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Gewöhnliches Hirtentäschel
VorsichtCapsella bursa-pastoris · (Capsella bursa-pastoris)
Kreuzblütler (Brassicaceae)
Beschreibung
Die winzigen, herzförmigen Fruchtschötchen geben dem Hirtentäschel seinen Namen und machen es das ganze Jahr über auf Wegrändern und Äckern erkennbar. Das blühende Kraut ist seit Generationen das wichtigste blutstillende Kraut der Volksmedizin und wurde im Ersten Weltkrieg sogar als Ersatz für Mutterkornpräparate verwendet; die Kommission E bestätigt die Anwendung bei zu starken oder verlängerten Menstruationsblutungen. Volksheilkundlich dienten Auflagen aus dem Kraut auch zur Blutstillung bei kleineren Wunden und Nasenbluten. Im Frühjahr zählen die jungen Blätter zu den traditionellen 'neun Kräutern' der Gründonnerstagssuppe und schmecken nussig-kresseartig. Die enthaltenen Cholin- und Tyramin-ähnlichen Substanzen wirken uteruskontrahierend, weshalb Hirtentäschel während der Schwangerschaft gemieden werden sollte; bei bestehender Bluthochdruck- oder Blutverdünnertherapie ist vorab ärztlicher Rat einzuholen, und eine dauerhafte, unterbrechungsfreie Einnahme wird nicht empfohlen.
In der Schwangerschaft KONTRAINDIZIERT
In der Schwangerschaft strikt zu meiden. Hirtentäschel war historisch ein klassischer Wehenförderer ('Heimwehkraut der Hebammen') und wurde gezielt zur Stimulation der Gebärmutterkontraktion und zur Stillung postpartaler Blutungen eingesetzt — vor Einsetzen der Wehen daher kontraindiziert wegen möglichem Abortrisiko und vorzeitigen Wehen. Auch keine kulinarische Anwendung in grösseren Mengen.
Kritische Wechselwirkungen mit:
MAO-Hemmer (Tranylcypromin, Moclobemid, Selegilin)
Klassiker bei zu starken, verlängerten oder zu häufigen Menstruationsblutungen (Menorrhagie, Metrorrhagie) sowie bei symptomatischen Nachblutungen und kapillären Sickerblutungen. Kommission E positiv bewertet (Monographie 'Bursae pastoris herba').
Anleitung & Dosierung
Hauptpräparat der Volksmedizin zur Blutstillung: bei Menorrhagie, Nasenbluten, Hämorrhoidalblutungen und postpartalen Nachblutungen. Hirtentäschel-Tinktur war im 1. Weltkrieg Ersatzmittel für Mutterkornpräparate.
Anleitung & Dosierung
Volksmedizinische Wundkompresse bei kleineren blutenden Schnitt- und Schürfwunden, Nasenbluten (Tampon), Hämorrhoidalblutungen und oberflächlichen Hautverletzungen — blutstillend und adstringierend.
Anleitung & Dosierung
Frühjahrs-Wildkraut: junge Grundblätter werden roh in Salaten, als Spinat-Ersatz, in Wildkräutersuppen, Kräuterquark und Pestos verwendet — nussig-kresseartiger Geschmack (Glucosinolate, typisch Brassicaceae). Vitaminreich und mineralreich, gehörte traditionell zu den 'neun Kräutern' der Gründonnerstagssuppe.
Anleitung & Dosierung
Volksmedizinisch bei Zahnfleischbluten, leichten Zahnfleischentzündungen (Gingivitis) und blutendem Mundraum nach Zahnextraktion — adstringierend und hämostatisch.
Anleitung & Dosierung
Volksmedizinisch unterstützend bei leichten Bluthochdruckbeschwerden und als mildes Diuretikum bei Wassereinlagerungen — die blutdruckregulierenden und schwach harntreibenden Eigenschaften der Pflanze werden seit Jahrhunderten genutzt (Tyramin-Gehalt, Flavonoide).
