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Schnittlauch
Vorsicht🐾Chives · (Allium schoenoprasum)
Amaryllisgewächse (Amaryllidaceae)
Beschreibung
Hohle, röhrenförmige Blätter und kugelige, zartlila Blütenköpfe kennzeichnen dieses seit dem Mittelalter kultivierte Küchenkraut aus der Familie der Amaryllisgewächse. Geerntet werden die Blätter von April bis Oktober, die essbaren Blüten im Mai und Juni. Schnittlauch liefert bemerkenswerte Mengen an Vitamin K1 (rund 213 µg/100 g), Vitamin C und Folsäure sowie das Flavonoid Quercetin. Fein geschnitten verfeinert er Salate, Suppen, Eierspeisen und Quark und ist Bestandteil der französischen 'fines herbes'; die violetten Blüten lassen sich zu einem leuchtend lila Blütenessig einlegen. In der Volksmedizin Europas und Chinas galt Schnittlauch seit der Antike als appetitanregendes, verdauungsförderndes Kraut. WARNHINWEIS: In üblichen Küchenmengen unbedenklich, größere Mengen können bei empfindlichen Personen Magenreizung verursachen. Für Hunde, Katzen und andere Haustiere ist Schnittlauch giftig — die schwefelhaltigen Inhaltsstoffe können eine hämolytische Anämie auslösen, auch gekocht bleibt er gefährlich für Tiere.
Schnittlauch ist ein klassisches Küchenkraut der europäischen und asiatischen Küche, das seit dem Mittelalter kultiviert wird. Fein geschnitten wird er Salaten, Suppen, Eierspeisen, Kartoffelgerichten, Quark, Butter und Dips zugefügt. Die Blätter entfalten ihren milden Zwiebelgeschmack am besten frisch — Erhitzen reduziert die flüchtigen Schwefelverbindungen erheblich. In der bayerisch-österreichischen Küche ist das Schnittlauchbrot (Butterbrot mit frischem Schnittlauch und Salz) eine traditionelle Brotzeitspezialität. Schnittlauch ist Bestandteil der französischen 'fines herbes' (mit Estragon, Kerbel, Petersilie).
Anleitung & Dosierung
Die lila Blüten des Schnittlauchs sind essbar und werden als Dekoration in Salaten, Essig (Schnittlauchblütenessig) und als Garnierung eingesetzt. Im Geschmack etwas stärker als die Blätter, aber ebenfalls mild zwiebelartig. Schnittlauchblütenessig: frische Blütenköpfe in weißen Weinessig einlegen — nach 2–3 Wochen ergibt sich ein leuchtend lilafarbener, aromatischer Essig.
Schnittlauch ist eine außergewöhnlich reichhaltige Vitamin-K-Quelle: ca. 213 µg/100 g (177 % des Tagesbedarfs). Vitamin K1 (Phyllochinon) ist essenziell für die Blutgerinnungskaskade und den Knochenstoffwechsel (Osteocalcin). Da Schnittlauch nur in geringen Mengen (~5–10 g) als Würzkraut verzehrt wird, ist die absolute Menge der Vitamin-K-Aufnahme pro Portion gering (ca. 10–20 µg pro Portion) — bei Antikoagulanzien-Therapie dennoch konstante Nutzung beachten.
Schnittlauch enthält ca. 58 mg Vitamin C/100 g (65 % des Tagesbedarfs) sowie ca. 105 µg Folsäure/100 g (26 % DV) und ca. 218 µg Vitamin A/100 g (31 % DV, als Beta-Carotin). Diese Nährstoffkombination unterstützt das Immunsystem, Haut- und Schleimhautintegrität sowie die DNA-Synthese. Carochinoide (Lutein, Zeaxanthin) in Schnittlauch schützen das Augengewebe vor oxidativem Stress. Als Würzkraut sind die absoluten Mengen pro Portion gering — dennoch nährstoffdichte Ergänzung.
In der europäischen und chinesischen Volksmedizin gilt Schnittlauch seit der Antike als appetitanregendes und verdauungsförderndes Küchenkraut. Die Römer nutzten Schnittlauch traditionell zur Linderung von Halsbeschwerden und Sonnenbrand-Schmerzen sowie als harntreibendes Mittel. In der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) wird Schnittlauch als wärmendes, kreislaufanregendes Mittel eingesetzt. Diese Überlieferungen sind volksheilkundlich und nicht klinisch belegt.
