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Echter Baldrian
VorsichtValerian (herb) · (Valeriana officinalis)
Geißblattgewächse (Caprifoliaceae)
Beschreibung
Ihr unverkennbarer, mit der Zeit immer intensiverer Geruch verrät bereits den Wirkstoff: Isovaleriansäure entsteht erst beim Trocknen und Lagern der Wurzel dieses Geissblattgewächses und ist kein Zeichen von Qualitätsverlust. Als standardisierter Trockenextrakt gilt Baldrian bei der EMA als „well established use“ zur Linderung nervöser Anspannung und leichter Schlafstörungen – allerdings erst nach zwei bis vier Wochen regelmässiger Einnahme, denn eine akute Beruhigungswirkung wie bei klassischen Schlafmitteln bleibt aus. Hauptverantwortlich sind Sesquiterpensäuren wie Valerensäure, die am GABA-A-Rezeptor ansetzen, unterstützt von Flavonoiden wie 6-Methylapigenin und Lignanen mit ähnlichem Wirkmechanismus. Als Tee, Tinktur oder Badezusatz eingesetzt, half die Wurzel volksheilkundlich auch bei nervös bedingten Magenbeschwerden – eine Indikation, die auch die Kommission E positiv bewertet, sowie in Kombination mit Melisse und Hopfen als beruhigender Abendtee. Baldrian darf nach längerer Einnahme nicht abrupt abgesetzt werden, kann bei manchen Menschen paradox aufputschend wirken, und sollte nicht gleichzeitig mit Alkohol oder Beruhigungsmitteln kombiniert werden.
Standardisierter Baldrianwurzel-Trockenextrakt zur Linderung leichter nervöser Anspannung und Schlaflosigkeit — EMA-Hauptindikation (well-established use).
Anleitung & Dosierung
STANDARDISIERTER TROCKENEXTRAKT (EMA well-established use): Verwendet werden standardisierte Trockenextrakte aus Baldrianwurzel (Valerianae radix), Droge-Extrakt-Verhältnis 3–7,4:1, Auszugsmittel Ethanol 40–70 % V/V. Zugelassene Tagesdosis: 400–600 mg Trockenextrakt 1–3× täglich (Ruhlosigkeit, nervöse Spannung) oder eine Einzeldosis 30–60 Minuten vor dem Schlafengehen (Einschlafstörungen). Wirkungseintritt nach 2–4 Wochen regelmäßiger Einnahme. Nicht gleichzeitig mit Alkohol oder Sedativa einnehmen. Bei Besserung nach 2 Wochen weiterführen; keine Verbesserung nach 4 Wochen: Arzt aufsuchen.
- Flüssigkeit
- 1–3 ml
- Anwendungen/Tag
- 3×
- Max. Anwendungsdauer
- 4 Wochen
⚠ Altersbeschränkung: ≥ 12 Jahre — Laut EMA für Kinder ab 12 Jahren (traditionelle Anwendung) bzw. keine ausreichenden Daten unter 12 Jahren.
Traditioneller Aufguss aus Baldrianwurzel bei nervöser Unruhe und leichten Schlafstörungen — klassische Volksheilkunde und EMA traditional use.
Anleitung & Dosierung
AUFGUSS (EMA traditional use): 2–3 g zerkleinerte Baldrianwurzel mit 150–250 ml siedendem Wasser übergießen, zugedeckt 10–15 Minuten ziehen lassen, abseihen. Bei nervöser Unruhe: 2–3 Tassen täglich zwischen den Mahlzeiten. Zur Schlafförderung: 1 Tasse 30–60 Minuten vor dem Schlafengehen. HINWEIS: Der charakteristische Geruch (Isovaleriansäure) intensiviert sich beim Ziehen — für manche Personen unangenehm; Geschmack kann durch Honig oder Melisse abgemildert werden. Nicht länger als 4 Wochen ohne ärztliche Rücksprache.
