© Unknown (see Commons) · Public domain · Commons
Fenchel
VorsichtFennel · (Foeniculum vulgare)
Doldenblütler (Apiaceae)
Beschreibung
Die feingliedrigen, dillähnlichen Blätter und der markant anisartige Duft machen Fenchel unverwechselbar; genutzt werden vor allem die im Spätsommer reifenden, länglichen Früchte. Diese enthalten je nach Sorte 2 bis 6 Prozent ätherisches Öl mit hohem Anteil an trans-Anethol, dem der typische süßliche Geschmack zu verdanken ist. Traditionell wird ein Aufguss aus zerstoßenen Fenchelfrüchten bei Verdauungsbeschwerden wie Blähungen getrunken, ebenso bei Husten und Reizungen der Atemwege. Wichtig ist, die Samen vor dem Aufbrühen zu zerstoßen, da ganze Früchte das ätherische Öl kaum abgeben. Reines ätherisches Fenchelöl ist hochkonzentriert und darf bei Säuglingen und Kleinkindern nicht angewendet werden; bei bekannter Allergie gegen Doldenblütler sollte auf Fenchel verzichtet werden. Bei anhaltenden Beschwerden über eine bis zwei Wochen hinaus ist ärztlicher Rat gefragt.
Klassischer Verdauungstee bei leichten krampfartigen Magen-Darm-Beschwerden, Blähungen und Völlegefühl. Anethol wirkt karminativ und entspannt die glatte Muskulatur des Darms.
Anleitung & Dosierung
WICHTIG — Samen vor dem Aufguss im Mörser zerstoßen, sonst kommt das ätherische Öl nicht aus den Früchten. 1,5–2,5 g zerstoßene Fenchelfrüchte (~1 gehäufter TL) mit 150 ml siedendem Wasser übergießen, zugedeckt 10–15 Minuten ziehen, abseihen. 3–4× täglich frisch zwischen den Mahlzeiten. Max ~7 g/Tag.
- Trockenmenge
- 1.5–2.5 g
- Anwendungen/Tag
- 4×
- Max. Anwendungsdauer
- 2 Wochen
⚠ Altersbeschränkung: ≥ 4 Jahre — Laut EMA ab 4 Jahren. Unter 4 Jahren nicht empfohlen. Reines ätherisches Fenchelöl NICHT bei Säuglingen/Kleinkindern (Estragol).
Hustentee bei produktivem Erkältungshusten — Anethol fördert die Sekretolyse.
Anleitung & Dosierung
Samen zuerst im Mörser zerstoßen. 1,5–2,5 g + 150 ml kochendes Wasser, zugedeckt 10–15 Minuten ziehen, abseihen. Bei Erkältungshusten und Halskratzen 2–3× täglich warm trinken — Anethol wirkt sekretolytisch und löst zähen Schleim.
- Trockenmenge
- 1.5–2.5 g
- Anwendungen/Tag
- 3×
- Max. Anwendungsdauer
- 1 Wochen
⚠ Altersbeschränkung: ≥ 4 Jahre — Ab 4 Jahren.
Konzentriertere Anwendung bei Verdauungsbeschwerden und Erkältungshusten.
Anleitung & Dosierung
Fertige Fencheltinktur (DAB, meist 1:5 in 70 % Ethanol): 2–5 ml (~40–100 Tropfen) in einem Glas Wasser 3× täglich nach den Mahlzeiten. Nicht für Schwangere, Stillende, Kinder unter 12.
- Flüssigkeit
- 2–5 ml
- Anwendungen/Tag
- 3×
- Max. Anwendungsdauer
- 2 Wochen
⚠ Altersbeschränkung: ≥ 12 Jahre — Alkoholische Tinktur erst ab 12 Jahren.
Quellen: [1]
Süßer Kinder-Hustensaft auf Fenchel-Basis — beruhigt den Hustenreiz und schmeckt Kindern.
