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Wermut
Vorsicht🐾Wormwood · (Artemisia absinthium)
Korbblütler (Asteraceae)
Beschreibung
Der Wermut ist ein silbrig behaarter Halbstrauch aus der Familie der Korbblütler und zählt zu den bittersten Heilpflanzen überhaupt. Er wird knapp einen Meter hoch, wächst gern auf trockenen, steinigen Böden und ist an dem feinen weißen Filz auf Blättern und Stängeln zu erkennen; die Blütenköpfchen im Hochsommer sind unscheinbar gelb und nickend. Gesammelt werden die blühenden Triebspitzen und das Kraut zur Blütezeit. Die extreme Bitterkeit stammt vom Bitterstoff Absinthin — schon eine stark verdünnte Lösung schmeckt deutlich bitter; das ätherische Öl enthält Thujon. Traditionell wird Wermut als Magenbittermittel bei vorübergehender Appetitlosigkeit und leichten Magen-Darm-Beschwerden verwendet; die europäische Arzneimittelbehörde EMA führt ihn als traditionelles pflanzliches Arzneimittel, also aufgrund langer Erfahrung und nicht aufgrund klinischer Studien. Weil Thujon in höherer Dosis ein Nervengift ist, sollten Wermutzubereitungen nicht überdosiert und nicht länger als zwei Wochen am Stück eingenommen werden — eine Vorsicht, die sich aus der Geschichte des Absinths ableitet.
In der Schwangerschaft KONTRAINDIZIERT
Nicht anwenden. Wermut gilt als wehenfördernd, und Thujon ist ein Nervengift.
In der Stillzeit KONTRAINDIZIERT
Nicht anwenden. Zum Übergang von Thujon in die Muttermilch fehlen Daten; bei einem Nervengift ist das Grund genug.
Bei Kindern KONTRAINDIZIERT
Die EMA lässt Wermut-Arzneimittel nur für Erwachsene zu.
Kritische Wechselwirkungen mit:
Krampflösende Mittel (Antiepileptika)
Als Bittertee aus dem getrockneten blühenden Kraut kurz vor den Mahlzeiten getrunken, um Appetit und Verdauung anzuregen. Der bittere Geschmack ist dabei nicht Nebensache, sondern der Wirkweg: Er löst über die Geschmacksrezeptoren die Bildung von Speichel und Magensaft aus. Wer den Tee süßt, nimmt ihm genau das. Die EMA führt diese Anwendung für Erwachsene und nur bei vorübergehenden Beschwerden.
Anleitung & Dosierung
Etwa einen halben Teelöffel getrocknetes Kraut mit 150 ml kochendem Wasser übergießen, zugedeckt fünf bis zehn Minuten ziehen lassen, abseihen und eine halbe Stunde vor der Mahlzeit ungesüßt trinken.
- Trockenmenge
- 1–1.5 g
- Anwendungen/Tag
- 3×
- Max. Anwendungsdauer
- 2 Wochen
⚠ Altersbeschränkung: ≥ 18 Jahre — Die EMA lässt Wermut-Arzneimittel ausdrücklich nur für Erwachsene zu.
Quellen: [3]
Alkoholischer Auszug (Wermuttinktur), tropfenweise in Wasser eingenommen, als konzentriertes Magenbittermittel bei Appetitlosigkeit und Verdauungsbeschwerden. Die Tinktur ist deutlich stärker als der Tee — die Angaben auf der Packung sind hier keine Empfehlung, sondern eine Grenze. Halten die Beschwerden über zwei Wochen an, gehören sie ärztlich abgeklärt.
Quellen: [3]
Traditionell zum Würzen und Aromatisieren von Bitterlikören und Wermutwein (Vermouth) sowie als verdauungsfördernder Aperitif verwendet. Der Name Vermouth stammt vom deutschen Wort Wermut. Absinth, die berüchtigte Spirituose des 19. Jahrhunderts, war ebenfalls damit angesetzt; die ihm zugeschriebenen Nervenschäden gehen nach heutigem Stand vor allem auf den hohen Alkoholgehalt zurück, nicht allein auf das Thujon. In der EU ist der Thujongehalt von Spirituosen begrenzt.
