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Lauch
🐾Leek · (Allium porrum)
Amaryllisgewächse (Amaryllidaceae)
Beschreibung
Lauch bildet keine Zwiebel, sondern einen langen weißen Schaft aus eng ineinander gerollten Blattscheiden, der nach oben in flache, dunkelgrüne Blätter übergeht. Angehäufelte Erde hält den unteren Teil bleich und zart. Geerntet wird der Sommerlauch von Juni bis August, der Winterlauch von September bis Februar — damit gehört er zu den wenigen frischen Gemüsen der kalten Monate. Sein Geschmack ist deutlich milder als der von Zwiebel oder Knoblauch, weil er weniger Schwefelverbindungen enthält; roh liefert er zudem mehr hitzeempfindliches Vitamin C und Folat. Nennenswert sind Vitamin K1, vor allem in den dunklen Blättern, sowie das Flavonoid Kaempferol und Fructane vom Inulin-Typ, die als Ballaststoff für die Darmflora gelten. Volksheilkundlich gilt heißer Lauchsud als wärmendes Mittel bei Erkältung und Husten. Wer einen empfindlichen Darm hat, sollte vorsichtig sein: Genau diese Fructane können Blähungen und Krämpfe auslösen.
Fein gehackt oder in dünne Ringe geschnitten roher Lauch als Salatzutat, Topping oder Würzmittel. Der milde, zwiebel-ähnliche Geschmack ist deutlich angenehmer als rohe Zwiebel, die Schärfe fast null. Enthält beim Rohverzehr mehr hitzeempfindliches Vitamin C und Folat. Kleine Mengen roh vertragen die meisten Menschen problemlos; größere Mengen können wegen der Fructane bei Empfindlichen Blähungen auslösen.
Gedünsteter oder gekochter Lauch als mildes, vielseitiges Gemüse in Suppen, Eintöpfen und Aufläufen — klassisches Wintergemüse der europäischen Küche seit der Antike.
Anleitung & Dosierung
KÜCHE — GEGART: Lauch in Ringe oder Streifen schneiden, in Butter oder Olivenöl bei mittlerer Hitze 5–10 Minuten dünsten bis weich und leicht goldgelb. Verwendung in Suppen (Lauchcremesuppe, Vichyssoise, Cock-a-Leekie), Eintöpfen, Quiches, Pasta, als Gemüsebeilage oder in Risotto. Das sanfte Garen karamellisiert die natürlichen Zucker und mildert den Schwefelgeschmack weiter. Der Weißteil (gebleichter Schaft) ist zarter und milder, der dunkelgrüne Blätterkranz intensiver im Geschmack und reich an Vitamin K.
Volksmedizinische Verwendung von Lauch als mildes Verdauungs- und Darmmittel. Lauch gilt als sanfteres, besser verträgliches Allium als Zwiebel oder Knoblauch — traditionell bei leichten Verdauungsträgheiten, Blähungen und als 'Darmreiniger' nach schweren Mahlzeiten empfohlen. Die enthaltenen Fructane (Inulin-Typ) wirken als präbiotische Ballaststoffe: Sie fördern Bifidobacterium- und Lactobacillus-Kulturen im Dickdarm. Wissenschaftlich bestätigt als Ballaststoffquelle; klinische Studien zur gastrointestinalen Wirkung fehlen.
Traditionelle Volksmedizin: Lauch-Suppe oder heißer Lauchsud bei Erkältung, Husten und Halsschmerzen. In Anlehnung an die bekannten schwefelreichen Alliums (Zwiebel, Knoblauch) wird Lauch volksmedizinisch als 'wärmendes' und 'schleimlockendes' Mittel bei Katarrhen der oberen Atemwege eingesetzt. Die enthaltenen Organosulfide haben in vitro antimikrobielle und schleimlösende Eigenschaften gezeigt; direkte klinische Evidenz für Lauch-Suppe als Erkältungstherapie existiert nicht. Der Nutzen ist wahrscheinlich multifaktoriell: Wärme, Flüssigkeit, Verdünnung von Schleim, allgemeiner Comfort-Effekt.
