© Photograph: Frank C. Müller, Baden-Baden · CC BY-SA 4.0 · Commons
Schnittsalat
Lettuce · (Lactuca sativa var. crispa)
Korbblütler (Asteraceae)
Beschreibung
Anders als der feste Kopfsalat bildet Schnittsalat keine geschlossenen Köpfe, sondern lockere Blattrosetten mit gekrausten oder rötlichen Rändern, von denen einzelne Blätter laufend nachwachsen und von Mai bis Oktober fortlaufend geerntet werden können; auch er gehört zu den Korbblütlern. Er liefert mit rund 125 µg/100 g noch mehr Vitamin K1 als Kopfsalat, dazu reichlich Beta-Carotin, Folsäure und – besonders in roten und gekrausten Sorten – erhöhte Mengen Quercetin sowie Kämpferol. In Küche und Volksheilkunde dient er roh als Salat für Verdauung, Immunsystem und Kreislauf, äußerlich gelegentlich als Auflage bei Hautreizungen, und ein Tee aus dem blühenden Kraut wird volkstümlich beruhigenden Eigenschaften zugeschrieben. Der Milchsaft schießender Pflanzen enthält Lactucin und Lactucopicrin, bei normalem Blattverzehr jedoch nur in unbedenklicher Menge. Wegen Rohverzehrs gründlich waschen; wer Vitamin-K-Antagonisten einnimmt, sollte die Menge gleichmäßig halten.
Schnitt- bzw. Pflücksalat ist eine Cultivar-Gruppe von Lactuca sativa, die anders als der Kopfsalat keinen geschlossenen Kopf bildet, sondern eine lockere Blattrosette mit gekrausten oder glatten, oft farbigen Blättern (Lollo Rossa, Lollo Bionda, Eichblatt). Roh als Blattsalat verzehrt liefert er pro 100 g rund 95 % Wasser, etwa 14 kcal sowie nennenswerte Mengen Vitamin K1, Folsäure, Provitamin A und Kalium bei sehr geringer Energiedichte — ein klassisches Sättigungsgemüse, das die Hydrierung unterstützt und durch seinen Ballaststoffanteil die Darmperistaltik anregt.
Pflücksalat ist eine der gehaltvollsten Vitamin-K1-Quellen unter den Salaten: Looseleaf-Sorten liefern laut USDA rund 125 µg Phyllochinon pro 100 g frisch — etwa 100 % des täglichen Bedarfs. Vitamin K ist für die Carboxylierung der Gerinnungsfaktoren II, VII, IX und X sowie für die Aktivierung des Knochenproteins Osteocalcin essenziell. Die dunkelgrünen, roten oder bronzefarbenen Außenblätter enthalten deutlich mehr Vitamin K und Carotinoide als die hellen Innenblätter und sollten mitgegessen werden.
Pflücksalat ist eine relevante Quelle für Folsäure (Vitamin B9, ca. 38 µg/100 g) und Provitamin A in Form von Beta-Carotin (ca. 4400 µg/100 g, vor allem in dunkelgrünen Sorten). Folsäure ist besonders in der Frühschwangerschaft zur Neuralrohrprävention bedeutsam; Beta-Carotin wird bedarfsgerecht in Retinol umgewandelt und unterstützt Sehfunktion, Immunabwehr und Hautintegrität. Die Carotinoid-Aufnahme verbessert sich erheblich, wenn der Salat mit etwas Fett (Öl-Dressing) verzehrt wird.
In der deutschen und europäischen Volksmedizin des 18. und 19. Jahrhunderts galt ein milder Aufguss aus dem bitteren Milchsaft (Lattichopium, lateinisch Lactucarium) schießender Salatpflanzen als sanftes Schlaf- und Beruhigungsmittel sowie als Hustenlinderer. Geerntet wurde der eingetrocknete weisse Milchsaft, der beim Anschnitt von Stängel und Blattadern austritt; er enthält die Sesquiterpenlactone Lactucin und Lactucopikrin. Schnittsalat (L. sativa) liefert deutlich mildere Konzentrationen als der verwandte Giftlattich (L. virosa), aus dem das pharmazeutische Lactucarium gewonnen wurde. Klinische Wirksamkeitsbelege beim Menschen liegen nicht vor; die Anwendung ist rein volkskundlich.
Anleitung & Dosierung
In der mitteleuropäischen Hausmittel-Tradition wurden gekuehlte, gewaschene Salatblaetter als kuehlende Auflage auf muede, geschwollene Augenlider, leicht gereizte Haut oder kleinere Hautrötungen gelegt. Der hohe Wasseranteil (~95 %) bewirkt einen verdunstungskühlenden Effekt und mildert das subjektive Spannungsgefühl. Die Anwendung ist volkskundlich überliefert, jedoch nicht durch klinische Studien belegt; bei offenen Wunden oder Augeninfektionen ist davon abzuraten.
