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Mariendistel
Silybum marianum · (Silybum marianum)
Korbblütler (Asteraceae)
Beschreibung
Weiss geäderte, marmorierte Blätter mit kräftigen Dornen und purpurne Blütenköpfe kennzeichnen diese distelartige Pflanze aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae) — der Legende nach stammen die weissen Adern von einem Tropfen Muttermilch der Jungfrau Maria. Genutzt werden die im Spätsommer reifen Früchte, die den Flavonolignan-Komplex Silymarin (1,5-3 %) sowie das isolierte Silibinin enthalten. Die Kommission E führt Tinkturen aus Mariendistelfrüchten als anerkannte Anwendung bei Verdauungsbeschwerden sowie zur unterstützenden Behandlung bei toxisch bedingten Leberschäden; klinische Studien untersuchten Silymarin-Präparate bei verschiedenen Leberfunktionsstörungen. WICHTIG: Silymarin unterstützt die Leber, ersetzt aber keine ärztliche Behandlung — bei Anzeichen wie Gelbsucht, dunklem Urin oder Bauchschmerzen ist umgehend ein Arzt aufzusuchen. Mariendistelzubereitungen sind für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren nicht empfohlen, und die Selbstanwendung sollte vier Wochen nicht überschreiten.
Bei Kindern KONTRAINDIZIERT
EMA-Monographie: nicht für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren — keine ausreichenden Sicherheits- und Wirksamkeitsdaten. Lebererkrankungen bei Kindern erfordern kinderärztliche Diagnose und Behandlung.
Standardisierter Silymarin-Trockenextrakt (Kommission E positiv bewertet) zur unterstützenden Behandlung bei toxisch bedingten Leberschäden und chronisch entzündlichen Lebererkrankungen — Leitpräparat Legalon.
Anleitung & Dosierung
STANDARDISIERTER TROCKENEXTRAKT — well-established use (EMA): Handelsübliche standardisierte Zubereitungen aus Mariendistelfrüchten (Silybi mariani fructus), Trockenextrakte als Kapseln oder Dragees, Droge-Extrakt-Verhältnis 36–44:1, standardisiert auf 30–65 % Silymarin (berechnet als Silibinin). Beispiele: Legalon 70/140 mg (Rottapharm/Madaus), Silymarin Stada, Carduus marianus-Präparate. Dosierung laut EMA-Monographie: Trockenextrakt 70–420 mg Silymarin täglich, aufgeteilt auf 2–3 Einzelgaben, zu oder nach den Mahlzeiten mit ausreichend Flüssigkeit. Indikation well-established: unterstützende Behandlung bei toxisch bedingten Leberschäden und bei chronisch entzündlichen Lebererkrankungen sowie Leberzirrhose. Wirkungseintritt nach 2–4 Wochen; bei akuten Beschwerden Arzt aufsuchen. NICHT ohne ärztliche Diagnose bei Gelbsucht oder Aszites anwenden — diese Symptome erfordern sofortige ärztliche Untersuchung.
- Trockenmenge
- 0.3–0.6 g
- Anwendungen/Tag
- 3×
- Max. Anwendungsdauer
- 8 Wochen
⚠ Altersbeschränkung: ≥ 18 Jahre — Laut EMA-Monographie nur für Erwachsene ab 18 Jahren — keine ausreichenden Sicherheitsdaten für Kinder und Jugendliche.
Traditionelle Anwendung gepulverter Mariendistelfrüchte bei dyspeptischen Beschwerden wie Völlegefühl und Blähungen — laut EMA als traditional use eingestuft.
Anleitung & Dosierung
TRADITIONELLE ANWENDUNG — gepulverte Früchte oder standardisierte Fertigpräparate: Gepulverte Frucht (Herba pulverata) als Kapseln oder Pulver 300–600 mg Einzeldosis, 2–3× täglich zu den Mahlzeiten. Laut EMA-Monographie (traditional use): unterstützende Behandlung bei dyspeptischen Beschwerden wie Völlegefühl, Blähungen und leichten Verdauungsbeschwerden. Fertigpräparate bevorzugen — Rohpulver enthält weniger bioverfügbares Silymarin als Extrakt. Bei Beschwerden über 4 Wochen ohne Besserung: Arzt aufsuchen.
