© Franz Eugen Köhler · Public domain · Commons
Ingwer
VorsichtGinger · (Zingiber officinale)
Ingwergewächse (Zingiberaceae)
Beschreibung
Der knollig verzweigte, hellbraune Wurzelstock des Ingwers wird ganzjährig frisch oder getrocknet verwendet und ist weltweit als Gewürz und Hausmittel bekannt. Charakteristisch sind die Scharfstoffe Gingerole und Shogaole sowie ätherisches Öl mit Zingiberol und Zingiberen, dazu reichlich Stärke. Die Kommission E und die als gut etabliert geltende EMA-Monographie beschreiben die Anwendung bei Übelkeit, Reiseübelkeit und Verdauungsbeschwerden; volksheilkundlich wird Ingwer außerdem bei Kreislaufschwäche, als wärmender Umschlag bei Gelenk- und Muskelbeschwerden sowie als Gewürz zur Unterstützung der Verdauung geschätzt. Bei üblicher Speisen- und therapeutischer Dosierung gilt Ingwer als sicher. Bei höheren therapeutischen Dosen ab etwa 4 g täglich sind jedoch Wechselwirkungen mit Blutverdünnern zu beachten, ebenso Vorsicht bei bekannten Gallensteinen, Magengeschwüren oder Reflux sowie vor geplanten Operationen; in der Schwangerschaft sollten therapeutische Dosen mit Ärztin oder Hebamme abgesprochen werden.
Ingwer-Aufguss nach Kommission E bei dyspeptischen Beschwerden — Völlegefühl, Blähungen, träge Verdauung. Die Schärfestoffe (Gingerole, Shogaole) regen Speichelfluss, Magensaftsekretion und Gallentätigkeit an.
Anleitung & Dosierung
AUFGUSS (Kommission E, dyspeptische Beschwerden): 2–4 g frisch geriebenes oder grob zerkleinertes getrocknetes Ingwer-Rhizom (Zingiberis rhizoma) mit 250 ml siedendem Wasser übergießen, zugedeckt 10 Minuten ziehen lassen, abseihen. 2–3 Tassen täglich, bevorzugt zu oder nach den Mahlzeiten. Tagesdosis laut Kommission E: 2–4 g getrocknetes Rhizom. Anwendung bei leichten dyspeptischen Beschwerden (Völlegefühl, Blähungen, träge Verdauung, Appetitlosigkeit). Nicht mehr als 4 g Trockendroge täglich. Frisches Rhizom enthält mehr Gingerole, getrocknetes mehr Shogaole (schärfer).
- Trockenmenge
- 2–4 g
- Anwendungen/Tag
- 3×
- Max. Anwendungsdauer
- 4 Wochen
Ingwerpulver/-extrakt zur Vorbeugung von Reisekrankheit (Kinetose) — EMA well-established use. Klinisch dokumentierte Wirkung gegen Übelkeit und Erbrechen bei Bewegungskrankheit.
Anleitung & Dosierung
STANDARDISIERTER TROCKENEXTRAKT / PULVER (EMA well-established use, Reisekrankheit): Laut EMA-Monographie gut etablierte Anwendung: 250 mg Trockenextrakt (DER 5–20:1, Auszugsmittel Ethanol 50–70 %) oder 1–2 g Rhizompolulver in Kapsel-/Tabletten-Form, 30–60 Minuten vor Antritt der Reise und dann alle 4 Stunden bei Bedarf, maximal 4 g/Tag. Anwendung zur Vorbeugung von Übelkeit und Erbrechen bei Reisekrankheit (Kinetose). Wirksamkeit klinisch belegt (mehrere randomisierte Studien). Nicht für Kinder unter 6 Jahren. In der Schwangerschaft nur nach ärztlicher Rücksprache (EMA: traditionelle Anwendung in der Schwangerschaft, nicht well-established). Hier als 'raw' (Pulver/Kapsel = direkte Einnahme der unvermischten Droge) klassifiziert.
- Trockenmenge
- 1–2 g
- Anwendungen/Tag
- 2×
- Max. Anwendungsdauer
- 8 Wochen
Traditionelle Ingwer-Tinktur bei Übelkeit und Verdauungsbeschwerden — konzentrierter als Tee, praktisch für die Reise.
