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Mariendistel
Silybum marianum · (Silybum marianum)
Korbblütler (Asteraceae)
Beschreibung
Die Mariendistel ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Mariendisteln (Silybum) in der Unterfamilie Carduoideae innerhalb der Familie der Korbblütler (Asteraceae).
Bei Kindern KONTRAINDIZIERT
EMA-Monographie: nicht für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren — keine ausreichenden Sicherheits- und Wirksamkeitsdaten. Lebererkrankungen bei Kindern erfordern kinderärztliche Diagnose und Behandlung.
- TinkturFruchtInnerlichKommission E
Standardisierter Silymarin-Trockenextrakt (Kommission E positiv bewertet) zur unterstützenden Behandlung bei toxisch bedingten Leberschäden und chronisch entzündlichen Lebererkrankungen — Leitpräparat Legalon.
Anleitung & Dosierung
STANDARDISIERTER TROCKENEXTRAKT — well-established use (EMA): Handelsübliche standardisierte Zubereitungen aus Mariendistelfrüchten (Silybi mariani fructus), Trockenextrakte als Kapseln oder Dragees, Droge-Extrakt-Verhältnis 36–44:1, standardisiert auf 30–65 % Silymarin (berechnet als Silibinin). Beispiele: Legalon 70/140 mg (Rottapharm/Madaus), Silymarin Stada, Carduus marianus-Präparate. Dosierung laut EMA-Monographie: Trockenextrakt 70–420 mg Silymarin täglich, aufgeteilt auf 2–3 Einzelgaben, zu oder nach den Mahlzeiten mit ausreichend Flüssigkeit. Indikation well-established: unterstützende Behandlung bei toxisch bedingten Leberschäden und bei chronisch entzündlichen Lebererkrankungen sowie Leberzirrhose. Wirkungseintritt nach 2–4 Wochen; bei akuten Beschwerden Arzt aufsuchen. NICHT ohne ärztliche Diagnose bei Gelbsucht oder Aszites anwenden — diese Symptome erfordern sofortige ärztliche Untersuchung.
- Trockenmenge
- 0.3–0.6 g
- Anwendungen/Tag
- 3×
- Max. Anwendungsdauer
- 8 Wochen
⚠ Altersbeschränkung: ≥ 18 Jahre — Laut EMA-Monographie nur für Erwachsene ab 18 Jahren — keine ausreichenden Sicherheitsdaten für Kinder und Jugendliche.
[#src_ema_silybi_mariani_fructus_we] [#src_escop_silybi_fructus] [#src_kommission_e_cardui]
- TinkturFruchtInnerlichTraditionell
Traditionelle Anwendung gepulverter Mariendistelfrüchte bei dyspeptischen Beschwerden wie Völlegefühl und Blähungen — laut EMA als traditional use eingestuft.
Anleitung & Dosierung
TRADITIONELLE ANWENDUNG — gepulverte Früchte oder standardisierte Fertigpräparate: Gepulverte Frucht (Herba pulverata) als Kapseln oder Pulver 300–600 mg Einzeldosis, 2–3× täglich zu den Mahlzeiten. Laut EMA-Monographie (traditional use): unterstützende Behandlung bei dyspeptischen Beschwerden wie Völlegefühl, Blähungen und leichten Verdauungsbeschwerden. Fertigpräparate bevorzugen — Rohpulver enthält weniger bioverfügbares Silymarin als Extrakt. Bei Beschwerden über 4 Wochen ohne Besserung: Arzt aufsuchen.
- Trockenmenge
- 0.3–0.6 g
- Anwendungen/Tag
- 3×
- Max. Anwendungsdauer
- 4 Wochen
⚠ Altersbeschränkung: ≥ 18 Jahre — Nur Erwachsene ab 18 Jahren.
[#src_ema_silybi_mariani_fructus_we] [#src_kommission_e_cardui] [#src_escop_silybi_fructus]
- TeeFruchtInnerlichVolksmedizin
Volksheilkundlicher Tee aus frisch zerstoßenen Früchten zur allgemeinen Leberunterstützung — Silymarin kaum wasserlöslich, verdauungsfördernde Begleitstoffe aber im Tee wirksam.
