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Feldulme
Ulmus minor · (Ulmus minor)
Ulmengewächse (Ulmaceae)
Beschreibung
Die Feldulme ist an ihren auffällig ungleichseitigen Blättern zu erkennen: Die eine Blatthälfte setzt am Stiel tiefer an als die andere. Im zeitigen Frühjahr blüht sie vor dem Laubaustrieb und bildet flache, scheibenförmige Flügelfrüchte, die schon früh im Jahr zu Boden segeln. Verbreitet ist sie vor allem in Süd- und Mitteleuropa, wo sie in Auwäldern, Hecken und an Feldrändern wächst. In der europäischen Volksmedizin diente eine Abkochung der gerbstoffreichen Rinde innerlich bei Durchfall und äußerlich als Umschlag oder Salbe bei Ekzemen und schlecht heilenden Wunden; die Rinde enthält Catechine, kondensierte Gerbstoffe und Schleimstoffe. Seit Jahrzehnten setzt das Ulmensterben, eine von Borkenkäfern übertragene Pilzerkrankung, den Beständen in ganz Europa schwer zu.
Abkochung der Feldulmen-Rinde (Dekokt) wurde in der europäischen Volksmedizin traditionell bei Durchfall und Darmkatarrh eingesetzt. Die Gerbstoffe (Catechine, kondensierte Tannine) wirken adstringierend auf die Darmschleimhaut; die Mucilage besitzt eine demulzierende, reizlindernde Wirkung. Henriette's Herbal (King's American Dispensatory) dokumentiert Ulmus campestris (Synonym für U. minor in der Älteren Literatur) als astringentes Mittel gegen chronische Darmerkrankungen.
Anleitung & Dosierung
2–4 g getrocknete, zerkleinerte Feldulmenrinde in 250 ml Wasser 15 Minuten köcheln lassen, abseihen. Bis zu 3 Tassen täglich, nicht länger als 2 Wochen ohne ärztliche Beratung.
- Trockenmenge
- 2–4 g
- Anwendungen/Tag
- 3×
Volksmedizinisch wurde ein Aufguss oder Abkochung der Feldulmenrinde als feuchter Umschlag auf Hautekzeme, entzündete Hautstellen und schlecht heilende Wunden aufgetragen. Der Gerbstoffgehalt wirkt adstringierend und mäßig antiseptisch; die Mucilage unterstützt die Abheilung und lindert Reizzustände. PFAF dokumentiert Ulmus procera (= U. minor cv.) für Ekzem und Entzündungen der Haut.
Anleitung & Dosierung
20 g getrocknete Rinde in 500 ml Wasser 15 Minuten kochen, abseihen, abkühlen lassen. Sauberes Tuch tränken und auf betroffene Stellen legen; 2–3× täglich für 15–20 Minuten.
Rindenpulver oder -extrakt der Feldulme wurde in der Volksmedizin zu Salben und Cremen verarbeitet und äußerlich bei Hautekzemen, Hautausschlägen und Wundversorgung eingesetzt. Boudaoud-Ouahmed et al. (2016) belegten gastroprotektive und antioxidative Eigenschaften des U. campestris-Rindenextrakts, was auf polyphenolische Wirkstoffe (Tannine, Catechine) zurückgeführt wird, die auch für die hautschützende Wirkung relevant sind.
Anleitung & Dosierung
Fertigpräparat bevorzugen. Eigenherstellung: feines Rindenpulver in neutraler Hautpflegebasis (z. B. Bienenwachs-Öl-Salbe) einarbeiten. Äußerlich auftragen, nicht auf tiefe offene Wunden.
Alkoholische Tinktur der Feldulmenrinde wurde als Adstringens bei Durchfall (intern) und als reizlinderndes Mittel bei Hautekzemen (extern, verdünnt) eingesetzt. Die Gerbstoffe und Phenolsäuren der Feldulmenrinde weisen strukturelle Ähnlichkeit zu anderen Ulmus-Arten auf; ethnobotanische Daten aus dem Kaukasus (Paniagua-Zambrana et al. 2024/2025) dokumentieren Ulmus minor für Volksmedizin-Anwendungen in Bergregionen.
Anleitung & Dosierung
Rindentinktur 1:5 (Ethanol 40–50 %): intern 20–40 Tropfen bis zu 3× täglich; extern verdünnt (1:10 in Wasser) als Umschlag oder Wäsche auftragen. Nicht länger als 4 Wochen ohne ärztliche Beratung.
