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Schlangen-Knöterich
Bistorta officinalis · (Bistorta officinalis)
Knöterichgewächse (Polygonaceae)
Beschreibung
Der namensgebende, mehrfach S-förmig gewundene Wurzelstock erinnert an eine geschlängelte Schlange und wird im Herbst geerntet. Mit einem außergewöhnlich hohen Gerbstoffgehalt von 15 bis 36 Prozent zählt das Rhizom zu den stärksten pflanzlichen Adstringentien Europas: Ein Aufguss wird traditionell bei Durchfall eingesetzt, eine konzentrierte Abkochung dient als Gurgellösung bei Rachenentzündung und wundem Zahnfleisch. Auflagen aus Rhizom-Abkochungen fanden volksmedizinisch bei Wunden und Hautentzündungen Verwendung; Laboruntersuchungen bestätigten dazu eine antibakterielle Wirkung gegen Hautkeime. In Nordengland gehören die jungen, vitaminreichen Blätter traditionell zum österlichen 'Easter-ledge pudding'. Wegen des hohen Gerbstoffanteils sollten Zubereitungen bei empfindlichem Magen nur in kleinen Mengen und nach dem Essen eingenommen werden; der ebenfalls enthaltene Oxalsäureanteil kann in größeren Mengen die Aufnahme von Kalzium und Eisen beeinträchtigen.
Aufguss oder Abkochung des getrockneten Rhizoms wird traditionell bei Durchfall und Ruhr eingesetzt. Das Rhizom enthält 15–36 % Gerbstoffe (vorwiegend kondensierte Proanthocyanidine und Gallussäure-Derivate), die die Darmschleimhaut zusammenziehen und den Wasserverlust verringern.
Anleitung & Dosierung
2–4 g getrocknetes, zerkleinsertes Rhizom mit 250 ml heißem Wasser übergießen, 10 Minuten ziehen lassen, abseihen. 3× täglich, höchstens 4 Wochen.
- Trockenmenge
- 2–4 g
- Anwendungen/Tag
- 3×
- Max. Anwendungsdauer
- 4 Wochen
Gurgeln mit einem starken Rhizom-Tee (Abkochung) bei Rachenentzündung, Stomatitis und schwammigen Zahnfleisch. Die hohen Gerbstoffgehalte wirken entzündungshemmend und adstringierend auf die Schleimhäute.
Auflagen mit Rhizom-Abkochung oder -Extrakt wurden volksmedizinisch bei Wunden, Verbrennungen, Hautinfektionen und entzündlichen Hautzuständen angewendet. Laborstudien (Pawłowska et al. 2020) bestätigen antibakterielle Wirkung gegen Hautpathogene.
Frische oder kurz erhitzte Blätter wurden als Wundauflage auf Wunden und Geschwüre gelegt. Gallusäure und Gerbstoffe in den Blättern wirken lokal adstringierend und keimhemmend.
Rhizomtee wurde volksmedizinisch bei zu starker Menstruationsblutung eingesetzt. PFAF bezeichnet das Rhizom als "styptic" (blutstillend) und berichtet von der Anwendung bei Metrorrhagie.
Quellen: [2]
Junge Blätter sind in Nordengland ein traditionelles Gemüse ("Easter-ledge pudding") und können als Salat oder Spinatersatz genutzt werden. Die Blätter enthalten Vitamin A und C, sind jedoch oxalsäurereich — daher nur in kleinen Mengen roh essen.
Rhizom-Tinktur wird in der modernen Kräutermedizin als Gerbstoff-Konzentrat verwendet — intern bei Reizdarmbeschwerden und Durchfall, extern zum Gurgeln bei Rachenbeschwerden.
Das Rhizom ist sehr gerbstoffreich (15–36 %). Daher bei empfindlichem Magen nur kleine Dosen verwenden und stets nach dem Essen einnehmen. Alle Pflanzenteile enthalten Oxalsäure — bei größeren Mengen kann dies die Resorption von Kalzium und Eisen beeinträchtigen.
Keine gesicherten Sicherheitsdaten für die Anwendung in der Schwangerschaft. Vorsorglich meiden, insbesondere höhere Dosen des Rhizoms.