Anleitung & Dosierung
VOLKSHEILKUNDLICHER AUFGUSS: 3–5 g frisch zerstoßene Mariendistelfrüchte (im Mörser grob quetschen — NICHT fein mahlen, da das Öl sonst die Tasse verschmiert) mit 200 ml siedendem Wasser übergießen, 10–15 Min zugedeckt ziehen lassen, abseihen. 3× täglich vor den Mahlzeiten frisch zubereitet. WICHTIGER HINWEIS: Silymarin ist in Wasser sehr schlecht löslich (Löslichkeit ca. 0,04 mg/ml in Wasser). Ein Tee enthält nur Bruchteile der wirksamen Dosis standardisierter Extrakte — er wird volksheilkundlich zur allgemeinen Leberunterstützung getrunken, ist aber kein Ersatz für klinisch geprüfte Extrakte. Bitterstoffe und Schleimstoffe gehen im Tee in Lösung und tragen zur verdauungsfördernden Wirkung bei.
- Trockenmenge
- 3–5 g
- Anwendungen/Tag
- 3×
- Max. Anwendungsdauer
- 4 Wochen
[#src_wichtl_teedrogen] [#src_pfaf_silybum] [#src_wp_de_mariendistel]
- TinkturFruchtInnerlichKlinische Studie
Klinische Anwendung von i.v. Silibinin-Hemisuccinat (Legalon SIL) bei akuter Knollenblätterpilz-Vergiftung — höchste klinische Evidenz für lebenschützende Wirkung bei Amatoxin-Hepatotoxizität.
Anleitung & Dosierung
INTRAVENÖSE ANWENDUNG NUR IN DER KLINIK — Silibinin-Hemisuccinat (Legalon SIL): Bei akuter Vergiftung durch Amatoxine (Knollenblätterpilz, Amanita phalloides) wird der isolierte Wirkstoff Silibinin-Hemisuccinat als intravenöse Infusion in der Klinik eingesetzt. Dosierung: 20 mg/kg KG pro Tag als kontinuierliche Infusion über 24 Stunden, so früh wie möglich nach Vergiftung beginnen. Dies ist KEIN Selbstbehandlungsansatz — bei Verdacht auf Knollenblätterpilz-Vergiftung SOFORT Giftnotruf anrufen (Deutschland: 0800 192 0003) und Notaufnahme aufsuchen. Der Vergiftungsschutz beruht auf Hemmung des Amatoxin-Transports in die Leberzelle (OATP1B1/1B3). Auch für begleitende Behandlung bei hepatotoxischen Arzneimitteln in der Klinik beschrieben.
- Trockenmenge
- 0.35–0.7 g
- Anwendungen/Tag
- 3×
- Max. Anwendungsdauer
- 26 Wochen
[#src_silibinin_iv_rambaldi] [#src_escop_silybi_fructus] [#src_ema_silybi_mariani_fructus_we]
- RohBlattInnerlichVolksmedizin
Junge Blätter (entdornt), Stängel (geschält) und unreife Blütenköpfe sind essbar — traditionelles Gemüse in Mittelmeerländern; ernährungsphysiologisch wertvoll durch Proteine, Fett und Flavonoide.
Anleitung & Dosierung
ESSBARE PFLANZE — Blätter und Stängel: Junge Rosettenblätter (vor der Blüte, März–April) entdornen (Stacheln mit Schere abschneiden oder abbrechen), dann roh als Salat verzehren oder kurz blanchiert (2–3 Min in kochendem Salzwasser) als Gemüse. Geschmack mild, leicht bitter. Die dornigen Blattränder sind das einzige Hindernis — mit Lederhandschuhen und Küchenschere leicht zu handhaben. Stängel vor der Blüte schälen (wie Rhabarber) und als Gemüse kochen oder kandiert zubereiten. Blütenkörbe unreif wie Artischocken zubereiten — ohne das Heu essen. Volkstümliche Ernährungspflanze in Mittelmeerländern.
