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Beifuß
VorsichtArtemisia vulgaris · (Artemisia vulgaris)
Korbblütler (Asteraceae)
Beschreibung
Tief fiederteilige Blätter mit silbrig-weiß filzig behaarter Unterseite und rötlich überlaufene, bis zu zwei Meter hohe Stängel kennzeichnen dieses Korbblütlergewächs, das an Wegrändern, Ödland und Ufern Mitteleuropas gedeiht. Geerntet wird das blühende Kraut zwischen Juli und September; sein ätherisches Öl kann je nach Chemotyp bis zu 48 Prozent Campher sowie Cineol und Beta-Thujon enthalten. Ein Aufguss aus dem Kraut dient traditionell als Bittermittel zur Anregung der Verdauungssäfte bei Appetitlosigkeit und Blähungen; überliefert ist zudem eine Anwendung als Emmenagogum bei ausbleibender oder schmerzhafter Menstruation. In der traditionellen chinesischen Medizin werden getrocknete Blätter zu Moxastäben gepresst und zur Wärmeakupunktur verbrannt; kulinarisch würzt Beifuß fettes Fleisch wie Gans und Ente. WARNHINWEIS: Wegen möglicher wehenauslösender Wirkung strikt in der Schwangerschaft kontraindiziert. Das enthaltene Thujon ist in hohen Dosen neurotoxisch, weshalb von Daueranwendung abzuraten ist; Personen mit Korbblütler-Allergie haben ein erhöhtes Sensibilisierungsrisiko.
In der Schwangerschaft KONTRAINDIZIERT
Ausgeprägte uterotone Wirkung; kann Uteruskontraktionen auslösen und Fehlgeburt provozieren. Strikt meiden.
In der Stillzeit KONTRAINDIZIERT
Keine ausreichenden Daten; wegen des Thujongehalts im ätherischen Öl vorsorglich kontraindiziert.
Bei Kindern KONTRAINDIZIERT
Wegen Thujongehalt und potenzieller neurotoxischer Wirkung nicht bei Kindern unter 12 Jahren anwenden.
Aufguss aus dem blühenden Kraut (1–2 g pro Tasse) als Bittermittel zur Anregung der Verdauungsdrüsen bei Appetitlosigkeit, Blähungen und dyspeptischen Beschwerden. Die Sesquiterpenlactone (Vulgarin) und ätherischen Öle (1,8-Cineol, Campher) sind für die bittere, carminative Wirkung verantwortlich.
Anleitung & Dosierung
- Trockenmenge
- 1–2 g
- Anwendungen/Tag
- 3×
- Max. Anwendungsdauer
- 4 Wochen
Traditionell als Emmenagogum bei unregelmäßiger, ausbleibender oder schmerzhafter Menstruation eingesetzt (Dysmenorrhoe, Amenorrhoe). Die Flavonoide Eriodictyol und Apigenin besitzen schwache östrogene Aktivität und können Uteruskontraktionen stimulieren — daher strikt in der Schwangerschaft kontraindiziert.
Anleitung & Dosierung
- Trockenmenge
- 1–2 g
- Anwendungen/Tag
- 2×
- Max. Anwendungsdauer
- 2 Wochen
Getrocknete oder frische Blätter als Küchenkraut zu fettem Fleisch (Gans, Ente), Füllungen und Grutbier. Die ätherischen Öle regen die Fettverdauung und Gallensekretion an. In Deutschland und Vietnam traditionelle Küchenpflanze.
Warme Kräuterauflage aus frisch zerquetschten Blättern oder feuchtem Teeaufguss bei Gelenkschmerzen und Menstruationskrämpfen. Äußerliche Anwendung vermeidet die Resorption größerer Thujonmengen.
In der traditionellen chinesischen Medizin werden getrocknete Blätter und Stängel zu Moxastäben gepresst und zur Wärmeakupunktur (Moxibustion) verbrannt, um Akupunkturpunkte zu stimulieren. Diese Anwendung ist von der internen Einnahme streng zu unterscheiden.
Alkoholischer Auszug aus blühendem Kraut als bitteres Tonikum; stärker konzentriert als der Teeaufguss. Wegen des Thujongehalts nur in kleinen Dosen (max. 2–4 ml/Tag) und nicht dauerhaft anwenden.
In der Volksheilkunde als Expektorans und Antispasmodikum bei Atemwegserkrankungen und Asthma eingesetzt. Das ätherische Öl mit 1,8-Cineol und die anticholinergen Eigenschaften wirken bronchodilatatorisch (Tierversuche).
Quellen: [4]
Strikt in der Schwangerschaft kontraindiziert (uterotone Wirkung — Abort möglich). Thujone (β-Thujon bis 1,19 % im ätherischen Öl) ist in hohen Dosen neurotoxisch; Daueranwendung meiden. Korbblütler-Allergiker und Personen mit Artemisia-Pollenallergie haben erhöhtes Sensibilisierungsrisiko. Ätherisches Öl innerlich: nicht empfohlen. Zur Gattung: Die ASPCA führt Estragon (Artemisia dracunculus) als giftig für Hunde und Katzen. Für den Beifuß selbst liegt dort keine Einstufung vor — die Gattung enthält jedoch dieselben Bitter- und Terpenstoffe. Im Zweifel vom Tier fernhalten.
