© Frank Liebig · CC BY-SA 3.0 de · Commons
Artischocke
VorsichtArtichoke · (Cynara scolymus)
Korbblütler (Asteraceae)
Beschreibung
Was auf dem Teller landet, ist ein noch geschlossener Blütenstand: Die fleischigen Hüllblätter und der Blütenboden der Artischocke werden geerntet, bevor sich die violette Blüte öffnet. Die distelartige Staude wird über einen Meter hoch und stammt aus dem Mittelmeerraum. Arzneilich genutzt wird jedoch nicht die Knospe, sondern das große, graugrüne Laubblatt. Es enthält das Sesquiterpenlacton Cynaropikrin, dem die ausgeprägte Bitterkeit zu verdanken ist, dazu Caffeoylchinasäuren wie Chlorogensäure und Cynarin sowie Flavonoide. Blattzubereitungen werden traditionell bei Völlegefühl, Blähungen und träger Verdauung eingesetzt, besonders nach fettem Essen: Die Bitterstoffe regen Gallenfluss und Magensaft an. Vor einer solchen Anwendung sollten Gallensteine und ein Verschluss der Gallenwege ärztlich ausgeschlossen sein, denn der angeregte Gallenfluss kann sonst eine Kolik auslösen.
In der Schwangerschaft KONTRAINDIZIERT
Artischockenblatt-Zubereitungen in der Schwangerschaft mangels Sicherheitsdaten nicht empfohlen (EMA). Cholerische Wirkung theoretisch ungünstig.
In der Stillzeit KONTRAINDIZIERT
In der Stillzeit mangels Daten nicht empfohlen.
Bei Kindern KONTRAINDIZIERT
Laut EMA-Monographie nur für Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren. Nicht für Kinder unter 12.
Traditionelle Anwendung bei dyspeptischen Beschwerden: Völlegefühl, Blähungen, Übelkeit und verlangsamte Verdauung — besonders nach fettem oder reichem Essen. Cynaropikrin regt Gallenfluss und Magensaftproduktion an, Caffeoylchinasäuren wirken choleretisch und leberschützend.
Anleitung & Dosierung
FERTIGPRÄPARAT — TINKTUR oder TROCKENEXTRAKT (empfohlene Form; standardisierte Gehalte sichern Wirksamkeit): Standardisierte Artischocken-Fertigarzneimittel gemäß Packungsbeilage verwenden. Tinktur (1:5, Ethanol 25 %): typisch 1–3 ml in Wasser 3× täglich 15–30 Minuten vor den Mahlzeiten. Trockenextrakt (DEV 25–35:1): typisch 320–640 mg pro Einzeldosis, 2–3× täglich. Der Bittergeschmack regt über die Mundschleimhaut Speichel- und Gallenfluss an — Tropfen/Kapseln kurz vor dem Essen einnehmen.
- Anwendungen/Tag
- 3×
- Max. Anwendungsdauer
- 2 Wochen
⚠ Altersbeschränkung: ≥ 12 Jahre — Laut EMA-Monographie für Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren.
Bitterer Tee zur Anregung der Verdauung und des Gallenflusses bei Völlegefühl und Blähungen. In der Praxis weniger verbreitet als Tinkturen und Kapseln wegen des intensiven Bittergeschmacks.
Anleitung & Dosierung
HEISSER AUFGUSS (sehr bitter — Tinktur/Trockenextrakt sind in der Praxis beliebter): 1,5–2 g fein geschnittene Artischockenblätter mit 150–200 ml siedendem Wasser übergießen, 10 Min zugedeckt ziehen, abseihen. 2–3× täglich 30 Min vor den Mahlzeiten. Bitterkeit nicht mit Zucker mildern — die Bitterkeit IST der Wirkmechanismus (Aktivierung von Bitterrezeptoren).
- Trockenmenge
- 1.5–2 g
- Anwendungen/Tag
- 3×
- Max. Anwendungsdauer
- 2 Wochen
⚠ Altersbeschränkung: ≥ 12 Jahre — Ab 12 Jahren.
Quellen: [1]
Traditionelle volksmedizinische Nutzung von Artischockenblättern als Leberschutzmittel. Die Caffeoylchinasäuren (Chlorogensäure, Cynarin) schützen Hepatozyten-Membranen vor oxidativem Schaden. Moderne Forschung bestätigt hepatoprotektive Wirkung in Tiermodellen, klinische Daten beim Menschen begrenzt.
Anleitung & Dosierung
TROCKENEXTRAKT als Leberschutzmittel: Standardisierte Fertigpräparate gemäß Packungsbeilage verwenden. Typisch 320–640 mg Trockenextrakt 2–3× täglich über 4–8 Wochen bei Leberschutz-Indikation. Ärztliche Kontrolle bei Lebererkrankungen empfohlen.
- Anwendungen/Tag
- 3×
- Max. Anwendungsdauer
- 8 Wochen
⚠ Altersbeschränkung: ≥ 18 Jahre — Für Leberschutz-Indikation nur Erwachsene.
