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Borretsch
Vorsicht🐾Borage · (Borago officinalis)
Raublattgewächse (Boraginaceae)
Beschreibung
Leuchtend blaue, sternförmige Blüten und ein frisch-gurkenartiger Blattgeschmack machen Borretsch zu einem beliebten Küchenkraut – bekanntester Bestandteil ist die Frankfurter Grüne Sauce. Kraut und Blüten enthalten jedoch leberschädliche Pyrrolizidinalkaloide, weshalb die Kommission E 1992 eine negative Monographie für die innerliche Anwendung des Krautes veröffentlichte; die Gesamtaufnahme sollte laut Bundesinstitut für Risikobewertung sehr niedrig gehalten werden. In der Küche kommen deshalb nur junge Blätter und Blüten gelegentlich und in kleinen Mengen zum Einsatz, ein dauerhafter Tee- oder Tinkturgebrauch wird nicht empfohlen. Anders das aus den Samen gepresste Borretschöl: weitgehend frei von Pyrrolizidinalkaloiden, dafür reich an Gamma-Linolensäure, wird es klinisch untersucht äußerlich bei Neurodermitis und trockener Haut eingesetzt. Historisch galt ein Blütentee zudem als beruhigend, wovon heute wegen der PA-Belastung abgeraten wird.
In der Schwangerschaft KONTRAINDIZIERT
STRENG KONTRAINDIZIERT. Pyrrolizidinalkaloide sind plazentagängig und lebertoxisch — Schädigung der fötalen Leber (veno-okklusive Erkrankung) ist möglich. Auch die Frankfurter Grüne Sauce sollte in der Schwangerschaft nicht regelmäßig konsumiert werden.
In der Stillzeit KONTRAINDIZIERT
STRENG KONTRAINDIZIERT. PA gehen in die Muttermilch über und können beim Säugling zu schweren Leberschäden (hepatische veno-okklusive Erkrankung) führen. Historisch dokumentierte Todesfälle bei Säuglingen nach mütterlichem PA-Konsum.
Bei Kindern KONTRAINDIZIERT
Innerliche Anwendung des Borretschkrautes bei Kindern strikt vermeiden — kindliche Leber besonders empfindlich gegenüber PA. Auch in der Frankfurter Grünen Sauce für kleine Kinder nicht regelmäßig.
Kritische Wechselwirkungen mit:
Hepatotoxische Arzneimittel (Paracetamol-Hochdosis, Methotrexat, Isoniazid, Ketoconazol, Statine, Valproinsäure)
Klassische Verwendung als Bestandteil der Frankfurter Grünen Sauce und in Wildkräutersalaten — gurkenartiger Geschmack. Nur junge Blätter, nur gelegentlich, wegen Pyrrolizidinalkaloiden.
Anleitung & Dosierung
Essbare, leuchtend blaue Blüten als spektakuläre Dekoration. PA-Gehalt der Blüten ist deutlich geringer als der der Blätter, dennoch nur in dekorativer Menge verwenden.
Anleitung & Dosierung
Traditionelle Küchenverwendung als aromatisches Kraut mit gurkenartigem Geschmack — Leitkraut der Frankfurter Grünen Sauce.
Anleitung & Dosierung
Historische volksmedizinische Verwendung als beruhigender, 'herzstärkender' und schweißtreibender Tee. Heute aufgrund der Pyrrolizidinalkaloide nicht mehr empfohlen — nur dokumentarisch erwähnt.
Anleitung & Dosierung
Borretschsamenöl ist im Gegensatz zum Kraut weitgehend PA-frei und reich an Gamma-Linolensäure (GLA). Wird äußerlich bei Neurodermitis und trockener Haut verwendet — Bestandteil moderner Hautpflege.
Anleitung & Dosierung
STARKE WARNUNG — Borretschkraut (Blätter, Blüten, Sprossspitzen) enthält LEBERTOXISCHE und potenziell KANZEROGENE Pyrrolizidinalkaloide (PA) vom Lycopsamin-Typ (Lycopsamin, Intermedin, Amabilin). Die deutsche Kommission E hat 1992 eine NEGATIVE Monographie veröffentlicht — innerliche Anwendung des Krautes wird ABGELEHNT. Das BfR empfiehlt, die Gesamtaufnahme an 1,2-ungesättigten PA aus allen Lebensmitteln auf unter 1 µg pro Tag zu begrenzen. KÜCHENGEBRAUCH (junge Blätter in Frankfurter Grüner Sauce, Blüten als Garnitur): nur gelegentlich und in kleinen Mengen. KEIN TEE, KEINE TINKTUR als Daueranwendung. Borretsch-SAMENÖL ist hingegen weitgehend PA-frei und für äußerliche/innerliche Verwendung geeignet — sofern als PA-frei zertifiziert. ASPCA-Einstufung (abgerufen 2026-08-10): für Katzen giftig.
