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Schwarzer Holunder
Vorsicht🐾Sambucus nigra · (Sambucus nigra)
Moschuskrautgewächse (Adoxaceae)
Beschreibung
Cremeweiße, stark duftende Blütendolden im Mai und Juni und tiefschwarze, glänzende Beeren im September und Oktober kennzeichnen den Schwarzen Holunder, einen Strauch aus der Familie der Moschuskrautgewächse. Die Blüten enthalten Flavonoide wie Rutin und Isoquercitrin, ätherisches Öl sowie Schleimstoffe, während die Beeren reich an Anthocyanen und Polyphenolen sind. Anerkannt ist die Anwendung der Blüten als Tee, Gurgellösung oder Tinktur bei Erkältungssymptomen der Atemwege und zur Unterstützung des Immunsystems; die reifen, stets gut durchgekochten Beeren werden volkstümlich ähnlich sowie als würzige Zutat genutzt. Entscheidend: Alle anderen Pflanzenteile – Blätter, Rinde, Wurzeln und unreife Beeren – enthalten das cyanogene Glykosid Sambunigrin und sind roh giftig; auch reife Beeren müssen vor dem Verzehr mindestens 15 Minuten gekocht werden. Bei hohem Fieber, Atemnot oder Symptomen über sieben Tage ist ärztlicher Rat erforderlich.
🌿 Verwechslungsgefahr — vor Wildsammlung lesen!
GIFTIGKEIT BEACHTEN — Verwechslungsgefahr und Rohverzehr-Risiko: Nur die BLÜTEN (Sambuci flos) sind als traditionelle Heildroge anerkannt. Verwechslung mit Zwergholunder (Sambucus ebulus, giftig!) und Attich vermeiden — diese haben charakteristisch horizontal wachsende Stängel und stärker riechendes Kraut.
Tradierter Schwitztee aus Holunderblüten bei fieberhaftem Erkältungsinfekt — schweißtreibende (diaphoretische) Wirkung, durch EMA als traditional use anerkannt.
Anleitung & Dosierung
SCHWITZTEE (Diaphoretikum): 1,5–3 g getrocknete Holunderblüten (~1 gehäufter TL) mit 150 ml siedendem Wasser übergießen, zugedeckt 5–10 Minuten ziehen lassen, abseihen. 2–3× täglich möglichst HEISS trinken — abends am wirkungsvollsten, anschließend warm zudecken und ausschwitzen. Unterstützend bei fieberhaften Erkältungen (Rhinitis, Grippe), um die Schweißproduktion zu fördern. Anwendungsdauer laut EMA maximal 1 Woche; bei Fieber über 39 °C, Atemnot, eitrigem Auswurf oder Symptomen länger als 7 Tage sofort Arzt aufsuchen. Laut EMA-Monographie (traditional use, Revision 2018) bei Erkältungssymptomen mit Fieber und Schnupfen anerkannt.
- Trockenmenge
- 1.5–3 g
- Anwendungen/Tag
- 3×
- Max. Anwendungsdauer
- 1 Wochen
⚠ Altersbeschränkung: ≥ 12 Jahre — Laut EMA nur ab 12 Jahren. Für Kinder unter 12 Jahren keine ausreichenden Sicherheitsdaten.
Erkältungstee aus Holunderblüten bei Katarrhen der oberen Atemwege und Bronchitis — Kommission-E-Monographie (positiv, 1992): schweißtreibend und schleimhautreizlindernd.
Anleitung & Dosierung
ERKÄLTUNGSTEE (Kommission E): 3–5 g Holunderblüten mit 250 ml heißem Wasser übergießen, 10 Minuten zugedeckt ziehen lassen, abseihen. Tagesdosis 10–15 g Droge. 2–3 Tassen täglich heiß trinken bei beginnenden Erkältungen, Katarrhen der oberen Atemwege und Bronchitis. Kombination mit anderen schleimlösenden oder schweißtreibenden Kräutern (z. B. Lindenblüten, Thymian) volksmedizinisch üblich. Anwendung max. 1 Woche.
