© Hans Hillewaert · CC BY-SA 3.0 · Commons
Spitzwegerich
Plantago lanceolata · (Plantago lanceolata)
Wegerichgewächse (Plantaginaceae)
Beschreibung
Am Wegesrand fast überall zu finden, liefert der Spitzwegerich (Plantaginaceae) mit seinen schmal-lanzettlichen, parallel gerippten Blättern eines der bekanntesten Erste-Hilfe-Kräuter: frisch zerquetscht und auf Insektenstiche oder kleine Wunden gelegt, wirken die enthaltenen Gerbstoffe und das antibakterielle Aucubin lindernd. Als Tee vor der Blüte geerntet, legen sich die Schleimstoffe schützend auf gereizte Rachen- und Bronchialschleimhaut, während das Phenylethanoid-Glykosid Acteoside zusätzlich entzündungshemmend wirkt – ein klassisches Mittel bei trockenem Reizhusten und Heiserkeit, oft als Honigsirup für Kinder zubereitet. Der Aufguss sollte nur mit heißem, nicht kochendem Wasser angesetzt werden, da hohe Temperaturen die Schleimstoffe zerstören. Da Schleimstoffe die Aufnahme anderer Medikamente verzögern können, empfiehlt sich ein zeitlicher Abstand von 30 bis 60 Minuten. Honigsirup ist wegen Botulismus-Risikos erst ab dem ersten Lebensjahr geeignet.
Reizlindernder Tee bei trockenem Reizhusten und Heiserkeit. Schleimstoffe legen sich als Schutzfilm auf gereizte Rachen- und Bronchialschleimhaut; Aucubin (bzw. sein Aglykon Aucubigenin) wirkt zusätzlich antibakteriell; Acteoside (Verbascoside) hemmt Leukotrien-B4-Synthese und wirkt antiinflammatorisch.
Anleitung & Dosierung
AUFGUSS (kein Kochen — Schleimstoffe und Aucubin sind hitzeempfindlich): 1–2 g zerkleinerte getrocknete Spitzwegerichblätter mit 150 ml heißem (nicht kochendem, ca. 80–90 °C) Wasser übergießen, zugedeckt 10–15 Minuten ziehen lassen, abseihen. 2–3× täglich frisch zubereiten. Bei trockenem Reizhusten langsam in kleinen Schlucken. EMA-Monographie: Tagesdosis 3–6 g.
- Trockenmenge
- 1–2 g
- Anwendungen/Tag
- 3×
- Max. Anwendungsdauer
- 1 Wochen
⚠ Altersbeschränkung: ≥ 6 Jahre — Laut EMA-Monographie geeignet für Erwachsene, Jugendliche und Kinder ab 6 Jahren.
Gurgellösung und Mundspülung bei leichten Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut. Tannine und Schleimstoffe wirken adstringierend und schützend.
Anleitung & Dosierung
Aufguss wie beim Tee (1–2 g + 150 ml heißes Wasser, 10–15 Min). Lauwarm 2–3× täglich 30 Sekunden gurgeln oder als Mundspülung verwenden. Bei Halsentzündung kann der Sud auch geschluckt werden.
- Trockenmenge
- 1–2 g
- Anwendungen/Tag
- 3×
- Max. Anwendungsdauer
- 1 Wochen
⚠ Altersbeschränkung: ≥ 6 Jahre — Ab 6 Jahren; bei Gurgeln jüngere Kinder beaufsichtigen.
Quellen: [1]
Volksmedizinisches Erstversorgungsmittel: Spitzwegerich wächst an fast jedem Wegrand und liefert sofort ein natürliches Pflaster. Aucubigenin wirkt antibakteriell, Schleim- und Gerbstoffe beruhigen und schützen. Kein Ersatz für ärztliche Versorgung bei tiefen oder infizierten Wunden.
Anleitung & Dosierung
FRISCHBLATT-AUFLAGE (klassisches Wanderer-Hausmittel): Frische, saubere Spitzwegerichblätter zwischen Fingern oder mit flachem Stein zerdrücken bis Saft austritt, direkt auf Insektenstiche, Brennnessel-Quaddeln oder kleine Schürfwunden auflegen. Nach 10–20 Min gegen frische Blätter tauschen. FEUCHTER UMSCHLAG: Aufguss (2 g Blätter/150 ml heißes Wasser, 15 Min) auf sauberes Tuch, auf Wunde 15–20 Min auflegen.
- Anwendungen/Tag
- 3×
- Max. Anwendungsdauer
- 1 Wochen
Spitzwegerich-Honigsirup als volkstümliche Alternativform zum Tee bei Reizhusten und Heiserkeit. Die Kombination aus Schleimstoffen und Honig wirkt besonders reizlindernd und schmeckt Kindern besser als der Tee.