- Trockenmenge
- 2–3 g
- Anwendungen/Tag
- 3×
- Max. Anwendungsdauer
- 4 Wochen
⚠ Altersbeschränkung: ≥ 12 Jahre — Nicht für Kinder unter 12 Jahren.
Alkoholische Tinktur der Baldrianwurzel — traditionelle Alternative zum Tee mit höherer Haltbarkeit, geeignet für Erwachsene ohne Alkohol-Kontraindikation.
Anleitung & Dosierung
TINKTUR (EMA traditional use, Droge-Auszug-Verhältnis 1:8 in Ethanol 60–70 % V/V): 4–8 ml (~80–160 Tropfen) bis zu 3× täglich, in etwas Wasser oder Saft einrühren. Zur Schlafvorbereitung: 1 Einnahme 30–60 Minuten vor dem Schlafengehen. Alkoholgehalt beachten: bei Lebererkrankungen, Alkoholabhängigkeit oder Epilepsie kontraindiziert. Nicht mit Sedativa oder Alkohol kombinieren. Traditionelle Anwendung — geringere klinische Evidenz als standardisierter Trockenextrakt.
- Flüssigkeit
- 4–8 ml
- Anwendungen/Tag
- 3×
- Max. Anwendungsdauer
- 4 Wochen
⚠ Altersbeschränkung: ≥ 18 Jahre — Wegen Ethanolgehalt nur für Erwachsene.
Entspannendes Vollbad mit Baldrianwurzelextrakt — traditionelle äußerliche Anwendung bei nervöser Erschöpfung und Einschlafproblemen.
Anleitung & Dosierung
VOLLBAD (EMA traditional use): 100–200 g zerkleinerte Baldrianwurzel mit 2 l siedendem Wasser übergießen, 10 Minuten zugedeckt ziehen lassen, abseihen und dem Badewasser zusetzen. Wassertemperatur 34–37 °C (thermoneutral, nicht zu heiß), Badedauer 10–20 Minuten. 1 Bad täglich. Nicht bei offenen Wunden, akuten Hautentzündungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder hohem Fieber. Das charakteristische Baldriangas kann im Bad verstärkt wirken — nach dem Bad ausruhen. KEIN Vollbad für Kinder unter 12 Jahren und bei bekannter Überempfindlichkeit.
- Trockenmenge
- 100–200 g
- Anwendungen/Tag
- 1×
- Max. Anwendungsdauer
- 4 Wochen
Baldrian-Tee bei nervös bedingten Magenbeschwerden und funktionellen Bauchkrämpfen — Kommission E positive Monographie.
Anleitung & Dosierung
BERUHIGUNGSTEE BEI NERVÖSEN MAGENBESCHWERDEN (Kommission E): 2–3 g zerkleinerte Wurzel mit 200 ml kochendem Wasser übergießen, 10 Minuten zugedeckt ziehen lassen, abseihen. 3× täglich nach den Mahlzeiten trinken. Volksheilkundliche und Kommission-E-Indikation: Nervös bedingter Reizmagen, Bauchkrämpfe funktioneller Natur, Spannungskopfschmerzen. Wirkt über die Dämpfung zentraler Stressreaktionen — keine direkte spasmolytische Wirkung auf die Darmmuskulatur wie Pfefferminze. Hilft begleitend, wenn Magen-Darm-Beschwerden deutlich stressabhängig sind.
- Trockenmenge
- 2–3 g
- Anwendungen/Tag
- 3×
- Max. Anwendungsdauer
- 4 Wochen
Volksheilkundlicher Abenddreikräutertee (Baldrian + Melisse + Hopfen) — synergistische Kombination für leichte Einschlafstörungen und Beruhigung.