- Anwendungen/Tag
- 3×
Ulmus procera (Englische Ulme = Kulturvarietät von U. minor) ist als Bachblüte Nr. 11 'Elm' bekannt. Edward Bach (1936) beschrieb diese Blütenessenzen als Mittel bei zeitweiliger Überforderung, Pflichtgefühl und dem Gefühl, den eigenen Aufgaben nicht gewachsen zu sein — für Menschen, die eigentlich kompetent sind, aber vorübergehend zweifeln. Die Essenz wird hochverdünnt in Wasser oder Alkohol angewendet. Wissenschaftliche Belege für eine Wirksamkeit über Placebo hinaus liegen nicht vor.
Anleitung & Dosierung
Junge Ulmenblätter und -knospen wurden in der europäischen Volksmedizin und als Notnahrung verwendet. PFAF dokumentiert für Ulmus procera (= U. minor cv.) die Verwendung junger Blätter als Gemüse. Ethnobotanische Quellen aus Bergregionen (Paniagua-Zambrana et al. 2025) belegen volkstümliche Verwendung von Ulmus-Blättern in Osteuropa und dem Kaukasus.
Anleitung & Dosierung
Volksmedizinisch wurde ein Aufguss oder mildes Dekokt der Feldulmenrinde auch bei rheumatischen Beschwerden und zur 'Blutreinigung' eingesetzt. Maud Grieve beschreibt in 'A Modern Herbal' (1931) die europäische Ulmenrinde (U. campestris = ältere Bezeichnung für U. minor) als antirheumatisch. Boudaoud-Ouahmed et al. (2016) wiesen hepatoprotektive und antihypertensive Eigenschaften des U.-campestris-Rindenextrakts nach — wahrscheinlich bedingt durch Polyphenole.
Anleitung & Dosierung
2–3 g getrocknete Rinde in 200 ml heißem Wasser 10 Minuten ziehen lassen (schwacher Aufguss) oder 10 Minuten köcheln (Dekokt). Abseihen, 2× täglich trinken. Nur kurzfristig.
- Trockenmenge
- 2–3 g
- Anwendungen/Tag
- 2×
Feldulme (Ulmus minor) gilt in volksmedizinischen Überlieferungen als gut verträglich. Vorsicht bei bekannter Überempfindlichkeit gegenüber Ulmaceae. Hohe Gerbstoffmengen (konzentrierter Rindentee, Daueranwendung) können Magenschleimhaut reizen. Bei Hautanwendungen: Verträglichkeit am Unterarm testen. Für die interne Anwendung der Rinde gibt es nur begrenzte Sicherheitsdaten. Im Zweifelsfall ärztlichen Rat einholen.
⏱ Max. Daueranwendung: 4 Wochen
Keine klinischen Sicherheitsdaten für Schwangerschaft vorhanden. Aus Vorsichtsgründen interne Anwendung meiden; externe Anwendung (Kompresse, Salbe) in kleinen Mengen wahrscheinlich unbedenklich.
Keine Sicherheitsdaten zur Stillzeit verfügbar. Interne Anwendung aus Vorsicht nicht empfohlen.
Keine Daten für Kinder. Traditionelle Anwendung auf Erwachsene beschränkt. Bachblüten-Anwendung gilt als unbedenklich, da hochverdünnt.
Wechselwirkungen
Orale Medikamente (allgemein)
Gerbstoffe können die Absorption oral eingenommener Arzneimittel vermindern. Rindentee zeitlich getrennt von Medikamenten einnehmen.
Kontraindikationen
- Bekannte Überempfindlichkeit gegen Feldulme (Ulmus minor) oder andere Ulmaceae
- Akute entzündliche Magen-Darm-Erkrankungen bei konzentrierter Rindenzubereitung
Erntet wird: innere Rinde junger Äste
- Tageszeit:
- Keine Tageszeit-Einschränkung. Rinde von jungen Ästen (2–4 cm Durchmesser) vor dem Blattaustrieb oder kurz danach schälen — dann höchster Gehalt an Gerbstoffen und Schleimstoffen.
- Trocknung:
- Rindenstücke locker bei max. 40 °C trocknen bis zur Sprödigkeit. Nicht bei zu hoher Hitze (Schleimstoffe degradieren über 45 °C).
- Lagerung:
- 24 Monate — Dunkel, trocken und luftdicht in Papiertüten oder dunklen Gläsern lagern. Mindestens 2 Jahre haltbar.
