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Pastinak
VorsichtParsnip · (Pastinaca sativa)
Doldenblütler (Apiaceae)
Beschreibung
Erst nach den ersten Frösten entfaltet die Pastinakenwurzel ihr volles, süßlich-nussiges Aroma, weshalb sie traditionell von Spätherbst bis Winter geerntet wird. Sie liefert reichlich Kalium, Folsäure und Vitamin C sowie Fructane vom Inulin-Typ, die als Ballaststoff für die Darmflora gelten. Roh oder gekocht dient die Wurzel seit jeher als nahrhaftes Wintergemüse; volksheilkundlich wurde sie auch als Tee bei Verdauungs- und Harnwegsbeschwerden sowie äußerlich bei Hautproblemen verwendet. Wichtig zu wissen: Der Saft der oberirdischen Pflanzenteile und frisch angeschnittener Wurzeln enthält Furocumarine wie Bergapten und Xanthotoxin. Gerät dieser Saft auf die Haut und wird die Stelle anschließend Sonnenlicht ausgesetzt, kann es zu schweren phototoxischen Reaktionen mit Rötung, Blasenbildung und bleibenden Pigmentflecken kommen. Beim Ernten und Rüsten sollten daher Handschuhe und langärmelige Kleidung getragen werden; die gegarte Wurzel beim normalen Verzehr birgt hingegen kein solches Risiko.
Die Pastinakenwurzel ist eines der ältesten Wurzelgemüse Europas und war vor der Einführung der Kartoffel (16. Jh.) ein zentrales Grundnahrungsmittel. Sie wird gekocht, gedämpft, im Ofen geröstet, püriert oder zu Suppen und Eintöpfen verarbeitet. Der Stärkegehalt steigt durch Frosteinwirkung: ein Teil der Stärke wird in Fructose und Saccharose umgewandelt, was die charakteristische Süße von Winterpastinaken erklärt. Roh ist sie möglich, aber weniger verbreitet (adstringierend-würziger Geschmack). Liefert Kohlenhydrate, Kalium (ca. 523 mg/100 g), Folsäure (ca. 59 µg/100 g) und Ballaststoffe (ca. 4–5 g/100 g).
Pastinaken liefern ca. 18 mg Vitamin C pro 100 g sowie relevante Mengen Folsäure (ca. 59 µg/100 g, ~15 % des Tagesbedarfs), Mangan und Kupfer. Folsäure ist essenziell für Zellteilung und DNA-Synthese; die Pastinake gilt als eine der besseren Folsäure-Quellen unter den Wurzelgemüsen. Der Vitamin-C-Gehalt geht beim Kochen teilweise verloren — Dämpfen oder Garen in der Schale erhält ihn besser. Kalium (ca. 523 mg/100 g) unterstützt die normale Herzfunktion und Blutdruckregulation.
Mit 4–5 g Ballaststoffen pro 100 g — deutlich mehr als Karotten (ca. 3 g) — unterstützt die Pastinake die Darmperistaltik und eine gesunde Darmflora. Sie enthält sowohl lösliche Ballaststoffe (Inulin-Typ-Fructane mit präbiotischer Wirkung auf Bifidobakterien) als auch unlösliche Zellulose. Inulin wird im Dünndarm nicht verdaut und dient im Dickdarm als Substrat für Darmbakterien. Die Pastinake ist damit ein funktionelles Lebensmittel für die Verdauungsgesundheit — seit Jahrhunderten in der europäischen Volksmedizin als magenwärmendes Gemüse bekannt.
In der europäischen Volksmedizin wurde ein Absud aus Pastinakenwurzeln traditionell als leichtes Diuretikum und zur Unterstützung der Verdauung eingesetzt. Historische Quellen (PFAF) verweisen auf die harntreibende Wirkung und die Anwendung bei Nieren- und Blasenbeschwerden. Nicht klinisch bestätigt; der Einsatz als Heilmittel ist heute kaum noch verbreitet.
Anleitung & Dosierung
5–10 g getrocknete, geschnittene Pastinakenwurzel mit 250 ml kochendem Wasser übergießen, 10 Minuten ziehen lassen, abseihen. 2× täglich trinken. Volksmedizinische Überlieferung als harntreibendes und verdauungsförderndes Mittel — klinisch nicht belegt.
- Trockenmenge
- 5–10 g
- Anwendungen/Tag
- 2×
Pflanzensaft und zerstampfte Wurzel wurden volksmedizinisch lokal auf Hautentzündungen und Schwellungen aufgelegt. Die Anwendung ist heute nicht mehr empfohlen, da der Saft der Pastinake Furocumarine (Bergapten, Xanthotoxin, Imperatorin) enthält, die in Verbindung mit UV-Licht schwere Photodermatitiden (Blasen, bleibende Pigmentveränderungen) auslösen können. ACHTUNG: Externer Einsatz von frischem Pastinak-Saft bei Sonnenlicht ist gefährlich.
