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Echter Eibisch
Althaea officinalis · (Althaea officinalis)
Malvengewächse (Malvaceae)
Beschreibung
Die im Herbst geerntete Wurzel dieses Malvengewächses ist reich an schleimbildenden Polysacchariden — bis zu 20 Prozent des Gewichts —, die jedoch hitzeempfindlich sind und ausschließlich als Kaltauszug gewonnen werden dürfen, da heißes Wasser sie zerstört. Ein solcher Kaltauszug legt sich traditionell wie ein schützender Film über gereizte Schleimhäute und wird bei trockenem Reizhusten sowie Reizungen von Mund und Rachen eingesetzt. Auch bei leichten Magen-Darm-Beschwerden und Gastritis wird der Kaltauszug volksmedizinisch verwendet, ebenso äußerlich als Umschlag bei Hautreizungen und kleinen Entzündungen. Die Blätter liefern einen milderen, ähnlich verwendeten Aufguss. WARNHINWEIS: Dauern Halsbeschwerden länger als eine Woche oder Magen-Darm-Beschwerden länger als zwei Wochen an, ist ärztlicher Rat gefragt. Da die Schleimstoffe die Aufnahme anderer Arzneimittel verzögern können, sollte ein zeitlicher Abstand von 30 bis 60 Minuten eingehalten werden.
Reizmildernder Kaltauszug bei trockenem Reizhusten und Reizungen der Mund- und Rachenschleimhaut. Die hitzeempfindlichen Schleimstoffe (Rhamnogalacturonane, Arabinogalactane) legen sich bei Kontakt wie ein Schutzfilm über gereizte Schleimhäute — traditionell als erste Wahl bei Kinderhusten.
Anleitung & Dosierung
KALTAUSZUG (zwingend — Schleimstoffe sind hitzeempfindlich): 0,5–3 g zerkleinerte getrocknete Eibischwurzel in 150 ml kaltem Wasser 30–90 Min quellen lassen, gelegentlich umrühren, abseihen. Nur auf Trinktemperatur (max. 40 °C) erwärmen — niemals aufkochen. 3× täglich, bei Bedarf bis 5×. Kinder 3–5 J: 0,5–1 g/Tasse, 3× tgl.; Kinder 6–11 J: 0,5–1,5 g/Tasse, 3× tgl.
- Trockenmenge
- 0.5–3 g
- Anwendungen/Tag
- 3×
- Max. Anwendungsdauer
- 1 Wochen
⚠ Altersbeschränkung: ≥ 3 Jahre — Laut EMA-Monographie für Kinder ab 3 Jahren zugelassen — traditionell bei Kinderhusten.
Kaltauszug als Gurgellösung und Mundspülung bei Reizungen der Mund- und Rachenschleimhaut. Die Schleimstoffe bilden einen schützenden Film auf der gereizten Schleimhaut.
Anleitung & Dosierung
KALTAUSZUG: 0,5–3 g in 150 ml kaltem Wasser 30–90 Min ansetzen, abseihen. Lauwarm (max. 40 °C) 2–3× täglich gurgeln oder als Mundspülung verwenden. Nie aufkochen.
- Trockenmenge
- 0.5–3 g
- Anwendungen/Tag
- 3×
- Max. Anwendungsdauer
- 1 Wochen
⚠ Altersbeschränkung: ≥ 3 Jahre — Ab 3 Jahren (Kinder sollten beim Gurgeln beaufsichtigt werden).
Quellen: [1]
Traditionelle Anwendung bei leichten Magen-Darm-Beschwerden. Die Schleimstoffe der Eibischwurzel legen sich schützend auf die gereizte Magenschleimhaut — volksmedizinisch bei Gastritis und Magenreizungen eingesetzt.
Anleitung & Dosierung
KALTAUSZUG: 2–5 g zerkleinerte Eibischwurzel in 150 ml kaltem Wasser 30–90 Min ziehen, abseihen. 3× täglich zwischen den Mahlzeiten — einhüllende Wirkung auf die Magen-Darm-Schleimhaut.
- Trockenmenge
- 2–5 g
- Anwendungen/Tag
- 3×
- Max. Anwendungsdauer
- 2 Wochen
⚠ Altersbeschränkung: ≥ 12 Jahre — Für Magen-Darm-Beschwerden laut EMA erst ab 12 Jahren.
Aufguss aus Eibischblättern bei Reizhusten und Halsreizungen — etwas weniger schleimstoffreich als die Wurzel, aber traditionell als einfach zugängliche Alternative verwendet. Kombination mit Blüten üblich.
