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Gundermann
VorsichtGlechoma hederacea · (Glechoma hederacea)
Lippenblütler (Lamiaceae)
Beschreibung
Als niedrig kriechender Bodendecker mit nierenförmigen, gekerbten Blättern und kleinen violetten Lippenblüten überzieht Gundermann von April bis Juli Wiesenränder, Gärten und schattige Plätze und verströmt beim Zerreiben einen würzig-minzigen Duft. Genutzt wird das blühende Kraut, das ätherisches Öl, Gerbstoffe wie Rosmarinsäure sowie Flavonoide enthält. Volksheilkundlich wird ein Tee bei Erkältungsbeschwerden der Atemwege getrunken, frische Blätter finden zudem als würzende Zutat in Wildkräutersalaten und -suppen Verwendung; äußerlich werden Auflagen traditionell bei kleinen Hautreizungen genutzt. Das enthaltene ätherische Öl Pulegon kann in hohen Dosen die Leber belasten, weshalb von einer langfristigen, hochdosierten Anwendung sowie vom reinen ätherischen Öl abzuraten ist. Bei moderatem Gebrauch als Tee oder Würzkraut gilt Gundermann als sicher.
In der Schwangerschaft KONTRAINDIZIERT
Wegen des Pulegon-Gehalts (potenziell abortiv und embryotoxisch, vergleichbar mit Polei-Minze) in Schwangerschaft nicht innerlich anwenden. Kulinarische Verwendung in kleinsten Mengen (Würzkraut) gilt als unbedenklich, therapeutische Tees, Tinkturen oder Inhalationen sind zu vermeiden.
Chronischer Husten, Bronchialkatarrh, festsitzender Schleim (Volksmedizin)
Anleitung & Dosierung
Verdauungsbeschwerden, Magenschwäche, Appetitlosigkeit, Durchfall (traditionell)
Anleitung & Dosierung
Frühjahrskur, Blutreinigung, Stoffwechselanregung (traditionelle Volksmedizin)
Anleitung & Dosierung
Schlecht heilende Wunden, Geschwüre, eitrige Hautstellen (äusserlich); Husten-Unterstützung (innerlich, traditionell)
Anleitung & Dosierung
Schnupfen, Nasennebenhöhlen-Entzündung, Bronchitis (volksheilkundlich)
Anleitung & Dosierung
Frühjahrs-Wildkraut für Pesto, Suppen, Kräuterquark, Salate — sanft tonisierend, würzig-aromatisch (traditionelle Wildkräuterküche)
Anleitung & Dosierung
Hautausschläge, Ekzeme, schlecht heilende Wunden, Geschwüre, Furunkel (Volksmedizin)
Anleitung & Dosierung
Gundermann enthält das ätherische Öl Pulegon (auch in Polei-Minze und Katzenminze vorkommend), das in hohen Dosen hepatotoxisch und abortiv wirken kann. Bei normalem Gebrauch als Tee oder Wildkraut-Würze in moderaten Mengen gilt die Pflanze als sicher. Pferde und Rinder können bei Aufnahme grösserer Mengen frischen Krauts (über längere Zeit oder in Heu) Vergiftungserscheinungen entwickeln (Speichelfluss, Atemnot, Pupillenerweiterung, Lähmungserscheinungen). Keine längere, hochdosierte Anwendung; keine therapeutische Anwendung des ätherischen Öls als Reinsubstanz.
⏱ Max. Daueranwendung: 6 Wochen
Wegen des Pulegon-Gehalts (potenziell abortiv und embryotoxisch, vergleichbar mit Polei-Minze) in Schwangerschaft nicht innerlich anwenden. Kulinarische Verwendung in kleinsten Mengen (Würzkraut) gilt als unbedenklich, therapeutische Tees, Tinkturen oder Inhalationen sind zu vermeiden.
Keine ausreichenden Sicherheitsdaten in der Stillzeit. Pulegon-haltige Pflanzen sollten in der Stillzeit gemieden werden; nur kulinarische Spurenmengen.
