© Sakurai Midori · CC BY-SA 3.0 · Commons
Hundsrose
Rosa canina · (Rosa canina)
Rosengewächse (Rosaceae)
Beschreibung
An Hecken und Wegrändern reifen im Herbst die leuchtend roten Früchte dieses dornigen Wildrosenstrauchs aus der Familie der Rosengewächse (Rosaceae) heran. Das Fruchtfleisch der Hagebutte ist reich an Vitamin C (bis zu 2 %) sowie an Carotinoiden, Flavonoiden und Pektin und wird als Tee, Mus oder Gewürz genutzt. Standardisierte Hagebuttenpulver-Präparate, die auch das Galaktolipid GOPO enthalten, wurden in klinischen Studien bei Gelenkbeschwerden untersucht. Volksmedizinisch gilt ein Tee aus den Blüten als beruhigend, und Fruchtmus wird traditionell als Gurgellösung bei Halsschmerzen eingesetzt. Zwischen Fruchtfleisch und Kernen sitzen feine Juckhaare, die bei Hautkontakt einen lang anhaltenden Juckreiz auslösen können — daher werden sie vor der Verarbeitung sorgfältig entfernt, ein Erbe der historischen Nutzung als 'Juckpulver'. Standardisierte Präparate können vereinzelt leichte Magenbeschwerden verursachen.
Traditionell verwendeter Hagebuttentee als Vitamin-C-reiche Zubereitung zur unterstützenden Behandlung und Vorbeugung von Erkältungen, grippalen Infekten und allgemeiner Erschöpfung in der kalten Jahreszeit. Hagebutten zählen mit 0,4-2 % Ascorbinsäure zu den vitamin-C-reichsten heimischen Pflanzen. Kommission E listet Cynosbati fructus mit positiver Bewertung für diese Indikation.
Anleitung & Dosierung
2-4 g zerkleinerte getrocknete Hagebutten (mit oder ohne Kerne) mit 250 ml siedendem Wasser übergiessen, zugedeckt 10-15 Minuten ziehen lassen, abseihen. Bis zu dreimal täglich eine Tasse trinken. Für höheren Vitamin-C-Erhalt Wasser nur knapp unter Siedepunkt verwenden und Tee zugedeckt ziehen lassen.
- Trockenmenge
- 2–4 g
- Anwendungen/Tag
- 3×
- Max. Anwendungsdauer
- 8 Wochen
Standardisiertes Hagebuttenpulver (aus Fruchtschalen, Mark und Samen) bei Osteoarthrose-Beschwerden in Knie, Hüfte und Hand. Klinische Studien (Winther et al., Christensen et al.) zeigen für das Galaktolipid GOPO eine signifikante Reduktion von Schmerz, Steifigkeit und Bedarf an NSAR. ESCOP führt Rosae pseudo-fructus für diese Indikation als Monographie.
Anleitung & Dosierung
2,5-5 g standardisiertes Hagebuttenpulver (samenhaltig, kaltvermahlen) zweimal täglich in Wasser, Joghurt oder Saft einrühren und zu den Mahlzeiten einnehmen. Eine deutliche Wirkung tritt erfahrungsgemäss erst nach 3-4 Wochen kontinuierlicher Einnahme ein.
- Trockenmenge
- 2.5–5 g
- Anwendungen/Tag
- 2×
- Max. Anwendungsdauer
- 12 Wochen
Klassische Verwendung der entkernten Fruchtmark-Konfitüre, Hagebuttenlikör, -sauce (z. B. zu Wild) und Hagebuttenmark als kindgerechter Vitamin-C-Lieferant. Die Fruchtsäuren und Pektine wirken mild verdauungsfördernd; das süss-säuerliche Fruchtmark ist seit Jahrhunderten Bestandteil der bäuerlichen Vorratshaltung in Nord- und Mitteleuropa.
Anleitung & Dosierung
Volksmedizinisch wird Hundsrosen-Blütentee gelegentlich als mild beruhigender und herzstärkender Aufguss bei nervöser Unruhe und Erschöpfung verwendet. Die Wirkung ist sanft und nicht durch moderne Studien belegt; eher Wohlfühl-Tee mit zartem Rosenduft.
Anleitung & Dosierung
1-2 g getrocknete Hundsrosen-Blütenblätter mit 250 ml siedendem Wasser übergiessen, zugedeckt 8-10 Minuten ziehen lassen, abseihen. Ein- bis zweimal täglich eine Tasse trinken.
- Trockenmenge
- 1–2 g
- Anwendungen/Tag
- 2×
In der Wildkräuter-Küche werden vollreife Hagebutten direkt vom Strauch genossen: Frucht zwischen den Fingern leicht eindrücken, am Stielende öffnen und das süss-säuerliche Fruchtmark heraussaugen — Kerne und Juckhaare nicht mitessen. Eine klassische Knabber-Frucht auf Wanderungen im Herbst.