- Trockenmenge
- 0.3–0.6 g
- Anwendungen/Tag
- 3×
- Max. Anwendungsdauer
- 4 Wochen
⚠ Altersbeschränkung: ≥ 18 Jahre — Nur Erwachsene ab 18 Jahren.
Volksheilkundlicher Tee aus frisch zerstoßenen Früchten zur allgemeinen Leberunterstützung — Silymarin kaum wasserlöslich, verdauungsfördernde Begleitstoffe aber im Tee wirksam.
Anleitung & Dosierung
VOLKSHEILKUNDLICHER AUFGUSS: 3–5 g frisch zerstoßene Mariendistelfrüchte (im Mörser grob quetschen — NICHT fein mahlen, da das Öl sonst die Tasse verschmiert) mit 200 ml siedendem Wasser übergießen, 10–15 Min zugedeckt ziehen lassen, abseihen. 3× täglich vor den Mahlzeiten frisch zubereitet. WICHTIGER HINWEIS: Silymarin ist in Wasser sehr schlecht löslich (Löslichkeit ca. 0,04 mg/ml in Wasser). Ein Tee enthält nur Bruchteile der wirksamen Dosis standardisierter Extrakte — er wird volksheilkundlich zur allgemeinen Leberunterstützung getrunken, ist aber kein Ersatz für klinisch geprüfte Extrakte. Bitterstoffe und Schleimstoffe gehen im Tee in Lösung und tragen zur verdauungsfördernden Wirkung bei.
- Trockenmenge
- 3–5 g
- Anwendungen/Tag
- 3×
- Max. Anwendungsdauer
- 4 Wochen
Klinische Anwendung von i.v. Silibinin-Hemisuccinat (Legalon SIL) bei akuter Knollenblätterpilz-Vergiftung — höchste klinische Evidenz für lebenschützende Wirkung bei Amatoxin-Hepatotoxizität.
Anleitung & Dosierung
INTRAVENÖSE ANWENDUNG NUR IN DER KLINIK — Silibinin-Hemisuccinat (Legalon SIL): Bei akuter Vergiftung durch Amatoxine (Knollenblätterpilz, Amanita phalloides) wird der isolierte Wirkstoff Silibinin-Hemisuccinat als intravenöse Infusion in der Klinik eingesetzt. Dosierung: 20 mg/kg KG pro Tag als kontinuierliche Infusion über 24 Stunden, so früh wie möglich nach Vergiftung beginnen. Dies ist KEIN Selbstbehandlungsansatz — bei Verdacht auf Knollenblätterpilz-Vergiftung SOFORT Giftnotruf anrufen (Deutschland: 0800 192 0003) und Notaufnahme aufsuchen. Der Vergiftungsschutz beruht auf Hemmung des Amatoxin-Transports in die Leberzelle (OATP1B1/1B3). Auch für begleitende Behandlung bei hepatotoxischen Arzneimitteln in der Klinik beschrieben.
- Trockenmenge
- 0.35–0.7 g
- Anwendungen/Tag
- 3×
- Max. Anwendungsdauer
- 26 Wochen
Junge Blätter (entdornt), Stängel (geschält) und unreife Blütenköpfe sind essbar — traditionelles Gemüse in Mittelmeerländern; ernährungsphysiologisch wertvoll durch Proteine, Fett und Flavonoide.
Anleitung & Dosierung
ESSBARE PFLANZE — Blätter und Stängel: Junge Rosettenblätter (vor der Blüte, März–April) entdornen (Stacheln mit Schere abschneiden oder abbrechen), dann roh als Salat verzehren oder kurz blanchiert (2–3 Min in kochendem Salzwasser) als Gemüse. Geschmack mild, leicht bitter. Die dornigen Blattränder sind das einzige Hindernis — mit Lederhandschuhen und Küchenschere leicht zu handhaben. Stängel vor der Blüte schälen (wie Rhabarber) und als Gemüse kochen oder kandiert zubereiten. Blütenkörbe unreif wie Artischocken zubereiten — ohne das Heu essen. Volkstümliche Ernährungspflanze in Mittelmeerländern.
Kommission-E-positiv bewertete Anwendung bei Lebertoxizität, chronischer Hepatitis und Leberzirrhose (200–400 mg Silymarin/Tag) — eine der bestdokumentierten pflanzlichen Leberindikationen in Deutschland.