Pflücksalat eignet sich besonders gut fuer die 'Cut-and-come-again'-Methode: Statt einen ganzen Kopf zu ernten, werden nur die äußeren Blaetter abgeschnitten oder gezupft, während die Pflanze aus dem Vegetationspunkt heraus weiterwächst. Dies ermöglicht über mehrere Wochen kontinuierliche Ernten kleiner Mengen — ideal fuer Smoothies, gemischte Salate, als Wrap-Belag oder als Garnitur. Die jungen Blaetter sind besonders zart und mild; mit zunehmendem Alter und vor dem Schiessen werden sie bitter.
LATTICHOPIUM (Lactucarium): Der bittere Milchsaft schießender Salatpflanzen enthält die Sesquiterpenlactone Lactucin und Lactucopikrin. Bei kultiviertem Schnitt- bzw. Pflücksalat sind die Konzentrationen in üblichen Salatmengen unbedenklich gering. Sehr große Mengen schießender Pflanzen oder isolierter Milchsaft können laut PFAF Schläfrigkeit, paradoxe Übererregbarkeit und in Extremdosen Herz-Kreislauf-Wirkungen verursachen — fuer den normalen Verzehr kein praktisches Risiko. VITAMIN K: Pflücksalat zählt zu den Vitamin-K-reichsten Salaten (~125 µg/100 g); Patienten unter Vitamin-K-Antagonisten (Marcumar/Phenprocoumon, Warfarin) sollten die tägliche Aufnahme aus Grüngemüsen konsistent halten und nicht plötzlich stark variieren. KONTAMINATIONSRISIKO: Roh verzehrte Blattsalate koennen bakterielle und virale Erreger (E. coli O157:H7, Salmonellen, Listerien, Noroviren) tragen — gründlich waschen, ggf. trinkwasserqualitatives Spülwasser verwenden, Herkunft beachten. ALLERGIE: Selten Compositae- bzw. Asteraceae-Sensibilisierung möglich.
Pflücksalat ist in der Schwangerschaft sehr gut geeignet — wertvolle Quelle fuer Folsäure, Vitamin A und Vitamin K bei minimaler Energiezufuhr. Wichtig: Blätter gründlich waschen, um das Risiko einer Listeriose oder Toxoplasmose-Übertragung über kontaminierte Erde zu minimieren. Vorgewaschene Salate aus dem Beutel werden in der Schwangerschaft oft als unproblematisch eingestuft, sollten aber zusätzlich gespült werden.
Unbedenklich in der Stillzeit. In sehr alten Überlieferungen galt Salat — auch der Milchsaft — als milchfördernd (galaktagog); wissenschaftlich nicht belegt. Auf gute Hygiene und gründliches Waschen achten.
Pflücksalat ist ab dem Beikostalter (ca. 8-10 Monate) geeignet — zarte, fein geschnittene Blätter als Beikostbestandteil. Fuer Kleinkinder fein zerkleinern oder pürieren; ganze Blätter erst ab sicherem Kauvermögen, um Verschlucken zu vermeiden. Hygiene: Blätter gründlich waschen. Volkstümliche Lactucarium-Tee-Anwendungen werden fuer Kinder nicht empfohlen.
Wechselwirkungen
Vitamin-K-Antagonisten (Cumarin-Derivate wie Phenprocoumon/Marcumar, Warfarin)
Pflücksalat enthaelt ca. 125 µg Vitamin K1 pro 100 g und gehört damit zu den Vitamin-K-reichsten Salaten. Stark schwankende tägliche Salatmengen können den INR-Wert destabilisieren. Patienten unter Cumarin-Therapie sollten die gesamte tägliche Vitamin-K-Aufnahme aus Grüngemüsen konsistent halten — nicht meiden, sondern gleichmäßig dosieren.
Sedativa und ZNS-dämpfende Arzneimittel (Benzodiazepine, Z-Substanzen, Opioide, Antihistaminika der 1. Generation)
Bei volkskundlicher Anwendung des Lattichopium-Tees aus schießenden Pflanzen besteht theoretisch eine additive sedierende Wirkung mit anderen ZNS-Dämpfern. Bei normalem Verzehr von Schnittsalat als Lebensmittel ist dies nicht relevant; die Warnung betrifft konzentrierte Lactucarium-Zubereitungen und Mischungen mit Wildlattich (L. virosa).
Kontraindikationen
- Bekannte Überempfindlichkeit gegenüber Asteraceae (Korbblütler) — selten, aber moeglich. Bei Asteraceae-Allergie (z. B. Beifuß-, Ambrosie-Allergie) Kreuzreaktionen mit Salatkonsum möglich.