- Tageszeit:
- Morgens nach dem Abtrocknen des Taus ernten. Junge, frisch entfaltete Blätter wählen.
- Trocknung:
- Locker ausgebreitet an einem schattigen, gut belüfteten Ort oder bei 35–40 °C trocknen. Blätter müssen trocken-rascheln, bevor sie gelagert werden.
- Lagerung:
- 12 Monate — In gut verschlossenen, dunklen Gläsern oder Papiertüten, trocken und kühl lagern.
- CatechinFlavonoidAnteil: 0.5-3 %Rinde
Flavan-3-ol; dominante Flavanoid-Leitsubstanz in der Rinde europäischer Ulmen-Arten; antioxidativ und adstringierend. Cho et al. (2016) wiesen Catechine als Leitsubstanzen in Ulmus pumila-Rinde nach.
- Procyanidine (kondensierte Tannine)GerbstoffRinde
Kondensierte Gerbstoffe aus Catechin- und Epicatechin-Einheiten; verantwortlich für die adstringierende und antidiarrhoische Wirkung der Rinde. Dokumentiert für Ulmus-Gattung in King's American Dispensatory (Henriette's Herbal) als 'iron-greening tannin'.
- Mucilage (Schleimstoffe)SchleimstoffRinde
Polysaccharid-reiche Schleimstoffe in Rinde und Bast der Feldulme; demulzierend und reizlindernd; ähnelt dem bekannten Schleim von Ulmus rubra (Slippery Elm), dessen EMA-Monographie jedoch nicht auf U. minor übertragbar ist.
- Phenolsäuren (Kaffeesäure, Chlorogensäure)PhenolsäureRinde
Hydroxyzimtsäure-Derivate; antioxidativ und anti-entzündlich; als Komponenten des Polyphenol-Komplexes in Ulmus campestris-Rindenextrakten von Boudaoud-Ouahmed et al. (2016) mitverantwortlich für gastroprotektive Eigenschaften.
- PhlobapheneGerbstoffRinde
Rötlich-braune Oxidationsprodukte kondensierter Tannine; geben der getrockneten Ulmenrinde ihre charakteristische Farbe; adstringierende Eigenschaften. In Wikipedia DE (Feldulme) als Rindeninhaltsstoff dokumentiert.
- Phytosterole (beta-Sitosterol)SonstigeRinde
Pflanzliche Sterole in Feldulmenrinde; dokumentiert in Wikipedia DE als Inhaltsstoff; entzündungsmodulierendes Potenzial bekannt. (Kategorie 'other', da Phytosterole kein eigenes Enum besitzen.)
- Flavonoide (Quercetin-Glykoside)FlavonoidBlatt
Flavonoid-Glykoside in Blättern und Rinde der Feldulme; antioxidativ; strukturell analogen Verbindungen wurden auch in anderen Ulmus-Arten beschrieben.
- Bitteres Glykosid (unidentifiziert)GlykosidRinde
In King's American Dispensatory (Henriette's Herbal) als 'bitter glucosid, not yet isolated' für Ulmus campestris (= U. minor Synonym) beschrieben; Struktur und Name historisch nicht näher definiert.
- [1]MonographiePaniagua-Zambrana NY, Bussmann RW, Kikvidze Z (2025): Ulmus glabra Huds. Ulmus minor Miller Ulmaceae. In: Ethnobotany of Mountain Regions — Ethnobotany of the Mountain Regions of Eastern Europe. Springer Nature Switzerland. DOI 10.1007/978-3-031-87802-2_294(abgerufen: 2026-05-24)
- [2]MonographieBoudaoud-Ouahmed H et al. (2016): Evaluation of gastroprotective, hepatoprotective and hypotensive activities of Ulmus campestris bark extract. Phytothérapie 14(4):229–240. DOI 10.1007/s10298-015-0982-7(abgerufen: 2026-05-24)
- [4]BuchPlants For A Future (PFAF): Ulmus procera — English Elm (= Ulmus minor cv.)(abgerufen: 2026-05-24)
- [5]BuchKing's American Dispensatory (1898): Ulmus — Slippery Elm and Ulmus campestris. Henriette's Herbal Homepage(abgerufen: 2026-05-24)
- [6]BuchBach E (1936): The Twelve Healers and Other Remedies. C.W. Daniel, Saffron Walden. PD edition — Elm (No. 11, Ulmus procera = U. minor cv.)(abgerufen: 2026-05-24)
- [3]WikipediaWikipedia DE: Feldulme (Ulmus minor)(abgerufen: 2026-05-24)