© Darkone, de:22. Oktober 2004 · CC BY-SA 2.0 · Commons
Zimmer-Alpenveilchen
Giftig🐾Cyclamen persicum · (Cyclamen persicum)
Primelgewächse (Primulaceae)
Beschreibung
Mit ihren nach hinten gebogenen, schmetterlingsartigen Blüten und marmorierten, herzförmigen Blättern zählt die Zimmer-Alpenveilchen zu den beliebtesten Winterblühern auf Fensterbänken, meist von Oktober bis März. Sie stammt aus der Familie der Primelgewächse und bildet eine unterirdische Knolle, die Saponin-Glykoside wie Cyclamin enthält. Ein standardisierter Extrakt aus der Knolle wurde in klinischen Studien im Zusammenhang mit Atemwegsbeschwerden untersucht; volksmedizinisch fand die Pflanze zudem äusserliche Anwendung bei Hautproblemen. Für den Hausgebrauch ist die ganze Pflanze jedoch als reine Zierpflanze zu betrachten: Die Knolle ist giftig und darf niemals innerlich verwendet werden — bereits geringe Mengen können Erbrechen, Durchfall und Bauchschmerzen auslösen. Für Hunde, Katzen und Vögel ist sie hochgiftig, und der Pflanzensaft kann Haut und Augen reizen.
Nur äußerlich anwenden!
Diese Pflanze darf NICHT innerlich eingenommen werden. Nur Umschläge, Salben, Bäder.
In der Schwangerschaft KONTRAINDIZIERT
Cyclamin und verwandte Saponine können uteruskontrahierende Wirkung haben. Interne Anwendung in der Schwangerschaft strikt kontraindiziert; äußerliche Anwendung ebenfalls zu vermeiden.
In der Stillzeit KONTRAINDIZIERT
Keine Sicherheitsdaten verfügbar. Aufgrund der Saponin-Toxizität keine Anwendung in der Stillzeit.
Bei Kindern KONTRAINDIZIERT
Knolle ist hochgiftig — Kleinkinder sind besonders gefährdet. Pflanze außer Reichweite von Kindern stellen. Keine Anwendung bei Kindern unter 18 Jahren.
Cyclamen persicum wird als winterblühende Topfpflanze in Innenräumen kultiviert. Die Blütezeit von Oktober bis März füllt die dekorative Lücke vieler Wohnräume. Da die Pflanze Kühle und indirektes Licht bevorzugt (12–16 °C, kein pralle Sonne), eignet sie sich besonders für kühle Treppenhäuser, Flure und Schlafzimmer.
Historisch-volksmedizinisch wurden zerriebene oder eingemachte Cyclamen-Knollen äußerlich als ableitende Einreibung bei Gicht, rheumatischen Gelenken und Hautausschlägen genutzt. Die Saponine (Cyclamin, Hederagenin-Glykoside) sollen lokal reizend-rubefazierend wirken. Diese Anwendung ist ausschließlich historisch dokumentiert und wegen der Saponin-Toxizität NUR äußerlich vertretbar — Schleimhaut- und Augenkontakt strikt vermeiden.
In mehreren europäischen Volksmedizin-Traditionen wurden frisch geriebene Cyclamen-Knollen als Umschlag auf Furunkel, hartleibige Abszesse und Wunden gelegt, um die Reifung zu beschleunigen. Die saponinhaltigen Pflanzensäfte sollen antiseptisch und leicht hautreizend wirken. Hildegard von Bingen beschreibt verwandte Cyclamen-Arten (Cyclamen europaeum) in ihren phytoheilkundlichen Schriften für ähnliche Anwendungen.