- Trockenmenge
- 3–5 g
- Anwendungen/Tag
- 3×
- Max. Anwendungsdauer
- 1 Wochen
⚠ Altersbeschränkung: ≥ 12 Jahre — Laut Kommission E und EMA ab 12 Jahren. Vor dem 12. Lebensjahr: ärztliche Rücksprache.
Holunderblüten-Gurgellösung bei Halsschmerzen und Heiserkeit — mild entzündungshemmend und schleimhautberuhigend.
Anleitung & Dosierung
GURGELLÖSUNG: 2–3 g getrocknete Holunderblüten mit 150–200 ml siedendem Wasser übergießen, 10 Minuten zugedeckt ziehen lassen, abseihen und auf handwarme Temperatur (~40 °C) abkühlen lassen. 2–3× täglich gründlich 30–60 Sekunden gurgeln (nicht schlucken) und Mundhöhle spülen bei Halsentzündung, Heiserkeit und Entzündungen der Mundschleimhaut. Volksmedizinisch auch als Waschung bei entzündeter Augenbindehaut verwendet (1–2× täglich, Kompressen).
- Trockenmenge
- 2–3 g
- Anwendungen/Tag
- 3×
- Max. Anwendungsdauer
- 1 Wochen
⚠ Altersbeschränkung: ≥ 12 Jahre — Ab 12 Jahren. Kleine Kinder können nicht sicher gurgeln.
Holunderblütentinktur als praktische Alternative zum Schwitztee bei Erkältungsinfekten — diaphoretisch, volksheilkundlich üblich.
Anleitung & Dosierung
HOLUNDERBLÜTENTINKTUR (Droge-Auszug-Verhältnis 1:5 in 25 % Ethanol): 2–4 ml (~40–80 Tropfen) 3× täglich in einem Glas warmem Wasser (oder Kräutertee) verdünnt, einnehmen. Volksheilkundliche Alternative zum Tee, wenn keine Zubereitungsmöglichkeit vorhanden; Wirkung ähnlich diaphoretisch. Ethanolgehalt beachten — nicht für Kinder, Schwangere, Alkohol- oder Lebererkrankte. Bei über 7 Tagen anhaltenden Symptomen Arzt aufsuchen.
- Flüssigkeit
- 2–4 ml
- Anwendungen/Tag
- 3×
- Max. Anwendungsdauer
- 1 Wochen
⚠ Altersbeschränkung: ≥ 18 Jahre — Wegen Ethanolgehalt nur für Erwachsene. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren: Tee bevorzugen.
Holunderbeeren-Sirup aus gut durchgekochten reifen Beeren — volksmedizinisches Hausmittel bei Erkältungen und zur Immununterstützung. Rohe Beeren giftig.
Anleitung & Dosierung
HOLUNDERBEEREN-SIRUP (Sambucus-Sirup / Hollersirup): Nur vollreife, tiefschwarze Beeren (September–Oktober, NIEMALS roh) verwenden. 500 g entstielte und gewaschene Beeren mit 250 ml Wasser aufkochen und 15–20 Minuten köcheln (zerstört Sambunigrin), durch ein Sieb passieren und ausdrücken. Saft mit 300–400 g Zucker und optional Gewürzen (Zimtstange, Nelken, Zitronenschale) erneut aufkochen, in sterile Flaschen abfüllen. 1–2 EL täglich pur oder verdünnt in heißem Wasser. Volksmedizinisch zur unterstützenden Behandlung von Erkältungen, als Immunstärkung und bei Heiserkeit eingesetzt. Rohe Beeren sind GIFTIG — ausreichendes Erhitzen zwingend!
Holunderbeeren-Dekokt als einfaches Volksrezept bei Erkältungen — Anthocyane und Flavonoide erhalten; Sambunigrin durch Kochen inaktiviert.
Anleitung & Dosierung
BEERENABKOCHUNG (Dekokt): 5–10 g getrocknete Holunderbeeren mit 300 ml Wasser kalt ansetzen, aufkochen und 15–20 Minuten leise köcheln (Dekokt — Kochen ist Pflicht, um Sambunigrin zu inaktivieren), abseihen. 1–2 Tassen täglich, nach Belieben mit Honig gesüßt. Volksmedizinisch bei Erkältungen, Halsschmerzen und als Immunstärkung im Winter. Anthocyane bleiben auch im Kochvorgang weitgehend erhalten.
