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Echter Sellerie
VorsichtCeleriac · (Apium graveolens var. rapaceum)
Doldenblütler (Apiaceae)
Beschreibung
Die knollige, rundliche Wurzel dieser Sellerie-Kulturform aus der Familie der Doldenblütler wird im Herbst geerntet und unterscheidet sich damit deutlich von der stängelbildenden Stangensellerie-Variante derselben Art. Roh geraspelt als Crudité, in Salaten oder als klassische Céleri rémoulade liefert die Knolle nennenswerte Mengen an Vitamin K, Folsäure und Ballaststoffen; gekocht oder püriert dient sie als Gemüse oder Suppengrundlage, wobei die Phthalide 3-n-Butylphthalid und Sedanenolid für das typische Aroma sorgen. Volksmedizinisch wird ein Aufguss aus geriebener Knolle als mild harntreibendes Mittel bei Wassereinlagerungen überliefert, klinische Belege dafür fehlen jedoch. WARNHINWEIS: Knollensellerie zählt zu den häufigsten Nahrungsmittelallergenen Mitteleuropas und ist in der EU kennzeichnungspflichtig; Kreuzreaktionen mit Birken- und Beifußpollen sind klinisch relevant. Wegen enthaltener Furanocumarine sind bei großen frischen Mengen und anschließender Sonnenexposition theoretisch phototoxische Hautreaktionen möglich.
Rohe Knollensellerie als Crudité, in Salaten oder als Remoulade (Céleri rémoulade). Reich an Vitamin K, Vitamin C, Folsäure und Ballaststoffen. Fördert Verdauung und Darmgesundheit durch Inulin-ähnliche Fructo-Oligosaccharide.
Gekochte, gedünstete oder pürierte Knolle als Gemüse oder Suppen-Grundlage. Enthält 3-n-Butylphthalid und Sedanenolid, die für das charakteristische Sellerie-Aroma verantwortlich sind und leicht karminative (blähungswidrige) Wirkung haben.
Anleitung & Dosierung
Aufguss aus geriebener oder getrockneter Sellerie-Knolle volksmedizinisch als mild diuretisches Mittel bei Wassereinlagerungen und zur Unterstützung der Nierenfunktion eingesetzt. Spezifische klinische Evidenz für die Knolle fehlt; Wirkung beruht auf traditionellem Gebrauch.
Anleitung & Dosierung
2–4 g getrocknete geriebene Knolle mit 250 ml heißem Wasser übergießen, 10 Min. ziehen lassen, abseihen.
- Trockenmenge
- 2–4 g
- Anwendungen/Tag
- 2×
Regelmäßiger Knollensellerie-Konsum in der Volksmedizin als blutdruckunterstützend beschrieben. Phthalide können glatte Gefäßmuskulatur entspannen. Hinweis: Evidenz für die Knolle (rapaceum) ist schwach; Phthalid-Studien beziehen sich primär auf Sellerie-Samen und Celery-Seed-Extrakt.
Volksmedizinisch gilt Knollensellerie als leberstärkend und die Galleproduktion fördernd (cholagog). Polyphenole (Chlorogensäure, Caffeic acid) und Antioxidantien tragen zu hepatoprotektiven Effekten bei, die für Apium graveolens in vitro belegt sind.
Knollensellerie gehört zu den häufigsten Nahrungsmittelallergenen in Mitteleuropa (Sellerie-Allergie). Kreuzreaktionen mit Birken- und Beifuß-Pollen (Sellerie-Birken-Beifuß-Syndrom) sind klinisch relevant. Gekennzeichnungspflicht in der EU als einer der 14 Hauptallergene. Wegen Furocumaringehalt (Psoralen) in der Knolle phototoxische Reaktionen bei großen frischen Mengen und UV-Exposition theoretisch möglich.
Knollensellerie als Nahrungsmittel in üblichen Mengen ist in der Schwangerschaft sicher. Als hochkonzentriertes Extrakt oder medizinische Präparation meiden.
Speisegebrauch gilt als sicher. Auf stark konzentrierte Extrakte vorsorglich verzichten.
Knollensellerie als Gemüse ab dem Beikostalter geeignet; auf Allergiesymptome achten, da Sellerie einer der häufigsten Kinderallergene in Europa ist.
