© Johann Georg Sturm (Painter: Jacob Sturm) · Public domain · Commons
Stieleiche
Vorsicht🐾Quercus robur · (Quercus robur)
Buchengewächse (Fagaceae)
Beschreibung
Als einer der langlebigsten und mächtigsten Bäume Mitteleuropas liefert die Stieleiche (Fagaceae) mit ihrer im Frühjahr geschälten jungen Rinde einen der gerbstoffreichsten Arzneidrogen der Phytotherapie: 8 bis 20 Prozent Ellagitannine wie Castalagin und Vescalagin. Ein kurz aufgekochter Rindenabsud wirkt adstringierend und sekretionshemmend und ist von der Kommission E bei akutem, unkompliziertem Durchfall anerkannt, allerdings nur für maximal drei bis vier Tage. Äußerlich dient das Dekokt als Gurgellösung bei Entzündungen im Mund-Rachen-Raum, als Sitzbad bei Hämorrhoiden und Analekzem sowie als feuchter Umschlag bei nässenden Hautentzündungen und übermäßigem Fußschweiß. Da Gerbstoffe die Aufnahme anderer, gleichzeitig eingenommener Medikamente verzögern können, sollte ein Abstand von mindestens einer Stunde eingehalten werden. Vollbäder mit Eichenrindenextrakt sind bei akutem Fieber, Bluthochdruck und fortgeschrittener Herzinsuffizienz kontraindiziert.
Nur äußerlich anwenden!
Diese Pflanze darf NICHT innerlich eingenommen werden. Nur Umschläge, Salben, Bäder.
Ein Dekokt aus 1–2 g getrockneter Eichenrinde (kurz aufgekocht, 15 min gezogen) wirkt bei akutem, unkompliziertem Durchfall adstringierend und sekretionshemmend. Die Gerbstoffe fällen Schleimhautproteine aus und bilden eine Schutzschicht. Anwendungsdauer maximal 3–4 Tage; bei länger anhaltenden Beschwerden ärztliche Konsultation.
Anleitung & Dosierung
1–2 g Rinde mit 250 ml kaltem Wasser ansetzen, kurz aufkochen, 15 Minuten ziehen lassen, abseihen. Tagesdosis: 3 g Droge auf 3 Tassen.
- Trockenmenge
- 1–2 g
- Anwendungen/Tag
- 3×
Ein 2%iges Dekokt (2 g Rinde auf 100 ml Wasser) eignet sich zum Gurgeln bei leichten Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut sowie als Mundspülung bei Zahnfleischproblemen. Die adstringierende Wirkung der Gerbstoffe reduziert Schwellung und Rötung.
Anleitung & Dosierung
10–20 g Rinde auf 1 Liter Wasser aufkochen, 15 min köcheln, abseihen. Mehrmals täglich gurgeln oder als Mundspülung verwenden.
- Trockenmenge
- 10–20 g
- Anwendungen/Tag
- 3×
Sitzbäder und Teilbäder mit Eichenrindendekokt (5 g Rinde pro Liter Wasser) lindern Brennen und Juckreiz bei Hämorrhoiden, Analekzem und Intertrigo. Die gerbstoffhaltige Lösung wirkt entzündungshemmend und sekretionshemmend. Balneologische Zubereitungen sollen mindestens 10 % Gerbstoffgehalt aufweisen.
Anleitung & Dosierung
5 g Droge auf 1 Liter Wasser, aufkochen, 10–15 min köcheln, abseihen und dem Badewasser zufügen. Badedauer 15–20 Minuten.
- Trockenmenge
- 5–100 g
Feuchte Umschläge aus einem starken Eichenrindendekokt (10 g auf 1 Liter) wirken bei entzündlichen, nässenden Hauterkrankungen wie Ekzemen, Wunden und übermäßiger Fußschweißbildung. Der Aufschlag wird täglich frisch bereitet und 15–20 Minuten aufgelegt.
Anleitung & Dosierung
10 g Rinde in 1 Liter Wasser 15 Minuten köcheln, abseihen, abkühlen lassen. Tuch tränken und auf die betroffene Stelle legen. Täglich frisch zubereiten.
- Trockenmenge
- 10–20 g
Eichenrindentinktur (1:5 in 60 % Ethanol) wird innerlich bei chronischem Durchfall eingesetzt und äußerlich zur Behandlung entzündeter Haut- und Schleimhautbereiche verdünnt aufgetragen. Die Gerbstoffe gehen in Lösung und behalten ihre proteinausfällende Wirkung.
Anleitung & Dosierung
1–2 ml Tinktur (1:5, 60 % Ethanol) bis zu dreimal täglich. Äußerlich auf 20–30 % verdünnen.
- Flüssigkeit
- 1–2 ml
- Anwendungen/Tag
- 3×
Vollbäder mit Eichenrindenextrakt (handelsübliche Fertigzubereitung oder 100 g Rinde auf eine Badewanne) werden in der Volksmedizin bei Rheuma, Chilblains (Frostbeulen) und ausgedehnten Hauterkrankungen angewandt. Nicht anwenden bei akutem Fieber, Herzinsuffizienz Grad III–IV oder ausgedehnten Hautwunden.
