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Großer Wiesenknopf
Sanguisorba officinalis · (Sanguisorba officinalis)
Rosengewächse (Rosaceae)
Beschreibung
Auf feuchten Wiesen und an Gräben fallen die dunkelroten, walzenförmigen Blütenköpfchen dieser Staude aus der Familie der Rosengewächse (Rosaceae) auf, die ihr im Volksmund den Namen 'Blutströpfchen' eingebracht haben. Genutzt werden die im Herbst gegrabene, gerbstoffreiche Wurzel sowie das im Sommer gesammelte Kraut. Die Wurzel enthält bis zu 17 % Gesamttannine, vor allem Ellagitannine wie Sanguiin H-6, daneben die Saponine Ziyuglosid I und II sowie Rutin. Traditionell wird ein Wurzelabsud oder eine Tinktur bei Wundheilungsstörungen, Durchfall und starker Regelblutung eingesetzt, volksmedizinisch dient das Blätterkraut auch als milde Küchenzutat. Bei anhaltend starker oder unregelmässiger Regelblutung sollte die Ursache ärztlich abgeklärt werden, bevor auf pflanzliche Unterstützung zurückgegriffen wird; wegen möglicher Komplexbildung der Tannine sollte die Einnahme zeitlich getrennt von Fluorchinolon-Antibiotika erfolgen.
Teeaufguss aus getrockneter Wiesenknopfwurzel bei Durchfall, Ruhr und leichten Magengeschwüren. Die Ellagitannine (Sanguiin H-Reihe) wirken adstringierend auf die Darmschleimhaut und hemmen Entzündungsmediatoren.
Anleitung & Dosierung
2–4 g getrocknete, zerkleinerte Wurzel in 200 ml Wasser aufkochen und 10 Minuten köcheln lassen. Abseihen und warm trinken, 3× täglich.
- Trockenmenge
- 2–4 g
- Anwendungen/Tag
- 3×
Umschläge mit abgekühltem Wiesenknopf-Wurzelabsud bei Verbrennungen, Wunden, Furunkeln und entzündeten Hautstellen. Klinische Studien aus China zeigen, dass das Gesamtextrakt der Pflanze bei Verbrennungen wirksamer ist als isolierte Tannine allein.
Anleitung & Dosierung
Wiesenknopf-Wurzeltinktur zur Unterstützung bei starken Menstruationsblutungen (Menorrhagie) und Hämorrhoiden. Die Triterpenglykosid-Fraktion (Ziyuglosid I) zeigt in Laborstudien die stärkste blutstillende Wirkung.
Anleitung & Dosierung
Aufguss aus frischen oder getrockneten Blättern des Wiesenknopfs als Tee-Ersatz mit leicht kühlender Wirkung. Die Blätter haben ein milder gurkenartiges Aroma und gelten in der Volksmedizin als kühlend und fiebersenkend.
Anleitung & Dosierung
1–3 g frische oder getrocknete Blätter mit 200 ml siedendem Wasser übergießen, 5 Minuten ziehen lassen, abseihen und trinken.
- Trockenmenge
- 1–3 g
- Anwendungen/Tag
- 2×
Junge Blätter und Blütenknospen des Wiesenknopfs im Frühjahr roh in Salaten oder als Wildkraut essbar. Der charakteristische Gurkengeschmack macht sie zu einer beliebten Ergänzung in Frühjahrssalaten und Kräuterquarks.
Anleitung & Dosierung
Wiesenknopfwurzel-Tee gilt volksmedizinisch als harntreibend und antiseptisch. In der TCM (chinesische Bezeichnung: Di Yu) wird die Wurzel eingesetzt, um 'Blut zu kühlen', Blutungen zu stoppen und Hitze zu klären.
Anleitung & Dosierung
3–6 g getrocknete Wurzel in 300 ml Wasser 15 Minuten köcheln lassen. Abseihen und warm trinken, 2× täglich.
- Trockenmenge
- 3–6 g
- Anwendungen/Tag
- 2×
Beim Einsatz gegen Menorrhagien oder Blutungsneigung ärztliche Abklärung der Ursache empfohlen. Hohe Tanninkonzentrationen (Tierversuche) zeigten hormonelle Effekte — bei üblicher volksmedizinischer Dosierung keine Berichte über unerwünschte Wirkungen beim Menschen. Wechselwirkung mit Fluorchinolonantibiotika möglich (Komplexbildung der Tannine).