In einzelnen kontrollierten Studien untersuchte Anwendung zur unterstützenden Senkung leicht erhöhter Cholesterinwerte. Luteolin hemmt in vitro die HMG-CoA-Reduktase (Cholesterin-Biosynthese). Wirkung mild und kein Ersatz für Statine.
Anleitung & Dosierung
STANDARDISIERTER TROCKENEXTRAKT zur unterstützenden Senkung leicht erhöhter Cholesterinwerte: typische Tagesdosis 600–1920 mg (320–640 mg pro Einzeldosis, 2–3× täglich), über 6–12 Wochen. HINWEIS: Diese Indikation ist NICHT EMA-anerkannt als 'traditional use' — basiert auf einzelnen RCTs. Gallensteinstatus vorher abklären, Cholesterinwerte ärztlich überwachen. Kein Ersatz für Statintherapie.
- Trockenmenge
- 0.6–1.92 g
- Anwendungen/Tag
- 3×
- Max. Anwendungsdauer
- 12 Wochen
⚠ Altersbeschränkung: ≥ 18 Jahre — Nur Erwachsene ab 18 Jahren.
Frisch geerntete Artischockenblütenknospen roh verzehrt: Blütenböden und Blütenhüllblätter-Basen als Rohkost in kleinen Mengen. Inulin in den Blütenböden und -stielen (10–30 % i. TM) wirkt präbiotisch und fördert das Wachstum nützlicher Darmbakterien. Volksmedizinisch auch als Verdauungsmittel und milde Entschlackungshilfe eingesetzt.
In Vietnam und Rumänien traditionell als Gesundheitstee ('Ceai de Anghinare') mit Gallenfluss- und verdauungsfördernder Wirkung getrunken. Milder Bittergeschmack und niedriger Extraktgehalt machen ihn alltagstauglich.
Anleitung & Dosierung
ARTISCHOCKENTEE AUS GETROCKNETEN BLÄTTERN — VOLKSMEDIZIN VIETNAM / RUMÄNIEN: 1–2 g getrocknete Artischockenblätter mit 200 ml heißem Wasser, 5 Min ziehen, abseihen. 1–2 Tassen täglich nach den Mahlzeiten. Milder und verträglicher als europäische Bitterstoff-Konzentrate — in vietnamesischer Küche als alltäglicher Gesundheitstee üblich.
- Trockenmenge
- 1–2 g
- Anwendungen/Tag
- 2×
- Max. Anwendungsdauer
- 4 Wochen
Vor Anwendung Gallensteine und Gallenwegsverschluss ärztlich ausschließen — Artischocke regt Gallenfluss an und kann bei Gallensteinen eine Gallenkolik auslösen. Bei Beschwerden, die länger als 2 Wochen andauern, bei Gelbsucht-Verdacht (gelbe Haut/Augen), starken Bauchschmerzen oder Fieber sofort Arzt konsultieren. Bei bekannter Korbblütler-Allergie (Beifuß, Ambrosia, Kamille, Ringelblume) erhöhtes Risiko für Kreuzreaktion. Schwangerschaft, Stillzeit und Kinder unter 12 Jahren: nicht anwenden.
⏱ Max. Daueranwendung: 2 Wochen
Artischockenblatt-Zubereitungen in der Schwangerschaft mangels Sicherheitsdaten nicht empfohlen (EMA). Cholerische Wirkung theoretisch ungünstig.
In der Stillzeit mangels Daten nicht empfohlen.
Laut EMA-Monographie nur für Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren. Nicht für Kinder unter 12.
Wechselwirkungen
Arzneimittel mit biliärer Elimination
Choleretische Eigenschaften können die Ausscheidung gallengängiger Arzneimittel theoretisch beeinflussen. Bei Dauermedikation mit gallengängigen Substanzen ärztliche Rücksprache empfohlen.
Antidiabetika (Insulin, orale Antidiabetika)
Inulin aus Artischocke kann den Blutzucker geringfügig beeinflussen. Bei intensiver antidiabetischer Therapie Kontrolle des Blutzuckerspiegels empfohlen.
Kontraindikationen
- Verschluss der Gallenwege (Cholestase) — Artischocke regt Gallenfluss an, kann bei Abflussstörung verschlimmern.
- Gallensteine (Cholelithiasis) — nur nach ärztlicher Rücksprache.
- Lebererkrankungen mit eingeschränkter Leberfunktion — nur unter ärztlicher Aufsicht.
- Überempfindlichkeit gegen Artischocke oder andere Korbblütler (Asteraceae): Beifuß, Ambrosia, Kamille, Ringelblume.
- Schwangerschaft, Stillzeit, Kinder und Jugendliche unter 12 Jahren.
Erntet wird: Blätter (vor der Blüte)
- Tageszeit:
- Trockener Vormittag nach Abtrocknen des Taus, vor der Mittagshitze. WICHTIG: Grundblätter VOR der Blüte ernten — dann ist der Bitterstoffgehalt (Cynaropikrin) am höchsten. Im 2. Standjahr erste Ernte möglich.