Anleitung & Dosierung
KOMMISSION-E-EMPFEHLUNG — Tagesdosis 200–400 mg Silymarin (berechnet als Silibinin) in Form standardisierter Zubereitungen. Positives Votum der Kommission E (1986, revidiert 1992) für die Anwendung bei toxisch bedingten Leberschäden sowie als unterstützende Behandlung bei chronischen Leberentzündungen und Leberzirrhose. Einzeldosis 140 mg Silymarin 2–3× täglich als Kapsel oder Dragee. Tinktur aus Mariendistelfrüchten (DAB-konform, 1:5 in 45–60 % Ethanol) entspricht der Fruchtgabe, enthält aber weniger bioverfügbares Silymarin als Trockenextrakt — bevorzugt Kapseln verwenden. Bei schweren Lebererkrankungen: ärztliche Behandlung obligatorisch.
- Trockenmenge
- 0.35–0.7 g
- Anwendungen/Tag
- 3×
- Max. Anwendungsdauer
- 8 Wochen
Volksheilkundlicher Blättertee bei Verdauungsbeschwerden und zur Gallenfluss-Anregung — Silymarin-Gehalt der Blätter gering; bitterstofffördernde Wirkung im Vordergrund.
Anleitung & Dosierung
BLÄTTERTEE (volksheilkundlich): 2–3 TL frisch getrocknete, grob zerkleinerte Mariendistelblätter (ohne Stacheln — Stacheln vor der Trocknung entfernen) mit 250 ml siedendem Wasser übergießen, zugedeckt 8–10 Min ziehen lassen, durch feines Sieb abseihen. 1–2× täglich zwischen den Mahlzeiten. Bittere und gerbstoffhaltige Begleitstoffe fördern den Gallefluss und regen die Verdauungssekrete an. Silymarin-Gehalt in den Blättern sehr niedrig — reine Blätter-Zubereitungen dienen der allgemeinen Verdauungsunterstützung, nicht der Leberbehandlung. PFAF dokumentiert volksheilkundliche Verwendung der Blätter bei Leber- und Gallebeschwerden in Mittelmeertraditionen.
- Trockenmenge
- 2–3 g
- Anwendungen/Tag
- 2×
- Max. Anwendungsdauer
- 4 Wochen
Geschälte Mariendistelsamen als nährstoffreiche Rohkost-Zutat: nussig-milde Körner mit Protein, Fettsäuren und Silymarin — traditionelle Verwendung in Mittelmeerküche und modernem Superfood-Bereich.
Anleitung & Dosierung
SAMEN (geschälte Früchte) in der Küche: Reife, von den Pappushaaren befreite und geschälte Mariendistelsamen haben ein mildes, nussiges Aroma. Roh als Zusatz zu Müsli, Salaten oder Smoothies (1–2 TL täglich). Leicht angeröstet als Topping auf Suppen und Gemüsegerichten. Kalt gemahlen zu feinem Pulver und unter Joghurt oder Quark gerührt (Vollnahrung: enthält ~25 % Protein, 20–30 % fettes Öl, Silymarin). In der Mittelmeerküche und Naturkost-Küche geschätzte Zutat. Gemahlene Samen rasch verbrauchen — Öl oxidiert schnell nach dem Mahlen.
WICHTIG: Mariendistel-Extrakte (Silymarin) sind sehr gut verträglich, dennoch gilt: Lebererkrankungen gehören in ärztliche Hände. Silymarin BEHANDELT nicht — es unterstützt. Bei Gelbsucht (Ikterus), Bauchschmerzen, Dunkelfärbung des Urins, Entfärbung des Stuhls oder Aszites sofort Arzt aufsuchen — mögliche Zeichen ernsthafter Lebererkrankung. Mariendistel-Tee ist KEIN Notfallmittel bei Vergiftungen: Bei Verdacht auf Knollenblätterpilz-Vergiftung sofort Giftnotruf (D: 0800 192 0003; A: 01 406 43 43) und Notaufnahme — I.V. Silibinin ist Klinikmaßnahme. Selten allergische Reaktionen (Kreuzallergie mit anderen Korbblütlern möglich). Gelegentlich leichte GI-Beschwerden bei Therapiebeginn. Anwendung ohne ärztliche Kontrolle auf 4 Wochen begrenzen (unter ärztlicher Aufsicht bis 8 Wochen).