Anleitung & Dosierung
100 g Rinde in 5 Litern Wasser 30 Minuten köcheln, abseihen und dem Vollbad zufügen. Wassertemperatur ca. 37 °C, Dauer 15–20 Minuten.
⚠ Nur äußerlich anwenden
Innerliche Anwendung auf max. 3–4 Tage beschränken. Gerbstoffe können die Aufnahme gleichzeitig eingenommener Medikamente (besonders Alkaloide und basische Wirkstoffe) verzögern — Einnahme mit mind. 1 Stunde Abstand. Nicht bei ausgedehnten Hautwunden oder großflächigen Schleimhautläsionen anwenden. Für Hunde und Katzen giftig: Eichel- und Blattvergiftung beim Hund ist ein tiermedizinischer Standardfall (Gerbstoffe, Magen-Darm- und Nierenschäden). CliniTox: giftig +, Giftzentrale Bonn: gering giftig bis giftig.
Unzureichende Daten zur Anwendung in der Schwangerschaft. Innerliche Anwendung nicht empfohlen.
Unzureichende Daten zur Anwendung in der Stillzeit. Innerliche Anwendung nicht empfohlen.
Anwendung bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren nicht empfohlen — unzureichende klinische Daten.
Wechselwirkungen
Alkaloide und basische Arzneimittel
Gerbstoffe bilden Komplexe mit basischen Wirkstoffen und verzögern deren Resorption im Darm.
Kontraindikationen
- Überempfindlichkeit gegenüber Eichenrindeninhaltsstoffen oder anderen Gerbstoffpflanzen
- Ausgedehnte Hautläsionen oder offene Wunden (äußerlich)
- Akutes Fieber, schwere Herzinsuffizienz oder Bluthochdruck (bei Vollbädern)
Erntet wird: junge Rinde (Frühjahr)
- Tageszeit:
- Morgens nach dem Tauabtrocknen, wenn der Saftfluss am stärksten ist
- Trocknung:
- Rindenstreifen locker aufgeschichtet an luftigem, schattigem Ort bei 40–50 °C trocknen, bis sie beim Biegen brechen (Restfeuchte < 10 %).
- Lagerung:
- 24 Monate — Luftdicht in Papier- oder Leinensäcken, trocken, kühl und lichtgeschützt lagern.
- Tageszeit:
- Nach dem natürlichen Fall, morgens aufsammeln
- Trocknung:
- Eicheln bei Bedarf leicht rösten (als Kaffeeersatz) oder im Ofen bei 120 °C rösten und mahlen. Roh enthaltene Gerbstoffe durch Wässern oder Kochen reduzieren.
- Lagerung:
- 6 Monate — Frische Eicheln kühl und feucht lagern (Keller); getrocknete/geröstete kühl und trocken.
- Ellagitannine (Castalagin, Vescalagin, Grandinin)GerbstoffAnteil: 8-20 %Rinde
Hydrolisierbare Gerbstoffe, Hauptgruppe in Eichenrinde. Castalagin und Vescalagin sind epimere C-Glykoside; ihr Verhältnis variiert zwischen Q. robur und Q. petraea.
- Proanthocyanidine (Catechin, Epicatechin, Gallocatechin)GerbstoffRinde
Kondensierte Gerbstoffe (oligomere Proanthocyanidine). Wirken adstringierend durch Proteinausfällung.
- Ellagsäure (Ellagic acid)PhenolsäureRinde
Abbauprodukt hydrolisierbarer Gerbstoffe. Zeigt antioxidative und antimikrobielle Eigenschaften.
- Gallussäure (Gallic acid)PhenolsäureRinde
Phenolcarbonsäure, entsteht bei der Hydrolyse von Gallotanninen. Antioxidativ, adstringierend.
- Quercitin (Quercitol)SonstigeRinde
Cyclisches Polyol (Inosit-Derivat), spezifisch für Quercus-Arten. Funktion im Pflanzenstoffwechsel.
- β-SitosterolSonstigeRinde
Phytosterin mit schwacher entzündungshemmender Wirkung.
- Valoneic acid bilactoneGerbstoffRinde
Komplexes Ellagitannin-Derivat, charakteristischer Bestandteil von Eichenrindenextrakt.
- [1]MonographieKommission E Monographie: Quercus cortex (Eichenrinde), BAnz. Nr. 22a vom 1.2.1990(abgerufen: 2026-05-22)
- [2]MonographieEMA/HMPC: Final community herbal monograph on Quercus robur L., Quercus petraea (Matt.) Liebl., Quercus pubescens Willd., cortex (EMA/HMPC/3203/2009)(abgerufen: 2026-05-22)
- [3]MonographieQuercus cortex — Altmeyers Enzyklopädie, Fachbereich Phytotherapie(abgerufen: 2026-05-22)
- [5]MonographieMedicinal Plant Monograph: Quercus robur — Southern Cross University ARL(abgerufen: 2026-05-22)
- [7]MonographieCliniTox Giftpflanzen — Quercus robur L.: giftig + (Institut für Veterinärpharmakologie und -toxikologie, Universität Zürich)(abgerufen: 2026-08-10)
- [4]BuchPlants For A Future (PFAF): Quercus robur(abgerufen: 2026-05-22)
- [6]BuchHeilpflanzen: Eiche, Eichenrinde — awl.ch Heilpflanzen-Lexikon(abgerufen: 2026-05-22)