© Andreas Trepte · CC BY-SA 2.5 · Commons
Huflattich
VorsichtTussilago · (Tussilago farfara)
Korbblütler (Asteraceae)
Beschreibung
Der Huflattich ist ein früher Frühlingsbote aus der Familie der Korbblütler: Die goldgelben Blütenköpfe erscheinen schon im März, lange bevor sich die hufeisenförmigen Blätter entfalten. Traditionell wurden Blüten und Blätter wegen ihres hohen Schleimstoffgehalts bei Reizhusten verwendet. Die Pflanze enthält jedoch 1,2-ungesättigte Pyrrolizidin-Alkaloide (vor allem Senkirkin), die leberschädigend sein können. Deshalb wird von der Verwendung der Wildpflanze abgeraten; im Handel gibt es PA-arme, kontrollierte Zuchtformen.
In der Schwangerschaft KONTRAINDIZIERT
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In der Stillzeit KONTRAINDIZIERT
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Bei Kindern KONTRAINDIZIERT
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Kritische Wechselwirkungen mit:
Hepatotoxische Arzneimittel (Paracetamol-Hochdosis, Methotrexat, Isoniazid, Statine, Amiodaron, Valproat) · Andere PA-haltige Pflanzen (Beinwell/Symphytum, Borretsch/Borago, Kreuzkraut/Senecio, Wasserdost/Eupatorium)
Akuter Husten und Bronchialkatarrh
Anleitung & Dosierung
Akuter Reizhusten, Heiserkeit (Volksmedizin)
Anleitung & Dosierung
Leichte Mund- und Rachenschleimhautentzündung
Anleitung & Dosierung
Schlecht heilende Wunden, Hautentzündungen, Ekzeme (Volksmedizin)
Anleitung & Dosierung
PYRROLIZIDINALKALOIDE (PA) – schwerwiegend hepatotoxisch! Huflattich enthält 1,2-ungesättigte PA (v.a. Senkirkin, Senecionin, deren N-Oxide). Diese werden in der Leber zu reaktiven Pyrrol-Metaboliten umgewandelt → Veno-okklusive Lebererkrankung (VOD), Leberzirrhose, hepatozelluläres Karzinom (kanzerogen, mutagen, in Tierversuchen nachgewiesen). Säuglingstodesfall nach Tee in Schwangerschaft dokumentiert. BfArM-Limit (Stufenplan): max. 1 µg 1,2-ungesättigte PA (inkl. N-Oxide) pro Tag oral, NICHT länger als 4-6 Wochen pro Jahr. EMA/HMPC-Empfehlung sogar strenger: 0,35 µg/Tag, max. 14 Tage (für 50 kg Person). In Deutschland, Österreich und der Schweiz sind heute nur noch PA-arme bzw. PA-freie Züchtungssorten (z.B. Klon 'Wien') als Apothekenmaterial zugelassen. Wildgesammelter Huflattich für Daueranwendung ist NICHT sicher. Es existiert KEINE positive EMA-HMPC Community-Monographie für Tussilago farfara wegen ungeklärter Sicherheitslage (EMA/HMPC/893108/2011 Rev. 1). Blüten und Wurzel/Kraut wurden von Kommission E NEGATIV bewertet — nur die Blätter erhielten unter strengen PA-Auflagen eine positive Bewertung (mittlerweile durch Stufenplanbescheid überschrieben).
⏱ Max. Daueranwendung: 6 Wochen
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Wechselwirkungen
Hepatotoxische Arzneimittel (Paracetamol-Hochdosis, Methotrexat, Isoniazid, Statine, Amiodaron, Valproat)
Additive Lebertoxizität — PA-Metaboliten plus weitere hepatotoxische Substanzen erhöhen das Risiko für Leberschädigung, VOD und Leberversagen.
Andere PA-haltige Pflanzen (Beinwell/Symphytum, Borretsch/Borago, Kreuzkraut/Senecio, Wasserdost/Eupatorium)
Summation der PA-Tagesexposition — Überschreitung der BfArM-Tageshöchstdosis (1 µg) bei gleichzeitiger Verwendung mehrerer PA-Drogen praktisch unvermeidbar.
CYP3A4-Induktoren (Rifampicin, Phenobarbital, Johanniskraut)
CYP3A4-Induktion erhöht die metabolische Aktivierung der PA zu reaktiven Pyrrol-Zwischenstufen → verstärkte Hepatotoxizität.
