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Harfensträucher
Vorsicht🐾Coleus barbatus · (Plectranthus barbatus)
Lippenblütler (Lamiaceae)
Beschreibung
In Brasilien und Ostafrika bekannt als „falso boldo", werden die Blätter des Harfenstrauchs (Lamiaceae) traditionell als Tee bei Verdauungsbeschwerden, Blähungen und Leberproblemen aufgegossen. Namensgebend für die Pflanze ist jedoch die Wurzel: Sie enthält Forskolin, das direkt die Adenylylcyclase aktiviert und den intrazellulären cAMP-Spiegel erhöht – ein Mechanismus, der in vitro und tierexperimentell gut charakterisiert ist und Ansatzpunkt für Extrakte bei Kreislaufunterstützung war. Rosmarinsäure und weitere Inhaltsstoffe hemmen in Zellkulturstudien zudem das Enzym Acetylcholinesterase. Äußerlich wurden zerquetschte Blätter in der afrikanischen Volksmedizin auf Wunden gelegt. Da Forskolin blutdrucksenkend wirkt und die Thrombozytenfunktion hemmt, ist bei gleichzeitiger Einnahme von Blutdruck- oder Gerinnungsmedikamenten Vorsicht geboten; in der Schwangerschaft ist die Pflanze wegen möglicher Wirkung auf die Gebärmuttermuskulatur kontraindiziert, für Kinder unter 12 Jahren liegen keine Daten vor.
In der Schwangerschaft KONTRAINDIZIERT
Forskolin stimuliert cAMP in glattem Uterusmuskel und kann uterustonusverändernd wirken. In der Schwangerschaft kontraindiziert; keine Sicherheitsdaten vorhanden.
In der brasilianischen und afrikanischen Volksmedizin werden die Blätter des Indischen Buntnesssels als 'falso boldo' als Tee bei Verdauungsbeschwerden, Leberbeschwerden und Blähungen eingesetzt. Das Alkaloid Coleon E sowie Rosmarinsäure sind für die antispasmodischen und verdauungsfördernden Eigenschaften mitverantwortlich. Diese Anwendung ist ethnobotanisch gut dokumentiert, eine EMA-Monographie besteht nicht.
Anleitung & Dosierung
2–4 g getrocknete Blätter mit 200 ml kochendem Wasser übergießen, 10 Minuten ziehen lassen, abseihen. Bis zu 3 Tassen täglich, nicht länger als 4 Wochen ohne ärztlichen Rat.
- Trockenmenge
- 2–4 g
- Anwendungen/Tag
- 3×
Forskolinreiche Wurzelextrakte von Plectranthus barbatus aktivieren direkt die Adenylylcyclase und erhöhen intrazelluläre cAMP-Spiegel, was positive Inotropie und Vasodilatation bewirkt. Dieser Mechanismus wurde in vitro und in tierexperimentellen Studien charakterisiert. Klinische Humanstudien mit Fertigextrakten bei Herzinsuffizienz sind begrenzt; die zugrundeliegende Pharmakologie ist belegt.
Anleitung & Dosierung
Standardisierte Fertigpräparate (Forskolingehalt 10–20 mg/Dosis) bevorzugen. Nur unter ärztlicher Aufsicht bei Herz-Kreislauf-Indikationen anwenden.
In Ostafrika und auf der Arabischen Halbinsel werden Blätteraufgüsse traditionell bei Erkältungen, Bronchitis und Husten eingesetzt. Forskolinderivate können Bronchospasmus lindern; die cAMP-Erhöhung relaxiert glatte Bronchialmuskulatur. Die antitussive Wirkung ist ethnobotanisch belegt, klinische Daten sind rar.
Anleitung & Dosierung
2–3 g Blätter mit 200 ml kochendem Wasser 10 Minuten ziehen lassen, absiehen. 2-mal täglich bei Atemwegsbeschwerden.
- Trockenmenge
- 2–3 g
- Anwendungen/Tag
- 2×
Rosmarinsäure und Scutellarein-4'-methylether-7-O-Glucuronid aus Plectranthus barbatus hemmen in vitro die Acetylcholinesterase (AChE). Diese Hemmung kann die cholinerge Neurotransmission unterstützen, was für Gedächtnis und kognitive Funktion relevant ist. Die Wirksamkeit wurde in Zellkultur- und Enzymassay-Studien belegt.
Anleitung & Dosierung
Ethanolischer Blattextrakt (1:5, 40 % Ethanol): 2–3 ml 2-mal täglich. Nur als Ergänzung — keine Eigentherapie bei kognitiven Störungen.