⏱ Max. Daueranwendung: 4 Wochen
Ausgeprägte uterotone Wirkung; kann Uteruskontraktionen auslösen und Fehlgeburt provozieren. Strikt meiden.
Keine ausreichenden Daten; wegen des Thujongehalts im ätherischen Öl vorsorglich kontraindiziert.
Wegen Thujongehalt und potenzieller neurotoxischer Wirkung nicht bei Kindern unter 12 Jahren anwenden.
Wechselwirkungen
MAO-Hemmer (Moclobemid, Phenelzin)
Beifuß wird MAO-hemmende Eigenschaften zugeschrieben; mögliche additive Wirkung mit psychiatrischen MAO-Inhibitoren.
Kontraindikationen
- Schwangerschaft und Stillzeit.
- Bekannte Allergie gegen Korbblütler (Asteraceae), insbesondere Artemisia-Pollen (Kreuzreaktionen möglich).
- Epilepsie (Thujone kann Krampfschwelle senken).
Erntet wird: blühendes Kraut
- Tageszeit:
- Morgens nach Tauabtrocknung; obere Triebspitzen ernten, solange Blütenkörbchen noch geschlossen sind (Blütenöffnung = Blätter werden bitterer und weniger aromatisch).
- Trocknung:
- Dünn ausgebreitet in belüftetem Schuppen bei max. 40 °C trocknen; Stängel entfernen, da Blätter aromatischer sind.
- Lagerung:
- 12 Monate — Trocken, lichtgeschützt, in dicht schließenden Behältern; ätherisches Öl verflüchtigt sich bei langer Lagerung.
- Trocknung:
- Wurzeln waschen, in Scheiben schneiden und bei 40 °C trocknen, bis sie leicht und hellbraun sind.
- Lagerung:
- 24 Monate — Kühl, trocken und lichtgeschützt lagern.
- VulgarinSesquiterpenAnteil: ca. 0,15 % (Trockenmasse)Krautige Teile
Sesquiterpenlacton; Leitinhaltsstoff von A. vulgaris; verantwortlich für Bittergeschmack und digestive Wirkung.
- 1,8-Cineol (Eucalyptol)Ätherisches ÖlAnteil: 2,6–17,6 % im ätherischen ÖlKrautige Teile
Monoterpen; bronchodilatatorisch und antimikrobiell; mengenmäßig einer der Hauptbestandteile des ätherischen Öls.
- Campher (Camphor)Ätherisches ÖlAnteil: bis zu 47,7 % im ätherischen Öl (je nach Chemotyp)Krautige Teile
Monoterpen; Konzentrationsbereich stark chemotypabhängig; stimulierend und carminativ; in hohen Mengen toxisch.
- β-ThujonÄtherisches ÖlAnteil: bis 1,19 % im ätherischen ÖlKrautige Teile
Monoterpen; neurotoxisch in hohen Dosen; verantwortlich für das Risikopotenzial bei Daueranwendung oder Überdosierung.
- EriodictyolFlavonoidKrautige Teile
Flavanon mit schwach östrogener Aktivität; einer der häufigsten Flavonoide in A. vulgaris; erklärt die volksmedizinische Verwendung bei Menstruationsbeschwerden.
- LuteolinFlavonoidKrautige Teile
Flavon; antioxidativ und antientzündlich; zusammen mit Eriodictyol häufigster Flavonoidvertreter in A. vulgaris.
- Quercetin-DerivateFlavonoidKrautige Teile
Quercetin 3-Glukosid, Quercetin 3-Galaktosid und weitere Derivate; antioxidativ.
- ArtemisininSesquiterpenAnteil: 0–2,3 %Krautige Teile
Sesquiterpen-Endoperoxid; in A. vulgaris in variablen Mengen vorhanden (nicht die Artemisinin-reiche Art A. annua). Bekannt durch antimalarische und zytotoxische Eigenschaften.
- [4]MonographieSignificance of Artemisia vulgaris L. in the History of Medicine and Its Possible Contemporary Applications (PMC7583039)(abgerufen: 2026-05-21)
- [5]MonographieCliniTox Giftpflanzen — Artemisia vulgaris L.: schwach giftig (+) (Institut für Veterinärpharmakologie und -toxikologie, Universität Zürich)(abgerufen: 2026-08-10)
- [3]BuchPlants For A Future — Artemisia vulgaris(abgerufen: 2026-05-21)
- [1]WikipediaBeifuß (Wikipedia DE)(abgerufen: 2026-05-21)
- [2]WikipediaArtemisia vulgaris (Wikipedia EN)(abgerufen: 2026-05-21)