Anleitung & Dosierung
Hirtentäschel enthält Cholin, Acetylcholin und Tyramin-ähnliche Substanzen mit uteruskontrahierender, blutdruck- und herzfrequenzbeeinflussender Wirkung. Während der Schwangerschaft kontraindiziert (traditioneller Wehenförderer; das Mittel wurde in der Geburtshilfe gezielt zur Stimulation der Uteruskontraktion eingesetzt). Bei bestehender Hypertonie- oder Antikoagulanzientherapie nur nach ärztlicher Rücksprache. Längere ununterbrochene Einnahme nicht empfohlen — kurweise um die Menstruation einsetzen. Die hämostatische Wirkung schwächt sich bei langer Trocken-Lagerung deutlich ab; frische Droge oder frisch-zubereitete Tinktur bevorzugen.
⏱ Max. Daueranwendung: 4 Wochen
In der Schwangerschaft strikt zu meiden. Hirtentäschel war historisch ein klassischer Wehenförderer ('Heimwehkraut der Hebammen') und wurde gezielt zur Stimulation der Gebärmutterkontraktion und zur Stillung postpartaler Blutungen eingesetzt — vor Einsetzen der Wehen daher kontraindiziert wegen möglichem Abortrisiko und vorzeitigen Wehen. Auch keine kulinarische Anwendung in grösseren Mengen.
Keine ausreichenden Sicherheitsdaten in der Stillzeit. Wegen der enthaltenen Amine (Cholin, Acetylcholin, Tyramin) und der traditionellen Anwendung als Uterotonikum sollte therapeutische Einnahme in der Stillzeit gemieden oder nur nach Rücksprache mit Hebamme/Arzt erfolgen. Geringe kulinarische Mengen junger Frühjahrsblätter im Salat gelten als unbedenklich.
Bei Säuglingen und Kleinkindern unter 6 Jahren keine innerliche therapeutische Anwendung — keine pädiatrische Dosisdaten, und die kreislaufwirksamen Inhaltsstoffe (Acetylcholin, Tyramin) können bei kleinen Kindern unvorhersagbar wirken. Ältere Kinder ab Schulalter dürfen kleine Mengen kurzfristig (z. B. halbe Tasse Tee bei Nasenbluten, kulinarisch im Wildkräutersalat) erhalten.
Wechselwirkungen
Antikoagulanzien und Thrombozytenaggregationshemmer (Warfarin, Phenprocoumon, DOAKs, ASS, Clopidogrel)
Hirtentäschel wirkt traditionell hämostatisch (blutstillend) durch flavonoid- und gerbstoffvermittelte Kapillarabdichtung und durch uteruskontrahierende Aminosäuren. Bei gleichzeitiger antikoagulativer Therapie können sich die Wirkungen antagonisieren — verminderter Antikoagulationseffekt, Risiko thromboembolischer Ereignisse. INR-Kontrolle empfohlen.
Antihypertensiva und Diuretika (ACE-Hemmer, Sartane, Beta-Blocker, Thiazide, Schleifendiuretika)
Schwach blutdrucksenkende und milde diuretische Eigenschaften der Pflanze können den Effekt blutdrucksenkender und entwässernder Arzneimittel verstärken — Risiko von Hypotonie, Schwindel, Elektrolytverschiebungen. Blutdruckkontrolle und ggf. Dosisanpassung.
Schilddrüsenhormone und Thyreostatika (Levothyroxin, Carbimazol, Thiamazol)
Glucosinolate (Sinigrin und andere Senfölglykoside), typisch für Brassicaceae, können bei längerer hochdosierter Einnahme die Iod-Aufnahme der Schilddrüse hemmen (goitrogene Wirkung). Bei bestehender Schilddrüsenerkrankung und Therapie keine therapeutischen Dauer-Anwendungen; kulinarische Mengen unproblematisch.
MAO-Hemmer (Tranylcypromin, Moclobemid, Selegilin)
Hirtentäschel enthält Tyramin-ähnliche biogene Amine. Bei gleichzeitiger MAO-Hemmer-Therapie ist die Inaktivierung dieser Amine reduziert — Risiko einer hypertensiven Krise (Blutdruckspitzen, Kopfschmerz, Herzrasen). Therapeutische Anwendung in dieser Konstellation vermeiden.
