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Augentrost
VorsichtEyebright · (Euphrasia officinalis)
Sommerwurzgewächse (Orobanchaceae)
Beschreibung
Der Augentrost ist eine zierliche, kaum handhohe Einjährige, deren kleine weiße Lippenblüten durch gelbe Flecken und violette Adern an ein menschliches Auge erinnern — daher der Name. Botanisch ist er ein Halbschmarotzer: Seine Wurzeln zapfen die Wurzeln von Gräsern an, weshalb er sich kaum kultivieren lässt und nur auf magerem Grünland gedeiht. Gesammelt wird das blühende Kraut mit Iridoidglykosiden wie Aucubin und Catalpol, Flavonoiden wie Luteolin und Gerbstoffen. Nach der mittelalterlichen Signaturenlehre — Ähnlichkeit deutet auf Wirkung — kam er bei Augenleiden zum Einsatz, was sich in der Volksheilkunde bis heute gehalten hat. Heute wird ein Aufguss vor allem bei Katarrhen der oberen Atemwege getrunken. Selbst zubereitete Augenbäder sind wegen der Keimgefahr nicht zu empfehlen; bei anhaltenden Augenbeschwerden gehört man zum Augenarzt.
Aufguss aus dem blühenden Kraut (1–2 g pro Tasse, 10 min ziehen lassen) bei Katarrhen der oberen Atemwege, Heuschnupfen und Sinusitis. Die adstringierenden Gerbstoffe und Iridoidglykoside wirken schleimhautabdichtend und leicht entzündungshemmend.
Anleitung & Dosierung
- Trockenmenge
- 1–2 g
- Anwendungen/Tag
- 3×
Abgekühlter, doppelt filtrierter Aufguss als feuchte Kompresse bei leichten, nicht infektiösen Lidreizungen. Nur mit frisch zubereitetem, sterilem Wasser – nicht als Augenbad verwenden (Hygienerisiko). Ersetzt keine augenärztliche Untersuchung.
Anleitung & Dosierung
Anthroposophische und homöopathische Zubereitungen (Urtinktur in Augensalben, D3-Verdünnung in Augentropfen) werden bei nichteitriger Konjunktivitis und verstärktem Tränenfluss eingesetzt. Solche Fertigarzneimittel unterliegen der pharmazeutischen Qualitätskontrolle.
Verdünnter Aufguss als Gurgellösung bei leichten Entzündungen der Mundschleimhaut und des Rachens. Die adstringierenden Phenolsäuren (Kaffeesäure, Ferulasäure) und Tannine wirken mild zusammenziehend.
Anleitung & Dosierung
Trockenes, zerkleinertes Kraut wurde historisch in Kräutermischungen zum Rauchen bei chronischen Bronchialleiden verwendet (PFAF). Diese Anwendung ist heute obsolet und wird nicht empfohlen.
Quellen: [4]
In der Volksmedizin gelegentlich als leicht tonisierender Tee bei Verdauungsbeschwerden eingesetzt. Die Bitterstoffe und Iridoidglykoside (Aucubin, Catalpol) regen die Verdauungsdrüsen an.
Bei anhaltenden oder ernsten Augenbeschwerden unbedingt Augenarzt aufsuchen — Augentrost ersetzt keine ärztliche Behandlung. Selbst zubereitete Augenbäder sind hygienisch nicht vertretbar und werden von der EMA HMPC ausdrücklich nicht empfohlen. Nur Kompresse auf geschlossenem Lid mit sterilem Wasser. Fertigarzneimittel (Augentropfen, Salben) bevorzugen.
Keine ausreichenden Daten zur Anwendung in der Schwangerschaft vorhanden; vorsorglich meiden.
Keine ausreichenden Daten zur Anwendung in der Stillzeit vorhanden; vorsorglich meiden.
Keine pädiatrischen Daten; bei Kindern nicht ohne ärztlichen Rat anwenden.
Kontraindikationen
- Bekannte Überempfindlichkeit gegenüber Euphrasia-Arten.
- Infektiöse Augenerkrankungen — ausschließlich unter ärztlicher Aufsicht behandeln.
Erntet wird: blühendes Kraut
- Tageszeit:
- Vormittags nach Abtrocknung des Taus.
- Trocknung:
- Dünn ausgebreitet bei max. 40 °C trocknen; Stängel, Blätter und Blüten gemeinsam ernten, solange die Blüten frisch sind.
- Lagerung:
- 12 Monate — Trocken, lichtgeschützt, in dicht schließenden Behältern.
- AucubinGlykosidKrautige Teile
Iridoidglykosid; adstringierend und leicht entzündungshemmend; einer der wichtigsten Wirkstoffe der Gattung Euphrasia.
- CatalpolGlykosidKrautige Teile
Iridoidglykosid; kommt zusammen mit Aucubin vor; trägt zu den tonischen und antioxidativen Eigenschaften bei.
- LuteolinFlavonoidAnteil: ca. 0.38 % (Gesamtflavonoide)Krautige Teile
Flavon mit antioxidativer und antientzündlicher Wirkung; in Euphrasia neben Apigenin und Quercetin nachgewiesen.
- Kaffeesäure (Caffeic acid)PhenolsäureKrautige Teile
Phenolcarbonsäure mit antioxidativen Eigenschaften; in Euphrasia officinalis nachgewiesen.
- Ferulasäure (Ferulic acid)PhenolsäureKrautige Teile
Phenolcarbonsäure; in hohen Konzentrationen in E. officinalis gefunden; adstringierend und antioxidativ.
- Tannine (kondensiert und hydrolysierbar)GerbstoffKrautige Teile
Gerbstoffe; verantwortlich für die adstringierende Wirkung auf Schleimhäute; trocknen Katarrhe aus.
- Ätherisches ÖlÄtherisches ÖlKrautige Teile
Geringe Mengen flüchtiger Öle; tragen zum aromatischen Charakter des Krauts bei.
- [3]MonographieEMA HMPC: Public Statement on Euphrasia officinalis and Euphrasia rostkoviana, herba (2011)(abgerufen: 2026-05-21)
- [5]MonographieArzneipflanzenlexikon — Euphrasia officinalis (medicinal use, dosage, interactions)(abgerufen: 2026-05-21)
- [6]MonographieCliniTox Giftpflanzen — Euphrasia rostkoviana Hayne s.l.: schwach giftig (+) (Institut für Veterinärpharmakologie und -toxikologie, Universität Zürich)(abgerufen: 2026-08-10)
- [4]BuchPlants For A Future — Euphrasia officinalis(abgerufen: 2026-05-21)
- [1]WikipediaAugentrost (Wikipedia DE)(abgerufen: 2026-05-21)
- [2]WikipediaEuphrasia (Wikipedia EN)(abgerufen: 2026-05-21)
Klassische Zitate
"Der Augentrost ist die Trostpflanze für schwache und müde Augen."