auf eine traditionell breit genutzte fiebersenkendeWirkung (historisch vor Aspirin-Zeitalter). Keine klinischen Belege für diese spezifischen Indikationen außerhalb der Migräne-Prophylaxe.
- Trockenmenge
- 1–2 g
- Anwendungen/Tag
- 2×
- Max. Anwendungsdauer
- 4 Wochen
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- TinkturKrautige TeileInnerlichVolksmedizin
Volksheilkundliche Tinktur bei rheumatischen Beschwerden — Culpeper und britische Kräutertradition; Wirksamkeit klinisch nicht belegt.
Anleitung & Dosierung
TINKTUR bei Rheuma/Arthritis (volksheilkundlich): 1–3 ml Tinktur (DEV 1:5 in 40–50 % Ethanol) 3× täglich mit etwas Wasser verdünnt. Traditionelle Verwendung in der britischen Kräutermedizin als entzündungshemmendes Mittel bei rheumatischen Beschwerden und Arthritis — erwähnt u. a. im Culpeper 'Complete Herbal' (1653) und im British Herbal Pharmacopoeia. Klinische Belege fehlen für diese Indikation; Parthenolid hemmt in vitro NF-κB-Signalweg und Prostaglandinsynthese, jedoch keine kontrollierten Humanstudien zu Arthritis. Ergänzende Maßnahme, kein Ersatz für ärztliche Behandlung bei entzündlichen Gelenkerkrankungen.
- Flüssigkeit
- 1–3 ml
- Anwendungen/Tag
- 3×
- Max. Anwendungsdauer
- 6 Wochen
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- TeeBlüteInnerlichVolksmedizin
Blütenaufguss als Bittertonikum zur Verdauungsförderung und Regelanregung — emmenagoge Wirkung; streng kontraindiziert in der Schwangerschaft.
Anleitung & Dosierung
BLÜTENAUFGUSS (menstruationsfördernd, verdauungsfördernd): 1–1,5 TL getrocknete Mutterkrautblüten mit 200 ml heißem Wasser (ca. 90 °C) übergießen, 8 Minuten zugedeckt ziehen lassen, abseihen. 2× täglich. Volkstümliche Anwendung als Bitterstoff-Tonikum zur Verdauungsförderung (Bitterstoffe, bes. Parthenolid und Sesquiterpenlactone, regen Gallensekretion an) sowie zur Unterstützung bei ausbleibender oder schwacher Regelblutung. KONTRAINDIZIERT in der Schwangerschaft — abortive Wirkung bekannt. Nicht länger als 2 Wochen ohne Pause anwenden.
- Trockenmenge
- 1–1.5 g
- Anwendungen/Tag
- 2×
- Max. Anwendungsdauer
- 2 Wochen
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- UmschlagBlattÄußerlichVolksmedizin
Volksheilkundlicher Blätterumschlag bei Kopfschmerzen und Gelenksschmerzen — Vorsicht vor Kontaktdermatitis bei Korbblütler-Sensibilisierung.
Anleitung & Dosierung
UMSCHLAG (äußerlich, volksheilkundlich): Eine Handvoll frische Mutterkrautblätter zerreiben oder grob zerkleinern, auf ein sauberes Leinen- oder Baumwolltuch legen und an die betroffene Stelle (Stirn bei Kopfschmerzen, schmerzende Gelenke) anlegen. 15–20 Minuten einwirken lassen. Vorsicht: Rohe Blätter können Kontaktdermatitis auslösen — Probefleck empfohlen, besonders bei bekannter Korbblütler-Allergie. Bei Hautrötung oder Brennen sofort entfernen. Klinisch nicht belegt — rein volksheilkundliche Tradition.
- TinkturBlattInnerlichKommission E
Standardisierter Trockenextrakt (Kommission E positiv, 1988) zur Migräne-Prophylaxe — nicht zur Akutbehandlung; Parthenolid als Leitsubstanz.
Anleitung & Dosierung
STANDARDISIERTER EXTRAKT / KAPSELN (Kommission E / EMA Traditional Use): Tagesdosis entsprechend 0,2–0,6 mg Parthenolid aus standardisiertem Trockenextrakt oder Tinktur. In Handelsformen typischerweise 50–250 mg Trockenblattextrakt pro Kapsel/Tablette (standardisiert auf ≥ 0,2 % Parthenolid). Einnahme morgens und abends mit ausreichend Flüssigkeit zu den Mahlzeiten. Zur Prophylaxe, NICHT zur Akutbehandlung des Migräneanfalls. Wirkungseintritt frühestens nach 4–6 Wochen regelmäßiger Einnahme. Die positive Kommission-E-Monographie (1988) und die EMA-Traditional-Use-Bewertung (2016) beziehen sich auf die Prophylaxe von Migräne. Cochrane-Review (2004, Diener et al.) beschreibt modest signifikante Wirkung gegenüber Placebo — kein Goldstandard.
- Flüssigkeit
- 0.5–2 ml
- Anwendungen/Tag
- 2×
- Max. Anwendungsdauer
- 16 Wochen
⚠ Altersbeschränkung: ≥ 18 Jahre — Laut EMA nur für Erwachsene — keine Daten für Kinder/Jugendliche.
[#src_kommission_e_tanacetum] [#src_ema_tanacetum] [#src_cochrane_feverfew_2004] [#src_escop_tanacetum]
Verbreitung in Europa
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Diese Pflanze ist in deinem Garten ein/e:
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- 🌿 Knoblauch Klassischer Mischkultur-Partner.
- 🌿 Echte Kamille Klassischer Mischkultur-Partner.
Quelle: Helga und Margarete Langerhorst, Mein gesunder Naturgarten (eigene Kuration)