Anleitung & Dosierung
TINKTUR (Droge-Auszug-Verhältnis 1:5 in 60–70 % Ethanol): 1,5–3 ml (~30–60 Tropfen) 3× täglich in etwas Wasser oder Saft verdünnt einnehmen, bevorzugt vor oder zu den Mahlzeiten. Traditionelle Anwendung bei Übelkeit, dyspeptischen Beschwerden, Reisekrankheit und zur Verdauungsförderung. Wegen Ethanolgehalt nicht bei Alkoholerkrankung, Lebererkrankung, Epilepsie oder in der Schwangerschaft ohne ärztliche Rücksprache.
- Flüssigkeit
- 1.5–3 ml
- Anwendungen/Tag
- 3×
- Max. Anwendungsdauer
- 4 Wochen
Ingwertee in Niedrigdosierung bei Schwangerschaftsübelkeit — traditionelle Anwendung laut EMA, nur nach ärztlicher Rücksprache.
Anleitung & Dosierung
SCHWANGERSCHAFTSÜBELKEIT (traditioneller Gebrauch, EMA): Leichte Dosierung: 0,5–1 g getrocknetes Ingwer-Rhizom auf 200 ml kochendem Wasser, 10 Minuten ziehen, abseihen, in kleinen Schlucken trinken. Bis zu 3× täglich. Laut EMA-Monographie als traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur Linderung von Übelkeit in der Schwangerschaft anerkannt — JEDOCH ausschließlich nach Rücksprache mit einer Ärztin/einem Arzt oder einer Hebamme, da klinische Sicherheitsdaten für das erste Trimester begrenzt sind. Dosis auf mindestens nötiges Minimum beschränken. Bei starkem Erbrechen (Hyperemesis gravidarum) sofort medizinische Hilfe suchen.
- Trockenmenge
- 0.5–1 g
- Anwendungen/Tag
- 3×
- Max. Anwendungsdauer
- 8 Wochen
Volksheilkundliche Ingwer-Wärmekompress bei Muskelschmerzen, Gelenkbeschwerden und zur Durchblutungsförderung — äußerliche Anwendung der Schärfstoffe (Gingerole) als reizlindernd und wärmend.
Anleitung & Dosierung
WÄRMEKOMPRESS (volksheilkundlich): 30–50 g frisch geriebenes oder grob zerkleinertes Ingwer-Rhizom in 500 ml heißem (nicht kochendem) Wasser, 10–15 Minuten ziehen lassen. Ein Tuch oder Flanelllappen in dem heißen Ingwer-Sud tränken, gut ausdrücken (Vorsicht: sehr heiß — Verbrühungsgefahr), auf die betroffene Stelle (Gelenke, Muskulatur, Nacken) auflegen, bis das Tuch abkühlt, 10–20 Minuten. 1× täglich. Volksheilkundlich bei rheumatischen Beschwerden, Muskelschmerzen, Gelenksteifheit und zur Förderung der lokalen Durchblutung. NICHT auf verletzte, entzündete oder gereizte Haut. Hautverträglichkeit vorher an kleiner Stelle testen — Gingerole können Hautreizungen verursachen.
- Trockenmenge
- 30–50 g
- Anwendungen/Tag
- 1×
- Max. Anwendungsdauer
- 3 Wochen
Ingwer-Rhizom als universelles Küchen- und Haushaltsgewürz — frisch, getrocknet, kandiert, als Sirup oder Pickle. Eines der meistverwendeten Gewürze weltweit (Ursprung Süd-/Südostasien, heute global angebaut).
Anleitung & Dosierung
KULINARISCH: Frisches Rhizom (Grüner Ingwer): schälen, reiben, in Scheiben schneiden oder pressen — für Curries, Suppen, Woks, Smoothies, Dressings, Marinaden, Chutneys. Getrocknetes Rhizom: gemahlen als Gewürzpulver für Lebkuchen, Spekulatius, Ingwergebäck, Chai-Mischungen, Gewürzmischungen (Garam Masala, Ras el-Hanout). Kandierter Ingwer: in Zucker eingelegt, als Süßigkeit oder Mittel gegen Reiseübelkeit (direkt kauen). Ingwersirup: Rhizom + Zucker + Wasser — vielseitig für Getränke, Desserts. Frischer Ingwersaft: ausgepresst, für Shots und Dressings. Pickle-Ingwer (Gari): in Japan zu Sushi, in Essig eingelegt. Ingwer-Honig-Mischung: klassisches Hausmittel gegen Erkältungsbeschwerden, Halskratzen, Übelkeit.