Anleitung & Dosierung
BALDRIAN-MISCHTEE (Volksheilkunde, Hildegard-Tradition): 1–2 g Baldrianwurzel mit je 1 g Melissenblättern und Hopfenzapfen mischen, mit 200 ml heißem Wasser (nicht kochend, ca. 90 °C) übergießen, zugedeckt 8 Minuten ziehen, abseihen. Abends 1 Tasse, bei Bedarf auch am Nachmittag. Traditionelle Kombinationsanwendung: Der synergetische Einsatz mit Melisse (Lemon balm) und Hopfen (Hops) ist in der europäischen Volksmedizin seit Jahrhunderten belegt und von EMA-Monographien als kombinierte traditional-use-Anwendung anerkannt. Milderer Eigengeruch als Reinbaldrian. Für Menschen, die den Geruch von reinem Baldrian unangenehm finden.
- Trockenmenge
- 1–2 g
- Anwendungen/Tag
- 2×
- Max. Anwendungsdauer
- 3 Wochen
Äußerliche Anwendung der Baldriantinktur als Einreibung oder Kompresse bei Muskelverspannungen und leichten Gelenkbeschwerden — rein volksheilkundlich.
Anleitung & Dosierung
EINREIBUNG / KOMPRESSE (Volksheilkunde): 5–10 ml unverdünnte Baldriantinktur (1:5, Ethanol 60 %) auf ein Tuch geben und als Wickel auf verspannte Muskeln oder schmerzende Gelenke auflegen, 20–30 Minuten einwirken lassen. Alternativ direkt in die Haut einreiben. Nicht auf offene Wunden oder gereizte Haut auftragen. Volksheilkundliche äußerliche Anwendung bei muskulärer Verspannung und leichten Gelenkschmerzen — klinische Evidenz fehlt, historische Quellen (Madaus, Hildegard) belegen die Tradition.
- Flüssigkeit
- 5–10 ml
- Anwendungen/Tag
- 2×
- Max. Anwendungsdauer
- 3 Wochen
WICHTIG: Baldrian verursacht bei manchen Personen paradoxe Reaktionen (Unruhe, Erregung statt Beruhigung) — dies ist dokumentiert und tritt häufiger bei höheren Dosen auf. Kein Fahrzeug führen oder Maschinen bedienen kurz nach Einnahme — mögliche Beeinträchtigung der Reaktionsfähigkeit, besonders in den ersten Tagen und bei gleichzeitigem Alkohol. Nicht abrupt absetzen nach längerer Einnahme — ausschleichen (innerhalb 1–2 Wochen). Kein pharmakologisches Schlafmittel im klassischen Sinn: Wirksamkeit setzt nach 2–4 Wochen Dauertherapie ein, keine Akutwirkung. Bei persistierenden Schlafstörungen ärztliche Ursachenklärung. Der charakteristische Geruch (Isovaleriansäure als Abbauprodukt der Valerensäure) intensiviert sich nach dem Trocknen und Lagern — kein Zeichen für Qualitätsverlust. Abendliche Einnahme bevorzugen; morgendliche Müdigkeit (Hangover-Effekt) bei höheren Dosen möglich.
⏱ Max. Daueranwendung: 4 Wochen
Laut EMA in Schwangerschaft und Stillzeit nicht empfohlen — keine ausreichenden Sicherheitsdaten. Frühere in-vitro-Daten zeigten uterotone Aktivität; klinische Relevanz bei oralen therapeutischen Dosen unklar. Küchenmäßige, gelegentliche Verwendung als Gewürzkraut (historisch, kaum verbreitet) ist anders zu beurteilen, jedoch auch nicht empfohlen.
Keine ausreichenden Daten zum Übergang von Baldrian-Inhaltsstoffen in die Muttermilch. EMA empfiehlt: in der Stillzeit nicht anwenden.
Standardisierte Extrakte und Tinktur laut EMA für Kinder unter 12 Jahren nicht empfohlen (mangelnde Daten). EMA-Monographie erlaubt traditionelle Anwendung ab 12 Jahren. Für jüngere Kinder keine Selbstbehandlung mit Baldrian — nervöse Beschwerden bei Kindern immer ärztlich abklären.
