© Köhler's Medizinal-Pflanzen (1887) · Public domain · Commons
Alant
VorsichtElecampane · (Inula helenium)
Korbblütler (Asteraceae)
Beschreibung
Der Echte Alant wird bis zu zwei Meter hoch und trägt große, gelbe Strahlenblüten mit auffällig schmalen Zungenblättern über breiten, unterseits filzig behaarten Blättern. Ursprünglich aus Zentralasien stammend, wurde er schon im Mittelalter in europäischen Klostergärten gezogen. Genutzt wird der im Herbst gegrabene, bitter-aromatische Wurzelstock. Er enthält 1 bis 4 Prozent Sesquiterpenlactone, vor allem Alantolacton und Isoalantolacton, dazu ätherisches Öl und mit 20 bis 44 Prozent außergewöhnlich viel Inulin — das Speicherkohlenhydrat trägt seinen Namen nach dieser Pflanze. Ein Wurzeldekokt gilt traditionell als schleimlösendes Mittel bei Husten und Bronchialkatarrh, ein Bittertee vor den Mahlzeiten als Verdauungshilfe. Zu beachten ist das Allergierisiko: Die Sesquiterpenlactone zählen zu den stärksten pflanzlichen Kontaktallergenen.
In der Schwangerschaft KONTRAINDIZIERT
Alantwurzel-Zubereitungen sind in der Schwangerschaft kontraindiziert. Sesquiterpenlactone und ätherisches Öl können uterusstimulierend wirken. Historisch in der Volksmedizin als Emmenagogum (menstruationsfördernd) und in hohen Dosen als Abortivum verwendet — niemals in der Schwangerschaft anwenden.
In der Stillzeit KONTRAINDIZIERT
Sicherheit in der Stillzeit nicht belegt. Sesquiterpenlactone können in die Muttermilch übergehen und beim Säugling allergische oder toxische Reaktionen verursachen. Anwendung in der Stillzeit daher kontraindiziert.
Bei Kindern KONTRAINDIZIERT
Alantwurzel-Zubereitungen sind für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren nicht geeignet — keine Sicherheitsdaten, hohes Allergiepotenzial der Sesquiterpenlactone, Risiko gastrointestinaler Nebenwirkungen. Äußerliche Anwendung (Umschläge) ebenfalls kontraindiziert wegen Kontaktsensibilisierungsrisiko.
Traditionelles Wurzeldekokt als Expektorans bei Husten und Bronchialkatarrh — klassische Anwendung in der europäischen Phytotherapie (ESCOP, Wichtl).
Anleitung & Dosierung
ABKOCHUNG (Dekokt): 1–2 g (ca. 1 TL) getrocknete, fein zerkleinerte Alantwurzel in 250 ml kaltem Wasser ansetzen, aufkochen und 10 Minuten bei schwacher Hitze köcheln lassen, dann abseihen. Täglich 2–3 Tassen frisch zubereitet, jeweils zu den Mahlzeiten oder danach (Bittertonika-Wirkung). Traditionelle Anwendung: schleimlösend und expektorierend bei akutem und chronischem Husten, festsitzendem Bronchialschleim und katarrhalischen Atemwegserkrankungen. Anwendungsdauer in der Regel 2–4 Wochen; bei anhaltenden Beschwerden oder Fieber ärztliche Abklärung. Wegen des hohen Inulingehalts schmeckt der Tee süßlich-bitter-aromatisch.
- Trockenmenge
- 1–2 g
- Anwendungen/Tag
- 3×
- Max. Anwendungsdauer
- 4 Wochen
Traditionelle Wurzeltinktur bei chronischen Atemwegsleiden und Verdauungsschwäche — stärkere Sesquiterpen-Extraktion als im Tee, erhöhtes Allergiepotenzial beachten.
Anleitung & Dosierung
TINKTUR (Droge-Auszug-Verhältnis 1:5 in 40–60 % Ethanol): 2–4 ml (~40–80 Tropfen) 3× täglich in etwas Wasser verdünnt vor oder zu den Mahlzeiten einnehmen. Traditionelle Anwendung bei chronischen Atemwegsbeschwerden, Bronchialkatarrh und als bitter-tonisches Verdauungsmittel. Der Ethanolgehalt bewirkt eine bessere Extraktion der Sesquiterpenlactone. Wegen Allergiepotenzial der Sesquiterpenlactone (Alantolacton) mit niedrigster effektiver Dosis beginnen und bei Hautreizungen, Schleimhautsymptomen oder Atembeschwerden sofort absetzen. Nicht bei Korbblütler-Allergie.
- Flüssigkeit
- 2–4 ml
- Anwendungen/Tag
- 3×
- Max. Anwendungsdauer
- 4 Wochen
Volksheilkundliche Inhalation mit Alantwurzeldampf bei chronischer Sinusitis und festsitzendem Bronchialschleim — bei Asthma und Überempfindlichkeit kontraindiziert.