Saponin-haltige Extrakte aus Cyclamen europaeum (eng verwandt mit C. persicum) werden in nasalen Sprays (z. B. CYCLAMED) bei akuter Rhinosinusitis eingesetzt. Die hypertone Saponin-Lösung bewirkt eine Sekretolyse und Schleimhaut-Drainierung der Nasennebenhöhlen ohne systemische Resorption. Cochrane-Review 2014 (Zalmanovici Trestioreanu & Barua) bewertet die klinische Evidenz als begrenzt, aber methodologisch zulässig. Diese Anwendung gilt nur für zertifizierte Fertigpräparate, NICHT für selbst hergestellte Extrakte.
Anleitung & Dosierung
Samuel Hahnemann nahm Cyclamen europaeum in sein homöopathisches Arzneibuch (Materia Medica Pura) auf. Im homöopathischen Kontext wird hochverdünntes Cyclamen-Präparat (D6–D30) bei Schwindel, Übelkeit und Menstruationsbeschwerden angewendet. Die Einordnung als Volksmedizin/folk spiegelt den Befund wider, dass bei homöopathischer Hochverdünnung kein pharmakologisch aktiver Bestandteil mehr nachweisbar ist.
Traditionell wurden Cyclamen-Knollen in manchen Regionen des Mittelmeerraums in Wasser eingeweicht, um ein mildes Spülwasser für Hautparasiten (Krätze, Läuse) zu gewinnen. Die Saponine wirken membrandestabilisierend auf Kleinstorganismen. Diese Praxis ist historisch belegt, aber gefährlich: Überdosierung oder Verschlucken führt zu starker Reizung von Magen-Darm-Schleimhaut.
⚠ Nur äußerlich anwenden
GIFTIG — besonders die Knolle (Tuber). Cyclamen persicum enthält Saponin-Glycoside (Cyclamin, Hederagenin-Glykoside), die bei Ingestion Erbrechen, Durchfall, starke Bauchschmerzen und bei hoher Dosis Herzrhythmusstörungen verursachen können. Für Hunde, Katzen und Vögel ist die Knolle HOCHGIFTIG (Saponin-bedingte Hämolyse und Schleimhautreizung). Kontakt mit Knollensaft: Haut- und Augenreizung möglich. Die Pflanze NIEMALS intern verwenden. Alle Anwendungsformen ausschließlich äußerlich und nur historisch dokumentiert — keine moderne Therapie-Empfehlung. ASPCA-Einstufung (abgerufen 2026-08-10): für Hunde und Katzen giftig. Die ASPCA stuft die ganze Gattung so ein.
Cyclamin und verwandte Saponine können uteruskontrahierende Wirkung haben. Interne Anwendung in der Schwangerschaft strikt kontraindiziert; äußerliche Anwendung ebenfalls zu vermeiden.
Keine Sicherheitsdaten verfügbar. Aufgrund der Saponin-Toxizität keine Anwendung in der Stillzeit.
Knolle ist hochgiftig — Kleinkinder sind besonders gefährdet. Pflanze außer Reichweite von Kindern stellen. Keine Anwendung bei Kindern unter 18 Jahren.
Wechselwirkungen
Herzglykoside (Digitalis, Digoxin)
Cyclamin kann bei Überdosierung herzwirksam sein; additive Wirkung auf Herzrhythmus mit Glykosiden theoretisch möglich. Relevanz bei rein äußerlicher Anwendung gering, bei Exposition via Schleimhaut beachten.
Kontraindikationen
- Jede interne Anwendung (Knollen, Blätter, Saft) — ausnahmslos kontraindiziert
- Schwangerschaft und Stillzeit
- Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren
- Bekannte Überempfindlichkeit gegen Primulaceae (Kreuzreaktion mit Primula-Saponinen möglich)
- Kontakt mit Augen und Schleimhäuten (Saponin-bedingte Reizung)
Erntet wird: Knolle
- Tageszeit:
- Morgens bei trockenem Wetter, wenn die Pflanze in der Sommerruhe ist (Laub eingetrocknet).
- Trocknung:
- Knollen nur für wissenschaftliche/historische Dokumentation — NICHT für therapeutische Zubereitung. Frische Knolle: sofort nach Ernte fotografieren und fachliteraturgerecht aufbewahren.