Die Samen der Pastinake können ähnlich wie Dillsamen als Gewürz verwendet werden (PFAF: 'similar in taste to dill'). Historisch wurden gemahlene Pastinakensamen in der Volksmedizin mehrerer europäischer Kulturen als Magengewürz und Appetitanreger eingesetzt. Der Samenanteil an ätherischen Ölen (v. a. Myristicin, Bergapten) macht sie auch phytochemisch interessant — die genaue Dosierung und mögliche Phototoxizität sind zu beachten.
Pastinaken sind eine der besten pflanzlichen Quellen für Folsäure (Vitamin B9): ca. 59 µg pro 100 g Rohwurzel (ca. 15 % des empfohlenen Tagesbedarfs eines Erwachsenen). Folsäure ist essenziell für die Entwicklung des fötalen Neuralrohrs in der Frühschwangerschaft. Zusätzlich enthält die Wurzel Vitamin B1 (Thiamin) und B6, die für den Nervenstoffwechsel bedeutsam sind. Kombination mit anderen Folsäure-reichen Gemüsen (Blattgemüse, Hülsenfrüchte) ergänzt den Bedarf gut.
WICHTIG: Der Saft aller oberirdischen Pflanzenteile (Blätter, Stängel) sowie des frischen Wurzelschnitts enthält Furocumarine (Bergapten, Xanthotoxin, Imperatorin). Hautkontakt mit dem Saft und anschließende Sonneneinstrahlung (UV-A) kann schwere phototoxische Reaktionen auslösen: Rötung, Blasenbildung, bleibende Hyperpigmentierung. Beim Ernten und Rüsteten Handschuhe und langärmelige Kleidung tragen und direktes Sonnenlicht meiden. Gare Wurzeln im Normalverzehr stellen kein Phototoxizitäts-Risiko dar.
Pastinaken als Nahrungsmittel (gar) gelten als sicher in der Schwangerschaft und liefern wertvolle Folsäure. Medikal-pharmakologische Anwendungen (Furocumarin-haltige Extrakte) in der Schwangerschaft meiden — Furocumarine haben potentiell photosensibilisierende und in hohen Dosen kanzerogene Eigenschaften. Als Gemüse: geeignet.
Gare Pastinaken als Nahrungsmittel gelten als unbedenklich in der Stillzeit.
Gekochte Pastinake (Brei, Suppe) ist als Beikost ab ca. 6 Monaten geeignet — mild-süßes Aroma, gut verträglich. Furocumarin-Hautrisiko gilt auch für Kinder beim Umgang mit der frischen Pflanze.
Wechselwirkungen
Kaliumsparende Diuretika / ACE-Hemmer
Pastinaken sind kaliumreich (ca. 523 mg/100 g). Bei sehr hohem Verzehr in Kombination mit kaliumsparenden Diuretika oder ACE-Hemmern kann die Kaliumzufuhr erhöht sein. Klinisch bei normaler Ernährungsmenge unbedeutsam.
Kontraindikationen
- Bekannte Überempfindlichkeit gegenüber Apiaceae (Doldenblütlern) — Pastinake meiden (Kreuzallergie möglich mit Karotte, Sellerie, Petersilie).
- Schwere Niereninsuffizienz mit Kaliumrestriktion — Verzehrmenge ärztlich abklären.
Erntet wird: Wurzel (Spätherbst-Winter)
- Tageszeit:
- Ernte bevorzugt nach dem ersten Frost (Oktober/November) — Frost verbessert den Geschmack entscheidend durch Stärke-Zucker-Umwandlung. Bis tief in den Winter im Boden lagerfähig bei Abdeckung mit Stroh oder Vlies. Ernte bei trockenen Bedingungen: nasse Wurzeln lagern schlechter.
- Trocknung:
- LAGERUNG: Frisch geerntete Pastinaken bei 0–4 °C und hoher Luftfeuchtigkeit (ca. 95 %) lagern — idealerweise in feuchtem Sand oder Erde eingegraben. Im Kühlschrank halten sie 2–3 Wochen. Eingebuddelt im Freiland oder Keller in feuchtem Sand bis zu 4 Monate haltbar. Nicht neben Äpfeln oder Birnen lagern (Ethylen fördert Verbitterung). ACHTUNG: Beim Schälen und Rüsten Handschuhe tragen — phototoxische Furocumarine im Saft.
- Lagerung:
- 4 Monate — 0–4 °C, hohe Luftfeuchtigkeit, dunkel. In feuchtem Sand oder im Boden eingegraben ideal. Nicht neben Äpfeln oder Birnen.
- Tageszeit:
- Samen reifen im zweiten Standjahr (Pastinake ist zweijährig) ab Mitte Sommer. Dolden ernten, wenn die Samen hell-braun und trocken sind. Schnell keimfähig verlieren Pastinakensamen: Keimfähigkeit sinkt nach 12–15 Monaten deutlich. Frisch geerntete Samen für die nächste Saison bevorzugen. Handschuhe tragen — Samen und Pflanzenteile enthalten Furocumarine.