⏱ Max. Daueranwendung: 2 Wochen
Laut EMA-Monographie mangels ausreichender Sicherheitsdaten in der Schwangerschaft nicht empfohlen. Klinische Studien fehlen. Küchenmäßige Verwendung von Blättern und Samen in üblichen Mengen gilt traditionsgemäß als unbedenklich — therapeutische Extrakt-Dosen meiden.
Laut EMA-Monographie in der Stillzeit nicht empfohlen. Keine ausreichenden Daten zur Ausscheidung von Silymarin in die Muttermilch. Küchenmäßige Mengen wahrscheinlich unbedenklich, therapeutische Extrakte meiden.
EMA-Monographie: nicht für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren — keine ausreichenden Sicherheits- und Wirksamkeitsdaten. Lebererkrankungen bei Kindern erfordern kinderärztliche Diagnose und Behandlung.
Wechselwirkungen
CYP3A4-Substrate (Ciclosporin, Tacrolimus, bestimmte Statine, Indinavir, HIV-Proteaseinhibitoren)
Hochdosierte Silymarin-Extrakte können CYP3A4 in Darmmukosa und Leber hemmen — erhöhte Bioverfügbarkeit CYP3A4-abhängiger Arzneimittel möglich. Besondere Vorsicht bei Immunsuppressiva (Ciclosporin, Tacrolimus) und Antiretroviralia mit engem therapeutischem Fenster. Bei Normaldosierung und kurzzeitiger Anwendung geringes klinisches Risiko; bei Mehrfachmedikation Arzt informieren.
P-Glykoprotein-Substrate (Digoxin, bestimmte Zytostatika, Talinolol)
In-vitro-Daten zeigen Hemmung von P-Glykoprotein durch Silymarin-Komponenten — mögliche Erhöhung der Resorption P-gp-abhängiger Arzneimittel im Darm. Klinische Relevanz bei Normaldosis gering, bei höheren Dosen und empfindlichen Substanzen (z. B. Digoxin) Plasmaspiegelkontrolle empfehlenswert.
Antidiabetika (Metformin, Sulfonylharnstoffe, Insulin)
Klinische Studien zeigen, dass Silymarin den Nüchternblutzucker und HbA1c bei Typ-2-Diabetikern leicht senken kann (insulinsensibilisierende Wirkung, Hemmung der Gluconeogenese). Bei gleichzeitiger antidiabetischer Medikation Risiko additiver Blutzuckersenkung — Blutzucker regelmäßig kontrollieren, Dosisanpassung ggf. nötig.
Hepatotoxische Arzneimittel (Methotrexat, Amiodaron, Valproat, Isoniazid)
Silymarin kann die durch hepatotoxische Medikamente induzierten Leberzellschäden teilweise abschwächen (antioxidativer, membranstabilisierender Mechanismus). Diese PROTEKTIVE Wechselwirkung führt nicht zu einer Verstärkung der Toxizität — kann aber bei strenger Therapiemessung (Transaminasen als Toxizitätsmarker) die Bewertung der Arzneimittelwirkung verschleiern. Nur unter ärztlicher Überwachung kombinieren.
Kontraindikationen
- Überempfindlichkeit gegen Mariendistel (Silybum marianum) oder andere Korbblütler (Asteraceae/Compositae) — Kreuzallergie mit Ragweed (Ambrosia), Kamille, Beifuß, Ringelblume möglich.
- Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren.
- Gallenwegserkrankungen mit Obstruktion (Gallenkolik, Gallensteine mit Verlegung) — Gallefluss-stimulierende Wirkung kann Koliken auslösen.
- Hormonsensitive Erkrankungen (Brustkrebs, Gebärmutterkrebs, Endometriose, Uterusmyome) — Silymarin kann schwache östrogene Aktivität zeigen; klinische Bedeutung unsicher, daher Vorsicht.
Erntet wird: reife Früchte
- Tageszeit:
- Trockener, sonniger Vormittag (9–12 Uhr), wenn der Tau vollständig abgetrocknet ist. Reife Früchte erkennt man daran, dass sich die weißen Pappushaare (Federkrone) öffnen und Samen bei leichtem Berühren herausfallen — dies markiert das optimale Erntezeitfenster, das nur wenige Tage dauert.
