© Franz Eugen Köhler, Köhler's Medizinal-Pflanzen · Public domain · Commons
Klatschmohn
VorsichtPapaver rhoeas · (Papaver rhoeas)
Mohngewächse (Papaveraceae)
Beschreibung
Die leuchtend roten, papierdünnen Blütenblätter des Klatschmohns prägen im Frühsommer Getreidefelder und Wegränder und fallen oft schon nach wenigen Tagen wieder ab. Gesammelt werden die Blüten zwischen Mai und Juli; sie enthalten schleimbildende Polysaccharide, Anthocyane sowie geringe Mengen des Alkaloids Rhoeadin. Als Tee oder Tinktur wird Klatschmohn volksheilkundlich bei nervöser Unruhe sowie bei Husten und Halsreizung eingesetzt, die Samen werden roh als Nahrungsmittel genutzt. Wichtig zur Unterscheidung: Die Rhoeadin-Alkaloide des Klatschmohns sind chemisch nicht mit den Morphin-Alkaloiden des kontrollierten Schlafmohns (Papaver somniferum) verwandt und machen nicht abhängig. Dennoch wirkt die Pflanze mild sedierend, weshalb eine Überdosierung sowie die Kombination mit Alkohol oder Schlafmitteln vermieden werden sollte. Beim Sammeln in freier Natur besteht zudem Verwechslungsgefahr mit ähnlichen Mohnarten.
🌿 Verwechslungsgefahr — vor Wildsammlung lesen!
Klatschmohn (Papaver rhoeas) NICHT mit Schlafmohn (Papaver somniferum) verwechseln — P. Laiensammelrisiko durch Verwechslung mit ähnlichen Mohnarten.
In der Schwangerschaft KONTRAINDIZIERT
Klatschmohn-Alkaloide können wehenfördernde Wirkung haben; Anwendung in der Schwangerschaft ist kontraindiziert. Kein Verzehr von Blättern oder Blüten während der Schwangerschaft.
In der Stillzeit KONTRAINDIZIERT
Alkaloide könnten in die Muttermilch übergehen und beim Säugling sedierend wirken. Keine Anwendung während der Stillzeit als Vorsichtsmaßnahme.
Volksmedizinische Verwendung von Klatschmohn-Blütenblättern als mildes Schlaf- und Beruhigungstee. Das Alkaloid Rhoeadin wirkt leicht sedierend. KEIN Bezug zu Papaver somniferum — keine Opiate, keine Suchtgefahr.
Anleitung & Dosierung
Traditionelle Verwendung als reizlindernder Hustentee bei trockenem Reizhusten. Schleimstoffe der Blütenblätter umhüllen gereizte Schleimhäute. Historisch in Kräuterhustensirups verwendet.
Anleitung & Dosierung
Historische Verwendung in Kräuterlikören und Tinkturen bei nervösen Magen-Darm-Beschwerden. Kombiniert sedierende Eigenschaften des Rhoeadins mit antispasmodischer Wirkung auf den Verdauungstrakt.
Anleitung & Dosierung
Samen des Klatschmohns sind alkaloidfrei und essbar. Traditionelle Verwendung als Backzutat in Brot und Gebäck. Gute Quelle für ungesättigte Fettsäuren und Mineralstoffe. Keine medizinische Wirkung der Samen.
Anleitung & Dosierung
Volksmedizinische äusserliche Anwendung frischer Blütenblätter als feuchter Umschlag bei Hautreizungen und leichten Entzündungen. Die Schleimstoffe wirken hautberuhigend und kühlend.
Anleitung & Dosierung
Historische Verwendung von Klatschmohn-Kraut (Blätter und Stiele) vor der Blütenbildung als Frühjahrskraut in der Küche und Volksmedizin. Achtung: nach Knospenbildung steigt der Alkaloidgehalt — dann nicht mehr verzehren.
Anleitung & Dosierung
Klatschmohn (Papaver rhoeas) NICHT mit Schlafmohn (Papaver somniferum) verwechseln — P. somniferum enthält Morphin-Gruppe-Alkaloide und ist in vielen Ländern kontrolliert. Klatschmohn-Alkaloide (Rhoeadin-Gruppe) sind nicht verwandt mit Opiaten und erzeugen keine Abhängigkeit. Dennoch: milde Sedierung beachten; keine Überdosierung; keine Kombination mit Alkohol, Schlafmitteln oder anderen sedierenden Substanzen. Laiensammelrisiko durch Verwechslung mit ähnlichen Mohnarten.
Klatschmohn-Alkaloide können wehenfördernde Wirkung haben; Anwendung in der Schwangerschaft ist kontraindiziert. Kein Verzehr von Blättern oder Blüten während der Schwangerschaft.
Alkaloide könnten in die Muttermilch übergehen und beim Säugling sedierend wirken. Keine Anwendung während der Stillzeit als Vorsichtsmaßnahme.
