© Christian Fischer · CC BY-SA 3.0 · Commons
Gemeine Wegwarte
VorsichtChicory · (Cichorium intybus)
Korbblütler (Asteraceae)
Beschreibung
Die leuchtend blauen Blüten der Gemeinen Wegwarte säumen im Sommer Wegränder und Ackerraine und machen sie zur Stammform moderner Kultursorten wie Chicorée, Radicchio und Endivie. Genutzt wird vor allem die im Herbst gegrabene Pfahlwurzel: Sie enthält reichlich Inulin sowie Bitterstoffe wie Lactucin, die von der Kommission E bei Appetitlosigkeit und Verdauungsschwäche sowie unterstützend bei gestörtem Galleabfluss anerkannt sind. Geröstet ergibt die Wurzel seit dem 18. Jahrhundert den koffeinfreien Zichorienkaffee ('Muckefuck'), dessen Inulin zusätzlich präbiotisch wirkt. Die jungen Sommerblätter dienen als würzig-bitterer Wildsalat, während Aufgüsse volksmedizinisch – bereits von Hildegard von Bingen empfohlen – äußerlich als Umschlag bei Hautentzündungen und schlecht heilenden Wunden eingesetzt wurden. Als Korbblütler kann die Wegwarte bei Allergie gegen Beifuß, Ambrosia oder Kamille Kreuzreaktionen auslösen; bei dauerhaftem Hautkontakt mit dem frischen Pflanzensaft wurde selten eine Lichtempfindlichkeit beschrieben.
Appetitlosigkeit und dyspeptische Beschwerden (Voellegefuehl, Blaehungen, leichte Verdauungsschwaeche) sowie unterstuetzend bei Stoerungen des Galleabflusses - Bitterstoff-Therapie der Wegwartenwurzel (Cichorii radix)
Anleitung & Dosierung
Volksmedizinisch bei Appetitlosigkeit, Voellegefuehl und milden Verdauungsbeschwerden - Wegwartenkraut (Cichorii herba) wird als milderer Bitterstoff-Tee als die Wurzel eingesetzt
Anleitung & Dosierung
Appetitlosigkeit, dyspeptische Beschwerden und Anregung der Magen- und Gallensekretion - klassische Bittertinktur aus Wegwartenwurzel, oft in Magenbitter-Mischungen mit Loewenzahn, Schafgarbe oder Wermut
Anleitung & Dosierung
Junge Wegwarten-Blaetter als Bittersalat (Wildgemuese) zur Anregung der Verdauung und Galleproduktion - Vorlaeufer der Kulturformen Chicoree, Radicchio und Endivie
Anleitung & Dosierung
Geroestete Wegwartenwurzel als koffeinfreier Kaffee-Ersatz (Zichorienkaffee/Muckefuck) - traditioneller Ersatzkaffee seit dem 18. Jh.; das enthaltene Inulin wirkt praebiotisch und mild verdauungsfoerdernd
Anleitung & Dosierung
Volksmedizinisch: Umschlaege mit Wegwarten-Aufguss bei Hautentzuendungen, schlecht heilenden Wunden, Geschwueren und ekzematoesen Hauterscheinungen - Hildegard von Bingen empfahl Wegwarte aeusserlich bei Geschwueren und 'Gicht'
Anleitung & Dosierung
Wegwarte gehoert zu den Korbbluetlern (Asteraceae) - bei bekannter Allergie gegen Korbbluetler (z. B. Beifuss, Ambrosia, Arnika, Kamille) Kreuzreaktionen moeglich (Kontaktdermatitis, allergische Schleimhautreaktionen). Bei dauerhaftem Hautkontakt mit dem frischen Pflanzensaft selten Phototoxizitaet beschrieben. Bei Beschwerden, die laenger als 2 Wochen andauern, Arzt konsultieren.