Alkohol (chronisch)
Chronischer Alkoholkonsum führt zu Vorschädigung der Leber und CYP2E1-Induktion — PA-Toxizität wird klinisch potenziert.
Kontraindikationen
- Schwangerschaft (PA placentagängig, Fall einer letalen Säuglings-Leberschädigung nach mütterlichem Huflattich-Tee dokumentiert)
- Stillzeit (PA gehen in die Muttermilch über)
- Säuglinge, Klein- und Schulkinder (unter 12 Jahren, idealerweise unter 18 Jahren — Leber besonders empfindlich)
- Bestehende Lebererkrankungen (Hepatitis, Zirrhose, Fettleber, Leberinsuffizienz)
- Langzeitanwendung über 4-6 Wochen / Jahr
- Gleichzeitige Anwendung anderer PA-haltiger Drogen
Erntet wird: Blüten (Frühjahr) und Blätter
- Pyrrolizidinalkaloide (Senkirkin, Senecionin, Tussilagin, Integerrimin, Seneciphyllin + N-Oxide)AlkaloidAnteil: 0,005-0,015 %
KRITISCHE Inhaltsstoffe! 1,2-ungesättigte PA (Senkirkin Hauptkomponente in Blüten; Senecionin in Blättern) sind hepatotoxisch, kanzerogen und mutagen. Metabolische Aktivierung in der Leber zu reaktiven Pyrrol-Estern verursacht Veno-okklusive Erkrankung (VOD). Tussilagin selbst ist die gesättigte (untoxische) Form. Konzentration in Blüten > Blätter.
- Schleimstoffe (saure Polysaccharide: Arabinose, Galactose, Glucose, Uronsäuren, Xylose)SchleimstoffAnteil: 6-10 %
Reizmildernde (demulcent) Wirkung an Bronchial- und Rachenschleimhaut — Hauptwirkstoffgruppe für die hustenstillende Wirkung. Bilden Schutzfilm, beruhigen Hustenreiz.
- Inulin und PolysaccharidePolysaccharidAnteil: ca. 8 % gesamt (davon ~30 % Inulin)
Inulin als Reservekohlenhydrat, immunmodulierende und prebiotische Eigenschaften. Trägt zur reizmildernden Gesamtwirkung bei.
- Gerbstoffe (Tannine)GerbstoffAnteil: ca. 5 %
Adstringierende Wirkung, leichte Entzündungshemmung an Schleimhäuten — unterstützt die Anwendung bei Rachenentzündung.
- Flavonoide (Rutin, Quercetin, Hyperosid, Kaempferol)FlavonoidAnteil: Spuren bis 0,5 %
Antioxidative und entzündungshemmende Wirkung. Rutin trägt zur Kapillarprotektion bei.
- Triterpene und Sterole (Sitosterol, Campesterol, Faradiol)SonstigeAnteil: Spuren
Sterole und Triterpene mit leicht entzündungshemmender, hautberuhigender Wirkung — Bedeutung v.a. für äußere Anwendung.
- Ätherisches ÖlÄtherisches ÖlAnteil: Spuren
Nur in Spuren vorhanden, geringe pharmakologische Relevanz. Beiträge zum Geschmack/Geruch.
- [1]MonographieEMA/HMPC Public Statement on the use of herbal medicinal products containing toxic, unsaturated pyrrolizidine alkaloids (EMA/HMPC/893108/2011 Rev. 1)(abgerufen: 2026-05-19)
- [2]MonographiePlants For A Future — Tussilago farfara(abgerufen: 2026-05-19)
- [3]MonographieHeilkräuter-Lexikon: Huflattich(abgerufen: 2026-05-19)
- [4]MonographieKommission E Monographie — Farfarae folium (Huflattichblätter), Bundesanzeiger Nr. 138 vom 27.07.1990 / Bundesanzeiger Nr. 50 vom 13.03.1986 (Blüten/Kraut, negativ)(abgerufen: 2026-05-19)
- [5]MonographieBfArM Stufenplanbescheid zu Pyrrolizidinalkaloid-haltigen Arzneimitteln (1992) und aktualisierte Stellungnahmen(abgerufen: 2026-05-19)
- [6]MonographieCliniTox Giftpflanzen — Tussilago farfara L.: giftig + (Institut für Veterinärpharmakologie und -toxikologie, Universität Zürich)(abgerufen: 2026-08-10)