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Echter Salbei
VorsichtSalvia officinalis · (Salvia officinalis)
Lippenblütler (Lamiaceae)
Beschreibung
Graugrün-samtige, leicht runzelige Blätter unterscheiden diesen mediterranen Halbstrauch aus der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae) von anderen Küchenkräutern. Vor der Blüte geerntet, enthalten die Blätter ätherisches Öl mit Thujon, 1,8-Cineol und Kampfer sowie Rosmarinsäure, Salvianolsäuren und die Diterpene Carnosol und Carnosolsäure. Die EMA stuft Gurgellösungen bei Entzündungen im Mund- und Rachenraum sowie Tee bei leichten Verdauungsbeschwerden und übermässigem Schwitzen als 'well established use' ein. Volksmedizinisch wird ein Aufguss zudem äusserlich auf kleinen Wunden angewendet. WICHTIG: Wegen des uteruskontrahierenden Thujon-Gehalts sind therapeutische Salbeizubereitungen in der Schwangerschaft kontraindiziert, während der Stillzeit kann Salbei die Milchbildung hemmen. Die kontinuierliche Anwendung sollte laut Monographie sechs Wochen nicht überschreiten, und reines ätherisches Salbeiöl darf niemals innerlich eingenommen werden.
In der Schwangerschaft KONTRAINDIZIERT
Küchenmengen als Gewürz sind unbedenklich. Therapeutische Dosen (Tee, Tinktur, ätherisches Öl) während der gesamten Schwangerschaft meiden — Thujon-Gehalt wirkt uteruskontrahierend und potenziell fruchtschädigend; klassisch als Emmenagogum eingesetzt.
Kritische Wechselwirkungen mit:
Antikonvulsiva / Antiepileptika
Hauptindikation gemäss EMA HMPC und Kommission E: Gurgeln und Mundspülen mit Salbeiblätter-Aufguss bei Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut (Stomatitis, Gingivitis, Pharyngitis, Aphthen). Die Gerbstoffe wirken adstringierend, das ätherische Öl antimikrobiell und schwach lokalanästhetisch.
Anleitung & Dosierung
1-3 g fein geschnittene Salbeiblätter mit 150 ml siedendem Wasser übergiessen, zugedeckt 10 Minuten ziehen lassen, abseihen und auf Körpertemperatur abkühlen. Mehrmals täglich (3-4 mal) damit gurgeln und den Mund spülen; nicht herunterschlucken bei intensiver Anwendung über mehrere Tage.
- Trockenmenge
- 1–3 g
- Anwendungen/Tag
- 4×
- Max. Anwendungsdauer
- 2 Wochen
EMA HMPC und Kommission E: Salbeitee zur traditionellen Anwendung bei leichten dyspeptischen Beschwerden wie Völlegefühl, Sodbrennen und Blähungen. Die ätherischen Öle und Bitterstoffe wirken karminativ, spasmolytisch und choleretisch.
Anleitung & Dosierung
1-3 g fein geschnittene Salbeiblätter mit 150 ml siedendem Wasser übergiessen, zugedeckt 10 Minuten ziehen lassen, abseihen. 2-3 mal täglich eine Tasse zwischen den Mahlzeiten trinken. Maximal 4-6 Wochen kontinuierlich anwenden — Thujon-Akkumulation vermeiden.
- Trockenmenge
- 1–3 g
- Anwendungen/Tag
- 3×
- Max. Anwendungsdauer
- 4 Wochen
EMA HMPC: traditionell-etablierte Anwendung als Antihidrotikum bei übermässigem Schwitzen, insbesondere bei Hyperhidrose und Wechseljahresbeschwerden (Hitzewallungen, nächtliche Schweissausbrüche). Wirkungsbeginn meist nach 1-2 Stunden, Wirkungsdauer mehrere Stunden.
Anleitung & Dosierung
1-3 g getrocknete Salbeiblätter mit 150 ml siedendem Wasser übergiessen, 10 Minuten ziehen lassen, kalt trinken (kalt zubereitet wirkt stärker schweisshemmend als heisser Tee). Eine Tasse abends vor dem Schlafengehen bei nächtlichem Schwitzen; bei Hyperhidrose 2 mal täglich.
- Trockenmenge
- 1–3 g
- Anwendungen/Tag
- 2×
- Max. Anwendungsdauer
- 6 Wochen
Traditionelle ethanolische Tinktur bei dyspeptischen Beschwerden und übermässigem Schwitzen. Konzentriertere Form als Tee, gut transportabel — Vorsicht wegen Thujon-Gehalt (alkoholische Auszüge enthalten mehr Thujon als wässrige).