- Trocknung:
- VORSICHT: Mariendistel ist stark dornig — Lederhandschuhe, lange Ärmel und Schutzbrille unbedingt tragen. Reife Blütenköpfe dicht über dem Stiel abschneiden, SOFORT in Leinen- oder Papierbeutel stecken (Pappushaare fliegen bei Wind davon und können die Schleimhäute reizen). Köpfe 1–2 Wochen kopfüber in Papiertüten an trockenem, gut belüftetem Ort nachreifen lassen. Dann Köpfe über einem großen Tuch ausschütteln oder klopfen, Samen herausfallen lassen. Pappushaare durch Absieben (feines Sieb oder Leinentuch) entfernen. Früchte in einer einzigen Schicht bei max. 40 °C im Dörrautomat oder an der Luft nachtrocknen — Restfeuchte unter 10 %. Ganze, ungemörserte Früchte in luftdichten dunklen Gläsern lagern; erst kurz vor Gebrauch zerstoßen (Silymarin oxidiert nach Zerkleinern rasch).
- Lagerung:
- 24 Monate — Ganze Früchte (ungeklopft) dunkel, trocken und luftdicht — bis 2 Jahre haltbar. Nach dem Zerstoßen/Mahlen rasch verwenden (max. 2–4 Wochen in Schraubglas). Standardisierte Präparate laut Packungsbeilage lagern.
- Tageszeit:
- Trockene, kühle Morgenstunden (8–11 Uhr) für Blätter — junge Rosetten-Blätter im frühen Frühjahr ernten, bevor der Blütenstengel austreibt (März–April). Ältere Blätter werden zäh und intensiv bitter. Handschuhe notwendig wegen Blattstacheln.
- Trocknung:
- Junge Blätter ernten, Stacheln sofort mit Küchenschere entfernen (in der Küche) oder Blätter vor dem Trocknen komplett entstacheln. Blätter in einer Schicht auf Tüchern oder Sieben ausbreiten, im Schatten an luftigem Ort bei max. 35–40 °C trocknen, bis sie papierartig knistern. Mehrfach wenden, damit keine feuchten Stellen bleiben. Getrocknete Blätter grob zerreiben und in Schraubgläsern dunkel lagern. Frische Blätter können auch direkt als Gemüse (blanchiert) oder Salat (roh, entdornt) genutzt werden — keine Trocknung nötig.
- Lagerung:
- 12 Monate — Getrocknete Blätter luftdicht, dunkel und kühl — innerhalb 1 Jahr aufbrauchen. Bei Farbverlust (Vergilben) oder muffigem Geruch entsorgen.
- Silymarin (Flavonolignan-Komplex: Silibinin A+B, Isosilibinin A+B, Silychristin, Silydianin)FlavonoidAnteil: 1.5-3 %Frucht
Leitsubstanzkomplex der Mariendistelfrucht. Silibinin (= Silybin, Summe A und B) macht 50–70 % des Silymarins aus und ist der pharmakologisch wirksamste Anteil. Mechanismus: Hemmung des rezeptorvermittelten Eindringens von Toxinen (u. a. Amatoxinen) in die Leberzelle über OATP1B1/1B3-Transporter; Membranstabilisierung durch Wechselwirkung mit Phospholipid-Doppelschicht; Förderung der RNA-Polymerase-I-Aktivität (erhöhte Proteinsynthese in Hepatozyten); radikalfangende und antioxidative Wirkung. Sehr schlecht wasserlöslich — Tee kaum wirksam, Extrakte notwendig.
- Silibinin (Silybin) — isolierter ReinstoffFlavonoidAnteil: 0.9-2 %Frucht
Wichtigste Einzelkomponente des Silymarin-Komplexes (ca. 60 % des Gesamtsilymarins). Als halbsynthetisches Derivat (Silibinin-Hemisuccinat, Legalon SIL) intravenös zur Behandlung akuter Amatoxin-Vergiftungen zugelassen. In-vitro und klinisch auch antifibrotische und mögliche antiproliferative Aktivität bei Leberfibrose untersucht.
- Fettes Öl (Linolsäure, Ölsäure, Palmitinsäure)SonstigeAnteil: 20-30 %Frucht
Hauptbestandteil der Frucht nach Gewicht. Dominante Fettsäuren: Linolsäure (ca. 50–60 %), Ölsäure (ca. 25–30 %), Palmitinsäure (ca. 7–9 %). Das fette Öl umhüllt den Silymarin-Komplex in der Fruchtschale — Früchte müssen zerstoßen werden, damit Silymarin freigegeben wird. Qualität des Mariendistel-Samenöls kalt gepresst als Speiseöl nutzbar.