Historische Mohn-Kinderschlaf-Sirupe (mit Blütenextrakten) wurden wegen Sedierungsgefahr verboten. Kein innerer Gebrauch bei Kindern unter 12 Jahren. Äusserliche Anwendung (Compress) nur nach Rücksprache mit Arzt.
Wechselwirkungen
ZNS-Depressiva (Benzodiazepine, Barbiturate, Opioide, Antihistaminika)
Rhoeadin hat sedierende Eigenschaften; additive zentraldämpfende Wirkung bei Kombination mit Schlafmitteln, Beruhigungsmitteln oder Alkohol theoretisch möglich. Klinisch nicht systematisch untersucht.
Kontraindikationen
- Schwangerschaft — mögliche wehenfördernde Wirkung der Alkaloide
- Stillzeit — Übertritt von Alkaloiden in Muttermilch möglich
- Bekannte Überempfindlichkeit gegenüber Papaveraceae (Kreuzreaktion)
- Kombination mit ZNS-Depressiva — additive Sedierung
Erntet wird: Blüten (Frühsommer)
- Tageszeit:
- Morgens nach Tautrocknung, kurz nach dem Öffnen der Blüte für höchsten Anthocyan- und Schleimstoffgehalt
- Trocknung:
- Sofort flach bei max. 35 °C im Schatten trocknen; empfindliche Anthocyane verlieren bei höherer Temperatur die Farbe und Wirkstoffgehalt sinkt; Trockenzeit 12–24 Stunden.
- Tageszeit:
- Frühjahrsblätter VOR der Knospenbildung ernten — nach Knospenbildung steigt Alkaloidgehalt stark an
- Trocknung:
- Frische Blätter schnell bei 40 °C trocknen oder frisch verwenden; nach Knospenbildung kein Verzehr mehr.
- RhoeadineAlkaloidAnteil: 0.01-0.1 %
Haupt-Isochinolin-Alkaloid des Klatschmohns mit siebengliedrigem Azepan-Ring; leicht sedierend; strukturell NICHT verwandt mit Morphin oder anderen Opiaten; untersucht für mögliche Anwendung bei Morphin-Entzug.
- RhoeagenineAlkaloidAnteil: Spuren
Begleitalkaloid der Rhoeadin-Gruppe; pharmakologische Eigenschaften ähnlich wie Rhoeadin; wenig untersucht.
- Papaveric acidAlkaloidAnteil: Spuren
Säure-Derivat aus der Isochinolin-Gruppe; in Klatschmohn-Blütenblättern identifiziert; toxikologisch nicht signifikant bei üblichen Mengen.
- Anthocyanine (Cy-3-G, Dp-3-G)FlavonoidAnteil: nicht quantifiziert
Für die rote Blütenfarbe verantwortliche Pigmente (Cyanidin-3-Glucosid, Delphinidin-3-Glucosid); antioxidative Eigenschaften; keine direkte Heilwirkung belegt.
- Mucilage (Pektine, neutrale Polysaccharide)SchleimstoffAnteil: 1-5 %
Schleimpolysaccharide der Blütenblätter; für die reizlindernde Wirkung auf Schleimhäute verantwortlich; Basis der volksheilkundlichen Hustenanwendung.
- Meconic acidSonstigeAnteil: Spuren
In sehr geringen Mengen vorhanden; kein Alkaloid; in Papaver somniferum in höherer Konzentration und als Marker für Opiumgehalt genutzt — in P. rhoeas nur Spurenmengen ohne toxikologische Relevanz.
- Quercetin, Kaempferol-GlykosideFlavonoidAnteil: nicht quantifiziert
Flavonol-Glykoside in Blättern und Blüten; antioxidativ; entzündungshemmend in vitro; unspezifische sekundäre Pflanzenstoffe.
- Fatty acids (Linolsäure, Ölsäure)SonstigeAnteil: Samenöl 40-60 %
Im Same — hauptsächlich Linol- und Ölsäure; ernährungsphysiologisch wertvoll; kein Alkaloidanteil in den Samen (gesondert von Blüten/Blättern zu bewerten).
- [5]MonographieCliniTox Giftpflanzen — Papaver rhoeas L.: giftig + (Institut für Veterinärpharmakologie und -toxikologie, Universität Zürich)(abgerufen: 2026-08-10)
- [4]BuchPlants for a Future — Papaver rhoeas(abgerufen: 2026-05-24)
- [1]WikipediaPapaver rhoeas — Wikipedia (EN)(abgerufen: 2026-05-24)
- [2]WikipediaKlatschmohn — Wikipedia (DE)(abgerufen: 2026-05-24)
- [3]WikipediaRhoeadine — Wikipedia (EN)(abgerufen: 2026-05-24)