Quellen: [1]
Enthält das Nervengift Thujon im ätherischen Öl; Wermutzubereitungen nicht überdosieren und nicht länger als zwei Wochen am Stück anwenden. Laut EMA nur für Erwachsene. In Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Kindern nicht anwenden (wehenfördernd, mögliche Toxizität). Hochkonzentrierte Wermutöle oder übermäßiger Absinthkonsum können zu Krämpfen und Nervenschäden führen. Bestehen die Beschwerden nach zwei Wochen fort, ärztlich abklären lassen.
⏱ Max. Daueranwendung: 2 Wochen
Nicht anwenden. Wermut gilt als wehenfördernd, und Thujon ist ein Nervengift.
Nicht anwenden. Zum Übergang von Thujon in die Muttermilch fehlen Daten; bei einem Nervengift ist das Grund genug.
Die EMA lässt Wermut-Arzneimittel nur für Erwachsene zu.
Wechselwirkungen
Krampflösende Mittel (Antiepileptika)
Thujon kann Krampfanfälle auslösen und damit der Behandlung entgegenwirken. Bei Epilepsie ist von Wermut abzuraten.
Magensäurehemmer (Protonenpumpenhemmer, H2-Blocker)
Bitterstoffe regen die Magensaftbildung an — genau das, was diese Mittel unterdrücken sollen. Die Wirkungen laufen gegeneinander.
Kontraindikationen
- Überempfindlichkeit gegen Wermut oder andere Korbblütler (Kamille, Beifuß, Arnika, Ringelblume).
- Verschluss der Gallenwege und Gallengangsentzündung.
- Lebererkrankungen.
- Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre — Bitterstoffe steigern die Säurebildung.
- Epilepsie und Krampfanfälle in der Vorgeschichte.
Erntet wird: Blühende Triebspitzen und Kraut, gesammelt zur Blütezeit im Hochsommer
- Tageszeit:
- Zu Beginn der Blüte, an einem trockenen Vormittag nach dem Abtrocknen des Taus. Nur die oberen zwanzig bis dreißig Zentimeter schneiden, das verholzte Untere bleibt stehen.
- Trocknung:
- In lockeren Büscheln kopfüber im Schatten aufhängen, luftig und höchstens 35 °C. Wärmer, und das ätherische Öl geht verloren. Trocken ist das Kraut, wenn die Stängel brechen statt sich zu biegen.
- Lagerung:
- 12 Monate — Dunkel und luftdicht, getrennt von anderen Kräutern — Wermut gibt seinen Geruch an Nachbarn ab.
- Thujone (α- and β-thujone)Ätherisches ÖlKrautige Teile
Hauptbestandteil des ätherischen Öls und zugleich Nervengift; verantwortlich für die Anwendungsbeschränkungen. Der Gehalt schwankt stark je nach Herkunft und Erntezeit.
- AbsinthinBitterstoffKrautige Teile
Stark bitterer Sesquiterpenlacton-Bitterstoff, der dem Wermut seinen extrem bitteren Geschmack verleiht. Er ist wasserlöslich und geht in den Tee über — das Thujon bleibt überwiegend im Öl.
- AnabsinthinBitterstoffKrautige Teile
Weiterer Sesquiterpenlacton-Bitterstoff, der zur appetitanregenden Wirkung beiträgt.
- Flavonoide (z. B. Artemetin)FlavonoidKrautige Teile
Pflanzliche Flavonoide mit antioxidativen Eigenschaften.
- ChamazulenÄtherisches ÖlKrautige Teile
Entsteht erst bei der Wasserdampfdestillation und färbt das Öl blau — derselbe Stoff wie im Kamillenöl.
- GerbstoffeGerbstoffKrautige Teile
- [3]MonographieEuropean Union herbal monograph on Artemisia absinthium L., herba – EMA/HMPC(abgerufen: 2026-08-20)
- [4]MonographieCliniTox Giftpflanzen — Artemisia absinthium L.: giftig + (Institut für Veterinärpharmakologie und -toxikologie, Universität Zürich)(abgerufen: 2026-08-10)
- [1]WikipediaWermutkraut – Wikipedia(abgerufen: 2026-06-24)
- [2]WikipediaArtemisia absinthium – Wikipedia(abgerufen: 2026-06-24)