Wechselwirkungen
Benzodiazepine und andere Sedativa/Hypnotika (Zolpidem, Zopiclon, Barbiturate)
Baldrian-Extrakte modulieren GABA-A-Rezeptoren und verstärken theoretisch die sedierende Wirkung von Benzodiazepinen und Hypnotika additiv. Tierexperimentelle Belege; klinische Daten begrenzt. Risiko übermäßiger Sedierung, Beeinträchtigung der Reaktionsfähigkeit und Atemdepression bei hohen Dosen. Kombination vermeiden oder nur unter ärztlicher Überwachung.
Alkohol (Ethanol)
Baldrian kann die zentral-dämpfenden Effekte von Alkohol verstärken. Gleichzeitiger Konsum während der Therapie vermeiden — Fahrtüchtigkeit und Reaktionsvermögen können beeinträchtigt werden.
CYP3A4- und CYP2D6-Substrate (z.B. bestimmte Antihistaminika, Antidepressiva, Statine)
In vitro-Studien zeigen eine schwache Hemmung von CYP3A4 und CYP2D6 durch Baldrian-Inhaltsstoffe (Valerensäure, Valepotriate). Klinische Relevanz bei therapeutischen Dosen gering, aber bei Arzneimitteln mit engem therapeutischen Index beachten. Plasmaspiegel-Monitoring bei betroffenen Co-Medikamenten empfohlen.
Antikoagulantien / Thrombozytenaggregationshemmer (Warfarin, Phenprocoumon, ASS, Clopidogrel)
Einzelfallberichte und In-vitro-Daten deuten auf schwache thrombozytenaggregationshemmende Eigenschaften von Isovaleriansäure-Derivaten hin. Klinische Bedeutung bei normaler Dosierung gering, bei Antikoagulation jedoch Vorsicht und INR-Monitoring.
Kontraindikationen
- Überempfindlichkeit gegen Baldrian (Valeriana officinalis) oder andere Baldrian-Arten.
- Schwangerschaft und Stillzeit (therapeutische Dosen) — mangels Sicherheitsdaten nicht anwenden.
- Kinder unter 12 Jahren (standardisierte Präparate) — keine ausreichenden Daten.
- Baldriantinktur bei Alkoholabhängigkeit, schwerer Lebererkrankung oder Epilepsie — wegen Ethanolgehalt kontraindiziert.
- Vollbad kontraindiziert bei: offenen Wunden, akuten Hautentzündungen oder -infektionen, dekompensierter Herzinsuffizienz, schwerer Hypertonie, hohem Fieber.
Erntet wird: Wurzelstock (Herbst)
- Tageszeit:
- An trockenen Tagen im Herbst — idealer Zeitpunkt ist nach dem Absterben der oberirdischen Teile (Oktober–November), wenn die Pflanze ihre Inhaltsstoffe (Valerensäure, Valepotriate) vollständig in den Wurzelstock eingelagert hat. Morgens ernten, sobald der Tau abgetrocknet ist.
- Trocknung:
- Wurzeln und Rhizom ausgraben (Zweijährige Pflanzen liefern höhere Wirkstoffgehalte), gründlich waschen, Faserwurzeln und Stängelreste entfernen, in 3–5 mm dicke Scheiben oder Stifte schneiden. Bei max. 35–40 °C im Dörrgerät oder Backofen (Umlufttrocken) 12–24 Stunden trocknen, bis Bruchfestigkeit erreicht ist. NICHT bei höheren Temperaturen trocknen — Valerensäure und Valepotriate sind hitzelabil. Frische Wurzeln riechen angenehm würzig; der charakteristische Baldrian-Geruch (Isovaleriansäure) entsteht erst durch Enzymaktivität beim Trocknen und Lagern — dies ist normal und kein Zeichen für schlechte Qualität. Kleinere Mengen können auf Tüchern an luftigem Schattenplatz bei warmem, trockenem Wetter getrocknet werden.