In der afrikanischen Volksmedizin werden frische Blätter zerquetscht und als Umschlag auf Wunden, Geschwüre und Hautinfektionen aufgetragen. Abietanditerpenoide aus den Blättern zeigen antimikrobielle Aktivität gegen gramnegative und grampositive Keime.
Das ätherische Öl aus den Blättern und Kelchdrüsen enthält Camphor, Cineol und andere Monoterpene. Es wird in der Volksmedizin extern bei Hautreizungen, Insektenstichen und als antiseptisches Mittel verwendet. Die antimikrobielle Wirkung der Terpenkomponenten ist in vitro belegt.
Wurzelextrakte von Plectranthus barbatus werden in der ayurvedischen und brasilianischen Volksmedizin zur Immunstärkung und als allgemeines Tonikum eingesetzt. Das enthaltene Forskolin moduliert cAMP-abhängige Immunsignalwege. Belastbare klinische Daten für immunmodulierende Wirkungen beim Menschen fehlen.
Forskolinhaltige Extrakte können den Blutdruck senken und mit Antihypertensiva oder Antikoagulantien interagieren. Nicht als Selbstmedikation bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen einsetzen. Anwendung bei Magen-Darm-Ulkus mit Vorsicht. Nicht für Kinder unter 12 Jahren. Keine Langzeitanwendung (>4 Wochen) ohne ärztlichen Rat. ASPCA-Einstufung (abgerufen 2026-08-10): für Hunde, Katzen und Pferde giftig.
⏱ Max. Daueranwendung: 4 Wochen
Forskolin stimuliert cAMP in glattem Uterusmuskel und kann uterustonusverändernd wirken. In der Schwangerschaft kontraindiziert; keine Sicherheitsdaten vorhanden.
Keine Daten zum Übertritt von Forskolin oder Inhaltsstoffen in die Muttermilch. Aus Vorsichtsgründen nicht anwenden.
Keine klinischen Daten für Kinder. Traditionelle Anwendung auf Erwachsene beschränkt. Nicht unter 12 Jahren ohne ärztlichen Rat.
Wechselwirkungen
Antihypertensiva (Blutdrucksenker)
Forskolin senkt den peripheren Gefäßwiderstand durch cAMP-Aktivierung; additiver blutdrucksenkender Effekt möglich.
Antikoagulantien / Thrombozytenaggregationshemmer
cAMP-Erhöhung durch Forskolin hemmt die Thrombozytenaggregation; kombinierte Blutungsneigung bei gleichzeitiger Antikoagulation.
Theophyllin / PDE-Hemmer
Synergistischer cAMP-Anstieg durch Hemmung des cAMP-Abbaus (Theophyllin) und Aktivierung der Adenylylcyclase (Forskolin).
Kontraindikationen
- Schwangerschaft (uterusstimulierendes Potenzial von Forskolin)
- Bestehende Blutungsneigung oder Einnahme von gerinnungshemmenden Arzneimitteln
- Magen-Darm-Ulkus (Forskolininduzierte Magensäuresekretion möglich)
Erntet wird: Blätter
- Tageszeit:
- Morgens nach dem Trocknen des Taus, vor der stärksten Mittagshitze
- Trocknung:
- Blätter bei 35–40 °C in einem schattigen, gut belüfteten Raum ausbreiten. Nicht bündeln — Schimmelrisiko. Trocken wenn sie rascheln.
- Lagerung:
- 12 Monate — In dunklen, dicht schließenden Glasgefäßen oder Papiertüten bei kühler, trockener Raumtemperatur lagern.
- Tageszeit:
- Keine Tageszeit-Beschränkung; Wurzeln nach dem ersten Absterben der Triebe ernten (maximaler Forskolingehalt nach der Wachstumsperiode).
- Trocknung:
- Gewurzelte Stücke (1–3 cm) bei 40–50 °C trocknen bis zur Brüchigkeit. Forskolingehalt wird bei höheren Temperaturen abgebaut.
- Lagerung:
- 24 Monate — Dunkel, trocken, kühl (<20 °C) in Glasgefäßen lagern. Forskolingehalt regelmäßig prüfen wenn möglich.
- Forskolin (Coleonol)SonstigeAnteil: 0.1-0.6 %Wurzel
Labdanditerpenoid; Leitsubstanz von Plectranthus barbatus; direkter Aktivator der Adenylylcyclase, erhöht cAMP in praktisch allen Säugerzellen. Wichtigstes pharmakologisch aktives Prinzip.
- Rosmarinsäure / Rosmarinic acidPhenolsäureAnteil: 0.5-2 %Blatt
Dominante Phenolsäure in P. barbatus-Blättern; hemmt Acetylcholinesterase und Butyrylcholinesterase; stark antioxidativ und anti-entzündlich.