Aufgrund fehlender Sicherheitsdaten in der Schwangerschaft besser meiden. PFAF empfiehlt, die Pflanze in der Schwangerschaft wegen ungeklärter Toxizität zu vermeiden.
Keine ausreichenden Daten zur Sicherheit in der Stillzeit vorhanden.
Keine ausreichenden Studien für Kinder. Kulinarische Verwendung junger Blätter gilt als unbedenklich.
Wechselwirkungen
Fluorchinolone (Fluoroquinolone antibiotics)
Tannine können Fluorchinolone binden und deren Bioverfügbarkeit verringern. Einnahme zeitlich trennen (mind. 2 Stunden Abstand).
Kontraindikationen
- Überempfindlichkeit gegenüber Rosengewächsen (Rosaceae).
Erntet wird: Wurzel (Herbst), Kraut (Sommer)
- Tageszeit:
- Trockene Witterung bevorzugen; Wurzeln morgens ausgraben, wenn der Boden nicht zu feucht ist.
- Trocknung:
- Wurzeln waschen, in Scheiben oder Stücke schneiden und bei 40–50 °C im Dörrgerät oder an einem luftigen Schattenplatz trocknen.
- Lagerung:
- 24 Monate — Dunkel, trocken, luftdicht in Papiertüten oder Glasbehältern. Bis zu 2 Jahre haltbar.
- Tageszeit:
- Junge Blätter und Triebe vor der Blüte ernten — am besten morgens nach dem Tau.
- Trocknung:
- Blätter locker auf Tüchern ausbreiten und bei Raumtemperatur im Schatten trocknen (ca. 1 Woche). Nicht über 35 °C.
- Lagerung:
- 12 Monate — Dunkel, trocken in luftdichten Behältern. Bis zu 1 Jahr haltbar.
- Ellagitannine — Sanguiin H-6GerbstoffAnteil: 12–17 % Gesamttannine (Wurzel)Wurzel
Dimeres Ellagitannin; Leitsubstanz der Gattung Sanguisorba. Verantwortlich für die stark adstringierende und antimikrobielle Wirkung.
- Ziyuglosid I (Ziyuglycoside I)SaponinWurzel
Triterpenglykosid (Ursolsäure-Derivat); zeigt in Laborstudien die stärkste blutstillende Wirksamkeit (88,7 % Inhibition in α2-Plasmin-Inhibitor-Assay).
- Ziyuglosid II (Ziyuglycoside II)SaponinWurzel
Zweites Haupttriterpenglykosid der Wurzel; Begleitsubstanz von Ziyuglosid I.
- RutinFlavonoidKrautige Teile
Flavonoidglykosid; antioxidativ, gefäßschützend. Auch in Blättern und Stängeln nachgewiesen.
- EpigallocatechinGerbstoffKrautige Teile
Catechin-Typ-Polyphenol; antioxidative und entzündungshemmende Eigenschaften.
- β-SitosterolSonstigeWurzel
Phytosterol; in Wurzel und Blättern nachgewiesen. Entzündungshemmende Basiswirkung.
- Gallussäure (Gallic acid) / Ellagsäure (Ellagic acid)PhenolsäureWurzel
Hydrolysierbare Tannin-Bausteine; antimikrobiell und antioxidativ. Entstehen bei der Hydrolyse der Sanguiine.
- Ursolsäure (Ursolic acid)SonstigeWurzel
Triterpengrundgerüst für die Glykosid-Leitsubstanzen Ziyuglosid I und II; entzündungshemmende und antitumorale Eigenschaften in Laborstudien.
- [1]MonographiePFAF — Sanguisorba officinalis Plant Database Entry(abgerufen: 2026-05-22)
- [4]MonographiePhytotherapeutic Activities of Sanguisorba officinalis and its Chemical Constituents: A Review — American Journal of Chinese Medicine 2018(abgerufen: 2026-05-22)
- [5]MonographieA Comprehensive Review of Genus Sanguisorba: Traditional Uses, Chemical Constituents and Medical Applications — PMC8488092(abgerufen: 2026-05-22)
- [6]MonographieTerpene Glycosides from the Roots of Sanguisorba officinalis L. and Their Hemostatic Activities — PMC6268605(abgerufen: 2026-05-22)
- [2]WikipediaGroßer Wiesenknopf — Wikipedia DE(abgerufen: 2026-05-22)
- [3]WikipediaSanguisorba officinalis — Wikipedia EN(abgerufen: 2026-05-22)