- Schwere Immunsuppression: Roher Blattsalat kann Listerien, E. coli und andere Erreger tragen. Stark immunsupprimierte Personen sollten Salat ggf. nur gut gewaschen und nach Rücksprache mit der behandelnden Stelle verzehren.
- Schwere Niereninsuffizienz mit Kaliumrestriktion: Salat im Rahmen der Gesamt-Kaliumbilanz berücksichtigen — Konzentration pro 100 g ist gering, der Verzehr großer Mengen kann jedoch beitragen.
- Volkskundliche Lactucarium-Tee-Anwendungen sind kein anerkannter Schlafmittel-Ersatz und sollten nicht ohne fachliche Beratung dauerhaft eingesetzt werden; bei Schwangerschaft, Stillzeit und im Kindesalter werden konzentrierte Zubereitungen nicht empfohlen.
- Patienten unter Cumarin-Antikoagulation: keine plötzlichen Sprünge in der täglichen Salatmenge — INR-Stabilität durch gleichmäßige Aufnahme.
Erntet wird: einzelne Blätter (cut-and-come-again)
- Tageszeit:
- Morgens oder an kühlen Abenden ernten, wenn die Blaetter prall mit Wasser gefüllt sind — mittagshitze laesst Pflücksalat welken. Cut-and-come-again: äußere Blaetter einzeln knapp ueber dem Vegetationspunkt abschneiden oder zupfen, sobald sie ausgewachsen, aber noch zart sind (Länge ca. 8-15 cm). Pflanze wächst aus der Mitte weiter; ueber mehrere Wochen wiederholbar. Vor dem Schiessen (Streckung der Mittelachse) ist der Geschmack am mildesten.
- Trocknung:
- ERNTE UND LAGERUNG: Geerntete Blaetter ungewaschen in einem perforierten Gemüsebeutel oder Behälter im Kühlschrank-Gemüsefach (0-2 °C, hohe Luftfeuchtigkeit 95-98 %) aufbewahren — Haltbarkeit ca. 3-5 Tage. Vor dem Verzehr in kaltem Wasser waschen und gut trockenschleudern. Druckempfindlich, nicht stapeln. Nicht neben ethylenproduzierenden Früchten (Aepfel, Tomaten) lagern. Schnittsalat-Blaetter sind nicht zum Trocknen geeignet — ihr hoher Wassergehalt fuehrt zu Welken statt zu Konservierung; bei Überschuss Smoothies oder kurz angedünstetes 'gewilkertes' Salatgemuese.
- Lagerung:
- 0-2 °C, hohe Luftfeuchtigkeit (95-98 %), ungewaschen, drucksicher verpackt. Getrennt von Ethylen-Produzenten (Aepfel, Tomaten).
- Tageszeit:
- Lactucarium-Ernte (volkskundlich, nicht zur therapeutischen Anwendung): Im Hochsommer, wenn einzelne Pflanzen bereits schiessen und Blütenstaengel ausbilden, am späten Vormittag bei trockenem Wetter Stängel knapp ueber dem Boden anschneiden. Der austretende milchige Saft wird mit einem Holz- oder Glasspatel aufgefangen und an der Luft eingetrocknet — er wird braun bis fast schwarz. Ausbeute aus L. sativa ist gering im Vergleich zum verwandten L. virosa.
- Trocknung:
- Den ausgetretenen Milchsaft an der Luft trocknen lassen, bis er bröselig wird, dann in luftdichten Glasgefäßen lichtgeschützt aufbewahren. Lagerung trocken, kühl, dunkel — Haltbarkeit ca. 12 Monate. Hinweis: Reines Lattichopium ist heute pharmazeutisch nicht mehr im Handel; Eigenherstellung ist rein traditionell-volkskundlich.
- Lagerung:
- 12 Monate — Trocken, kuehl (unter 20 °C), dunkel, luftdicht in Glas. Vor Feuchtigkeit schuetzen.
- Vitamin K1 (Phyllochinon)VitaminAnteil: ca. 125 µg/100 g frisch (Looseleaf)Blatt
Schnittsalat ist eine der gehaltvollsten Vitamin-K1-Quellen unter den Salaten — etwa 100 % des Tagesbedarfs pro 100 g. Dunkelgrüne und rote Sorten (Lollo Rossa, Eichblatt) liefern deutlich mehr Phyllochinon als die helleren Innenblätter. Vitamin K1 ist essenziell fuer die Blutgerinnung und die Knochenmineralisation.