- Trocknung:
- Dolden an einem luftigen, trockenen und schattigen Ort nachtrocknen lassen bis die Samen sich leicht abschütteln lassen. Papier- oder Leinenbeutel verwenden (kein Plastik — Schimmel). Kühl und trocken lagern, Keimfähigkeit jährlich testen.
- Lagerung:
- 12 Monate
- Fructane (Inulin-Typ)PolysaccharidAnteil: 3-5 %Wurzel
Lösliche Ballaststoffe, die im Dünndarm nicht resorbiert werden. Wirken präbiotisch: Substrat für Bifidobakterien und Laktobazillen im Dickdarm. Durch Frost wird ein Teil der Fructane zu freier Fructose und Saccharose hydrolysiert — daher sind Winterpastinaken süßer als Herbstpastinaken.
- Bergapten (5-Methoxypsoralen)SonstigeAnteil: Spuren–0,05 % (frische Wurzel)Wurzel
Eines der Haupt-Furocumarine der Pastinake. Bergapten interkaliert mit DNA-Doppelstrang unter UV-A-Einwirkung (Photoaddition) — Grundlage der PUVA-Therapie bei Psoriasis und Vitiligo, aber auch Ursache phototoxischer Hautreaktionen bei unkontrolliertem Hautkontakt. Konzentration in Blättern und Stängeln deutlich höher als in der Wurzel.
- Xanthotoxin (8-Methoxypsoralen)SonstigeAnteil: Spuren–0,03 % (frische Wurzel)Wurzel
Weiteres Furocoumarin mit phototoxischem Potential. Xanthotoxin ist pharmazeutisch als Methoxsalen bekannt und in der Dermatologie (PUVA) eingesetzt. In der frischen Pastinakenpflanze (v. a. Blättern) als Phytoalexin nach mechanischer Verletzung oder Pilzbefall erhöht.
- FalcarinolSonstigeAnteil: ca. 0,002–0,005 %Wurzel
Polyacetylen-Verbindung (Dien-Diol), die auch in Karotten und anderen Apiaceae vorkommt. Präklinische Studien zeigen antifungale, antiinflammatorische und potentiell antiproliferative Eigenschaften. Falcarindiol ist die Begleitsubstanz. Klinische Evidenz beim Menschen fehlt.
- KaliumMineralstoffAnteil: ca. 523 mg/100 gWurzel
Die Pastinake enthält mehr Kalium als die Karotte (ca. 320 mg/100 g) und ist damit eine wertvolle Kaliumquelle in der europäischen Gemüseernährung. Kalium ist essenziell für Herzrhythmus, Muskelkontraktion und Blutdruckregulation.
- Folsäure (Vitamin B9)VitaminAnteil: ca. 59 µg/100 gWurzel
Mit ca. 59 µg/100 g ist die Pastinake eine der besseren Folsäure-Quellen unter den Wurzelgemüsen (Karotte: ca. 19 µg/100 g). Folsäure ist essenziell für DNA-Synthese und Zellteilung; besonders wichtig in der Frühschwangerschaft zur Prävention von Neuralrohrdefekten.
- Ascorbinsäure (Vitamin C)VitaminAnteil: ca. 17–18 mg/100 gWurzel
Höherer Vitamin-C-Gehalt als Karotten (ca. 6 mg/100 g). Antioxidativ wirksam; unterstützt Immunfunktion und Kollagensynthese. Hitzeempfindlich: Dämpfen erhält mehr Vitamin C als Kochen in Wasser.
- Ätherisches Öl (Myristicin, Terpene)Ätherisches ÖlAnteil: 0,05–0,3 % (Samen > Wurzel)Samen
Die Samen der Pastinake enthalten mehr ätherisches Öl als die Wurzel. Hauptkomponente ist Myristicin (auch in Muskat). Die Wurzel enthält geringe Mengen — verantwortlich für den charakteristischen würzigen Geruch. Myristicin wirkt in hohen Dosen psychoaktiv und hepatotoxisch; im Nahrungsmittel-Bereich kein Risiko.
- [3]MonographiePlants For A Future (PFAF) — Pastinaca sativa database entry(abgerufen: 2026-05-22)
- [4]MonographieZentrum der Gesundheit — Pastinaken: Nährwerte und Gesundheit(abgerufen: 2026-05-22)
- [5]MonographieWild parsnip (Pastinaca sativa)-induced photosensitization — PubMed (PMID 31173794)(abgerufen: 2026-05-22)
- [6]MonographieCliniTox Giftpflanzen — Pastinaca sativa L.s.l.: schwach giftig (+) (Institut für Veterinärpharmakologie und -toxikologie, Universität Zürich)(abgerufen: 2026-08-10)
- [1]WikipediaPastinak (Wikipedia DE)(abgerufen: 2026-05-22)
- [2]WikipediaParsnip (Wikipedia EN)(abgerufen: 2026-05-22)
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Quelle: Gertrud Franck, Gesunder Garten durch Mischkultur (1980, eigene Kuration) | Helga und Margarete Langerhorst, Mein gesunder Naturgarten (eigene Kuration)