Anleitung & Dosierung
HEISSER AUFGUSS: 1,5–2,5 g getrocknete Eibischblätter mit 150 ml heißem Wasser (nicht kochend, ca. 80–90 °C) übergießen, 10 Min zugedeckt ziehen lassen, abseihen. 2–3× täglich. Blätter enthalten weniger Schleimstoffe als die Wurzel (ca. 6–9 % vs. 10–20 %), sind aber als Aufguss geeignet.
- Trockenmenge
- 1.5–2.5 g
- Anwendungen/Tag
- 3×
- Max. Anwendungsdauer
- 1 Wochen
⚠ Altersbeschränkung: ≥ 12 Jahre — Blattanwendung ab 12 Jahren — Datenlage für jüngere Kinder fehlt.
Volksmedizinischer Umschlag mit Eibischwurzel bei Hautreizungen, kleinen Entzündungen, Insektenstichen und Verbrennungen ersten Grades. Die Schleimstoffe wirken kühlend und reizmindernd auf gereizte Haut.
Anleitung & Dosierung
KALTAUSZUG ZUM UMSCHLAG: 5–10 g fein geriebene oder gemahlene Eibischwurzel in 200 ml kaltem Wasser 30–60 Min ansetzen. Sauberes Tuch tränken, auf die betroffene Hautstelle 15–20 Min auflegen. 1–2× täglich frisch zubereiten. Alternativ: Eibischwurzel-Paste (gemahlen + wenig Wasser zu Brei) direkt auf kleine Hautentzündungen auftragen.
- Trockenmenge
- 5–10 g
- Anwendungen/Tag
- 2×
- Max. Anwendungsdauer
- 1 Wochen
Tinktur oder Flüssigextrakt bei Reizhusten und Mundschleimhaut-Reizungen — bequemere Applikationsform als Kaltauszug, aber mit geringerem Schleimstoffgehalt. Geeignet als Alltagsalternative für Erwachsene.
Anleitung & Dosierung
FLÜSSIGEXTRAKT / TINKTUR: Standardisierte Fertigpräparate aus Eibischwurzel (Tinktur 1:5 in 25 % Ethanol oder Flüssigextrakt) nach Packungsbeilage. Tinktur typisch 2–5 ml pro Einnahme, 3× täglich. HINWEIS: Schleimstoff-Gehalt in ethanolischen Extrakten geringer als im Kaltauszug — für maximale Schleimstoffwirkung bevorzugt Kaltauszug verwenden.
- Anwendungen/Tag
- 3×
- Max. Anwendungsdauer
- 2 Wochen
⚠ Altersbeschränkung: ≥ 18 Jahre — Ethanolhaltige Zubereitungen laut EMA nur für Erwachsene ab 18.
Quellen: [1]
Volksheilkundliche Salbe mit Eibischwurzel bei trockener, gereizter oder rissiger Haut, Ekzemen und Wundschorf. Die Schleimstoffe bilden einen feuchtigkeitsbindenden Schutzfilm.
Anleitung & Dosierung
SALBE: Eibischwurzel-Extrakt oder fein gemahlene Eibischwurzel in eine fettige Grundlage (Bienenwachs, Lanolin, Kakaobutter) einarbeiten — typisch 5–10 % Eibischwurzel-Trockenextrakt. Auf gereizten Hautstellen dünn auftragen, sanft einmassieren. Fertige Eibisch-Salben im Handel erhältlich.
Wenn Halsbeschwerden länger als 1 Woche oder Magen-Darm-Beschwerden länger als 2 Wochen andauern: Arzt. Bei Atemnot, Fieber oder eitrigem Auswurf sofort Arzt. WICHTIG: Schleimstoffe können die Aufnahme anderer Arzneimittel verzögern — andere Medikamente 30–60 Minuten vor/nach dem Eibischtee einnehmen. Kaltauszug zwingend für die Wurzel — heißes Wasser zerstört die hitzeempfindlichen Schleimstoffe.
⏱ Max. Daueranwendung: 2 Wochen
Mangels ausreichender Sicherheitsdaten in Schwangerschaft und Stillzeit nicht empfohlen (EMA-Monographie).
Mangels Daten nicht empfohlen.
Bei Reizhusten und Halsbeschwerden: Kaltauszug ab 3 Jahren zugelassen (EMA). Magen-Darm-Indikation: ab 12 Jahren. Ethanolische Zubereitungen: nur ab 18 Jahren. Feste Darreichungsformen: ab 6 Jahren.
Wechselwirkungen
Orale Arzneimittel allgemein
Schleimstoffe bilden einen Film auf der Magen-Darm-Schleimhaut und können die Resorption anderer oral eingenommener Arzneimittel verzögern. Zeitabstand von 30–60 Minuten empfohlen.
Kontraindikationen
- Überempfindlichkeit gegen Eibisch oder andere Malvengewächse (Malvaceae).