Lauch enthält Flavonoide (v. a. Kaempferol) und Organosulfide, die in vitro antioxidative und mild blutdrucksenkende Eigenschaften zeigen. Volksheilkundlich wird Lauch ähnlich wie Zwiebel und Knoblauch als 'Herz- und Gefäßgemüse' betrachtet. Epidemiologische Studien assoziieren hohen Allium-Verzehr (Lauch, Zwiebel, Knoblauch) mit geringerem kardiovaskulärem Risiko; isolierte klinische Daten zu Lauch allein fehlen. Als Teil einer gemüsereichen Ernährung empfehlenswert.
Lauch als wichtige Vitamin-K1-Quelle (besonders die dunkelgrünen Blätter liefern ~47 µg/100 g roh). Vitamin K1 ist essenziell für die Blutgerinnung und die Knochengesundheit. Zudem enthält Lauch nennenswerte Mengen Folat (ca. 16–64 µg/100 g je nach Teil), Vitamin C (ca. 12 mg/100 g) und Mangan. Die traditionelle Einbeziehung von Lauch in Winterkost im nordeuropäischen Raum lieferte in Zeiten ohne Frischgemüse wichtige Mikronährstoffe.
Volksmedizinische Nutzung des frischen Lauchsaftes oder fein gehackten Lauchs als mildes harntreibendes Mittel und zur Unterstützung der Nierenfunktion — analog zur traditionellen Diuretika-Nutzung von Zwiebel und Knoblauch. Wissenschaftliche Belege für eine signifikante diuretische Wirkung des Lauchs beim Menschen fehlen. Hoher Wassergehalt (~83 %) und Kaliumgehalt (~180 mg/100 g) sind ernährungsphysiologisch plausibel.
Lauch ist für gesunde Menschen als Lebensmittel sehr sicher. Zu beachten: Lauch enthält Fructane (Inulin-Typ-Ballaststoffe), die für Personen mit Reizdarmsyndrom (IBS) oder FODMAP-Unverträglichkeit Blähungen, Krämpfe und Durchfall verursachen können — insbesondere roher oder großmenig gegarter Lauch. Lauch ist wie alle Allium-Arten für Hunde und Katzen giftig (N-Propyl-Disulfid → Hämolyse/Heinz-Körper-Anämie); bereits kleine Mengen können bei Haustieren gefährlich sein. Lauch enthält Vitamin K1 — bei Marcumar-/Warfarin-Therapie auf konstante Mengen grüner Gemüse in der Wochenkost achten.
Lauch in üblichen Nahrungsmengen ist in der Schwangerschaft sicher und ernährungsphysiologisch wertvoll (Folat, Vitamin C, Vitamin K). Medizinisch konzentrierte Zubereitungen (Lauchsaft in großen Mengen) sind mangels Daten zu meiden. Die traditionelle Küchenmenge ist unbedenklich.
Lauch in Nahrungsmengen gilt als sicher in der Stillzeit. Organosulfide können in geringen Mengen in die Muttermilch übergehen und dem Milcharoma einen leicht zwiebelartigen Charakter geben — einzelne Säuglinge reagieren sensibel und trinken weniger; bei Beobachtung einer Ablehnung durch das Kind Lauch kurz meiden.
Lauch ist als Beikost und Gemüse für Kinder geeignet. Gut gegart und püriert ab dem Beikostalter (ca. 6 Monate). Rohkost und größere Mengen können wegen der Fructane bei kleinen Kindern und Säuglingen Blähungen verursachen. Kinder sollten Lauch nicht an Haustiere verfüttern.
Wechselwirkungen
Vitamin-K-Antagonisten (Warfarin, Phenprocoumon / Marcumar)
Lauch, v. a. die dunkelgrünen Blätter, enthält Vitamin K1. Große und schwankende Mengen grüner Allium-Gemüse können die INR bei Patienten unter Vitamin-K-Antagonisten beeinflussen. Kein Verbot, aber konstante wöchentliche Zufuhr empfohlen; bei INR-Schwankungen Lauchkonsum mit dem Gerinnungsarzt besprechen.
Antikoagulanzien / Thrombozytenaggregationshemmer (Aspirin, Clopidogrel)
Organosulfide aus Allium-Arten können in vitro die Thrombozytenaggregation hemmen. Bei therapeutischem Lauchkonsum als Gemüse ist die Wirkung klinisch nicht signifikant; konzentrierte Lauch-Extrakte oder -Supplemente könnten die Blutungszeit additiv verlängern. Küchenmäßige Mengen gelten als sicher.
Kontraindikationen
- Bekannte Überempfindlichkeit oder Allergie gegen Lauch oder andere Lauchgewächse (Allium-Arten wie Zwiebel, Knoblauch, Schnittlauch).