⏱ Max. Daueranwendung: 6 Wochen
Kulinarische Mengen (Salat, Chicoree, Zichorienkaffee) gelten als unbedenklich. Therapeutische Dosen (konzentrierter Bitterstoff-Tee, Tinktur) waehrend der Schwangerschaft nicht empfohlen - traditionelle Hinweise auf emmenagoge (menstruationsfoerdernde) Wirkung, ausreichende Sicherheitsdaten fehlen.
Kulinarische Mengen unbedenklich. Therapeutische Bitterstoff-Dosen waehrend der Stillzeit nicht empfohlen - keine ausreichenden Daten, bittere Geschmacksstoffe koennen in die Muttermilch uebergehen.
Bei Kindern unter 12 Jahren therapeutische Anwendung nur nach Ruecksprache mit Kinderarzt - keine gezielten paediatrischen Daten. Zichorienkaffee in geringen Mengen traditionell auch fuer Kinder verwendet.
Wechselwirkungen
Antazida, H2-Blocker, Protonenpumpenhemmer (z. B. Omeprazol, Ranitidin)
Bitterstoffe steigern die Magensaeureproduktion und koennen die saeurereduzierende Wirkung dieser Medikamente abschwaechen.
Orale Antidiabetika und Insulin
Inulin aus Wegwartenwurzel kann Blutzuckerspitzen daempfen und die Insulinsensitivitaet beeinflussen - bei Diabetikern kann eine Dosisanpassung der Antidiabetika noetig werden, Blutzucker engmaschig kontrollieren.
Diuretika
Wegwarte hat eine milde diuretische Volkswirkung; theoretische Additionseffekte bei gleichzeitiger Einnahme synthetischer Diuretika - Fluessigkeits- und Elektrolythaushalt beobachten.
Choleretika und Cholagoga (gallensekretionsanregende Mittel)
Verstaerkung der gallesekretionsanregenden Wirkung; bei Gallenwegsobstruktion oder Gallensteinleiden Kolikrisiko erhoeht - vor Anwendung bildgebende Diagnostik der Gallenwege empfohlen.
Kontraindikationen
- Bekannte Allergie gegen Korbbluetler (Asteraceae); akute Gallensteinleiden und Verschluss der Gallenwege (Choleretika koennen Koliken ausloesen); ausgepraegte Hyperaziditaet, aktive Magen- und Zwoelffingerdarmgeschwuere.
Erntet wird: Wurzel (Herbst), Blätter (Sommer)
- Tageszeit:
- Junge grundstaendige Blattrosetten und zarte Stengelblaetter vor der Bluete im April-Mai sammeln; spaeter werden die Blaetter zaeh und sehr bitter. Bluetenkoepfe (himmelblaue Zungenblueten) Juli-September am Vormittag pfluecken - die Blueten oeffnen sich nur wenige Stunden pro Tag.
- Trocknung:
- Bluehendes Kraut buendelweise an luftigem, schattigem Ort haengend oder locker auf Tuechern bei max. 40 Grad C trocknen. Blueten verlieren beim Trocknen schnell ihre blaue Farbe - das ist normal. Lichtgeschuetzt in dichten Glaesern aufbewahren, Haltbarkeit 1 Jahr.
- Tageszeit:
- Wurzeln (Cichorii radix) im Herbst (Oktober-November) des ersten oder zweiten Vegetationsjahrs ausgraben, wenn das Inulin in der Pfahlwurzel maximal eingelagert ist und die oberirdischen Teile abgestorben sind. Alternativ zeitiges Fruehjahr vor dem Austrieb.
- Trocknung:
- Wurzelstuecke auf Drahtgitter oder Hordendarre bei 40-50 Grad C trocknen, bis sie hart und bruechig sind (2-5 Tage). Fuer Zichorienkaffee anschliessend bei 150-180 Grad C bis zur dunkelbraunen Faerbung roesten. Trocken und lichtgeschuetzt lagern.
- Sesquiterpenlactone (Lactucin, Lactucopikrin/Intybin, 8-Desoxylactucin, Lactucinsaeure, Cichoriolide)BitterstoffAnteil: 0,05-0,5 %
Hauptbitterstoffe vom Guaianolid-Typ; reflektorische Anregung von Speichel-, Magensaft- und Gallesekretion. Verantwortlich fuer den charakteristischen Bittergeschmack der Wegwarte sowie fuer experimentell beobachtete leberprotektive und entzuendungshemmende Effekte.