Anleitung & Dosierung
FENCHELHONIG für Kinder ab 4 Jahren: am einfachsten Fertigprodukt aus Apotheke (Aspecton, Tussamag, Hausmittel-Fenchelhonig). Dosierung nach Packungsbeilage, meist 1 TL mehrmals täglich. Selbstgemacht: 1 TL zerstoßene Samen mit 150 ml Wasser 10 Minuten köcheln, abseihen, mit 2 EL Honig (kein Honig unter 1 Jahr!) verrühren. Bei Husten und leichten Blähungen.
- Trockenmenge
- 0.5–1 g
- Anwendungen/Tag
- 3×
- Max. Anwendungsdauer
- 1 Wochen
⚠ Altersbeschränkung: ≥ 4 Jahre — Ab 4 Jahren. Säuglinge/Kleinkinder nur unter ärztlicher Aufsicht. Honig erst ab 1 Jahr (Botulismus).
Quellen: [2]
Fenchelsamen IMMER vor dem Aufguss zerstoßen — ganze Samen geben das ätherische Öl praktisch nicht ab. Bei Beschwerden länger als 1 Woche (Husten) bzw. 2 Wochen (Verdauung): Arzt. Reines ätherisches Fenchelöl ist hochkonzentriert und darf NICHT bei Säuglingen/Kleinkindern angewendet werden (Estragol, Verdacht auf kanzerogene Wirkung in hohen Dosen). Bei Allergie gegen Doldenblütler (Apiaceae) auf Fenchel verzichten. Phototoxische Hautreaktionen nach äußerlicher Anwendung sehr selten. ASPCA-Einstufung (abgerufen 2026-08-10): für Hunde und Katzen ungiftig.
⏱ Max. Daueranwendung: 2 Wochen
Küchenübliche Mengen unbedenklich. Therapeutische Dosen wegen Estragol-Gehalt vermeiden. EMA spricht aus Vorsicht generelle Kontraindikation aus.
Traditionell als milchfördernd geschätzt. Küchenübliche Mengen OK; therapeutische Dosen meiden. Anethol geht in die Muttermilch über und kann beim Säugling beruhigend wirken.
Fencheltee in milden Säuglingstee-Mengen ist traditionell weit verbreitet. EMA: offiziell ab 4 Jahren. Reines ätherisches Fenchelöl KONTRAINDIZIERT bei Säuglingen/Kleinkindern (Laryngospasmus-Risiko). Tinktur erst ab 12.
Wechselwirkungen
Östrogene / hormonelle Kontrazeptiva / Tamoxifen
Anethol hat schwache östrogenartige Wirkung. Bei hormonsensiblen Tumoren oder Tamoxifen-Therapie regelmäßige therapeutische Anwendung vorsorglich nicht empfohlen. Küchenübliche Mengen unkritisch.
Ciprofloxacin und andere Fluorchinolone
Theoretisch könnten Polysaccharide und Schleimstoffe die Antibiotika-Resorption vermindern. Mindestens 2 Stunden Abstand.
Kontraindikationen
- Überempfindlichkeit gegen Fenchel oder andere Doldenblütler (Anis, Sellerie, Karotte, Kümmel, Petersilie).
- Kinder unter 4 Jahren zur Selbstmedikation.
- Reines ätherisches Fenchelöl bei Säuglingen/Kleinkindern absolut kontraindiziert.
- Therapeutische Dosen in Schwangerschaft und Stillzeit.
Erntet wird: reife Früchte
- Tageszeit:
- An trockenem Vormittag, sobald der Tau abgetrocknet ist.
- Trocknung:
- Doldenstiele schneiden, sobald Früchte gelblich-grün bis grau-braun ausgereift, aber noch fest in der Dolde sitzen — wartet man zu lange, rieseln sie aus.