- Coleon E / (16S)-Coleon ESonstigeBlatt
Abietanditerpenoid aus P. barbatus; hemmt AChE und zeigt antioxidative Aktivität; zusammen mit Rosmarinsäure Hauptwirkstoff des Kräutertees.
- Scutellarein-4'-methylether-7-O-GlucuronidFlavonoidBlatt
Flavonglykosid in P. barbatus-Tee; neben Rosmarinsäure einer der AChE-hemmenden Leitverbindungen im Aufguss.
- Abietanditerpenoide (Plectracoloide A/B u. a.)SonstigeWurzel
Gruppe von Abietanditerpenoiden, neu beschrieben 2022 (Ishii et al.); zeigen in vitro antimikrobielle und antiparasitäre Aktivität.
- LuteolinFlavonoidBlatt
Flavon in Lamiaceenblättern; anti-entzündlich durch Hemmung von NF-κB und COX-2; antioxidative Ergänzung zu Rosmarinsäure.
- Camphor / Cineol (ätherisches Öl)Ätherisches ÖlAnteil: 0.1-1.5 %Blatt
Hauptkomponenten des ätherischen Öls der Blätter und Kelchdrüsen; antimikrobiell, schwach analgetisch-extern; verleihen der Pflanze ihren charakteristischen Geruch.
- Ursolsäure / Ursolic acidSonstigeKrautige Teile
Triterpensäure in P. barbatus; anti-entzündlich und hepatoprotektiv; unterstützt die Leberanwendung in der Volksmedizin.
- [1]MonographieAlasbahi & Melzig (2010): Plectranthus barbatus: A Review of Phytochemistry, Ethnobotanical Uses and Pharmacology – Part 1. Planta Medica 76(7):653-661. DOI 10.1055/s-0029-1240898(abgerufen: 2026-05-24)
- [2]MonographieAlasbahi & Melzig (2010): Plectranthus barbatus: A Review of Phytochemistry, Ethnobotanical Uses and Pharmacology – Part 2. Planta Medica 76(8):753-765. DOI 10.1055/s-0029-1240919(abgerufen: 2026-05-24)
- [3]MonographieChen et al. (2009): In Vitro Skin Diffusion Study of Pure Forskolin versus a Forskolin-Containing Plectranthus barbatus Root Extract. J. Nat. Prod. 72(4):769-771. DOI 10.1021/np800541k(abgerufen: 2026-05-24)
- [4]MonographieFalé et al. (2009): Rosmarinic acid, scutellarein 4'-methyl ether 7-O-glucuronide and (16S)-coleon E are the main compounds responsible for the antiacetylcholinesterase and antioxidant activity in herbal tea of Plectranthus barbatus. Food Chemistry 114(3):798-805. DOI 10.1016/j.foodchem.2008.10.015(abgerufen: 2026-05-24)
- [5]MonographieFalé et al. (2008): Acetylcholinesterase inhibition by Rosmarinic acid from Plectranthus (Lamiaceae) species. Planta Medica 74(09):1284. DOI 10.1055/s-0028-1084086(abgerufen: 2026-05-24)
- [6]MonographieMothana et al. (2014): In Vitro Antiprotozoal Activity of Abietane Diterpenoids Isolated from Plectranthus barbatus Andr. Int. J. Mol. Sci. 15(5):8360-8371. DOI 10.3390/ijms15058360(abgerufen: 2026-05-24)
- [7]MonographieIshii et al. (2022): Two New Abietane Diterpenoids from Plectranthus barbatus. Chemistry of Natural Compounds 58(5):860-863. DOI 10.1007/s10600-022-03712-y(abgerufen: 2026-05-24)
- [8]MonographieYan et al. (1998): Conversion of Forskolin-Insensitive to Forskolin-Sensitive (Mouse-Type IX) Adenylyl Cyclase. Molecular Pharmacology 53(2):182-187. DOI 10.1124/mol.53.2.182(abgerufen: 2026-05-24)
- [9]MonographieASPCA Animal Poison Control — Coleus (Coleus ampoinicus): Toxic to Dogs, Toxic to Cats, Toxic to Horses(abgerufen: 2026-08-10)
Verbreitung in Europa
🪴 Zuhause anbauen
- ☀ Licht
- hell, indirekt
- 💧 Wasser
- wöchentlich
- 🌱 Erde
- Standard-Blumenerde
- 🪴 Topf
- 20 cm
- ⭐ Schwierigkeit
- ★☆☆ einfach
- 🐾 Haustiere
- für Haustiere giftig
Tipps:
- Sehr robust — verzeiht Pflegefehler.
- Stecklinge wurzeln einfach im Wasserglas.
Pflege-Tipps sind allgemeine Empfehlungen aus Indoor-Gardening-Praxis, keine wissenschaftlichen Quellen.