Anleitung & Dosierung
SPITZWEGERICH-SIRUP oder TINKTUR (traditionelle Darreichungsform, bes. für Kinder beliebt): Frische Blätter mit Honig im Verhältnis 1:1 schichtweise in ein Glas einlegen, 4–8 Wochen stehen lassen — der Sirup zieht aus. Täglich 1 TL 2–3× einnehmen. Fertige Spitzwegerich-Hustensirupe im Handel erhältlich. Tinktur: standardisiertes Fertigpräparat nach Packungsbeilage.
- Anwendungen/Tag
- 3×
- Max. Anwendungsdauer
- 2 Wochen
⚠ Altersbeschränkung: ≥ 6 Jahre — Sirupform besonders geeignet für Kinder ab 6 Jahren (Honigsirup erst ab 1 Jahr — Botulismus-Risiko bei Säuglingen).
Volksheilkundlicher Hustentee bei Erkältung, akuter Bronchitis und Halsschmerzen — oft in Kombination mit anderen Hustenpflanzen (Thymian, Eibisch, Schlüsselblume). Acteoside/Verbascoside hemmt Leukotrien-B4 und wirkt antiinflammatorisch; Schleimstoffe lindern Reizung.
Anleitung & Dosierung
MISCHKRÄUTERTEE bei Erkältung/Bronchitis: Spitzwegerich mit Thymian oder Schlüsselblume mischen (je 1 g, Gesamtdosis 2–3 g). Aufguss 10–15 Min, 3× täglich. Volksmedizinisch auch bei akuter Bronchitis eingesetzt.
- Trockenmenge
- 1.5–3 g
- Anwendungen/Tag
- 3×
- Max. Anwendungsdauer
- 2 Wochen
Traditionelle äußerliche Anwendung bei Sonnenbrand, oberflächlichen Verbrennungen, Ekzemen und Insektenstichen. Die Gerbstoffe wirken adstringierend und lindern Juckreiz, Acteoside-Komponenten wirken mild antiinflammatorisch.
Anleitung & Dosierung
FRISCHE BLÄTTER ALS KÜHLKOMPRESSE: Mehrere frische Spitzwegerichblätter kurz kalt abwaschen, auf einen Sonnenbrand oder Insektenstich-Areal direkt auflegen. Blätter halten Feuchtigkeit und kühlen sanft. Nach Bedarf erneuern. KEIN ERSATZ für medizinische Versorgung bei schweren Verbrennungen.
- Anwendungen/Tag
- 2×
- Max. Anwendungsdauer
- 1 Wochen
Wenn Husten länger als 1 Woche anhält oder mit Fieber, Atemnot, eitrigem oder blutigem Auswurf einhergeht: Arzt aufsuchen. Schleimstoffe können Aufnahme anderer oral eingenommener Arzneimittel im Magen-Darm-Trakt verzögern — andere Medikamente 30–60 Min vor oder nach dem Spitzwegerich-Tee einnehmen. Aufguss nur mit heißem (nicht kochendem) Wasser — zu hohe Temperaturen zerstören Schleimstoffe und Aucubin. Spitzwegerich-Honigsirup erst ab 1 Lebensjahr (Botulismus-Risiko bei Säuglingen unter 12 Monaten).
⏱ Max. Daueranwendung: 1 Wochen
EMA weist auf fehlende Daten zur Anwendung in der Schwangerschaft hin. Äußerliche Frischblatt-Auflage auf Insektenstich gilt als unbedenklich.
Keine ausreichenden Daten zur Anwendung in der Stillzeit.
Tee und Gurgellösung: ab 6 Jahren laut EMA. Sirupform mit Honig erst ab 1 Jahr. Frischblatt-Auflage (äußerlich) volksmedizinisch auch bei kleineren Kindern üblich.
Wechselwirkungen
Orale Arzneimittel allgemein
Die Schleimstoffe können einen Film auf der Magen-Darm-Schleimhaut bilden und dadurch die Resorption anderer Medikamente verzögern. Als Vorsichtsmaßnahme: andere Medikamente 30–60 Minuten vor oder nach dem Tee einnehmen.
Kontraindikationen
- Überempfindlichkeit gegenüber Spitzwegerich oder anderen Wegerich-Arten (Plantaginaceae).
- Kinder unter 6 Jahren (Tee/Gurgellösung) — mangels Daten laut EMA nicht empfohlen.
- Honigsirup: nicht für Säuglinge unter 12 Monaten (Botulismus-Risiko durch rohen Honig).
Erntet wird: Blätter (vor der Blüte)
- Tageszeit:
- Trockener Vormittag nach Abtrocknen des Taus, bevor die Mittagssonne die Blätter erhitzt. Aucubin-Gehalt ist morgens vor voller Sonneneinstrahlung am höchsten.
- Trocknung:
- Junge, gesunde Blätter vor und während der Blüte sammeln — höchster Aucubin-Gehalt. Locker einlagig im Schatten ausbreiten und bei max. 40 °C zügig trocknen — langsames Trocknen und hohe Temperaturen bauen Aucubin ab (Braunfärbung = Qualitätsverlust). Stiele entfernen oder dünn lassen.