- Lagerung:
- 24 Monate — GANZE, ungemahlene Samen luftdicht, dunkel, kühl lagern — so halten sie ihr ätherisches Öl 2 Jahre. Erst direkt vor Gebrauch zerstoßen — gemahlene Samen verlieren Wirkung in Wochen.
- Ätherisches Öl (Bitterfenchel)Ätherisches ÖlAnteil: 4–6 %Frucht
EMA-Mindestgehalt 40 ml/kg. trans-Anethol min. 60 %, Fenchon min. 15 % (gibt bitteren kampferartigen Geschmack), Estragol höher als in Süßfenchel.
- Ätherisches Öl (Süßfenchel)Ätherisches ÖlAnteil: 2–6 %Frucht
Süßfenchel: trans-Anethol min. 80 %, weniger Fenchon (~7,5 %). Niedrigerer Estragol-Gehalt — bevorzugt für Kindertee und Stilltees.
- trans-AnetholÄtherisches ÖlAnteil: 60–80 %Frucht
Hauptkomponente. Karminativ, spasmolytisch, sekretolytisch. Verantwortlich für den Anis-artigen Geschmack.
- FenchonÄtherisches ÖlAnteil: 1–20 %Frucht
Bicyclisches Keton, gibt Bitterfenchel den typischen kampferartigen Beigeschmack. Trägt zur spasmolytischen Wirkung bei.
- Estragol (Methylchavicol)Ätherisches ÖlAnteil: 1–10 %Frucht
Steht im Verdacht, in hohen Dosen kanzerogen zu wirken. Hauptgrund warum reines ätherisches Fenchelöl nicht bei Säuglingen/Schwangeren angewendet werden darf. Im Tee sind die Mengen sehr gering und unkritisch.
- Cumarine (Bergapten, Umbelliferon, Scopoletin)PhenolsäureAnteil: SpurenFrucht
Furanocumarine in Spuren — können selten phototoxische Hautreaktionen auslösen.
- Flavonoide (Quercetin-, Kaempferol-Glykoside, Rutin)FlavonoidFrucht
Mild antioxidativ und entzündungshemmend.
- Fettes ÖlSonstigeAnteil: 10–20 %Frucht
Reich an Petroselinsäure (~60 %), typisch für Doldenblütler. Für Tee irrelevant.
- [1]MonographieEMA/HMPC/372841/2016 Rev.1 — European Union herbal monograph on Foeniculum vulgare subsp. vulgare var. vulgare, fructus (Bitter fennel, Final, 31 August 2022)(abgerufen: 2026-05-18)
- [2]MonographieEMA/HMPC/372839/2016 Rev.1 — European Union herbal monograph on Foeniculum vulgare subsp. vulgare var. dulce, fructus (Sweet fennel, Final, 31 August 2022)(abgerufen: 2026-05-18)
- [3]MonographieASPCA Animal Poison Control — Fennel (Foeniculum vulgare)(abgerufen: 2026-08-10)
Verbreitung in Europa
🤝 Permakultur-Partner
Diese Pflanze ist in deinem Garten ein/e:
⚠️ Besser nicht zusammen pflanzen
- 🥬 Dill Fenchel und Dill kreuzen sich genetisch und konkurrieren.
- 🥬 Echter Sellerie Klassischer Mischkultur-Partner.
- 🥬 Paprika Klassischer Mischkultur-Partner.
- 🥬 Echter Kümmel Klassischer Mischkultur-Partner.
- 🥬 Echter Koriander Fenchel hemmt Koriander-Keimung (Apiaceae-Konflikt).
- 🥬 Petersilie Klassischer Mischkultur-Partner.
- 🥬 Tomate Fenchel hemmt Tomaten-Wachstum stark (allelopathisch).
- 🥬 Große Kapuzinerkresse Fenchel ist stark allelopathisch und hemmt fast alle Nachbarn.
Quelle: Gertrud Franck, Gesunder Garten durch Mischkultur (1980, eigene Kuration)