Volksheilkundliche Ingwer-Dampfinhalation bei Erkältungsbeschwerden, Husten und Nasennebenhöhlenproblemen — schleimhautreizend, wärmefördernd.
Anleitung & Dosierung
INHALATION (volksheilkundlich, Erkältung): 20–30 g frisch geriebenes Ingwer-Rhizom oder 5–10 g getrocknetes Pulver in 1 Liter kochendem Wasser, 3–5 Minuten köcheln lassen. Vom Herd nehmen, kurz abkühlen lassen (Verbrühungsgefahr!). Mit Handtuch über den Kopf beugen und 5–10 Minuten die Dämpfe einatmen, Augen geschlossen halten. Bis zu 2× täglich. Volksheilkundlich bei Erkältungsbeschwerden, Nasennebenhöhlenproblemen, Husten, zur Schleimlösung. Die Gingerol-Dämpfe wirken leicht schleimhautreizend und durchblutungsfördernd. KEIN Kontakt der heißen Flüssigkeit mit der Haut — Verbrühungsgefahr. Bei Asthma nicht ohne ärztliche Rücksprache.
- Trockenmenge
- 20–30 g
- Anwendungen/Tag
- 2×
- Max. Anwendungsdauer
- 2 Wochen
Traditioneller erwärmender Ingwertee bei Erkältungsbeschwerden, Kältegefühl und leichten Gelenkbeschwerden — schweißtreibend und durchblutungsfördernd, oft mit Honig und Zitrone.
Anleitung & Dosierung
ERWÄRMENDER AUFGUSS (traditionell, Asien/Europa): 1–2 g getrocknetes Ingwer-Rhizom (Scheiben oder Pulver) mit 200 ml kochendem Wasser übergießen, 10 Minuten ziehen, abseihen. Optional mit Honig und Zitronensaft abschmecken. 2–3 Tassen täglich, heiß trinken. Traditionell in Asien und zunehmend in Europa bei Erkältungen (Schweißtreibend), Frostgefühl, Kreislaufschwäche, leichten Gelenkbeschwerden und zur Unterstützung bei fieberhaften Zuständen (schweißtreibende Wirkung). Entspricht der traditionellen Verwendung laut WHO-Monographie. Nicht bei hohem Fieber ohne ärztliche Abklärung.
- Trockenmenge
- 1–2 g
- Anwendungen/Tag
- 3×
- Max. Anwendungsdauer
- 3 Wochen
Ingwer gilt bei normaler Nahrungsmittel- und therapeutischer Dosierung als sicher (GRAS-Status FDA). WICHTIG: Bei therapeutischen Dosen (über 4 g/Tag) Folgendes beachten: (1) Antikoagulantien-Interaktion — bei Blutverdünnertherapie (Marcumar, ASS, Clopidogrel, DOAKs) nur nach ärztlicher Rücksprache. (2) Gallensteine — Ingwer steigert die Gallefluss-Aktivität; bei bekannten Gallensteinen oder Gallenwegsverschluss ist Ingwer kontraindiziert. (3) Schwangerschaft — therapeutische Dosen nur nach Absprache mit Ärztin/Hebamme; normale Küchenmengen sind unbedenklich. (4) Magen-Darm-Reizung — bei Magengeschwüren oder Refluxerkrankung (GERD) hohe Dosen vermeiden; Ingwer kann die Schleimhaut reizen. (5) Präoperativ — mindestens 2 Wochen vor geplanten Operationen absetzen (Hemmung der Thromboxan-Synthase, blutungsverlängernde Wirkung möglich).
EMA-Monographie: Traditioneller Gebrauch zur Linderung von Übelkeit in der Schwangerschaft anerkannt (Indikation für traditionelles pflanzliches Arzneimittel, nicht well-established). Dosierung unter 1 g/Tag gilt als akzeptabel; bis 2 g/Tag nach ärztlicher Rücksprache. Normale Küchenmengen (Gewürz) unbedenklich. Erste Studien zur Wirksamkeit positiv, Sicherheitsdaten für erstes Trimester jedoch begrenzt. NICHT in hohen therapeutischen Dosen (über 4 g/Tag) — fehlende Reproduktionstoxizitätsdaten. Bei schwerem Erbrechen (Hyperemesis gravidarum) ärztliche Notfallbehandlung.