- Lagerung:
- 24 Monate — Luftdicht in Glas- oder Blechbehältern, dunkel und trocken, bei Raumtemperatur. Valerensäure-Gehalt bleibt bei sachgemäßer Lagerung bis zu 2 Jahre stabil. Bei gummiartigem oder muffigem Geruch (über den normalen Baldrian-Geruch hinaus) entsorgen. Arzneidroge-Qualität: Ph.Eur. schreibt mindestens 0,17 % Valerensäure vor.
- Tageszeit:
- Im frühen Frühjahr, bevor der Stängel kräftig austreibt — die Wurzel ist dann noch vollständig nährstoff- und wirkstoffhaltig und hat die Reserven aus der Vorjahresvegetation gespeichert. Frühmorgendliche Ernte bevorzugen.
- Trocknung:
- Alternativ zur Herbsternte: Frühjahrs-Ernte des Rhizoms (März–April) liefert ebenfalls hochwertige Droge mit guten Valerensäure-Gehalten, jedoch vor Beginn des Blütentriebs ernten. Bearbeitung wie Herbst-Ernte. Frühjahrsernte empfiehlt sich bei einjährigen Pflanzen, die noch keine Blüte entwickelt haben. HINWEIS: Für Arzneimittelqualität ist die Herbsternte (zweijährige Pflanzen) bevorzugt (höhere Valepotriate und Valerensäure).
- Lagerung:
- 24 Monate — Wie Herbst-Ernte: luftdicht, dunkel, trocken. Frühjahrswurzeln zügig verarbeiten oder trocknen, da höherer Wassergehalt Schimmelgefahr erhöht.
- Valerensäure, Acetoxyvalerensäure, HydroxyvalerensäureSesquiterpenAnteil: 0.3-0.8 %Wurzel
Sesquiterpensäuren (Sesquiterpen-Carbonsäuren) — Leitsubstanzen der Qualitätsstandardisierung (EMA: mindestens 0,17 % Valerensäure in Trockenextrakten). Wirken am GABA-A-Rezeptor als partielle Agonisten (modulieren Chlorid-Ionenkanal) und hemmen den GABA-Abbau durch Transaminase — zentral dämpfend ohne direkte Benzodiazepin-Bindung. Hauptverantwortlich für die nachgewiesene sedierende Wirkung; auch Agonist an Adenosin-A1-Rezeptoren.
- Valepotriate (Valtrat, Isovaltrat, Didrovaltrat, Acevaltrat)SonstigeAnteil: 0.5-2.0 %Wurzel
Iridoid-Monoterpene (Bicyclische Strukturen) — charakteristisch für Valeriana-Arten. Instabil: werden beim Trocknen und in wässriger Lösung rasch zu Baldrinalen abgebaut. Frische Wurzel und frische Tinktur höher; getrocknete Arzneidroge enthält kaum noch intakte Valepotriate. Potentiell zytotoxisch in vitro (alkylierend), daher keine Dauerexposition mit frischen Valepotriaten empfohlen. Ihre Abbauprodukte (Baldrinale) zeigen eigenständige sedierende Eigenschaften.
- Ätherisches Öl (Bornylacetat, Isovaleriansäure, Campher, beta-Bisabolol, Valeranon)Ätherisches ÖlAnteil: 0.3-0.8 %Wurzel
Charakteristisches ätherisches Öl — Hauptkomponenten: Bornylacetat (frische Wurzel, angenehm-würzig), Isovaleriansäure (Abbauprodukt, charakteristischer Baldriangeruch, stechend-käsig entsteht beim Lagern), Campher, Valerianol, Valeranon und weitere Sesquiterpen-Alkohole. Die flüchtige Fraktion trägt zur Wirkung bei, besonders bei Bädern und Inhalationen. Für die standardisierte Extrakt-Wirkung von untergeordneter Bedeutung.
- Lignane (Pinoresinol, Lariciresinol, Isolariciresinol)SonstigeAnteil: 0.1-0.5 %Wurzel
Hydroxyzimtalkohol-Dimere (Phenylpropanoide). Zeigen in vitro sedierende und anxiolytische Eigenschaften durch Bindung an GABA-A-Rezeptoren (Benzodiazepin-Bindungsstelle). Pinoresinol als pharmakologisch aktive Leitverbindung dieser Gruppe identifiziert; trägt synergistisch zur Gesamtwirkung bei.