Schnittlauch enthält — wie alle Allium-Arten — schwefelhaltige Verbindungen (Cysteinsulfoxide), die beim Zerkleinern enzymatisch in Allicin und weitere Thiosulfinate sowie Disulfide (Dimethyldisulfid, Diallylsulfid, Methylpentylsulfide) umgewandelt werden. Allicin und seine Folgeverbindungen haben in Laborstudien antibakterielle, antifungale und antioxidative Eigenschaften gezeigt. Im Vergleich zu Knoblauch (Allium sativum) sind die Schwefelkonzentrationen in Schnittlauch deutlich geringer — entsprechend milder sind die Wirkungen.
Die kleinen Zwiebeln (Durchmesser max. 10 mm) des Schnittlauchs sind ebenfalls essbar und haben einen milden Zwiebelgeschmack. Sie können wie Frühlingszwiebeln verwendet werden — in Salaten, eingelegten Speisen oder als Würzgemüse. In der Volksküche wurden Schnittlauch-Zwiebeln traditionell ähnlich wie Knoblauch zur Stärkung des Kreislaufs und als tonisierendes Mittel eingesetzt. Kein klinischer Wirkungsnachweis.
Bei üblicher Verwendung als Würzkraut keine bekannten Nebenwirkungen. Große Mengen können bei empfindlichen Personen Magenreizung und Blähungen verursachen — Schwefelverbindungen sind der Auslöser. TIERGIFTIG: Schnittlauch ist für Hunde, Katzen, Pferde und andere Haustiere giftig — Allium-Schwefelverbindungen (N-Propyl-Disulfid) schädigen die roten Blutkörperchen und können eine hämolytische Anämie (Heinz-Körperchen-Anämie) verursachen. Auch gekochter Schnittlauch bleibt giftig für Haustiere. Kleinste Mengen können für Katzen gefährlich sein. ASPCA-Einstufung (abgerufen 2026-08-10): für Hunde und Katzen giftig.
Schnittlauch als Küchenkraut in normalen Verzehrmengen gilt in Schwangerschaft und Stillzeit als sicher. Von medizinischen Anwendungsdosen (große Mengen) in der Schwangerschaft aus Vorsicht absehen — keine klinischen Daten vorhanden.
Als Würzkraut in normalen Mengen sicher. Übermäßige Mengen können via Muttermilch den Geschmack beeinflussen und bei manchen Säuglingen Unverträglichkeiten hervorrufen.
Als Würzkraut in normalen Mengen auch für Kinder sicher. Für Kleinkinder (< 12 Monate) in sehr kleinen Mengen einführen; Schwefelverbindungen können Magenreizung verursachen.
Wechselwirkungen
Vitamin-K-Antagonisten (Warfarin, Phenprocoumon/Marcumar)
Schnittlauch ist sehr reich an Vitamin K (ca. 213 µg/100 g). Als Würzkraut (5–10 g/Tag) ist die absolute Vitamin-K-Menge pro Portion gering. Konstanter Konsum ist dennoch ratsam; drastische Änderungen der Verzehrmenge sollten mit dem behandelnden Arzt besprochen werden.
Kontraindikationen
- Bekannte Überempfindlichkeit gegenüber Lauchgewächsen (Allium-Allergie) — Schnittlauch und alle anderen Allium-Arten meiden.
Erntet wird: Röhrenblätter (Frühjahr bis Herbst), essbare Blüten (Mai–Juni)
- Tageszeit:
- Schnittlauchblätter während der gesamten Wachstumssaison (April–Oktober) ernten. Blätter mit der Schere oder einem scharfen Messer ca. 2–3 cm über dem Boden abschneiden — so treiben neue Blätter rasch nach. Im ersten Anbaujahr nur einmal ernten; ab dem zweiten Jahr 3–5 Mal pro Saison möglich. Regelmäßige Ernte verhindert das Schossen (Blütenbildung) und erhält das Laub zart und aromatisch. Am aromatischsten vor der Blüte (Mai–Juni).