- Reizdarmsyndrom (IBS) mit FODMAP-Unverträglichkeit: Lauch ist eine High-FODMAP-Pflanze (Fructane); kann starke Darmbeschwerden auslösen. Allenfalls gut gegart in kleinen Mengen nach individueller Verträglichkeitstestung.
- Haustiere (Hunde, Katzen, Nager): Lauch ist für diese Tiere giftig — kein Verfüttern, auch nicht als Speisereste.
Erntet wird: Schaft (Herbst-Winter)
- Tageszeit:
- Ernte jederzeit möglich — am besten morgens nach dem Tauabtrocknen, wenn die Pflanze prall und frisch ist. Keine tageszeitsabhängigen Inhaltsstoffschwankungen wie bei Heilkräutern.
- Trocknung:
- ERNTE: Den gesamten Schaft bodennah abstechen oder mit einer Grabegabel vorsichtig herausziehen (Wurzelballen lockern). Der gebleichte weiße Schaft (Pseudostemma aus Blattscheiden) entsteht durch Anhäufeln von Erde oder Abdecken — je länger gebleicht, desto zarter und milder. Winter-Lauch ist frosthart bis ca. -15 °C und kann tiefgefroren im Boden stehen — bei Frost geerntet ist er nach dem Auftauen normal verwendbar. LAGERUNG: Frischer Lauch hält im Gemüsefach des Kühlschranks 1–2 Wochen (nicht waschen vor Lagerung, in feuchtem Küchenpapier einschlagen). Einfrieren möglich: in Ringe schneiden, 2–3 Minuten blanchieren, einfrieren — hält ca. 6 Monate.
- Lagerung:
- 2 Monate — Frisch im Kühlschrank 1–2 Wochen; blanchiert und eingefroren bis 6 Monate. Im Garten kann Lauch tiefgefroren stehen und nach Bedarf geerntet werden — natürliche 'Frischhaltung' im Beet.
- Tageszeit:
- Sommer-Lauch (frühe Sorten wie 'Lancelot', 'Blaugrüner Sommer') ist ab Juni/Juli erntereif. Ernte am Morgen nach Tauabtrocknung.
- Trocknung:
- SOMMER-ERNTE: Sommer-Lauch hat dünnere Schäfte und mildere Aromen als Winter-Lauch, ist jedoch nicht frostfest. Ernte vor dem Schossen (Blütenstandbildung) — nach der Vernalisation bilden ältere Pflanzen einen Blütenschaft, der den Schaft verholzt und ungeniessbar macht. Junge Sommer-Lauch-Triebe können ähnlich wie Frühlingszwiebeln verwendet werden. Lagerung nur wenige Tage bei Raumtemperatur, 1 Woche im Kühlschrank.
- Lagerung:
- Sommer-Lauch ist deutlich kürzer haltbar als Winter-Lauch: maximal 3–5 Tage bei Zimmertemperatur oder ca. 1 Woche im Kühlschrank. Nicht einfrieren ohne Blanchieren.
- Fructane (Inulin-Typ-Polysaccharide, Fructooligosaccharide)PolysaccharidAnteil: 3–10 %Blatt
Dominante Speicherkohlenhydrate im Lauch-Schaft. Inulin-artige Fructan-Ketten aus β(2→1)-verknüpften Fructose-Einheiten werden vom menschlichen Dünndarm nicht verdaut und gelangen intakt in den Dickdarm, wo sie als präbiotische Ballaststoffe Bifidobacterium und Lactobacillus selektiv stimulieren. Gleichzeitig Hauptursache für Blähungen bei FODMAP-Empfindlichkeit und IBS. Gehalt variiert stark mit Saisonalität und Sorte.
- Organosulfid-Verbindungen (Alliin, Allicin-Vorstufen, Diallylsulfide)SonstigeAnteil: 0,02–0,1 % (als Allicin-Äquivalent)Blatt
Schwefelhaltige Verbindungen, die durch die Alliinase-Reaktion bei Zellverletzung aus der Vorstufe S-Alk(en)yl-L-Cystein-Sulfoxid (ACSO) entstehen. Im Lauch deutlich geringere Gehalte als in Knoblauch (Allium sativum), daher milderer Geruch und Geschmack. In vitro antimikrobielle, antithrombotische und mild blutdrucksenkende Eigenschaften; klinische Evidenz für Lauch allein fehlt. Erhitzen inaktiviert Alliinase und reduziert den Gehalt flüchtiger Sulfide.