- Flavonoide (Linarin, Hesperidin, 6-Methylapigenin, Luteolin)FlavonoidAnteil: 0.1-0.3 %Wurzel
Flavonglykoside und freie Flavone. 6-Methylapigenin wurde in Baldrian identifiziert und zeigt starke Bindungsaffinität an Benzodiazepin-Rezeptoren in vitro — potentiell bedeutsam für die anxiolytische Komponente. Linarin zeigt schwache sedativ-hypnotische Wirkung. Zusammen mit Valerensäure verstärkende (synergistische) Wirkung am GABA-Rezeptor-Komplex.
- Alkaloid-Spuren (Actinidin, Chatinin, Valerianin, Valeranin)AlkaloidAnteil: < 0.1 %Wurzel
Monoterpen-Alkaloide in Spurenmengen, charakteristisch für Valeriana-Arten. Actinidin ist das flüchtige Alkaloid, das Katzen anzieht (ähnlich Nepetalacton aus Katzenminze). Pharmakologisch bei therapeutischen Dosen ohne relevante Bedeutung, tragen aber zum Gesamtbouquet der biologischen Aktivität bei.
- Aminosäuren (GABA, Glutamin, Arginin, Tyrosin)SonstigeAnteil: 0.05-0.5 %Wurzel
Freie Aminosäuren, darunter GABA (gamma-Aminobuttersäure) selbst. Exogen zugeführtes GABA passiert jedoch die Blut-Hirn-Schranke nur begrenzt — direkte Wirkung von Baldrian-GABA auf das ZNS ist fraglich. Glutamin als GABA-Vorstufe könnte indirekt relevant sein. Arginin und Tyrosin als allgemeine Stickstoffquelle. Gesamtbedeutung für die sedative Wirkung geringer als Valerensäure und Lignane.
- Polysaccharide / Stärke / Gerbstoffe (Gerbsäuren, Kaffeesäure-Derivate)GerbstoffAnteil: 3-8 %Wurzel
Baldrianwurzel enthält erhebliche Mengen an Stärke (~20–30 %) und niedermolekularen Gerbstoffen (Kaffeesäure-Derivate, Chlorogensäure). Die Gerbstoffe bewirken den leicht adstringierenden Mundgeschmack des Baldriantees. Pharmakologisch für die sedierende Wirkung nicht bedeutsam; beeinflussen aber Geschmack und Magen-Darm-Verträglichkeit. Hoher Stärkegehalt erklärt die kalorische Dichte der Wurzel (historisch gelegentlich als Nahrungsquelle in Notzeiten).
- [1]MonographieEMA/HMPC/150848/2015 Corr.1 — European Union herbal monograph on Valeriana officinalis L., radix (Final, 2 February 2016)(abgerufen: 2026-05-21)
- [2]MonographieESCOP Monographs — Valerianae radix (Valerian Root), 2nd edition incl. supplement 2009(abgerufen: 2026-05-21)
- [3]MonographieKommission E — Baldrianwurzel (Valerianae radix), positive Monographie, BAnz Nr. 90, 1985 / BAnz Nr. 223, 1993 (Neubewertung)(abgerufen: 2026-05-21)
- [6]MonographiePlants For A Future (PFAF) — Valeriana officinalis database entry(abgerufen: 2026-05-21)
- [4]BuchWichtl, Max (Hrsg.) — Teedrogen und Phytopharmaka, 5. Auflage, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 2009 — Eintrag: Valerianae radix(abgerufen: 2026-05-21)
- [5]BuchMadaus, Gerhard — Lehrbuch der biologischen Heilmittel, Band II: Valeriana officinalis, 1938 (Public Domain, Digitalisat Henriette's Herb)(abgerufen: 2026-05-21)