- Trocknung:
- FRISCHVERWENDUNG BEVORZUGT: Schnittlauch verliert beim Trocknen den größten Teil seines Aromas (flüchtige Schwefelverbindungen). EINFRIEREN ist die beste Konservierungsmethode: Blätter fein schneiden, ohne Blanschieren in Gefrierbeutel oder Eiswürfelform einfrieren — bis zu 12 Monate haltbar. Kräuterquark, Kräuterbutter oder Vinaigrettes mit Schnittlauch ebenfalls einfrierbar. Trockenschnittlauch aus dem Handel hat kaum Geschmack — frisch oder tiefgekühlt bevorzugen.
- Lagerung:
- 12 Monate — Frisch geerntete Blätter im Kühlschrank in einem feuchten Küchenpapier eingewickelt max. 5–7 Tage. Eingefroren (ohne Blanschieren) bis zu 12 Monate. Nicht trocknen — Aromaverlust zu groß.
- Tageszeit:
- Schnittlauchblüten von Mai bis Juni ernten, wenn die Blütenköpfe voll geöffnet sind und ihre leuchtend lila Farbe zeigen. Blüten-Ernte sollte schnell erfolgen — nach dem Öffnen bleiben sie nur wenige Tage in bester Qualität. Werden die Blüten nicht geerntet, sät sich die Pflanze selbst aus. Gesamten Blütenstiel abschneiden (aus Ästhetik und zur Pflanzenpflege).
- Trocknung:
- Blüten sofort verwenden oder max. 1–2 Tage im Kühlschrank lagern (locker auf Küchenpapier). Für Blütenessig: frische Blütenköpfe (nicht welke) in weißen Weinessig einlegen, dunkel lagern, nach 2–3 Wochen filtrieren — leuchtend lila, aromatischer Essig.
- Allicin (Allylthiosulfinat)SonstigeBlatt
Allicin entsteht enzymatisch aus Alliin durch das Enzym Alliinase, wenn Schnittlauchzellen beim Schneiden oder Kauen zerstört werden. Allicin ist die Hauptwirksubstanz der antibakteriellen und antifungalen Aktivität von Allium-Arten. Im Schnittlauch liegt die Konzentration deutlich niedriger als in Knoblauch (Allium sativum). Allicin ist flüchtig und instabil — Erhitzen zerstört es rasch.
- Cysteinsulfoxide (Alliin, Methylcysteinsulfoxid)SonstigeBlatt
Inaktive Vorläufer der schwefelhaltigen Aromaverbindungen. Beim Zerkleinern werden sie durch Alliinase in Thiosulfinate (Allicin), Disulfide (Dimethyldisulfid, Diallylsulfid, Methylpentylsulfide) und Trisulfide umgewandelt. Diese Verbindungen sind verantwortlich für den charakteristischen Zwiebelgeruch und zeigen antimikrobielle Aktivität in Laborstudien.
- Vitamin K1 (Phyllochinon)VitaminAnteil: 212-213 µg/100 gBlatt
Schnittlauch ist einer der reichhaltigsten pflanzlichen Vitamin-K1-Lieferanten (ca. 213 µg/100 g = 177 % des Tagesbedarfs). Vitamin K1 ist essenziell für die Blutgerinnung (Aktivierung der Gerinnungsfaktoren II, VII, IX, X) und den Knochenstoffwechsel (Osteocalcin-Carboxylierung). Die absoluten Mengen pro Küchen-Portion (5–10 g) sind jedoch gering (ca. 10–20 µg).
- Ascorbinsäure (Vitamin C)VitaminAnteil: 58-65 mg/100 gBlatt
Hoher Vitamin-C-Gehalt für ein Küchenkraut (ca. 58–65 mg/100 g — 65 % des Tagesbedarfs). Frisch verwenden, da Ascorbinsäure hitze- und oxidationsempfindlich ist. Pro Küchen-Portion (5 g) werden dennoch nur ca. 3 mg aufgenommen.