- Trocknung:
- Große, gesunde Grundblätter (NICHT die kulinarischen Blütenknospen!) ernten. Mittelrippe entfernen (harte Rippe verlangsamt Trocknung). In 1–2 cm breite Streifen schneiden, einlagig im Schatten bei max. 40 °C trocknen — höhere Temperaturen verflüchtigen Cynaropikrin. Blätter sind trocken wenn sie rascheln und brechen.
- Lagerung:
- 12 Monate — Luftdicht, lichtgeschützt, trocken. Innerhalb 12 Monate verwenden — Bitterstoffgehalt nimmt mit Zeit ab.
- Tageszeit:
- Blütenknospen für Lebensmittel-/Inulin-Nutzung ernten sobald voll entwickelt, kurz vor dem Öffnen (maximaler Inulingehalt). Morgens nach Tauabtrocknung.
- Trocknung:
- FRISCHVERWENDUNG als Gemüse — keine Trocknung notwendig. Blütenböden und Blättchenbasen können frisch verzehrt werden (roh in kleinen Mengen oder gedämpft/gekocht).
- Lagerung:
- 1 Monate — Frische Blütenknospen im Kühlschrank 1–2 Wochen. Nicht tiefkühlen ohne Vorbehandlung.
- Cynaropikrin (Sesquiterpenlacton)BitterstoffAnteil: ~2–4 %Blatt
Hauptbitterstoff und wichtigster choleretischer Wirkstoff. Guajanolid-Typ-Sesquiterpenlacton; verantwortlich für den intensiv bitteren Geschmack. Aktiviert Bitterrezeptoren (TAS2R) in Mund und GI-Trakt und stimuliert Gallen- und Magensaftsekretion. Hitzelabiler als Caffeoylchinasäuren — frische Blätter höherer Gehalt.
- Caffeoylchinasäuren (Chlorogensäure, Cynarin, Dicaffeoylchinasäuren)PhenolsäureAnteil: ~2–4 %Blatt
Phenolische Säuren mit choleretischer, leberschützender (hepatoprotektiver) und antioxidativer Wirkung. Chlorogensäure dominant; Cynarin (1,3-O-Dicaffeoylchinasäure) gilt heute teils als Artefakt der Extraktion — entsteht durch Veresterung bei Verarbeitung. Hemmung von Lipidperoxidation in Hepatozytenmembranen in vitro belegt.
- Flavonoide (Luteolin-7-glucosid / Cynarosid, Scolymosid, Apigenin-Glykoside)FlavonoidAnteil: ~0,1–1 %Blatt
Luteolin-Glykoside (Cynarosid = Luteolin-7-glucosid, Scolymosid = Luteolin-7-rutinosid) dominant. Luteolin hemmt in vitro HMG-CoA-Reduktase (Cholesterin-Biosynthese) und hat antioxidative, antiinflammatorische Eigenschaften. Beitrag zur cholesterinsenkenden Wirkung von Artischocken-Extrakten.
- Sesquiterpene (Cynaratriol, weitere Guajanolide)SesquiterpenBlatt
Weitere bittere Sesquiterpenlactone neben Cynaropikrin; tragen zum Gesamtbitterstoff-Profil bei. Cynaratriol ist ein Abbauprodukt von Cynaropikrin.
- Inulin (Fructan-Typ-Polysaccharid)PolysaccharidAnteil: 10–30 %Wurzel
Besonders in Wurzeln und Blütenböden. Inulin ist ein präbiotischer Ballaststoff (β(2→1)-verknüpfte Fructan-Ketten), der Bifidobacterium und Lactobacillus im Dickdarm selektiv fördert. Inulin trägt zu den nutritiven Eigenschaften der Artischocke bei; für die EMA-Indikationen (Blatt-Extrakt) nicht relevant.
- Phytosterole (Taraxasterol, Spinasterol)SonstigeBlatt
Triterpene und Phytosterole im Blatt, darunter Taraxasterol. Tragen zum antioxidativen Gesamtprofil bei; pharmakologisch bei Standarddosierung nicht dominant.
- Ätherisches Öl (Spuren, u. a. β-Caryophyllen, Caryophyllenoxid)Ätherisches ÖlAnteil: <0,1 %Blatt
Nur Spuren ätherisches Öl im Blatt; Sesquiterpene dominant. Kein therapeutischer Beitrag bei Standarddosierung.
- [1]MonographieEMA/HMPC/194013/2017 — European Union herbal monograph on Cynara cardunculus L. (syn. Cynara scolymus L.), folium (Final)(abgerufen: 2026-05-18)
- [4]MonographieMehmetoglu et al. (2025) — Protective effect of artichoke leaf and receptaculum extracts against hepatic encephalopathy in bile duct ligated rats. Metabolic Brain Disease. doi:10.1007/s11011-025-01701-y(abgerufen: 2026-05-21)
- [5]MonographieRondanelli et al. (2024) — Functional and Therapeutic Potential of Cynara scolymus in Health Benefits. PMC10974306(abgerufen: 2026-05-21)
- [2]WikipediaArtischocke (Wikipedia DE)(abgerufen: 2026-05-21)
- [3]WikipediaArtichoke (Wikipedia EN)(abgerufen: 2026-05-21)