Laut EMA keine ausreichenden Daten zur Sicherheit in der Stillzeit bei therapeutischen Dosen. Küchenmäßige Verwendung als Gewürz in normalen Mengen gilt als unbedenklich. Therapeutische Präparate in der Stillzeit nur nach ärztlicher Rücksprache anwenden.
Laut EMA therapeutische Präparate bei Kindern unter 6 Jahren nicht empfohlen (keine ausreichenden Daten). Für Kinder ab 6 Jahren traditionelle Anwendung bei Reisekrankheit unter elterlicher Aufsicht möglich (reduzierte Dosis). Als Gewürz in Küchenmengen ab dem Säuglingsalter (Beikost) unbedenklich. Bei Übelkeit oder Erbrechen bei Kindern unter 12 Jahren immer zuerst Arzt aufsuchen, da verschiedene ernsthafte Ursachen möglich.
Wechselwirkungen
Antikoagulantien und Thrombozytenaggregationshemmer (Warfarin, Phenprocoumon, ASS, Clopidogrel, DOAKs: Apixaban, Rivaroxaban, Dabigatran)
Ingwer-Inhaltsstoffe (insbesondere Gingerole und Shogaole) hemmen die Thromboxan-Synthase und damit die Thrombozytenaggregation. Zusätzlich mögliche Hemmung des CYP2C9-Metabolismus (Warfarin-Abbau). In Kombination mit Antikoagulantien kann die blutungshemmende Wirkung additiv sein und das Blutungsrisiko erhöhen. Klinische Berichte über erhöhte INR-Werte unter Warfarin + Ingwer-Einnahme.
Antidiabetika (Insulin, Sulfonylharnstoffe, Metformin, GLP-1-Agonisten)
In Tierstudien und kleineren klinischen Studien wurde unter Ingwer eine blutzuckersenkende Wirkung (Hemmung der Gluconeogenese, verbesserte Insulinsensitivität) beobachtet. Kombination mit Antidiabetika kann additiven blutzuckersenkenden Effekt haben — Risiko einer Hypoglykämie. Blutzucker regelmäßig kontrollieren, Diabetiker sollten höhere Ingwerdosen mit behandelndem Arzt absprechen.
Antihypertensiva (Calciumantagonisten, ACE-Hemmer, Betablocker, Diuretika)
Ingwer hat in höherer Dosierung vasodilatatorische Eigenschaften (Calciumkanal-antagonistische Wirkung der Gingerole, NO-Freisetzung). Additiver blutdrucksenkender Effekt bei Kombination mit Antihypertensiva möglich — Risiko von Hypotonie und Schwindel. Blutdruck regelmäßig messen.
Herzglykoside (Digoxin, Digitoxin)
Ingwer-Inhaltsstoffe können die Resorption von Herzglykosiden erhöhen (P-Glykoprotein-Hemmung), was zu erhöhten Plasmaspiegeln und potenziell toxischen Wirkungen (Bradykardie, AV-Block, Arrhythmien) führen kann. Kombination nur unter EKG- und Plasmaspiegel-Kontrolle.
Kontraindikationen
- Überempfindlichkeit gegen Ingwer (Zingiber officinale) oder andere Zingiberaceae.
- Bekannte Gallensteine oder Gallenwegsverschluss (Cholelithiasis, Cholestase) — Ingwer steigert die Gallesekretion und kann Koliken auslösen.
- Blutungsneigung oder gleichzeitige Einnahme von Antikoagulantien (Vitamin-K-Antagonisten, DOAKs, Heparin) in hoher therapeutischer Dosierung — nur nach ärztlicher Abklärung.
- Schwere Magengeschwüre (Ulcus ventriculi, Ulcus duodeni) — Ingwer-Schärfstoffe können die Magenschleimhaut reizen.
- Kinder unter 6 Jahren — keine ausreichenden Sicherheitsdaten für therapeutische Dosen (laut EMA).
Erntet wird: Wurzelstock (frisch oder getrocknet)
- Tageszeit:
- Ernte in den kühlen Morgenstunden bei trockenem Wetter, wenn die oberirdischen Triebe vollständig abgestorben sind (Herbst bis Frühwinter nach ca. 8–10 Monaten Wachstum). In tropischen Anbauregionen (Indien, China, Jamaika, Nigeria) nach der Trockenzeit. In Mitteleuropa: Kübelpflanzenernte nach dem ersten Frost, wenn die Blätter vergilbt und eingezogen sind.