- TinkturFruchtInnerlichKommission E
Kommission-E-positiv bewertete Anwendung bei Lebertoxizität, chronischer Hepatitis und Leberzirrhose (200–400 mg Silymarin/Tag) — eine der bestdokumentierten pflanzlichen Leberindikationen in Deutschland.
Anleitung & Dosierung
KOMMISSION-E-EMPFEHLUNG — Tagesdosis 200–400 mg Silymarin (berechnet als Silibinin) in Form standardisierter Zubereitungen. Positives Votum der Kommission E (1986, revidiert 1992) für die Anwendung bei toxisch bedingten Leberschäden sowie als unterstützende Behandlung bei chronischen Leberentzündungen und Leberzirrhose. Einzeldosis 140 mg Silymarin 2–3× täglich als Kapsel oder Dragee. Tinktur aus Mariendistelfrüchten (DAB-konform, 1:5 in 45–60 % Ethanol) entspricht der Fruchtgabe, enthält aber weniger bioverfügbares Silymarin als Trockenextrakt — bevorzugt Kapseln verwenden. Bei schweren Lebererkrankungen: ärztliche Behandlung obligatorisch.
- Trockenmenge
- 0.35–0.7 g
- Anwendungen/Tag
- 3×
- Max. Anwendungsdauer
- 8 Wochen
[#src_kommission_e_cardui] [#src_escop_silybi_fructus] [#src_wichtl_teedrogen]
- TeeKrautige TeileInnerlichVolksmedizin
Volksheilkundlicher Blättertee bei Verdauungsbeschwerden und zur Gallenfluss-Anregung — Silymarin-Gehalt der Blätter gering; bitterstofffördernde Wirkung im Vordergrund.
Anleitung & Dosierung
BLÄTTERTEE (volksheilkundlich): 2–3 TL frisch getrocknete, grob zerkleinerte Mariendistelblätter (ohne Stacheln — Stacheln vor der Trocknung entfernen) mit 250 ml siedendem Wasser übergießen, zugedeckt 8–10 Min ziehen lassen, durch feines Sieb abseihen. 1–2× täglich zwischen den Mahlzeiten. Bittere und gerbstoffhaltige Begleitstoffe fördern den Gallefluss und regen die Verdauungssekrete an. Silymarin-Gehalt in den Blättern sehr niedrig — reine Blätter-Zubereitungen dienen der allgemeinen Verdauungsunterstützung, nicht der Leberbehandlung. PFAF dokumentiert volksheilkundliche Verwendung der Blätter bei Leber- und Gallebeschwerden in Mittelmeertraditionen.
- Trockenmenge
- 2–3 g
- Anwendungen/Tag
- 2×
- Max. Anwendungsdauer
- 4 Wochen
[#src_pfaf_silybum] [#src_wp_de_mariendistel] [#src_madaus_1938_carduus]
- RohSamenInnerlichVolksmedizin
Geschälte Mariendistelsamen als nährstoffreiche Rohkost-Zutat: nussig-milde Körner mit Protein, Fettsäuren und Silymarin — traditionelle Verwendung in Mittelmeerküche und modernem Superfood-Bereich.
Anleitung & Dosierung
SAMEN (geschälte Früchte) in der Küche: Reife, von den Pappushaaren befreite und geschälte Mariendistelsamen haben ein mildes, nussiges Aroma. Roh als Zusatz zu Müsli, Salaten oder Smoothies (1–2 TL täglich). Leicht angeröstet als Topping auf Suppen und Gemüsegerichten. Kalt gemahlen zu feinem Pulver und unter Joghurt oder Quark gerührt (Vollnahrung: enthält ~25 % Protein, 20–30 % fettes Öl, Silymarin). In der Mittelmeerküche und Naturkost-Küche geschätzte Zutat. Gemahlene Samen rasch verbrauchen — Öl oxidiert schnell nach dem Mahlen.