- Lagerung:
- 6 Monate — Getrocknete Knollen trocken, dunkel und für Kinder/Haustiere vollständig unzugänglich lagern. Alle Behälter als GIFTIG kennzeichnen.
- Tageszeit:
- Morgens für dekorative Schnittblumen-Nutzung; Blüten öffnen sich mit dem Licht.
- Trocknung:
- Blüten lassen sich schlecht trocknen (viel Wasseranteil). Für Dekozwecke frisch verwenden oder Silikat-Gel-Trocknung bei max. 25 °C.
- Lagerung:
- 2 Monate
- CyclaminSaponinAnteil: 0.3-1.5 %use.plant_part.bulb
Leit-Saponin der Cyclamen-Arten; Triterpen-Glykosid mit Hederagenin-Aglycone. Hämolytisch aktiv, starke Schleimhautreizung bei Ingestion. Historisch als Abführ- und Emetikum beschrieben — zu gefährlich für interne Anwendung.
- Hederagenin-GlykosideSaponinuse.plant_part.bulb
Strukturell mit Cyclamin verwandte Saponine; charakterisiert in Cyclamen hederifolium und C. graecum (Harvala 1978, Altunkeyik 2012). Beitrag zur Gesamttoxizität der Knollen.
- IsocyclaminSaponinuse.plant_part.bulb
Strukturisomer des Cyclamins; Konfiguration von Cyclamiretin C und Struktur des Isocyclamins durch Reznicek et al. (1989) charakterisiert.
- Cyclamic acid (Cyclamiretin A)Saponinuse.plant_part.bulb
Triterpen-Sapogenin als Aglycone mehrerer Cyclamen-Saponine; antibakteriell und antifungal in vitro.
- Flavonoide (Rutin, Quercetin-Glykoside)FlavonoidBlatt
In den Blättern nachgewiesene Flavonoid-Glykoside; antioxidative Eigenschaften, kein Toxizitätsbeitrag.
- Stärke (Amylose/Amylopektin)PolysaccharidAnteil: ca. 30-50 % TGuse.plant_part.bulb
Hauptenergiespeicher der Knolle; kein medizinischer Wert, aber erklärt das hohe Gewicht der Knollen.
- Phenolsäuren (Kaffeesäure-Derivate)PhenolsäureKrautige Teile
In oberirdischen Pflanzenteilen (Blätter, Stängel); geringe Konzentration, antioxidativer Charakter.
- [1]MonographieHarvala C. et al. (1978): Saponins from Cyclamen hederifolium and C. graecum. Planta Medica 34(3):294–302(abgerufen: 2026-05-24)
- [2]MonographieReznicek G. et al. (1989): Saponins in Cyclamen species: Configuration of cyclamiretin C and structure of isocyclamin. Phytochemistry 28(3):825–828(abgerufen: 2026-05-24)
- [3]MonographieZalmanovici Trestioreanu A., Barua A. (2014): Cyclamen europaeum extract for acute sinusitis. Cochrane Database Syst Rev 2014(abgerufen: 2026-05-24)
- [4]MonographieLeupen M. (2010): Cyclamen europaeum. Homoeopathic Links 23(1):45–50(abgerufen: 2026-05-24)
- [7]MonographieASPCA Animal Poison Control — Cyclamen (Cyclamen spp)(abgerufen: 2026-08-10)
- [8]MonographieCliniTox Giftpflanzen — Cyclamen persicum Mill.: giftig + (Institut für Veterinärpharmakologie und -toxikologie, Universität Zürich)(abgerufen: 2026-08-10)
- [5]WikipediaWikipedia DE: Persisches Alpenveilchen (Cyclamen persicum)(abgerufen: 2026-05-24)
- [6]WikipediaWikipedia EN: Cyclamen persicum(abgerufen: 2026-05-24)