- Trockenmenge
- 5–10 g
- Anwendungen/Tag
- 2×
- Max. Anwendungsdauer
- 2 Wochen
Holunderblütenbad und Dampfinhalation bei Erkältungsbeschwerden und zur Hautpflege — entspannend und mild diaphoretisch.
Anleitung & Dosierung
HOLUNDERBLÜTENBAD: 50–100 g getrocknete Holunderblüten mit 2 Litern kochendem Wasser übergießen, 15 Minuten ziehen lassen, abseihen und dem Vollbad (37–38 °C, nicht heißer) beigeben. 15–20 Minuten bad nehmen. Volksmedizinisch bei Erkältungen (Dampfbad für Gesicht auch möglich: Schüssel mit heißem Aufguss, Handtuch über Kopf), trockener Haut und Gelenkbeschwerden. Für Dampfinhalation: 2–3 EL Blüten auf 1 L heißes Wasser, 5–10 Minuten inhalieren.
- Trockenmenge
- 50–100 g
- Anwendungen/Tag
- 1×
- Max. Anwendungsdauer
- 2 Wochen
Holunderblüten in der Küche — Sirup, Cordial, Hollerküchle und Essig; klassisch mitteleuropäisch. Blüten enthalten KEIN Sambunigrin und sind frisch oder getrocknet sicher verwendbar.
Anleitung & Dosierung
KÜCHE (Holunderblüten): Frische Holunderdolden (Mai–Juni) für Holunderblütensirup/-cordial: Blütendolden mit Zitronenscheiben und Zucker kalt ansetzen, 24 Stunden ziehen, abseihen (kein Kochen nötig — Blüten enthalten kein Sambunigrin). Für Hollerküchle (Holunderküchle/Hollerstrauben): Ganze frische Dolde in Ausbackteig tauchen und in Öl backen. Holunderblütenessig: Frische Blüten in Apfelessig einlegen, 2 Wochen. Sirup und Cordial: klassisches Sommergetränk in der mitteleuropäischen Küche. Getrocknete Blüten als Aroma in Desserts, Panna cotta, Limonaden.
GIFTIGKEIT BEACHTEN — Verwechslungsgefahr und Rohverzehr-Risiko: Nur die BLÜTEN (Sambuci flos) sind als traditionelle Heildroge anerkannt. Alle anderen Pflanzenteile (Blätter, Rinde, Wurzeln, unreife Beeren, Samen) enthalten das cyanogene Glykosid Sambunigrin, das im Körper Blausäure (Cyanwasserstoff) freisetzt — GIFTIG, Symptome: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Schwindel, in größeren Mengen Krampfanfälle. Reife schwarze Beeren enthalten geringere Sambunigrin-Mengen, MÜSSEN ABER IMMER VOLLSTÄNDIG DURCHGEKOCHT werden (mind. 15 Min. simmern) — Rohverzehr auch reifer Beeren in größeren Mengen kann zu Vergiftungen führen. Verwechslung mit Zwergholunder (Sambucus ebulus, giftig!) und Attich vermeiden — diese haben charakteristisch horizontal wachsende Stängel und stärker riechendes Kraut. Erkältungssymptome mit Fieber über 39 °C, Atemnot, eitrigem Auswurf oder Dauer über 7 Tage sofort ärztlich abklären — Holunder ist kein Ersatz für ärztliche Behandlung von Bronchitis, Pneumonie oder bakteriellen Infekten. Bei Autoimmunerkrankungen oder immunsuppressiver Therapie vor Einnahme von Holunderbeeren-Produkten Arzt fragen.
⏱ Max. Daueranwendung: 1 Wochen
Holunderblüten-Tee in therapeutischen Mengen in der Schwangerschaft mangels ausreichender Sicherheitsdaten nicht empfohlen (EMA-Monographie). Gelegentliche kulinarische Verwendung (Blütensirup in Maßen) gilt als unbedenklich. Holunderbeeren-Produkte in der Schwangerschaft meiden — keine Daten.