Keine Daten verfügbar. Meiden oder nur in Nahrungsmengen (Blätter als Gemüse) verwenden.
Aufgrund des hohen Gerbstoffgehalts bei Kindern unter 12 Jahren niedrige Dosen wählen und Fachperson befragen.
Wechselwirkungen
Eisenpräparate / Kalziumpräparate
Oxalsäure und Gerbstoffe können die Resorption von Mineralien hemmen — zeitlicher Abstand von mindestens 2 Stunden empfohlen.
Kontraindikationen
- Rheumatismus, Arthritis, Gicht, Nierensteine oder Hyperazidität: Oxalsäuregehalt kann diese Zustände verschlimmern.
- Bekannte Überempfindlichkeit gegenüber Pflanzen der Familie Polygonaceae.
Erntet wird: Wurzelstock (Herbst)
- Tageszeit:
- Frühjahr (beim Austrieb) oder Herbst (nach dem Absterben der oberirdischen Teile) ernten.
- Trocknung:
- Rhizom reinigen, in 5–10 mm dicke Scheiben schneiden und bei 40–50 °C trocknen, bis die Stücke trocken und brüchig sind.
- Lagerung:
- 24 Monate — Dunkel, trocken und luftdicht in Glasgefäßen lagern; hält bis zu 2 Jahre.
- Tageszeit:
- Junge Blätter im Frühling vor der Blüte sammeln — dann am zartesten und gerbstoffärmer.
- Trocknung:
- Blätter entweder frisch verwenden oder bei 35 °C schonend trocknen. Beim Trocknen zerfallen die Blätter leicht — lose in Papiertüten lagern.
- Lagerung:
- 6 Monate — Getrocknete Blätter in Papiertüten dunkel und trocken lagern; Haltbarkeit maximal 6 Monate.
- Kondensierte Gerbstoffe (Proanthocyanidine, Flavan-3-ol-Derivate)GerbstoffAnteil: 15–36 %Wurzelstock
Hauptwirkträger im Rhizom; verantwortlich für adstringierende, blutstillende und antimikrobielle Wirkung.
- Gallussäure (Gallic acid)PhenolsäureWurzelstock
Hydrolysierbarer Gerbstoff-Anteil; stark antimikrobiell, antioxidativ.
- Gallotannine (Galloyl-Glucose-Derivate)GerbstoffWurzelstock
Bestätigt durch Pawłowska et al. 2020 als Hauptkomponente im wässrigen Rhizom-Extrakt; antibakteriell gegen Hautpathogene.
- StärkePolysaccharidAnteil: ca. 30 %Wurzelstock
Hauptspeicherstoff des Rhizoms; macht den Schlangen-Knöterich essbarer und historisch als Hungerpflanze nutzbar.
- ChlorogensäurePhenolsäureWurzelstock
Identifiziert in Pawłowska et al. 2020; antioxidative und entzündungshemmende Eigenschaften.
- Oxalsäure (Oxalic acid)SonstigeGanze Pflanze
In allen Pflanzenteilen enthalten; bei hohem Konsum kann Oxalsäure Mineralstoff-Resorption hemmen und bei Nierensteinpatienten problematisch sein.
- Vitamin CVitaminWurzelstock
Im Rhizom nachgewiesen; machte die Pflanze historisch als Vitaminquelle in nährstoffarmen Zeiten wertvoll.
- Vitamin A (Beta-Carotin-Vorstufen)VitaminBlatt
In den Blättern enthalten (PFAF-Angabe); unterstützt die traditionelle Nutzung der Blätter als Gemüse.
- [2]MonographiePolygonum bistorta — Plants For A Future (PFAF)(abgerufen: 2026-05-22)
- [3]MonographiePawłowska KA et al. Antibacterial and anti-inflammatory activity of bistort (Bistorta officinalis) aqueous extract and its major components. J Ethnopharmacol. 2020;260:113077.(abgerufen: 2026-05-22)
- [1]WikipediaBistorta officinalis (Wikipedia EN)(abgerufen: 2026-05-22)