Anleitung & Dosierung
Tinktur 1:5 in 70 % Ethanol aus getrockneten Salbeiblättern. Übliche Tagesdosis: 1-3 ml (etwa 20-60 Tropfen) in etwas Wasser, 2-3 mal täglich vor den Mahlzeiten. Nicht über 4 Wochen kontinuierlich anwenden.
- Flüssigkeit
- 1–3 ml
- Anwendungen/Tag
- 3×
- Max. Anwendungsdauer
- 4 Wochen
Traditionelle volksmedizinische Anwendung als adstringierender und antimikrobieller Umschlag bei schlecht heilenden Wunden, leichten Hautentzündungen, Insektenstichen und nässenden Ekzemen. Die Gerbstoffe wirken zusammenziehend, das ätherische Öl bakterizid.
Anleitung & Dosierung
3-5 g getrocknete Salbeiblätter mit 250 ml siedendem Wasser übergiessen, 15 Minuten ziehen lassen, abseihen. Ein sauberes Tuch im warmen Aufguss tränken, leicht auswringen und 15-20 Minuten auf die betroffene Hautstelle legen. 1-2 mal täglich.
- Trockenmenge
- 3–5 g
- Anwendungen/Tag
- 2×
Traditionelle Anwendung als Dampfinhalation bei Erkältung, Bronchitis und Katarrhen der oberen Atemwege. Das ätherische Öl mit Cineol und Campher wirkt schleimhautaktiv, schleimlösend und antimikrobiell.
Anleitung & Dosierung
1-2 Teelöffel getrocknete Salbeiblätter (oder 2-3 Tropfen Salbeiöl) in eine Schüssel mit 500 ml heissem (nicht kochendem) Wasser geben, Kopf mit Tuch bedecken, Augen schliessen und 5-10 Minuten Dampf inhalieren. Nicht bei Asthma, Pertussis oder Kleinkindern unter 4 Jahren.
- Trockenmenge
- 1–2 g
- Anwendungen/Tag
- 2×
⚠ Altersbeschränkung: ≥ 4 Jahre — Salbei-Inhalation nicht bei Kindern unter 4 Jahren wegen Thujon-, Cineol- und Camphergehalt — Risiko eines Laryngospasmus bei Anwendung im Gesichtsbereich.
Klassisches mediterranes Küchengewürz für fette Speisen, Geflügel, Schweinefleisch, Saltimbocca und Bohnengerichte. Die ätherischen Öle wirken appetit- und verdauungsanregend und reduzieren das Aufstossen fetter Mahlzeiten. Küchenmengen sind ohne Thujon-Bedenken.
Anleitung & Dosierung
Therapeutische Salbei-Zubereitungen (Tee, Tinktur, ätherisches Öl) in der Schwangerschaft kontraindiziert — Thujon wirkt uteruskontrahierend und potenziell fruchtschädigend. In der Stillzeit kann Salbei die Milchbildung hemmen (antigalaktagog — gezielt zum Abstillen genutzt). Maximale kontinuierliche Anwendung 4-6 Wochen wegen Thujon-Akkumulation (krampferregend, lebertoxisch). Reines Salbei-Ätherisches-Öl niemals innerlich einnehmen — Toxizität. Bei Epilepsie meiden. ASPCA-Einstufung (abgerufen 2026-08-10): für Hunde und Katzen ungiftig.
⏱ Max. Daueranwendung: 6 Wochen
Küchenmengen als Gewürz sind unbedenklich. Therapeutische Dosen (Tee, Tinktur, ätherisches Öl) während der gesamten Schwangerschaft meiden — Thujon-Gehalt wirkt uteruskontrahierend und potenziell fruchtschädigend; klassisch als Emmenagogum eingesetzt.
Salbei hemmt die Milchbildung (antigalaktagog) — gezielt eingesetzt zum Abstillen, daher in der laufenden Stillzeit meiden. Küchenmengen sind unbedenklich. Bei gewünschtem Abstillen Salbeitee unter Beratung einsetzen.
Ätherisches Salbeiöl wegen Thujon-, Cineol- und Camphergehalt nicht bei Kindern unter 4 Jahren im Gesichtsbereich (Laryngospasmus-Risiko) und nicht innerlich. Mundspülungen mit verdünntem Tee ab Schulalter unter Aufsicht (nicht schlucken). Salbei-Küchengewürz unbedenklich.
Wechselwirkungen
Antikonvulsiva / Antiepileptika
Thujon wirkt als nicht-kompetitiver GABA-A-Rezeptor-Antagonist und kann die Krampfschwelle senken. Bei Epilepsie und gleichzeitiger antikonvulsiver Therapie sind hochdosierte oder lang angewandte Salbeizubereitungen sowie Salbei-Ätherisches-Öl zu meiden.