Therapeutische Dosen mangels Daten in der Stillzeit nicht empfohlen (EMA). Kulinarische Verwendung von Blütensirup und gut durchgekochten Beerenprodukten in haushaltsüblichen Mengen als unbedenklich eingestuft.
Holunderblütentee laut EMA erst ab 12 Jahren (keine Sicherheitsdaten für jüngere Kinder). Kinder dürfen NIEMALS rohe Beeren essen — Vergiftungsgefahr durch Sambunigrin. Gut durchgekochte Beerenprodukte (Sirup, Mus, Konfitüre) gelten in kindgerechten Mengen als unbedenklich. Bei Erkältungsfieber bei Kindern unter 12 Jahren immer ärztlichen Rat einholen.
Wechselwirkungen
Immunsuppressiva (Ciclosporin, Tacrolimus, Methotrexat, Azathioprin, Kortikosteroide)
Holunderbeeren-Zubereitungen (Sirup, Extrakte) zeigen in vitro und in tierexperimentellen Studien immunstimulierende Eigenschaften (Stimulation von Zytokinen wie IL-1β, TNF-α, IL-6 durch Anthocyane und Polysaccharide). Theoretisch könnten diese Effekte die Wirkung immunsuppressiver Medikamente abschwächen. Klinische Daten beim Menschen fehlen; Vorsicht ist bei Patienten nach Organtransplantation oder mit aktiver Autoimmunerkrankung (Lupus, Rheumatoide Arthritis, MS) geboten.
Antidiabetika (Insulin, Metformin, Sulfonylharnstoffe, SGLT-2-Hemmer)
Holunderbeeren-Extrakte zeigen in einigen Studien hypoglykämische Eigenschaften (Hemmung der α-Glukosidase, Verbesserung der Insulinsensitivität durch Anthocyane). Bei gleichzeitiger antidiabetischer Therapie theoretisch additiver Blutzucker-senkender Effekt möglich — Hypoglykämie-Risiko. Blutzucker regelmäßig kontrollieren, Dosis-Anpassung ggf. mit dem behandelnden Arzt besprechen.
Diuretika (Thiazide, Schleifendiuretika, kaliumsparende Diuretika)
Holunderblüten besitzen traditionell mild diuretische (harntreibende) Eigenschaften. Bei gleichzeitiger Einnahme von Diuretika theoretisch additiver Effekt möglich — Risiko übermäßigen Flüssigkeits- und Elektrolytverlusts (Dehydrierung, Hypokaliämie). Ausreichende Flüssigkeitszufuhr sicherstellen und ggf. Elektrolyte überwachen.
Kontraindikationen
- Überempfindlichkeit (Allergie) gegen Schwarzen Holunder (Sambucus nigra) oder andere Adoxaceae/Caprifoliaceae.
- Kinder unter 12 Jahren (therapeutische Zubereitungen laut EMA — kulinarische Beerenprodukte ausgenommen).
- Verzehr roher oder unreifer Beeren sowie roher Blätter, Rinde und Wurzeln jeder Menge — Vergiftung durch Sambunigrin (cyanogenes Glykosid).
- Schwangerschaft und Stillzeit (therapeutische Dosen) — mangels ausreichender Sicherheitsdaten meiden.
- Schwere Immunsuppression oder aktive Autoimmunerkrankung (Holunderbeeren-Produkte können Immunaktivität stimulieren — vorher ärztliche Rücksprache).
Erntet wird: Blüten (Mai-Juni) und reife Beeren (Sept-Okt)
- Tageszeit:
- Trockener, sonniger Vormittag (9–12 Uhr), nachdem der Tau vollständig abgetrocknet ist — Flavonoid- und Ätherischöl-Gehalt dann am höchsten. Blütendolden bei vollständiger Öffnung und noch cremeweißer Farbe ernten (bräunlich verfärbte Dolden = Überschreitung des Erntezeitpunkts).