⏱ Max. Daueranwendung: 1 Wochen
STRENG KONTRAINDIZIERT. Pyrrolizidinalkaloide sind plazentagängig und lebertoxisch — Schädigung der fötalen Leber (veno-okklusive Erkrankung) ist möglich. Auch die Frankfurter Grüne Sauce sollte in der Schwangerschaft nicht regelmäßig konsumiert werden.
STRENG KONTRAINDIZIERT. PA gehen in die Muttermilch über und können beim Säugling zu schweren Leberschäden (hepatische veno-okklusive Erkrankung) führen. Historisch dokumentierte Todesfälle bei Säuglingen nach mütterlichem PA-Konsum.
Innerliche Anwendung des Borretschkrautes bei Kindern strikt vermeiden — kindliche Leber besonders empfindlich gegenüber PA. Auch in der Frankfurter Grünen Sauce für kleine Kinder nicht regelmäßig.
Wechselwirkungen
Hepatotoxische Arzneimittel (Paracetamol-Hochdosis, Methotrexat, Isoniazid, Ketoconazol, Statine, Valproinsäure)
PA werden in der Leber durch CYP3A4 zu reaktiven Pyrrolen aktiviert, die Lebergewebe schädigen. Bei gleichzeitiger Einnahme weiterer lebertoxischer Substanzen ist mit additiver bis synergistischer Leberschädigung zu rechnen.
Antikoagulanzien (Warfarin, DOAKs) — bei Borretschsamenöl-Hochdosen
Gamma-Linolensäure (GLA) aus Borretschsamenöl kann die Thrombozytenaggregation hemmen und das Blutungsrisiko leicht erhöhen; bei oraler Hochdosierung (> 1 g GLA/Tag) zusammen mit Antikoagulanzien Vorsicht.
Antiepileptika (Phenothiazine, Trizyklika, Bupropion — krampfschwellensenkende Wirkstoffe)
Es gibt Einzelfallberichte zu Krampfanfällen unter hohen Dosen Borretschsamenöl in Kombination mit krampfschwellensenkenden Arzneimitteln — Mechanismus unklar, Vorsicht bei Epilepsie-Patienten.
Kontraindikationen
- Schwangerschaft — Pyrrolizidinalkaloide sind plazentagängig und fötal lebertoxisch.
- Stillzeit — PA gehen in die Muttermilch über; dokumentierte Säuglingsschäden.
- Säuglinge und Kleinkinder — besondere Empfindlichkeit der Leber gegenüber PA.
- Bestehende Lebererkrankungen (Hepatitis, Leberzirrhose, hepatische veno-okklusive Erkrankung).
- Alkoholmissbrauch und gleichzeitige Einnahme lebertoxischer Medikamente.
- Überempfindlichkeit gegen Boraginaceae.
Erntet wird: Blätter und Blüten (Sommer)
- Tageszeit:
- Vormittags nach Abtrocknen des Taus, vor der Blüte. NUR junge, zarte Blätter ernten — ältere sind zu borstig und enthalten mehr PA. Wegen der PA-Problematik nicht in großen Mengen ernten, nicht trocknen für längere Vorräte; frisch verwenden.
- Trocknung:
- Frischverbrauch wird empfohlen. Falls überhaupt: dünn auflegen, im Schatten bei max. 35 °C trocknen. Wegen Pyrrolizidinalkaloiden grundsätzlich Vorräte vermeiden.
- Lagerung:
- 6 Monate — Falls getrocknet: luftdicht, trocken, dunkel — und nur sehr kleine Mengen, da innerliche Daueranwendung nicht empfohlen ist.
- Tageszeit:
- Sonnige Vormittage. Frisch geöffnete blaue Blüten am Vormittag pflücken — sie blühen nur einen Tag und schließen bei Regen. Den kleinen schwarzen Kelch (mit Anhängseln) am Blütengrund abzupfen, da er bitter schmeckt. Frisch verwenden — Blüten welken in wenigen Stunden.
- Trocknung:
- Nur dekorativ; getrocknete Blüten verlieren rasch ihre leuchtend blaue Farbe und werden grau-blau. Für Garnitur immer frische Blüten bevorzugen. Alternative: in Eiswürfel einfrieren — bewahrt Farbe und Form für Drinks.