Kontraindikationen
- Schwangerschaft (uteruskontrahierende Wirkung, traditioneller Wehenförderer — Abortrisiko, vorzeitige Wehen)
- Bekannte Allergie gegen Brassicaceae (Kreuzblütler: Senf, Meerrettich, Kohlarten, Raps)
- Therapie mit Antikoagulanzien oder Thrombozytenaggregationshemmern (ohne ärztliche Rücksprache)
- Manifeste Hypertonie unter laufender antihypertensiver Therapie (ohne ärztliche Rücksprache)
- Hyper- und Hypothyreose unter laufender Therapie (Glucosinolat-bedingte Iod-Interferenz)
- Behandlung mit MAO-Hemmern (Tyramin-ähnliche Amine — hypertensive Krise möglich)
- Säuglinge und Kleinkinder unter 6 Jahren (innerliche therapeutische Anwendung)
Erntet wird: blühendes Kraut
- Tageszeit:
- An sonnigen, trockenen Vormittagen nach Abtrocknen des Taus sammeln — höchster Wirkstoffgehalt vor der Vollreife der charakteristischen herzförmigen Schötchen ('Täschchen'). Pflanzen mit noch frischen Blüten und beginnender Schötchenbildung bevorzugen.
- Trocknung:
- Oberirdische Teile (blühendes Kraut, ca. 10-20 cm) mit Schere abschneiden. Lose zu kleinen Sträussen binden und kopfüber im luftigen Schatten aufhängen ODER locker auf Tüchern/Sieben ausbreiten. Trocknungstemperatur maximal 35-40 °C, damit die thermolabilen Wirkstoffe (Acetylcholin, Vitamin C) erhalten bleiben. Verwechslungsgefahr gering — Hirtentäschel hat eindeutige herzförmige Schötchen; lediglich vor der Blüte mit anderen Brassicaceae-Rosetten verwechselbar. Nach 5-8 Tagen rascheltrocken in dunklen, luftdichten Gefässen oder Papiertüten lagern.
- Lagerung:
- 12 Monate — Trocken, lichtgeschützt, luftdicht — Haltbarkeit ca. 1 Jahr. Wichtig: die hämostatische Wirkung des Krauts schwächt sich bei langer Lagerung deutlich ab. Bei Bedarf für Tinkturen frische Pflanze bevorzugen; getrocknete Droge möglichst innerhalb eines Jahres aufbrauchen.
- Tageszeit:
- Für die Wildkräuterküche frische, junge Grundblätter vor der Blüte ernten — Februar bis April (Frühjahr) und nochmal September-Oktober (Herbst-Aufgang). Ältere Blätter werden zäh, faserig und durch erhöhten Glucosinolatgehalt sehr scharf.
- Trocknung:
- Für Küchenzwecke nicht trocknen, da Geschmack und Vitamin-C-Gehalt beim Trocknen weitgehend verloren gehen. Frisch verarbeiten (Salat, Suppe, Pesto, Spinat-Ersatz) oder kurz blanchieren und portionsweise einfrieren — gefrorene Blätter behalten Aroma und Vitamine weitgehend.
- Lagerung:
- 6 Monate — Frisch im Kühlschrank in feuchtem Tuch nur 1-2 Tage haltbar; tiefgekühlt bis 6 Monate. Keine langfristige Trockenlagerung als Küchenkraut sinnvoll.
- Cholin, Acetylcholin und weitere biogene Amine (Tyramin, Histamin)SonstigeAnteil: 0,2-0,3 % Cholin; Spuren Acetylcholin/TyraminKrautige Teile
Pharmakologische Leitsubstanzen der Pflanze: Acetylcholin und Cholin wirken uteruskontrahierend, was die traditionelle Anwendung als Wehenförderer und bei Menorrhagie/postpartalen Blutungen mechanistisch erklärt. Tyramin kann blutdruck- und herzfrequenzwirksam sein — Begründung sowohl für die hämostatische Wirkung (Vasokonstriktion) als auch für die Interaktionswarnung bei MAO-Hemmern.