- Trocknung:
- Voll aufgeblühte, cremeweise Blütendolden bei trockenem Wetter ernten. NICHT mit Wasser abspülen (würde Pollen und flüchtige Inhaltsstoffe entfernen). Stiele möglichst kurz lassen oder ganz entfernen — dickere Stiele enthalten Sambunigrin (in Blüten selbst nicht vorhanden, aber Kontaminationsrisiko der Droge). Dolden locker einlagig auf sauberen Tüchern oder Gitterhorden im Schatten bei max. 35–40 °C ausbreiten; oder kopfüber aufhängen. Nach dem Trocknen die einzelnen Blütchen von den dünnen Stieldolden rebeln (abstreifen) — die kleinen Blütchen sind die Droge. Erntefenster eng: Holunderblüte dauert je nach Lage und Jahr nur 10–14 Tage.
- Lagerung:
- 12 Monate — Luftdicht in dunklen Gläsern oder Blechdosen bei Raumtemperatur, trocken. Innerhalb 12 Monate aufbrauchen — Flavonoidgehalt nimmt danach ab. Bei muffigem Geruch oder Braunfärbung entsorgen.
- Tageszeit:
- Trockene Tage im Spätsommer bis Frühherbst (August–Oktober) — Beeren bei vollreifer, glänzend tiefschwarz-violetter Farbe in ganzen Doldenrispen ernten. Idealerweise nach dem ersten leichten Frost (Anthocyangehalt steigt, Geschmack milder). Grüne oder rötlich gefärbte Beeren sind unreif und haben höheren Sambunigrin-Gehalt — NIEMALS unreife Beeren ernten.
- Trocknung:
- Beeren waschen und von den Stielen abstreifen (Stiele enthalten Sambunigrin). Frisch verwenden (Sirup, Mus — sofort vollständig durchkochen, mind. 15 Min. simmern) oder im Dörrgerät bei 50–60 °C 10–16 Stunden bis zur ledrigen Konsistenz trocknen. Getrocknete Beeren für Tee (Dekokt) verwenden — auch im Dekokt immer kochen, nie nur aufgießen. Für Tinktur: frische reife Beeren 1:5 in 40–50 % Ethanol ansetzen (Ethanol inaktiviert Sambunigrin zusätzlich).
- Lagerung:
- 12 Monate — Getrocknete Beeren: luftdicht, kühl, dunkel, trocken — innerhalb 12 Monate aufbrauchen. Frische Beeren sehr verderblich (max. 2–3 Tage im Kühlschrank); besser direkt zu Sirup oder Mus verarbeiten. Sirup: steril abgefüllt und kühl gelagert 6–12 Monate haltbar.
- Flavonoide (Rutin, Isoquercitrin, Hyperosid, Astragalin, Quercetin-3-O-glucosid)FlavonoidAnteil: 0,8-3 %Blüte
Leitsubstanzgruppe der Blüten (Sambuci flos). Rutin und Isoquercitrin dominieren. Verantwortlich für die diaphoretische und mild entzündungshemmende Wirkung; verbessern die Kapillarresistenz und wirken antioxidativ. EMA-Monographie erkennt die Wirksamkeit auf Basis dieser Fraktion an.
- Anthocyane (Cyanidin-3-O-glucosid, Cyanidin-3-O-sambubiosid, Cyanidin-3-O-rutinosid)FlavonoidAnteil: 0,2-1 %Frucht
Hauptpigmente der reifen Beeren, verantwortlich für die tiefschwarz-violette Farbe. Stark antioxidativ (ORAC-Wert hoch), in vitro antivirale Aktivität beschrieben (Hemmung der Hämagglutinin-Neuraminidase von Influenzaviren). Immunstimulierende Wirkung (Zytokinstimulation) in Zellkulturexperimenten. Klinische Wirksamkeitsnachweise beim Menschen bleiben begrenzt.
- Sambunigrin (cyanogenes Glykosid)GlykosidAnteil: 0,01-0,1 %Blatt
GIFTSTOFF — Hauptcyanogen des Schwarzen Holunders. Höchste Konzentrationen in Blättern, Rinde, Wurzeln und unreifen Beeren; in reifen Früchten geringere Mengen (v. a. im Samen). Hydrolyse durch pflanzliche Glucosidasen und gastrointestinale Mikrobiota setzt Blausäure (HCN) frei. Thermolabil — vollständiges Kochen (≥15 Min. simmern) inaktiviert Sambunigrin zuverlässig in Beerenzubereitungen. Blüten enthalten kein Sambunigrin.