GABAerge Sedativa / Benzodiazepine / Alkohol
Thujon interagiert mit GABA-A-Rezeptoren und kann die Wirkung GABAerger Sedativa sowie die zentralnervöse Wirkung von Alkohol modulieren. Gleichzeitige Anwendung therapeutischer Salbei-Dosen mit Alkohol oder Benzodiazepinen meiden.
Antidiabetika
Salbeiextrakte können den Nüchternblutzucker leicht senken (klinische Daten bei Typ-2-Diabetes vorhanden). Bei gleichzeitiger Einnahme blutzuckersenkender Medikamente Werte engmaschig kontrollieren — Risiko einer Hypoglykämie.
Antihypertensiva
Salbeizubereitungen können den Blutdruck leicht beeinflussen; bei gleichzeitiger antihypertensiver Therapie auf Blutdruckwerte achten, insbesondere bei langfristiger Einnahme höherer Dosen.
Kontraindikationen
- Bekannte Überempfindlichkeit gegenüber Salbei oder anderen Lamiaceen.
- Schwangerschaft (therapeutische Dosen) — Thujon wirkt uteruskontrahierend und potenziell fruchtschädigend.
- Epilepsie und andere Krampfleiden — Thujon kann die Krampfschwelle senken.
- Innerliche Anwendung des unverdünnten ätherischen Salbeiöls — Risiko schwerer Vergiftungen (Krämpfe, Leberschädigung).
- Aktive Stillzeit mit Stillwunsch — Salbei hemmt die Milchbildung.
Erntet wird: Blätter (vor der Blüte)
- Tageszeit:
- Am späten Vormittag bei trockenem, sonnigem Wetter, wenn der Tau abgetrocknet ist — dann ist der Gehalt an ätherischem Öl am höchsten. Höchster Ölgehalt kurz vor und während der Blüte (Juni/Juli).
- Trocknung:
- Zweige in kleinen, lockeren Bündeln kopfüber an einem warmen, luftigen, schattigen Ort trocknen (max. 35 °C, nicht in der Sonne — Aromaverlust). Nach 1-2 Wochen Blätter vom Stiel streifen.
- Lagerung:
- 12 Monate — In dunklen, fest schliessenden Glas- oder Blechgefässen kühl und trocken aufbewahren. Ganze Blätter länger haltbar als geschnittene Ware — ätherisches Öl verflüchtigt sich bei Licht, Luft und Feuchte.
- Tageszeit:
- Während der Blütezeit (Mai bis Juli) bei sonnigem Wetter am späten Vormittag — Blüten und junge belaubte Triebe gemeinsam schneiden. Blühendes Kraut wird vor allem für Tinkturen und Inhalationen verwendet.
- Trocknung:
- Blühende Zweige locker auslegen oder in lockeren Bündeln aufhängen, schattig und luftig bei max. 35 °C trocknen. Vorsicht: Blüten zerfallen leichter als Blätter.
- Lagerung:
- 9 Monate — Getrennt von reinen Blattchargen lagern — Blütenanteile sind aromaärmer und sollten innerhalb von 9 Monaten verbraucht werden.
- Ätherisches Öl (alpha-Thujon, beta-Thujon, 1,8-Cineol, Campher, Borneol, alpha-Pinen)Ätherisches ÖlAnteil: 1.0-2.8 %Blatt
Hauptwirkstoff mit hohem Thujon-Anteil (alpha + beta Thujon zusammen 35-60 %) — verantwortlich für die antihidrotische und spasmolytische Wirkung, aber auch für die Toxizität bei Überdosierung (krampferregend, lebertoxisch). Die Thujon-Höchstwerte begrenzen Daueranwendung auf maximal 4-6 Wochen.
- RosmarinsäurePhenolsäureAnteil: 2-3 %Blatt
Leitsubstanz der Lamiaceae; ausgeprägt antioxidativ, entzündungshemmend und antiviral. Wasserlöslich, daher gut im wässrigen Aufguss extrahierbar.
- Salvianolsäuren (Salvianolsäure A-K)PhenolsäureAnteil: 0.5-2 %Blatt
Komplexe Phenolcarbonsäuren-Familie mit Rosmarinsäure-Grundstruktur; antioxidativ, neuroprotektiv und antiinflammatorisch wirksam. Werden zunehmend pharmakologisch untersucht.
- Carnosol und CarnosolsäureSonstigeAnteil: 1-4 %Blatt
Phenolische Diterpene mit ausgeprägt antioxidativer und antiinflammatorischer Wirkung; teilen sich mit Rosmarin diese Leitsubstanzen. Tragen zur konservierenden Wirkung von Salbei-Lebensmittelextrakten bei.