- Kinder unter 3 Jahren (innere Anwendung als Tee) — mangels Daten.
Erntet wird: Wurzel (Herbst)
- Tageszeit:
- Trockener Herbsttag (Oktober/November) nach dem ersten Frost oder zeitiges Frühjahr (März) vor dem Austreiben — dann ist der Schleimstoffgehalt am höchsten, da die Pflanze ihre Reserven in der Wurzel gespeichert hat.
- Trocknung:
- 2–3-jährige Wurzeln ausgraben, waschen, schälen (Korkschicht entfernen), in 0,5–1 cm dicke Scheiben oder Streifen schneiden. WICHTIG: Schnell bei max. 40 °C trocknen — höhere Temperaturen zerstören die Schleimstoffe. Ausreichend trocken wenn brüchig. Alternativ: frische geriebene Wurzel für sofortigen Gebrauch.
- Lagerung:
- 12 Monate — Luftdicht, trocken, dunkel bei Raumtemperatur. Innerhalb 12 Monate verwenden — Schleimstoffe können Feuchtigkeit anziehen und bei schlechter Lagerung degradieren.
- Tageszeit:
- Trockener Vormittag nach Abtrocknen des Taus, vor der Mittagshitze. Blätter mit dem höchsten Schleimstoffgehalt vor und während der Blüte (Juni–August).
- Trocknung:
- Junge, gesunde Blätter (ohne Schadflecken) handflachgroß oder größer schneiden. Einlagig im Schatten bei max. 40 °C trocknen. Schnell trocknen verhindert Braunfärbung und Schleimstoffabbau.
- Lagerung:
- 12 Monate — Luftdicht, lichtgeschützt, trocken. Innerhalb 12 Monate aufbrauchen.
- Schleimstoffe (saure Polysaccharide: Rhamnogalacturonane, Arabinogalactane)SchleimstoffAnteil: 10–20 %Wurzel
Hauptwirkstoffe der Eibischwurzel. Saure Polysaccharide aus Rhamnose, Galactose und Uronsäuren. Bilden in kaltem Wasser einen viskosen Schutzfilm auf gereizten Schleimhäuten — hitzeempfindlich, daher Kaltauszug zwingend. EMA-Monographie bestätigt reizlindernde Wirkung.
- Schleimstoffe (saure Polysaccharide)SchleimstoffAnteil: 6–9 %Blatt
Auch in Blättern vorhanden, aber in geringerer Konzentration als in der Wurzel.
- PektinePolysaccharidAnteil: ~11 %Wurzel
Tragen neben den Schleimstoffen zur einhüllenden und schützenden Wirkung auf die Schleimhaut bei.
- StärkePolysaccharidAnteil: 25–35 %Wurzel
Hoher Stärkegehalt ist Ursache der mehlig-süßlichen Textur der Wurzel — historisch Grundlage für die Marshmallow-Süßware. Pharmakologisch nicht relevant.
- Flavonoide (Hypolaetin-8-glucosid, Hypolaetin-Glykoside)FlavonoidBlatt
Hypolaetin (Isoscutellarein) und dessen Glykoside in den Blättern. Mild antioxidativ; Hypolaetin-Sulfocarbohydrat-Ester charakteristisch für Malvaceae. Hemmung humaner Hyaluronidase-1 in vitro nachgewiesen (Peschel et al. 2016).
- Saccharose und freie ZuckerSonstigeAnteil: ~10 %Wurzel
Saccharose ist die dominante freie Zuckerfraktion der Wurzel (~10 %), dazu Mono- und Oligomere. Verantwortlich für den süßlichen Geschmack des Kaltauszugs.
- Asparagin und freie AminosäurenSonstigeAnteil: ~9 % (Gesamt-AS)Wurzel
Asparagin ist die quantitativ dominante Aminosäure in der Eibischwurzel; dazu Prolin, Glycin-Betain (~8 %). Asparagin ist nicht pharmakologisch aktiv, gehört aber zum phytochemischen Profil der Wurzel.
- Phytosterole (β-Sitosterol, Lanosterol)SonstigeWurzel
Phytosterole in Spuren; β-Sitosterol und Lanosterol in der Wurzel nachgewiesen. Pharmakologisch bei den in der Monographie üblichen Mengen nicht relevant.
- [1]MonographieEMA/HMPC/436679/2015 — European Union herbal monograph on Althaea officinalis L., radix (Final, 12 July 2016)(abgerufen: 2026-05-18)
- [4]MonographiePlants For A Future (PFAF) — Althaea officinalis database entry(abgerufen: 2026-05-21)
- [2]WikipediaEchter Eibisch (Wikipedia DE)(abgerufen: 2026-05-21)
- [3]WikipediaAlthaea officinalis (Wikipedia EN)(abgerufen: 2026-05-21)