- Trocknung:
- FRISCHES RHIZOM (Grüner Ingwer, jung): Bei ca. 5–7 Monate alten Pflanzen ernten — milderer Geschmack, weichere Fasern, höherer Gingerolgehalt, kaum Shogaole. Direkt verwenden (Küche, Saft, Tinkturansatz) oder einfrieren (bis 6 Monate haltbar). GETROCKNETES RHIZOM (Arzneibuchqualität): Vollreife Rhizome (8–10 Monate) waschen, ggf. schälen (ungeschält = Zingiberis rhizoma non decorticatum, geschält = decorticatum), in 3–5 mm dünne Scheiben schneiden. Im Dörrgerät bei 40–50 °C oder Backofen bei leicht geöffneter Tür trocknen bis zur Biegefestigkeit (kein Abknicken mehr, Kern hart) — ca. 4–8 Stunden. Mahlen zu Pulver erst unmittelbar vor Verwendung. In luftdichten Gefäßen dunkel und trocken bei unter 25 °C lagern. Qualitätskriterium: mind. 15 ml/kg ätherisches Öl und mind. 0,8 % Gingerole (Arzneibuch).
- Lagerung:
- 24 Monate — Getrocknetes Rhizom: luftdicht in Glas oder Blechdose, kühl, dunkel, unter 25 °C — bis 2 Jahre haltbar. Pulver: maximal 6–12 Monate, danach starker Aromaverlust. Frisches Rhizom: ungekühlt 2–3 Wochen, im Kühlschrank bis 4 Wochen, gefroren bis 6 Monate.
- Tageszeit:
- JUNG-ERNTE (Grüner Ingwer / Baby-Ingwer): 4–5 Monate nach dem Einpflanzen der Rhizom-Setzlinge in den frühen Morgenstunden ernten. Pflanzen noch nicht abgestorben — nur Teil des Rhizoms entnehmen (partielle Ernte), Rest weiterwachsen lassen. Erkenntnis: Junge Rhizome ohne Faserschicht, zarte rosafarbene Schale, sehr milder Geschmack, kaum scharf. Für Sushi-Gari (eingelegter Ingwer) und frische Verwendung bevorzugt.
- Trocknung:
- Jung geernteter Ingwer ist wegen des hohen Feuchtigkeitsgehalts und der zarten Textur nicht für die Lagertrocknung geeignet. Direkte Verarbeitung empfohlen: einlegen in Essig/Salzlake (Gari), einfrieren oder sofort verwenden. Zum Trocknen ist die vollreife Herbsternte vorzuziehen.
- Lagerung:
- 1 Monate — Frisch im Kühlschrank (0–4 °C) bis ca. 3 Wochen. Alternativ in feuchtem Tuch eingewickelt im Gemüsefach. Einlegen in Essig oder Sake verlängert Haltbarkeit auf 1–2 Monate (Gari).
- Gingerole ([6]-Gingerol, [8]-Gingerol, [10]-Gingerol)PhenolsäureAnteil: 0.5-2 %Wurzelstock
Leitsubstanzgruppe des frischen Rhizoms. Phenylalkanone mit charakteristischer Schärfe. [6]-Gingerol ist mengenmäßig dominant und trägt zur antiemetischen (übelkeitsstillenden), anti-entzündlichen und thromboxan-hemmenden Wirkung bei. Bei Trocknung und Erhitzung wandeln sich Gingerole in Shogaole (schärfer) und Zingerone (milder) um.
- Shogaole ([6]-Shogaol, [8]-Shogaol, [10]-Shogaol)PhenolsäureAnteil: 0.3-1.5 %Wurzelstock
Entstehen durch Dehydratisierung der Gingerole bei Trocknung und Erhitzung — daher dominierend im getrockneten Rhizom. Deutlich schärfer als die Gingerole (5–10× stärker am TRPV1-Rezeptor). Stärker antiemetisch und antioxidativ als Gingerole; tragen zur Wirkung standardisierter Trockenextrakte bei.