Anleitung & Dosierung
Volksmedizinische Anwendung eines starken Hagebutten-Aufgusses als adstringierende Gurgellösung bei beginnender Halsentzündung, Heiserkeit und leichten Schleimhautreizungen im Mund- und Rachenraum. Die Gerbstoffe (Catechin-Polymere) wirken zusammenziehend, Vitamin C und Fruchtsäuren leicht antiseptisch.
Anleitung & Dosierung
5-8 g zerkleinerte Hagebutten mit 250 ml siedendem Wasser übergiessen, 15 Minuten ziehen lassen, abseihen und auf körperwarm abkühlen lassen. Mehrmals täglich (3-4 mal) damit gurgeln; nicht hinunterschlucken bei starkem Aufguss.
- Trockenmenge
- 5–8 g
- Anwendungen/Tag
- 4×
Im Inneren der Hagebutte sitzen zwischen Fruchtmark und Samen feine Juckhaare (Trichome), die bei Hautkontakt einen unangenehmen, mitunter tagelangen Juckreiz auslösen — daher als historisches 'Juckpulver' bekannt. Bei Ernte und Verarbeitung immer Handschuhe tragen und Kerne mit Juckhaaren restlos entfernen. Zubereitungen aus standardisiertem Hagebuttenpulver können in Einzelfällen leichte Magenbeschwerden, weichen Stuhl oder Sodbrennen verursachen. ASPCA-Einstufung (abgerufen 2026-08-10): für Hunde und Katzen ungiftig. Die ASPCA stuft die ganze Gattung so ein.
Hagebutten gelten in üblichen Mengen (Tee, Konfitüre, Mark) während Schwangerschaft und Stillzeit als unbedenklich und sind wegen ihres hohen Vitamin-C-Gehalts traditionell sogar geschätzt. Bei standardisierten Hochdosis-Präparaten (Osteoarthrose) keine ausreichenden Daten — dann zurückhaltend einsetzen.
Übliche Mengen unbedenklich. Hagebuttentee ist ein klassischer Stilltee-Begleiter und trägt zur Vitamin-C-Versorgung von Mutter und Kind bei.
Hagebuttenmark ist seit Generationen ein klassischer Vitamin-C-Lieferant für Säuglinge und Kleinkinder (z. B. als 'Hagebuttenmark' im Beikost-Alter). Wichtig: Mark vor der Verarbeitung restlos von Samen und Juckhaaren befreien. Hagebuttentee ist auch für Kinder unbedenklich.
Wechselwirkungen
Eisenpräparate / orale Eisensubstitution
Vitamin C aus Hagebutten verstärkt die intestinale Resorption von zweiwertigem Eisen deutlich — therapeutisch häufig erwünscht, gilt aber bei Hämochromatose oder anderen Eisenüberladungssyndromen als ungünstig.
Antikoagulanzien (Vitamin-K-Antagonisten wie Warfarin/Phenprocoumon)
Hagebuttensamen enthalten geringe Mengen Vitamin K; bei hochdosierten Hagebuttenpulver-Präparaten kann dies die INR-Werte unter Marcumar/Warfarin leicht beeinflussen. Bei standardisierter Dauereinnahme INR engmaschig kontrollieren.
Kontraindikationen
- Bekannte Überempfindlichkeit gegenüber Rosengewächsen (Rosaceae).
- Vorbestehende Eisenüberladungs-Syndrome (z. B. Hämochromatose): hohe Vitamin-C-Mengen aus Hagebutten meiden, da die Eisenresorption verstärkt wird.
- Bekannte Oxalat-Nierensteine: bei sehr hohen Dosen Vitamin C ist eine vermehrte Oxalatbildung diskutiert — Standarddosen sind unbedenklich, Hochdosispulver bei Steinanamnese mit Ärztin/Arzt abstimmen.
Erntet wird: reife Hagebutten (Herbst)
- Tageszeit:
- Am späten Vormittag bei trockenem Wetter ernten, am besten nach dem ersten leichten Frost — die Früchte werden dann süsser, weicher und lassen sich leichter öffnen. Handschuhe tragen wegen der feinen Juckhaare im Inneren.
- Trocknung:
- Hagebutten halbieren, Samen und Juckhaare mit einem kleinen Löffel sorgfältig entfernen (immer mit Handschuhen!), Fruchtschalen auf Horden oder Backpapier locker auslegen und bei max. 40 °C im Dörrgerät oder luftig im Schatten trocknen. Auf keinen Fall direkt in die Sonne — Vitamin C verfällt rasch.
- Lagerung:
- 12 Monate — In dunklen, fest schliessenden Glas- oder Blechgefässen kühl und trocken aufbewahren. Vitamin-C-Gehalt nimmt während der Lagerung kontinuierlich ab — möglichst innerhalb von 12 Monaten verbrauchen.