- Kaempferol und Kaempferol-GlykosideFlavonoidAnteil: 0,01–0,05 %Blatt
Dominantes Flavonoid im Lauch; vor allem in den dunkelgrünen Außenblättern konzentriert. Kaempferol ist antioxidativ und wird in epidemiologischen Studien mit reduziertem kardiovaskulärem Risiko und antiinflammatorischen Effekten assoziiert. In vitro Studien zeigen Hemmung von COX-Enzymen; klinische Daten spezifisch für Lauch sind nicht verfügbar.
- Vitamin K1 (Phylloquinon)VitaminAnteil: 21–47 µg/100 g (roh)Blatt
Lauch ist eine relevante Nahrungsquelle für Vitamin K1, besonders die dunkelgrünen Blätter (bis 47 µg/100 g). Vitamin K1 ist essenziell für die Aktivierung von Gerinnungsfaktoren (II, VII, IX, X) und knochenprotektiven Proteinen (Osteocalcin). Relevant bei Therapie mit Vitamin-K-Antagonisten (Marcumar, Warfarin): gleichmäßige Zufuhr stabilisiert den INR.
- Folat (Vitamin B9, Tetrahydrofolat-Formen)VitaminAnteil: 16–64 µg/100 g (je nach Pflanzenteil)Blatt
Lauch enthält nennenswerte Mengen Folat — die dunkelgrünen Blätter deutlich mehr als der gebleichte Weißteil. Folat ist essenziell für DNA-Synthese, Zellteilung und die Vermeidung von Neuralrohrdefekten in der Schwangerschaft. Folat ist hitzeempfindlich — Rohverzehr oder kurzes Dünsten erhält mehr Folat als langes Kochen.
- Vitamin C (Ascorbinsäure)VitaminAnteil: 10–15 mg/100 g (roh)Blatt
Lauch liefert moderate Mengen Vitamin C — etwa 10–15 % des empfohlenen Tagesbedarfs pro 100 g roh. Als Wintergemüse war Lauch historisch eine wichtige Vitamin-C-Quelle in der kalten Jahreszeit, in der frisches Obst fehlte. Vitamin C wird beim Kochen teilweise zerstört (ca. 50 % Verlust beim langen Kochen in Wasser).
- ManganMineralstoffAnteil: 0,3–0,5 mg/100 gBlatt
Lauch ist eine der besseren pflanzlichen Mangan-Quellen (ca. 15–25 % des Tagesbedarfs pro 100 g). Mangan ist Cofaktor der Superoxid-Dismutase (MnSOD), essenziell für Knochenbildung, Kohlenhydrat- und Aminosäure-Stoffwechsel. Keine bekannten Risiken bei nahrungsüblichen Mengen.
- Ätherisches Öl (Spuren; u. a. Dipropylsulfid, Methylpropylsulfid)Ätherisches ÖlAnteil: Spuren (<0,01 %)Blatt
Nur sehr geringe Mengen flüchtiger Aromastoffe — deutlich weniger als in Knoblauch oder Zwiebel. Hauptkomponenten sind Propyl- und Methyl-Sulfide, die für den charakteristisch milden Lauchgeruch verantwortlich sind. Pharmakologisch bei Nahrungsmengen nicht relevant, tragen aber sensorisch zur Appetitanregung bei.
- [1]MonographieUSDA FoodData Central — Leeks, (bulb and lower leaf-portion), raw (FDC ID 11246)(abgerufen: 2026-05-21)
- [2]MonographieEFSA NDA Panel — Scientific Opinion on Dietary Reference Values for carbohydrates and dietary fibre (EFSA Journal 2010;8(3):1462)(abgerufen: 2026-05-21)
- [3]MonographiePlants For A Future (PFAF) — Allium porrum database entry(abgerufen: 2026-05-21)
- [4]WikipediaLauch (Wikipedia DE)(abgerufen: 2026-05-21)
- [5]WikipediaLeek (Wikipedia EN)(abgerufen: 2026-05-21)
- [6]WikidataWikidata — Allium porrum (Q26778)(abgerufen: 2026-05-21)
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Quelle: Helga und Margarete Langerhorst, Mein gesunder Naturgarten (eigene Kuration)