Wechselwirkungen
Antikoagulantien / Vitamin-K-Antagonisten
Knollensellerie enthält Vitamin K1; starker und regelmäßiger Mehrkonsum kann INR bei Warfarin/Marcumar-Patienten beeinflussen.
Schilddrüsenmedikamente / Thyreostatika
Brassica- und Apiaceen-Gemüse können in sehr großen Mengen jodverwertende Prozesse beeinflussen; bei Schilddrüsenerkrankungen auf übermäßigen Konsum achten.
Kontraindikationen
- Bekannte Sellerie-Allergie oder nachgewiesene Kreuzallergie (Birken-Sellerie-Beifuß-Syndrom).
- Schwere Niereninsuffizienz (fortgeschrittene CKD): erhöhter Kaliumgehalt kann kritisch sein.
Erntet wird: Knolle (Herbst)
- Tageszeit:
- Ernte nach dem ersten leichten Frost möglich — Frost verbessert das Aroma durch Stärkeumwandlung in Zucker.
- Trocknung:
- Knolle wird nicht getrocknet, sondern als Frischgemüse kühl eingelagert oder tiefgekühlt.
- Lagerung:
- 6 Monate — Lagerknolle in feuchtem Sand oder kühlem Keller bei 0–4 °C bis zu 6 Monate haltbar.
- Tageszeit:
- Junge Blätter und Stiele im Sommer für Suppenwürze frisch ernten. Morgens, wenn Turgordruck am höchsten.
- Trocknung:
- Blätter bei 35 °C trocknen oder gefriertrocknen; Aroma geht beim normalen Trocknen deutlich verloren.
- Lagerung:
- 4 Monate — Getrocknete Blätter luftdicht und lichtgeschützt lagern; Qualitätsverlust nach 4 Monaten.
- 3-n-ButylphthalidSonstigeWurzel
Hauptverantwortlich für das charakteristische Sellerie-Aroma; zeigt in Studien blutdrucksenkende und sedativ-entspannende Eigenschaften (primär Sellerie-Samen-Extrakt-Studien).
- SedanenolidSonstigeWurzel
Flüchtiges Phthalid-Lacton; wichtiger Aromastoff neben 3-n-Butylphthalid; beiträgt zur karminativen Wirkung.
- Apigenin-7-glucosidFlavonoidWurzel
Wichtiges Flavonoid in Apium graveolens; antioxidativ, schwach entzündungshemmend.
- ChlorogensäurePhenolsäureWurzel
Phenolsäure-Ester; einer der Haupt-Polyphenole in der Knolle; antioxidativ und hepatoprotektiv.
- Vitamin K1 (Phylloquinon)VitaminAnteil: 0.004-0.006 %Wurzel
Wichtig für Blutgerinnung und Knochengesundheit; klinisch relevant für Patienten unter Antikoagulation.
- KaliumMineralstoffWurzel
Ca. 300 mg/100 g Frischgewicht; unterstützt Blutdruck und Elektrolytbalance; relevant für Niereninsuffizienz-Patienten.
- Furanocumarine (Psoralen, Bergapten)SonstigeWurzel
In Spuren vorhanden; bei empfindlichen Personen und starker UV-Exposition (Kontaktdermatitis) phototoxisch. Klinisch kaum relevant bei normalem Küchengebrauch.
- Folsäure (Vitamin B9)VitaminWurzel
Ca. 24–28 µg/100 g Frischgewicht; relevant für Zellwachstum und in der Schwangerschaft.
- [1]MonographieApium graveolens var. rapaceum (celeriac)(abgerufen: 2026-05-24)
- [2]MonographieIsolation of 3-n-Butyl Phthalide & Sedanenolide from Apium graveolens Linn.(abgerufen: 2026-05-24)
- [3]MonographieIn vitro and in vivo antioxidant activities of a flavonoid isolated from celery (Apium graveolens L. var. dulce)(abgerufen: 2026-05-24)
- [4]MonographieAntinociceptive and anti-inflammatory effects of isolated fractions from Apium graveolens seeds in mice(abgerufen: 2026-05-24)
- [5]WikipediaCeleriac — Wikipedia(abgerufen: 2026-05-24)
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Quelle: Helga und Margarete Langerhorst, Mein gesunder Naturgarten (eigene Kuration)