- Flavonoide (Rutin, Hyperosid, Quercetin, Luteolin-7-rutinosid, Diosmin)FlavonoidAnteil: 0,6-1,5 %Krautige Teile
Rutin und Hyperosid wirken kapillarabdichtend und antioxidativ — sie reduzieren die Permeabilität kleiner Blutgefässe und unterstützen damit die blutstillende und ödemreduzierende Wirkung der Droge (auch bei Hämorrhoidalblutungen und Nasenbluten). Diosmin wird auch in modernen Venenpräparaten eingesetzt.
- Glucosinolate (Sinigrin, Glucotropaeolin, Glucocochlearin)GlykosidAnteil: 0,1-0,3 %Krautige Teile
Charakteristische Senfölglykoside der Brassicaceae — verleihen Hirtentäschel den scharf-kresseartigen Geschmack, der bei Verletzung des Gewebes durch das Enzym Myrosinase zu reizenden Senfölen (Allylsenföl aus Sinigrin) gespalten wird. Wirken antimikrobiell und leicht durchblutungsfördernd; verantwortlich für die goitrogene Eigenschaft (Iod-Aufnahmehemmung der Schilddrüse) bei Dauergebrauch.
- Triterpensaponine (Capsellinsäure-Derivate)SaponinAnteil: Spuren bis 0,2 %Krautige Teile
Schwach entzündungshemmend und leicht haemostatisch durch Membran-Stabilisierung der Erythrozyten und Thrombozyten. Tragen zur Gesamtwirkung der Droge bei, sind aber nicht die Leitsubstanz.
- Kaliumsalze und organische Säuren (Apfelsäure, Bursinsäure, Fumarsäure)MineralstoffAnteil: Kalium ca. 2-4 %Krautige Teile
Der hohe Kaliumgehalt und die organischen Säuren erklären die milde aquaretische (harntreibende) Wirkung — Begründung der volksmedizinischen Anwendung bei Wassereinlagerungen und leichten Harnwegsbeschwerden. Bursinsäure ist eine pflanzenspezifische Säure mit Namensgeber 'Bursa pastoris'.
- Phytosterole (beta-Sitosterol, Stigmasterol, Campesterol)SonstigeAnteil: Spuren bis 0,1 %Krautige Teile
Tragen zu schwach entzündungshemmenden und immunmodulierenden Effekten bei. beta-Sitosterol ist auch in anderen Brassicaceae und vielen Heilpflanzen vertreten — nicht spezifisch für Hirtentäschel, aber konsistenter Begleitstoff.
- Vitamin C, Vitamin K, CarotinoideVitaminAnteil: Vitamin C 30-90 mg/100 g; Vitamin K SpurenBlatt
Vitamin K trägt zur blutgerinnungsfördernden Wirkung bei (Carboxylierung von Gerinnungsfaktoren II, VII, IX, X) — molekulare Begründung für die hämostatische Tradition. Vitamin C und Carotinoide unterstützen den Wert als Frühjahrs-Wildkraut in der Wildkräuterküche.
- [1]MonographieKommission E Monographie (positiv) — Bursae pastoris herba (Hirtentäschelkraut), Bundesanzeiger Nr. 173 vom 18.09.1986; Anwendungsgebiete: symptomatisch bei Menorrhagien und Metrorrhagien sowie äusserlich bei Nasenbluten und oberflächlichen blutenden Hautverletzungen(abgerufen: 2026-05-19)
- [2]MonographieESCOP Monograph — Bursae pastoris herba (Shepherd's Purse Herb), European Scientific Cooperative on Phytotherapy(abgerufen: 2026-05-19)
- [3]MonographiePlants For A Future — Capsella bursa-pastoris (Shepherd's Purse)(abgerufen: 2026-05-19)
- [4]MonographieHeilkräuter-Lexikon: Hirtentäschelkraut (Capsella bursa-pastoris)(abgerufen: 2026-05-19)
- [6]MonographieHenriette's Herbal Homepage — Capsella bursa-pastoris (Shepherd's Purse), King's American Dispensatory 1898(abgerufen: 2026-05-19)
- [5]BuchMadaus, Gerhard — Lehrbuch der biologischen Heilmittel (1938), Band II: Capsella bursa-pastoris (Public Domain)(abgerufen: 2026-05-19)
- [7]WikipediaWikipedia (DE): Gewöhnliches Hirtentäschel (Capsella bursa-pastoris)(abgerufen: 2026-05-19)