- Ätherisches Öl (Blüten: Hotrienol, Linalool, α-Terpineol, Nerolidol)Ätherisches ÖlAnteil: 0,03-0,3 %Blüte
Geringer Gehalt; verantwortlich für den charakteristischen süßlich-blumigen Duft der Hollerblüten. Hauptkomponenten des Blütenöls: Hotrienol (Leitsubstanz des Holunderblütenaromas), Linalool, cis- und trans-Linalooloxide. Pharmakologisch in therapeutischen Konzentrationen ohne wesentliche Bedeutung; trägt zur sensorischen Qualität der Droge bei.
- Schleimstoffe (Polysaccharide, Pektine)SchleimstoffAnteil: 7-11 %Blüte
Höchster Gehalt unter den Inhaltsstoffen der Blüten. Schleimpolysaccharide legen sich schützend auf gereizte Schleimhäute (Mund, Rachen, Bronchien) — erklärt die Anwendung als Gurgellösung und Erkältungstee. Reizmildernd bei Entzündungen der oberen Atemwege.
- Phenolsäuren (Chlorogensäure, Kaffeesäure, p-Cumarsäure)PhenolsäureAnteil: 0,1-0,5 %Blüte
Antioxidativ und mild entzündungshemmend (COX-Hemmung). Ergänzen die Wirkung der Flavonoide. Chlorogensäure ist in Holunderblüten und -beeren nachgewiesen; sie hemmt in vitro die Aufnahme von Glukose im Darm.
- Triterpene (α-Amyrin, β-Amyrin, Ursolsäure, Oleanolsäure, β-Sitosterol)SonstigeAnteil: 0,2-1 %Blüte
Pentacyclische Triterpensäuren mit mild entzündungshemmenden Eigenschaften; β-Sitosterol als phytosterolischer Begleitstoff. Tragen zur Gesamtwirkung der Blütendroge bei ohne eigenständige klinische Bedeutung bei therapeutischen Dosen.
- Polyphenole / Procyanidine (Beeren)SonstigeAnteil: 0,5-2 %Frucht
Oligomere Procyanidine (B1, B2) in den Beeren; ergänzen die Anthocyane als antioxidative Komponente. In Beeren-Rohextrakten nachgewiesen; Gesamtpolyphenolgehalt der reifen Beeren zählt zu den höchsten unter einheimischen Wildfrüchten. Verbleib und Bioverfügbarkeit nach Erhitzung (Sirup) reduziert, aber wesentliche Anteile bleiben erhalten.
- [1]MonographieEMA/HMPC/611512/2016 — European Union herbal monograph on Sambucus nigra L., flos, Revision 1 (Final, 27 June 2018)(abgerufen: 2026-05-21)
- [2]MonographieKommission E — Sambuci flos (Holunderblüten), Monographie (positiv), BAnz Nr. 50, 13. März 1990, zuletzt geändert 1992(abgerufen: 2026-05-21)
- [3]MonographieESCOP Monographs — Sambuci flos (Elderflower), 2nd edition with supplement, European Scientific Cooperative on Phytotherapy(abgerufen: 2026-05-21)
- [6]MonographiePlants For A Future (PFAF) — Sambucus nigra database entry(abgerufen: 2026-05-21)
- [9]MonographieCliniTox Giftpflanzen — Sambucus nigra L.: giftig + (Institut für Veterinärpharmakologie und -toxikologie, Universität Zürich)(abgerufen: 2026-08-10)
- [4]BuchWichtl, Max (Hrsg.) — Teedrogen und Phytopharmaka: Ein Handbuch für die Praxis, 5. Auflage, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 2009(abgerufen: 2026-05-21)
- [5]BuchMadaus, Gerhard — Lehrbuch der biologischen Heilmittel, Band II: Sambucus nigra (Schwarzer Holunder), 1938 (Public Domain)(abgerufen: 2026-05-21)
- [7]WikipediaSchwarzer Holunder (Wikipedia DE)(abgerufen: 2026-05-21)
- [8]WikipediaSambucus nigra (Wikipedia EN)(abgerufen: 2026-05-21)