Bei Säuglingen und Kleinkindern (unter 6 Jahren) nicht innerlich anwenden — kindliche Leber ist gegen Pulegon-Metaboliten empfindlicher. Ältere Kinder ab Schulalter dürfen kleine Mengen (halbe Tasse Tee, kulinarisch) kurzfristig erhalten, keine Dauerkur.
Wechselwirkungen
Hepatotoxische Arzneimittel (Paracetamol-Hochdosis, Methotrexat, Isoniazid, Statine, Amiodaron, Valproat)
Pulegon wird in der Leber durch CYP450 zu reaktivem Menthofuran metabolisiert, das hepatotoxisch wirken kann. Bei gleichzeitiger Einnahme anderer leberbelastender Arzneimittel additives Toxizitätsrisiko.
CYP2E1- und CYP3A4-Induktoren (Rifampicin, Phenobarbital, Johanniskraut, chronischer Alkohol)
Beschleunigte metabolische Aktivierung von Pulegon zum reaktiven Menthofuran → erhöhte Lebertoxizität bei höheren Gundermann-Dosen.
Diuretika und Lithium
Gundermann hat eine leichte aquaretische (harntreibende) Wirkung; bei gleichzeitiger Diuretikatherapie verstärkte Flüssigkeits- und Elektrolytverschiebung möglich; Lithium-Spiegel kann durch veränderte Nierenausscheidung schwanken.
Eisenpräparate und mineralische Supplemente
Gerbstoffe (Tannine) im Gundermann-Tee bilden mit zwei- und dreiwertigen Metallionen schwerlösliche Komplexe → verminderte Resorption von Eisen, Calcium, Zink, wenn gleichzeitig eingenommen. Einnahmeabstand 1-2 Stunden.
Kontraindikationen
- Schwangerschaft; Lebererkrankungen (Hepatitis, Zirrhose, Fettleber); Niereninsuffizienz; bekannte Allergie gegen Lamiaceae (Lippenblütler); Säuglinge und Kleinkinder unter 6 Jahren; geplante Anwendung über mehr als 4-6 Wochen; epileptische Erkrankungen (Pulegon kann bei sehr hohen Dosen krampfauslösend wirken).
Erntet wird: blühendes Kraut
- Tageszeit:
- Mai bis Juni während der Vollblüte — höchster Gehalt an ätherischem Öl und Bitterstoffen. An sonnigen, trockenen Vormittagen nach Abtrocknen des Taus sammeln.
- Trocknung:
- Lose zu kleinen Sträussen binden und kopfüber an einem luftigen, schattigen, trockenen Ort aufhängen ODER locker auf Tüchern/Sieben ausbreiten. Trocknungstemperatur maximal 35 °C, damit das ätherische Öl erhalten bleibt. Nach 5-10 Tagen rascheltrocken — in dunklen, luftdichten Gläsern oder Papiertüten lagern, vor Licht und Feuchtigkeit schützen. Haltbarkeit ca. 1 Jahr.
- Tageszeit:
- März bis April vor der Blüte für die Wildkräuterküche — junge, zarte Blätter und Triebspitzen sind dann am mildesten im Geschmack und enthalten weniger Pulegon. Auch im Herbst (September-Oktober) eine zweite kleinere Ernte möglich.
- Trocknung:
- Für Würzzwecke selten getrocknet, da das frische, minzige Aroma beim Trocknen weitgehend verloren geht. Falls doch: schonend bei max. 30 °C lufttrocknen, sofort verschliessen. Bevorzugt frisch verwenden oder einfrieren.
- Ätherisches Öl (Pulegon, Menthon, Iso-Menthon, alpha-Pinen, Limonen, beta-Caryophyllen)Ätherisches ÖlAnteil: 0,03-0,06 %
Pulegon ist die toxikologisch relevante Hauptkomponente — wird hepatisch zu Menthofuran metabolisiert, das in hohen Dosen Lebernekrose verursachen kann. Im normalen Tee-Aufguss sehr gering. Verleiht Gundermann seinen charakteristischen, leicht minzig-harzigen Geruch. Antimikrobielle, expektorierende Wirkung.