- Flavonoide (Apigenin, Luteolin, Cirsiliol, 6-Methoxyluteolin)FlavonoidAnteil: 1-3 %Blatt
Methylierte und glykosidierte Flavone mit antioxidativen, leicht spasmolytischen und entzündungshemmenden Eigenschaften. Cirsiliol ist eine charakteristische Salbei-Komponente.
- Gerbstoffe (Salviatannin, Lamiaceen-Gerbstoffe)GerbstoffAnteil: 3-8 %Blatt
Adstringierende Gerbstoffe der Lamiaceen-Gruppe — Grundlage der lokal entzündungshemmenden Wirkung bei Mundspülung und Hautkompressen. Wirken zusammenziehend auf Schleimhäute und reduzieren Sekretbildung.
- Triterpensäuren (Ursolsäure, Oleanolsäure)SonstigeAnteil: 1-4 %Blatt
Pentazyklische Triterpene mit antiinflammatorischer, hepatoprotektiver und mild antimikrobieller Wirkung; tragen zur Wirkung externer Zubereitungen (Kompressen, Mundspülungen) bei.
- Bitterstoffe (diterpenoide Bitterstoffe, Picrosalvin)BitterstoffAnteil: Spurenanteile bis 0.5 %Blatt
Bittere Diterpene tragen zur appetit- und gallenflussanregenden Wirkung bei (Amarum aromaticum) und erklären den traditionellen Einsatz bei dyspeptischen Beschwerden.
- [1]MonographieEMA HMPC — European Union herbal monograph on Salvia officinalis L., folium(abgerufen: 2026-05-19)
- [2]MonographieEMA HMPC — European Union herbal monograph on Salvia officinalis L., aetheroleum(abgerufen: 2026-05-19)
- [3]MonographieKommission E — Salviae folium (Bundesanzeiger Nr. 90, 15.05.1985, positive Monographie)(abgerufen: 2026-05-19)
- [4]MonographieESCOP Monograph — Salviae officinalis folium(abgerufen: 2026-05-19)
- [6]MonographiePlants For A Future — Salvia officinalis(abgerufen: 2026-05-19)
- [7]MonographieHeilkräuter-Lexikon — Salbei(abgerufen: 2026-05-19)
- [8]MonographieASPCA Animal Poison Control — Sage (Salvia officinalis): Non-Toxic to Dogs, Non-Toxic to Cats, Non-Toxic to Horses(abgerufen: 2026-08-10)
- [9]MonographieCliniTox Giftpflanzen — Salvia officinalis L.: schwach giftig (+) (Institut für Veterinärpharmakologie und -toxikologie, Universität Zürich)(abgerufen: 2026-08-10)
- [5]BuchMadaus, Gerhard: Lehrbuch der biologischen Heilmittel, Bd. III — Salvia officinalis (1938, PD)(abgerufen: 2026-05-19)
Verbreitung in Europa
🪴 Zuhause anbauen
- ☀ Licht
- volle Sonne
- 💧 Wasser
- wöchentlich
- 🌱 Erde
- Sandig mit Drainage
- 🪴 Topf
- 20 cm
- ⭐ Schwierigkeit
- ★☆☆ einfach
- 🐾 Haustiere
- ungiftig — von der ASPCA geprüft
Tipps:
- Sehr robust — verträgt Trockenheit, Hitze, magere Erde.
- Pralle Sonne perfekt — sonst werden Blätter weich.
- Alle 3-4 Jahre erneuern, alte Pflanzen werden holzig.
Pflege-Tipps sind allgemeine Empfehlungen aus Indoor-Gardening-Praxis, keine wissenschaftlichen Quellen.
🤝 Permakultur-Partner
Diese Pflanze ist in deinem Garten ein/e:
✨ Beste Symbiose-Partner
- 🌿 Karotte Klassischer Mischkultur-Partner.
- 🌿 Echter Lavendel Klassischer Mischkultur-Partner.
- 🌿 Echte Kamille Klassischer Mischkultur-Partner.
- 🌿 Oregano Klassischer Mischkultur-Partner.
- 🌿 Rosmarin Mediterrane Trocken-Allianz — gleiche Bedürfnisse.
- 🌿 Echter Thymian Beide aromatisch und trockenheits-tolerant — Kräuter-Spirale-Klassiker.
🌟 Neutrale Nachbarn
⚠️ Besser nicht zusammen pflanzen
- 🥬 Knoblauch Klassischer Mischkultur-Partner.
- 🥬 Basilikum Salbei hemmt Basilikum durch ätherische Öle.
📦 In diesen Pflanz-Sets:
Quelle: Helga und Margarete Langerhorst, Mein gesunder Naturgarten (eigene Kuration)