- Inulin und verwandte Fructo-OligosaccharidePolysaccharidAnteil: 15-20 % (Frischwurzel), bis 60 % (Trockenwurzel)
Wegwartenwurzel ist eine der ergiebigsten Inulin-Quellen - als praebiotischer Ballaststoff foerdert Inulin selektiv das Wachstum von Bifidobacterium und Lactobacillus, mildert postprandiale Blutzuckerspitzen und unterstuetzt die Darmgesundheit. Industriell als Ballaststoff- und Zuckerersatz genutzt.
- Cichoriensaeure (Chicoric acid, 2,3-Di-O-caffeoyl-weinsaeure)PhenolsäureAnteil: 0,2-0,7 % (in Blatt und Bluete hoeher)
Charakteristische Dicaffeoyl-Weinsaeure der Wegwarte (Namensgeber); antioxidative, mild antivirale und immunmodulierende Eigenschaften, auch immunstimulierender Begleitstoff im Echinacea purpurea-Extrakt.
- Weitere Phenolcarbonsaeuren (Chlorogensaeure, Caffeoylchinasaeure, Kaffeesaeure)PhenolsäureAnteil: 0,1-0,5 %
Antioxidative und mild leberprotektive Begleitstoffe; tragen zur radikalfangenden Gesamtwirkung des Wegwartenextrakts bei.
- Flavonoide (Quercetin-, Kaempferol- und Apigenin-Glykoside, Hyperosid, Isoquercitrin)FlavonoidAnteil: 0,1-0,3 %
Antioxidative und entzuendungshemmende Begleitstoffe, vor allem in Blaettern und Blueten; tragen zu mild gefaesschuetzenden Eigenschaften bei.
- Cumarine (Cichoriin, Aesculetin, Umbelliferon)SonstigeAnteil: Spuren bis 0,2 %
In geringen Mengen vorhanden; tragen zu mild spasmolytischen und gefaesschuetzenden Effekten bei. Cichoriin ist das namensgebende 6,7-Dihydroxy-Cumarin-Glykosid.
- Triterpene und Sterole (alpha- und beta-Lactucerol/Taraxasterol, beta-Sitosterol)SonstigeAnteil: Spuren
Lipophile Begleitstoffe der Wurzel und des Milchsafts; geringe entzuendungshemmende Bedeutung in der Phytotherapie.
- Mineralstoffe und Vitamine (Kalium, Calcium, Magnesium, Eisen, Provitamin A, Vitamine B und C)SonstigeAnteil: variabel
Vor allem in jungen Blaettern; ergaenzen den ernaehrungsphysiologischen Wert von Wildsalat und Chicoree.
- [1]MonographieKommission E Monographie - Cichorii radix (Wegwartenwurzel), Positivmonographie BAnz Nr. 122 vom 06.07.1988(abgerufen: 2026-05-19)
- [2]MonographieKommission E Monographie - Cichorii herba (Wegwartenkraut), Positivmonographie BAnz Nr. 122 vom 06.07.1988(abgerufen: 2026-05-19)
- [3]MonographieESCOP Monographs - Cichorii radix (Chicory Root), 2nd Edition Supplement (2009)(abgerufen: 2026-05-19)
- [4]MonographiePlants for a Future - Cichorium intybus (Chicory)(abgerufen: 2026-05-19)
- [5]MonographieHeilkraeuter-Lexikon - Wegwarte (Cichorium intybus)(abgerufen: 2026-05-19)
- [6]MonographieHenriette's Herbal Homepage - Cichorium intybus (King's American Dispensatory, Felter & Lloyd 1898; Potter's Cyclopaedia)(abgerufen: 2026-05-19)
- [7]WikipediaWikipedia DE - Gemeine Wegwarte (Cichorium intybus)(abgerufen: 2026-05-19)