- Beta-Carotin (Provitamin A) + Carotinoide (Lutein, Zeaxanthin)SonstigeAnteil: ca. 218 µg Vitamin-A-Äquivalent/100 gBlatt
Schnittlauch enthält Beta-Carotin und weitere Carotinoide (Lutein, Zeaxanthin). Beta-Carotin ist Provitamin A und wichtig für Sehvermögen, Immunabwehr und Haut. Lutein und Zeaxanthin akkumulieren in der Makula und schützen das Augengewebe vor photooxidativem Stress. Die grüne Farbe der Blätter signalisiert den Carotinoidgehalt.
- Folsäure (Vitamin B9)VitaminAnteil: 105 µg/100 gBlatt
Relevanter Folsäuregehalt (ca. 105 µg/100 g — 26 % des Tagesbedarfs). Folsäure ist essenziell für DNA-Synthese und Zellteilung, besonders wichtig in der Frühschwangerschaft zur Vorbeugung von Neuralrohrdefekten. Als Küchenkraut (5 g/Portion) werden nur ca. 5 µg je Portion aufgenommen — ergänzend aber relevant.
- QuercetinFlavonoidBlatt
Quercetin ist ein Flavonol mit antioxidativen und entzündungshemmenden Eigenschaften. In Allium-Arten, einschließlich Schnittlauch, in moderaten Mengen vorhanden. Quercetin hemmt in Laborstudien LDL-Oxidation und zeigt antiproliferative Wirkungen. Als Küchenkraut in kleinen Mengen verzehrt — klinische Relevanz der aufgenommenen Quercetin-Menge gering.
- Calcium und MagnesiumMineralstoffAnteil: Ca: 92 mg/100 g; Mg: 42 mg/100 gBlatt
Schnittlauch ist für ein Kraut ungewöhnlich reich an Calcium (92 mg/100 g — 9 % DV) und Magnesium (42 mg/100 g — 10 % DV). Calcium ist essenziell für Knochenmasse, Muskelkontraktion und neuronale Signalübertragung; Magnesium für über 300 Enzymreaktionen und den Energiestoffwechsel. Die aufgenommene Absolutmenge pro Küchen-Portion (5 g) ist gering.
- [3]MonographiePlants For A Future (PFAF) — Allium schoenoprasum database entry(abgerufen: 2026-05-22)
- [4]MonographieUSDA FoodData Central — Chives, raw (FDC ID 170390)(abgerufen: 2026-05-22)
- [5]MonographieHealth Benefits Times — Chives (Allium schoenoprasum) Nutrition Facts(abgerufen: 2026-05-22)
- [6]MonographieASPCA Animal Poison Control — Chives (Allium schoenoprasum)(abgerufen: 2026-08-10)
- [7]MonographieCliniTox Giftpflanzen — Allium schoenoprasum L.: schwach giftig (+) (Institut für Veterinärpharmakologie und -toxikologie, Universität Zürich)(abgerufen: 2026-08-10)
- [1]WikipediaChives (Wikipedia EN)(abgerufen: 2026-05-22)
- [2]WikipediaSchnittlauch (Wikipedia DE)(abgerufen: 2026-05-22)
🤝 Permakultur-Partner
Diese Pflanze ist in deinem Garten ein/e:
✨ Beste Symbiose-Partner
- 🌿 Zwiebel Beide Allium-Familie, vertragen sich problemlos.
- 🌿 Karotte Schnittlauch hält Möhrenfliege fern — klassische Allium-Mischkultur.
- 🌿 Wald-Erdbeere Schnittlauch schützt Erdbeere vor Pilzen (Grauschimmel).
- 🌿 Kopfsalat Schnittlauch lockert Aphiden ab und hält Salat-Schädlinge fern.
- 🌿 Tomate Schnittlauch hält Aphiden von Tomaten fern und lockt Bienen für Bestäubung.
⚠️ Besser nicht zusammen pflanzen
- 🥬 Gartenbohne Allium hemmt Stickstoff-fixierende Hülsenfrüchte (klassische Bauernregel).
- 🥬 Erbse Allium hemmt Erbsen-Wachstum — räumlich trennen.
📦 In diesen Pflanz-Sets:
Quelle: Helga und Margarete Langerhorst, Mein gesunder Naturgarten (eigene Kuration)