- Lagerung:
- 3 Monate — Frisch: nur wenige Stunden. Eingefroren in Eiswürfeln: ca. 3 Monate. Getrocknet (nur dekorativ): luftdicht, dunkel, kühl.
- Pyrrolizidinalkaloide (Lycopsamin, Intermedin, Amabilin, Supinin, Thesinin)AlkaloidAnteil: 0.001–0.01 % (Blätter, Sprossspitzen, Blüten)Krautige Teile
LEITSUBSTANZ DER TOXIKOLOGIE. 1,2-ungesättigte PA vom Lycopsamin-Typ — werden in der Leber durch CYP3A4 zu reaktiven Pyrrolen umgewandelt, die hepatozelluläre und sinusoidale Endothelschäden verursachen (hepatische veno-okklusive Erkrankung) und in Tierversuchen kanzerogen wirken. Höchste Konzentration in jungen Pflanzenteilen, in Blüten und Samen deutlich geringer. Borretschsamenöl ist nach Raffination weitgehend PA-frei.
- Schleimstoffe (saure Polysaccharide, Galactane)SchleimstoffAnteil: ca. 10–30 %Blatt
Reizmilderndes und mild auswurfförderndes Wirkprinzip — historisch Grundlage für die volksmedizinische Verwendung bei Hustenreiz und Bronchialkatarrh. Heute durch sicherere Schleimdrogen (Eibisch, Spitzwegerich) ersetzt.
- GerbstoffeGerbstoffAnteil: ca. 1–3 %Blatt
Adstringierend, leicht antientzündlich; tragen zur volksmedizinischen Anwendung bei leichten Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut bei.
- Mineralstoffe (Kalium, Calcium, Magnesium, Eisen)MineralstoffAnteil: Asche ca. 14–21 %, davon reich an Kalium und CalciumBlatt
Hoher Mineralstoffgehalt — historisch als 'blutreinigendes' und 'remineralisierendes' Wildgemüse geschätzt. Kalium-Calcium-Verhältnis hat möglicherweise leicht diuretische Wirkung mitbedingt.
- Gamma-Linolensäure (GLA, C18:3 n-6)Ätherisches ÖlAnteil: ca. 17–25 % der Samenöl-FettsäurenSamen
LEITSUBSTANZ DES SAMENÖLS. Borretschsamenöl ist eine der reichsten pflanzlichen GLA-Quellen (höher als Nachtkerze). GLA wird im Körper zu Dihomo-Gamma-Linolensäure und zu entzündungsmodulierenden Prostaglandinen der Serie 1 metabolisiert — Grundlage des modernen Einsatzes bei atopischer Dermatitis und chronisch-entzündlichen Hauterkrankungen. Die Studienlage zur klinischen Wirksamkeit ist gemischt.
- KieselsäureMineralstoffAnteil: Spuren bis ca. 2 %Blatt
Verleiht den Blättern die charakteristische borstige Behaarung — Grund, weshalb ältere Blätter rau und unangenehm sind.
- [1]MonographieKommission E Monographie (NEGATIV): Boraginis herba (Borretschkraut) — Bundesanzeiger Nr. 127 vom 14.07.1992(abgerufen: 2026-05-19)
- [2]MonographieBfR-Stellungnahme Nr. 030/2013: Pyrrolizidinalkaloide in Kräutertees und Tees (aktualisiert)(abgerufen: 2026-05-19)
- [3]MonographieEFSA Scientific Opinion on Pyrrolizidine alkaloids in food and feed (CONTAM Panel), EFSA Journal 2017;15(7):4908(abgerufen: 2026-05-19)
- [4]MonographiePlants For A Future — Borago officinalis L.(abgerufen: 2026-05-19)
- [5]MonographieHeilkräuter-Lexikon — Borretsch (Borago officinalis)(abgerufen: 2026-05-19)
- [9]MonographieASPCA Animal Poison Control — Borage (Borage officinalis)(abgerufen: 2026-08-10)
- [6]BuchHenriette's Herbal Homepage — Borage (Borago officinalis), historical herbals incl. King's American Dispensatory 1898(abgerufen: 2026-05-19)
- [7]WikipediaWikipedia DE — Borretsch (Borago officinalis)(abgerufen: 2026-05-19)
- [8]WikipediaWikipedia EN — Borage (Borago officinalis)(abgerufen: 2026-05-19)
Verbreitung in Europa
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Quelle: Helga und Margarete Langerhorst, Mein gesunder Naturgarten (eigene Kuration)