- Flavonoide (Taxifolin, Quercetin, Kaempferol, Apigenin)FlavonoidAnteil: 0.1-0.5 %Frucht
Begleit-Flavonoide neben dem Silymarin-Komplex. Taxifolin (Dihydroquercetin) ist eine Vorstufe im Silymarin-Biosyntheseweg. Antioxidative Eigenschaften; unterstützen die Gesamtwirkung des Fruchtextrakts. Gehalte deutlich niedriger als Silymarin.
- Proteine und AminosäurenSonstigeAnteil: 25-30 %Frucht
Hochwertige Proteinfraktion mit allen essentiellen Aminosäuren — macht die Frucht ernährungsphysiologisch wertvoll als Nahrungsergänzung. Pharmakologisch wenig relevant. Eiweißgehalt erklärt, warum gemahlene Samen in Smoothies und Müslis als proteinreiche Ergänzung geschätzt werden.
- Phytosterole (Beta-Sitosterol, Campesterol, Stigmasterol)SonstigeAnteil: 0.1-0.2 %Frucht
Pflanzliche Sterole im Fruchtöl; können LDL-Cholesterin leicht senken (cholesterin-kompetitive Resorptionshemmung im Darm). Beitrag zum ernährungsphysiologischen Profil des Samenöls; kein relevanter Einfluss auf die hepatoprotektive Hauptwirkung des Silymarins.
- Schleimstoffe und PolysaccharideSchleimstoffAnteil: < 1 %Frucht
Kleinere Fraktion wasserlöslicher Polysaccharide und Schleime in der Frucht. Diese Begleitstoffe sind im Teeaufguss löslich und tragen zur mild reizmildernden und verdauungsunterstützenden Wirkung bei — erklärt den volksheilkundlichen Einsatz des Tees bei Magenbeschwerden trotz schlechter Silymarin-Wasserlöslichkeit.
- Bittere Phenolverbindungen (Chlorogensäure, Kaffeesäure)PhenolsäureAnteil: 0.05-0.2 %Krautige Teile
Phenolcarbonsäuren in Blättern und in geringem Maße in Früchten. Chlorogensäure und Kaffeesäure tragen zur bitter-aromatischen Note und zur cholagogen (galleflussanregenden) Wirkung der Blätter-Zubereitungen bei. Antioxidativ und mäßig entzündungshemmend. Gut wasserlöslich — werden bei Teeaufguss vollständig extrahiert.
- [1]MonographieEMA/HMPC/294187/2013 — European Union herbal monograph on Silybum marianum (L.) Gaertn., fructus (Final, 5 June 2018)(abgerufen: 2026-05-21)
- [2]MonographieKommission E — Cardui mariae fructus (Mariendistelfrüchte), Monographie positiv, BAnz Nr. 50 vom 13.03.1986, revidiert 1992(abgerufen: 2026-05-21)
- [3]MonographieESCOP Monographs — Silybi mariani fructus (Milk Thistle Fruit), 2nd edition supplemented 2009(abgerufen: 2026-05-21)
- [5]MonographiePlants For A Future (PFAF) — Silybum marianum database entry(abgerufen: 2026-05-21)
- [6]MonographieRambaldi A, Jacobs BP, Iaquinto G, Gluud C. Milk thistle for alcoholic and/or hepatitis B or C virus liver diseases. Cochrane Database Syst Rev. 2005;(2):CD003620. DOI: 10.1002/14651858.CD003620.pub2(abgerufen: 2026-05-21)
- [10]MonographieCliniTox Giftpflanzen — Silybum marianum (L.) Gaertn.: giftig + (Institut für Veterinärpharmakologie und -toxikologie, Universität Zürich)(abgerufen: 2026-08-10)
- [4]BuchWichtl, Max (Hrsg.) — Teedrogen und Phytopharmaka. 5. Auflage, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 2009. Eintrag: Silybi mariani fructus (Mariendistelfrüchte), S. 586–590.(abgerufen: 2026-05-21)
- [9]BuchMadaus, Gerhard — Lehrbuch der biologischen Heilmittel, Band II: Carduus marianus (Mariendistel), 1938 (Public Domain)(abgerufen: 2026-05-21)
- [7]WikipediaMariendistel (Wikipedia DE)(abgerufen: 2026-05-21)
- [8]WikipediaSilybum marianum — Milk thistle (Wikipedia EN)(abgerufen: 2026-05-21)