- Tageszeit:
- Am späten Vormittag bei sonnigem, trockenem Wetter während der Vollblüte ernten, wenn der Tau abgetrocknet ist und sich die Blüten gerade vollständig geöffnet haben — dann ist das Duftaroma am intensivsten.
- Trocknung:
- Blütenblätter vorsichtig vom Blütenboden zupfen und einlagig auf Papier oder Horden locker ausbreiten. Schattig und luftig bei max. 35 °C trocknen, bis sie raschelnd-trocken sind. Nicht stapeln — verklumpen leicht.
- Lagerung:
- 9 Monate — In dunklen, fest schliessenden Gläsern kühl und trocken aufbewahren. Aroma verflüchtigt sich rascher als bei Hagebutten — innerhalb von 9 Monaten verbrauchen.
- Vitamin C (Ascorbinsäure)VitaminAnteil: 0.4-2 %Frucht
Eine der reichhaltigsten Vitamin-C-Quellen unter heimischen Pflanzen — der Gehalt übertrifft Zitrusfrüchte um das 10- bis 30-fache. Empfindlich gegen Hitze, Licht und Sauerstoff; bei schonender Trocknung und kühler Lagerung gut konservierbar.
- Carotinoide (Lycopin, beta-Carotin, Rubixanthin)SonstigeAnteil: 0.01-0.05 %Frucht
Tetraterpenoide Farbpigmente; Rubixanthin ist charakteristisch für Hagebutten und liefert die typisch orangerote Farbe. Antioxidativ und Provitamin-A-aktiv.
- Galaktolipid GOPO ((2S)-1,2-di-O-[(9Z,12Z,15Z)-octadeca-9,12,15-trienoyl]-3-O-beta-D-galactopyranosyl-glycerol)SonstigeAnteil: Spurenanteile, isoliert standardisierbarFrucht
Leitsubstanz der ESCOP-Monographie Rosae pseudo-fructus bei Osteoarthrose; hemmt in vitro die Chemotaxis neutrophiler Granulozyten und reduziert in klinischen Studien Schmerz und Steifigkeit. Wird durch Kaltvermahlung der ganzen Frucht (inkl. Samen) erhalten.
- Flavonoide (Quercetin, Tilirosid, Kaempferol)FlavonoidAnteil: 0.05-0.5 %Frucht
Tilirosid ist ein typischer Acyl-Glykosid-Marker der Gattung Rosa; flavonoidreiche Fraktionen wirken antioxidativ, gefässprotektiv und tragen zur traditionellen Wirkung bei Erkältungen bei.
- Gerbstoffe (Catechin-Pelargonin-Polymere, kondensierte Tannine)GerbstoffAnteil: 2-3 %Frucht
Adstringierende kondensierte Tannine; verantwortlich für die zusammenziehende Wirkung bei Halsentzündungen und leichten Durchfällen sowie für den charakteristischen leicht herben Nachgeschmack.
- Fruchtsäuren (Apfelsäure, Zitronensäure)SonstigeAnteil: 1-2 %Frucht
Geben dem Fruchtmark seinen typisch säuerlichen Geschmack, wirken mild appetitanregend und konservierend; unterstützen die Stabilität des Vitamin C bei der Verarbeitung.
- PektinPolysaccharidAnteil: 3-15 %Frucht
Heterogenes Polysaccharid der Pflanzenzellwand; sorgt beim Einkochen für die typische geleeartige Konsistenz von Hagebuttenkonfitüre und wirkt mild stuhlregulierend.
- [1]MonographieESCOP Monograph — Rosae pseudo-fructus (rose hip) in osteoarthritis(abgerufen: 2026-05-19)
- [2]MonographieKommission E — Cynosbati fructus cum semine (Bundesanzeiger Nr. 164, 01.09.1990, positiv)(abgerufen: 2026-05-19)
- [3]MonographieWinther K., Apel K., Thamsborg G.: A powder made from seeds and shells of a rose-hip subspecies (Rosa canina) reduces symptoms of knee and hip osteoarthritis — Scand J Rheumatol 34(4):302-308 (2005)(abgerufen: 2026-05-19)
- [4]MonographieChristensen R., Bartels E.M., Altman R.D., Astrup A., Bliddal H.: Does the hip powder of Rosa canina reduce pain in osteoarthritis patients? A meta-analysis — Osteoarthritis Cartilage 16(9):965-972 (2008)(abgerufen: 2026-05-19)
- [5]MonographiePlants For A Future — Rosa canina(abgerufen: 2026-05-19)
- [6]MonographieHeilkräuter-Lexikon — Hagebutte / Hundsrose(abgerufen: 2026-05-19)
- [9]MonographieASPCA Animal Poison Control — Rose (Rosa Species)(abgerufen: 2026-08-10)
- [7]BuchMadaus, Gerhard: Lehrbuch der biologischen Heilmittel, Bd. III — Rosa canina (1938, PD)(abgerufen: 2026-05-19)
- [8]WikipediaWikipedia (DE) — Hunds-Rose(abgerufen: 2026-05-19)