- ZingeronePhenolsäureAnteil: SpurenWurzelstock
Entsteht bei Wärmebehandlung aus [6]-Gingerol — verantwortlich für den milden, süßlich-scharfen Geschmack von gekochtem oder gebackenem Ingwer (Ingwergebäck, Lebkuchen). Schwächer scharf als Gingerole und Shogaole, mild antioxidativ. Im frischen Rhizom kaum vorhanden.
- Ätherisches Öl (Zingiberol, Zingiberen, beta-Sesquiphellandren, Bisabolen, Campher)Ätherisches ÖlAnteil: 1-3 %Wurzelstock
Komplex aus Mono- und Sesquiterpenen. Zingiberol (Hauptkomponente des japanischen Ingweröls) und Sesquiterpene wie Zingiberen und beta-Sesquiphellandren bestimmen den charakteristischen aromatisch-zitrusartigen Ingwerduft. Ätherisches Öl trägt zur verdauungsfördernden und karminativen Wirkung bei. Gehalt variiert stark nach Herkunft, Erntezeitpunkt und Lagerdauer.
- Paradole und Gingerendiol-DerivateSonstigeAnteil: SpurenWurzelstock
Strukturverwandte Phenylalkanone (Paradole entstehen durch Hydrierung der Shogaole). Geringere Mengen, aber pharmakologisch aktiv: antimikrobielle, antioxidative und in vitro antiproliferative Eigenschaften. Beitragen zum Gesamtprofil standardisierter Extrakte.
- Stärke (Amylum)PolysaccharidAnteil: 40-60 %Wurzelstock
Mengenmäßig dominierender Inhaltsstoff des Rhizoms — erklärt den charakteristischen mehlig-faserigen Querschnitt. Pharmakologisch inert, aber ernährungsphysiologisch relevant (Kohlenhydratquelle). Die hohe Stärkedichte ist typisch für Speicherrhizome tropischer Gewürzpflanzen.
- Scharfsäuren: Gingersulfonische Säure und verwandte PhenolsäurenPhenolsäureAnteil: 0.1-0.5 %Wurzelstock
Wasserlösliche phenolische Säureverbindungen, die bei der Aufarbeitung von Ingwerextrakten entstehen. Antioxidativ und antimikrobiell; tragen zum Gesamtphenolgehalt des Rhizomextraktes bei. Für die Standardisierung weniger relevant als Gingerole/Shogaole.
- Mineralstoffe und Spurenelemente (Kalium, Magnesium, Mangan, Kupfer, Vitamin B6, Vitamin C)MineralstoffAnteil: variabelWurzelstock
Ingwer-Rhizom enthält nennenswerte Mengen Kalium (~415 mg/100 g frisch), Magnesium (~43 mg/100 g), Mangan sowie B6-Vitamin und Vitamin C. In therapeutischen Dosen (2–4 g) ernährungsphysiologlich nicht bedeutsam, aber in der täglichen Küche (mehrere Gramm frischer Ingwer) als Mikronährstoffquelle relevant.
- [1]MonographieEMA/HMPC/577856/2010 — European Union herbal monograph on Zingiber officinale Roscoe, rhizoma (Final, 2012)(abgerufen: 2026-05-21)
- [2]MonographieKommission E — Zingiberis rhizoma (Ingwerwurzelstock), Monographie (positiv), BAnz Nr. 85, 1988(abgerufen: 2026-05-21)
- [3]MonographieESCOP Monographs — Zingiberis rhizoma (Ginger), 2nd edition 2003 with 2009 supplement(abgerufen: 2026-05-21)
- [4]MonographieWHO Monographs on Selected Medicinal Plants — Volume 1: Rhizoma Zingiberis (1999)(abgerufen: 2026-05-21)
- [5]MonographieErnst E, Pittler MH — Efficacy of ginger for nausea and vomiting: a systematic review of randomized clinical trials. Br J Anaesth 2000;84(3):367-71. DOI:10.1093/bja/84.3.367(abgerufen: 2026-05-21)
- [7]MonographiePlants For A Future (PFAF) — Zingiber officinale database entry(abgerufen: 2026-05-21)
- [6]BuchWichtl M (Hrsg.) — Teedrogen und Phytopharmaka, 5. Aufl., Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2009. Eintrag: Zingiberis rhizoma.(abgerufen: 2026-05-21)
- [8]WikipediaIngwer (Wikipedia DE)(abgerufen: 2026-05-21)
- [9]WikipediaGinger (Wikipedia EN)(abgerufen: 2026-05-21)