- Lagerung:
- 12 Monate — Luftdicht, dunkel und trocken lagern. Innerhalb eines Jahres aufbrauchen — Aucubin-Gehalt nimmt mit Zeit ab.
- Tageszeit:
- Für Frischblatt-Auflage oder Frischsaft: jederzeit, wenn die Pflanze grün und gesund ist. Idealerweise nicht von verunreinigten Standorten (Straßenrand mit starkem Verkehr, gedüngte Felder).
- Trocknung:
- FRISCHVERWENDUNG (Umschlag, Sirup): Junge, intakte Blätter und Stängel sammeln. KEINE Trocknung notwendig. Frische Blätter für Sirupherstellung: sofort verarbeiten oder innerhalb 24 Stunden. Für den klassischen Frischblatt-Umschlag: direkt vor Ort verwenden.
- Lagerung:
- 1 Monate — Frische Blätter: im Kühlschrank max. 2–3 Tage. Selbst hergestellter Frischpflanzen-Sirup (mit Honig) kühl und dunkel bis ca. 3 Monate.
- Schleimstoffe (saure Polysaccharide: Rhamnogalacturonane, Arabinogalactane)SchleimstoffAnteil: 2–6,5 %Blatt
Hauptwirkstoffe für reizlindernde Wirkung. Rhamnogalacturonane und Arabinogalactane bilden bei Kontakt mit Wasser einen viskosen Schutzfilm auf Mund-, Rachen- und Bronchialschleimhaut. Hitzeempfindlich — Aufguss nicht kochen.
- Iridoidglykoside (Aucubin, Catalpol)GlykosidAnteil: 2–3 %Blatt
Aucubin und Catalpol sind die dominanten Iridoide. Aucubin wird durch endogene Glucosidasen oder beim Trocknen zu Aucubigenin gespalten, das nachweislich antibakteriell wirkt. Aucubin ist hitze- und lagerempfindlich — rasches Trocknen und kühle Lagerung bewahren den Gehalt. Catalpol hat mild entzündungshemmende Eigenschaften.
- Phenylethanoid-Glykoside (Acteoside / Verbascoside, Plantamajoside, Isoacteoside)GlykosidBlatt
Acteoside (= Verbascoside) ist das wichtigste Phenylethanoid im Spitzwegerich. Es hemmt in vitro die Leukotrien-B4-Synthese (Lipoxygenase-Hemmung) und wirkt antiinflammatorisch und antioxidativ. Plantamajoside hat DPPH-Radikalfänger-Aktivität. Diese Verbindungen erklären antiinflammatorische Wirkung bei Atemwegs- und Hautanwendung.
- Gerbstoffe (kondensierte und hydrolysierbare Tannine)GerbstoffAnteil: ca. 6,5 %Blatt
Signifikanter Gerbstoffgehalt — wirkt adstringierend auf Schleimhäute und Haut. Unterstützt Wundheilung (Granulationsförderung) und hat mild blutstillende Eigenschaft bei äußerlichen Anwendungen.
- Flavonoide (Apigenin-7-glucosid, Luteolin, Hyperoside)FlavonoidBlatt
Apigenin-7-glucosid und Luteolin als Hauptflavonoide. Mild antioxidativ und antiinflammatorisch. Luteolin hemmt COX-Enzyme in vitro. Quercetin-Derivate (Hyperoside) ergänzen das antioxidative Profil.
- Phenolcarbonsäuren (Chlorogensäure, Rosmarinsäure, Vanillinsäure)PhenolsäureBlatt
Rosmarinsäure und Chlorogensäure als dominante Phenolcarbonsäuren. Rosmarinsäure hemmt das Komplementsystem und wirkt antiinflammatorisch; Chlorogensäure antioxidativ. Zusammen mit Acteosid tragen sie zum antiinflammatorischen Profil des Spitzwegerichs bei.
- KieselsäureMineralstoffAnteil: 1–2 %Blatt
Spitzwegerich gehört zu den kieselsäurereichen Heilpflanzen. Volksmedizinisch zur Stärkung von Bindegewebe und Schleimhautgewebe eingesetzt.
- [1]MonographieEMA/HMPC/887979/2022 — European Union herbal monograph on Plantago lanceolata L., folium (Revision 1, Final, August 2024)(abgerufen: 2026-05-18)
- [4]MonographieWegener T, Kraft K (1999) — Plantain (Plantago lanceolata L.): anti-inflammatory action in upper respiratory tract infections. Wien Med Wochenschr 149(8-10):211-6. PubMed 10483683(abgerufen: 2026-05-21)
- [5]MonographieCliniTox Giftpflanzen — Plantago lanceolata L.: schwach giftig (+) (Institut für Veterinärpharmakologie und -toxikologie, Universität Zürich)(abgerufen: 2026-08-10)
- [2]WikipediaSpitzwegerich (Wikipedia DE)(abgerufen: 2026-05-21)
- [3]WikipediaPlantago lanceolata (Wikipedia EN)(abgerufen: 2026-05-21)