- Gerbstoffe (Tannine, hauptsächlich Rosmarinsäure und andere Hydroxyzimtsäure-Derivate)GerbstoffAnteil: 3-7 %
Adstringierend, leicht entzündungshemmend, wundheilungsfördernd. Erklärt die volksmedizinische Anwendung bei Durchfall, Schleimhautentzündungen und schlecht heilenden Wunden. Rosmarinsäure besitzt zusätzlich antioxidative und antivirale Eigenschaften.
- Bitterstoffe (Marrubiin-ähnliche Diterpenlactone, Glechomafuran, Glechomanolid)BitterstoffAnteil: Spuren bis 0,3 %
Sekretolytisch und appetitanregend; Glechomafuran und Glechomanolid sind charakteristische Sesquiterpenoide der Pflanze (Namensgeber 'Glechoma'). Marrubiin-ähnliche Wirkung stützt traditionelle Anwendung bei Husten und Verdauungsschwäche.
- Flavonoide (Hyperosid, Luteolin-7-glucosid, Apigenin, Cymarosid, Cosmosiin, Cynarosid)FlavonoidAnteil: 0,5-1,5 %
Antioxidativ, entzündungshemmend, kapillarprotektiv. Luteolin- und Apigenin-Glykoside hemmen Lipoxygenase und reduzieren Entzündungsmediatoren — molekulare Erklärung für entzündungsdämpfende Wirkung bei Schleimhaut- und Hauterkrankungen.
- Triterpensaponine (Ursol- und Oleanolsäure-Derivate)SaponinAnteil: Spuren bis 0,2 %
Schwach expektorierend (auswurffördernd) durch Reizung der Bronchialschleimhaut via Magenreflex — unterstützt die traditionelle Anwendung bei Husten und Bronchialkatarrh. Triterpensäuren wirken zusätzlich leicht antibakteriell und entzündungshemmend.
- Cholin und biogene AmineSonstigeAnteil: Spuren
Cholin trägt zu leichten cholagogen (gallenflusssteigernden) und stoffwechselanregenden Effekten bei — Begründung der Anwendung in Frühjahrskuren und bei Leber-Galle-Beschwerden in der Volksmedizin.
- Kaliumsalze, organische Säuren (Apfelsäure, Bernsteinsäure, Kaffeesäure, Ferulasäure)SonstigeAnteil: 1-3 % (Kalium); Spuren organische Säuren
Kalium und Apfelsäure unterstützen die schwache aquaretische (harntreibende) Wirkung. Hydroxyzimtsäuren (Kaffee-, Ferulasäure) wirken antioxidativ und tragen zur Gesamt-Antiinflammation bei.
- [1]MonographieKommission E Monographie (negativ) — Glechomae herba (Gundermannkraut), Bundesanzeiger Nr. 50 vom 13.03.1986; Aufhebung wegen unzureichender Wirksamkeitsbelege bestätigt 1992(abgerufen: 2026-05-19)
- [2]MonographiePlants For A Future — Glechoma hederacea(abgerufen: 2026-05-19)
- [3]MonographieHeilkräuter-Lexikon: Gundermann (Gundelrebe)(abgerufen: 2026-05-19)
- [4]MonographieHenriette's Herbal Homepage — Glechoma hederacea (Ground Ivy)(abgerufen: 2026-05-19)
- [7]MonographieEFSA Scientific Opinion on Pulegone and Menthofuran in Food (EFSA Journal 2016;14(7):4364) — Toxicology of Pulegone-containing herbs(abgerufen: 2026-05-19)
- [5]BuchMadaus, Gerhard — Lehrbuch der biologischen Heilmittel (1938), Band II: Glechoma hederacea (Public Domain)(abgerufen: 2026-05-19)
- [6]WikipediaWikipedia (DE): Gundermann (Glechoma hederacea)(abgerufen: 2026-05-19)