- LactucinSesquiterpenAnteil: Spuren in L. sativa; deutlich höher in L. virosaKrautige Teile
Bitteres Sesquiterpenlacton der Guaianolid-Gruppe und einer der Hauptbestandteile des Lattichopiums (Lactucarium). In kultiviertem Schnittsalat nur in Spuren enthalten; die Konzentration steigt beim Schießen (Bolting). Tierexperimentell sind sedative und analgetische Eigenschaften beschrieben; belastbare klinische Belege beim Menschen fehlen.
- LactucopikrinSesquiterpenAnteil: Spuren in L. sativa; höher in L. virosaKrautige Teile
Bitterstoff (auch Intybin genannt), der dem schiessenden Salat seinen intensiv bitteren Geschmack verleiht. Lactucopikrin wirkt im Tierversuch als Acetylcholinesterase-Hemmer und zeigt sedative sowie analgetische Effekte; in vitro wurde antimalarische Aktivität nachgewiesen. In Nahrungsmengen aus kultiviertem Pflücksalat ist kein pharmakologisch relevanter Effekt zu erwarten.
- Beta-Carotin (Provitamin A)SonstigeAnteil: ca. 4400 µg/100 g (looseleaf, sortenabhängig)Blatt
Wichtigstes fettlösliches Antioxidans im Pflücksalat; im Körper bedarfsgerecht zu Retinol (Vitamin A) umgewandelt. Dunkelgrüne und rote Sorten enthalten ein Vielfaches an Beta-Carotin gegenüber Eissalat. Aufnahme deutlich verbessert durch Fettzusatz (Öl-Dressing).
- Folsäure (Folat, Vitamin B9)VitaminAnteil: ca. 38 µg/100 g frischBlatt
Folat ist essenziell fuer Zellteilung und Aminosäurestoffwechsel; besonders wichtig in der Frühschwangerschaft zur Neuralrohrprävention. Pflücksalat ist ein moderater Folatlieferant — der Gehalt liegt unterhalb von Butterhead-Typen, aber deutlich oberhalb von Eissalat.
- QuercetinFlavonoidAnteil: erhöht in roten und gekrausten SortenBlatt
Flavonol mit antioxidativen Eigenschaften, das in roten und gekrausten Schnittsalat-Sorten (Lollo Rossa, Eichblatt rot) deutlich höher konzentriert ist als in hellen Varietäten. Quercetin trägt zur Radikalfänger-Kapazität von Blattgemüsen bei; pharmakologisch relevante Dosen werden über die Nahrung jedoch nicht erreicht.
- KämpferolFlavonoidAnteil: Spuren bis geringe MengenBlatt
Begleitendes Flavonol des Quercetins, ebenfalls antioxidativ wirksam. Verteilt sich ähnlich wie Quercetin bevorzugt in den farbintensiven Außenblättern roter und gekrausten Sorten.
- KaliumMineralstoffAnteil: ca. 194-238 mg/100 g frischBlatt
Pflücksalat ist ein moderater Kaliumlieferant. Kalium ist essenziell fuer neuromuskuläre Funktion und Blutdruckregulation. Aufgrund des hohen Wasseranteils ist die Kalium-Konzentration pro Energieeinheit hoch; bei stark eingeschränkter Kaliumzufuhr (schwere Niereninsuffizienz) ist auch der Salatverzehr in die Bilanz einzubeziehen.
- Wasser (Zellwasser mit gelösten Mineralstoffen)SonstigeAnteil: 94-96 %Blatt
Der außergewöhnlich hohe Wassergehalt macht Pflücksalat zu einem natürlichen Hydratationsgemüse mit sehr geringer Energiedichte (~14 kcal/100 g). Das Zellwasser enthält osmotisch aktive Mineralstoffe (Kalium, Calcium, Magnesium) und ist ein wesentlicher Faktor fuer die kühlende und leicht wassertreibende Wirkung, die der Volksmedizin bekannt war.
- [3]MonographieUSDA FoodData Central — Lettuce, leaf, green, raw (SR Legacy)(abgerufen: 2026-05-27)
- [4]MonographieLettuce, raw, green leaf — nutritional value per 100 g (nutritionvalue.org, citing USDA SR)(abgerufen: 2026-05-27)
- [5]MonographiePlants For A Future (PFAF) — Lactuca sativa database entry(abgerufen: 2026-05-27)
- [1]WikipediaSchnittsalat (Wikipedia DE)(abgerufen: 2026-05-27)
- [2]WikipediaLettuce (Wikipedia EN)(abgerufen: 2026-05-27)
- [6]WikipediaLactucarium (Wikipedia EN)(abgerufen: 2026-05-27)
- [7]WikipediaLactucopicrin (Wikipedia EN)(abgerufen: 2026-05-27)
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