Anleitung & Dosierung
INHALATION: 3–5 g getrocknete Alantwurzel in 1 Liter siedendem Wasser 5 Minuten ziehen lassen (kein weiteres Kochen). Kopf mit einem Handtuch über die Schüssel beugen, Augen schließen, 5–10 Minuten die Dämpfe einatmen. 1–2× täglich bei festsitzendem Bronchialschleim und chronischer Sinusitis. Vorsicht: Ätherisches Öl des Alants enthält Alantocampher — bei Asthma bronchiale oder Überempfindlichkeit kann Inhalation Bronchospasmen auslösen. Bei Atemnot oder Hustenreiz während der Inhalation sofort abbrechen. Nicht empfohlen für Kinder unter 12 Jahren (Mentholregeln analog anwenden).
- Trockenmenge
- 3–5 g
- Anwendungen/Tag
- 2×
- Max. Anwendungsdauer
- 2 Wochen
Bitter-choleretischer Tee vor den Mahlzeiten bei Dyspepsie, Blähungen und träger Gallenblase — klassische Bitterstoff-Anwendung in der Volksmedizin.
Anleitung & Dosierung
BITTERTONIKUM-TEE: 1–1,5 g getrocknete, zerkleinerte Alantwurzel in 200 ml kaltem Wasser ansetzen, aufkochen und 10 Minuten köcheln lassen, abseihen. 1 Tasse (ungesüßt) 20–30 Minuten VOR den Mahlzeiten langsam trinken, damit die Bitterstoffe die Gallenproduktion und Magensaftsekretion ankurbeln. Volksheilkundlich bei Verdauungsschwäche (Dyspepsie), Völlegefühl, Blähungen, träger Gallenblase und Appetitmangel angewendet. Helienalin und Bitterstoffe aus dem Inulingerüst wirken choleretisch (gallentreibend) und mild krampflösend auf die glatte Muskulatur des Verdauungstrakts.
- Trockenmenge
- 1–1.5 g
- Anwendungen/Tag
- 2×
- Max. Anwendungsdauer
- 3 Wochen
Volksheilkundlicher Magenbitter und Aperitif — historische Alant-Tinktur als Vorläufer der Kräuterliköre Mitteleuropas.
Anleitung & Dosierung
MAGENBITTER / APERITIF-TINKTUR: 1–2 ml Alanttinktur (1:5 in 45 % Ethanol) in 100 ml Wasser oder Kräuterlikör eingerührt, 15–30 Minuten vor den Mahlzeiten trinken. Volksmedizinischer Einsatz als Magenbitter, Aperitif und zur Anregung der Gallensaftsekretion. Alant ist historisch eine der Leitpflanzen europäischer Kräuterliköre (Vorläufer des Chartreuse-Typus). Wegen Sesquiterpenlacton-Allergenität niedrig dosieren. Nicht bei Überempfindlichkeit gegen Korbblütler.
- Flüssigkeit
- 1–2 ml
- Anwendungen/Tag
- 2×
- Max. Anwendungsdauer
- 3 Wochen
Äußerlicher Wurzelumschlag bei Gelenkentzündungen, schlecht heilenden Wunden und Hautinfektionen — hohes Kontaktallergiepotenzial der Sesquiterpenlactone beachten.
Anleitung & Dosierung
UMSCHLAG (extern): 10 g getrocknete Alantwurzel in 500 ml Wasser 15 Minuten abkochen, abseihen, auf handwarm abkühlen. Ein sauberes Leinentuch in die Flüssigkeit tauchen, leicht ausdrücken und auf betroffene Stellen (Gelenke, schlecht heilende Wunden, Furunkel, Krätze) legen. 15–20 Minuten einwirken lassen, 2–3× täglich. Volksheilkundlich bei entzündeten Gelenken (leichte Arthritis), schlecht heilenden Wunden und Hautinfektionen eingesetzt. WARNUNG: Sesquiterpenlactone können bei Dauerkontakt starke Kontaktallergie und Sensibilisierung auslösen — vor längerer äußerlicher Anwendung Epicutantest durchführen. Bei Rötung, Blasenbildung oder Juckreiz sofort abbrechen.
Historische Küchenanwendung: Alantwurzel als Gewürz für Kräuterliköre, kandiertes Hustenmittel und präbiotisches Gemüse in kleinen Mengen.
Anleitung & Dosierung
KÜCHE / LIKÖR: Frische oder getrocknete Alantwurzel wird in der traditionellen Likörherstellung (Alantlikör, Ratafiat d'Aunée in Frankreich) eingesetzt — Wurzelscheiben mit Zucker und Weinbrand 4–6 Wochen ansetzen, filtrieren. Historisch auch kandiert ('Elfwort candy' in England, 'Aulnée sucrée' in Frankreich) als Hustenbonbon und Verdauungshilfe nach dem Essen. Getrocknete Wurzel in kleinen Mengen als bitter-aromatisches Gewürz für Kräuterbitter, Vermouth und Aperitif-Spirituosen. Inulins (Fructooligosaccharide) machen Alantwurzel zu einem traditionellen präbiotischen Lebensmittel — in kleinen Mengen als Gemüse gekocht (z. B. in Japan als Gobō-Ersatz) essbar, in größeren Mengen wegen fermentativer Blähwirkung im Darm zu meiden.
Mittelalterliche Volkstradition: Alant-Mischkräutertee bei Erkältungen und fieberhaften Infekten — in vitro antimikrobielle Eigenschaften, keine klinischen Belege.
Anleitung & Dosierung
MISCH-ERKÄLTUNGSTEE: Alantwurzel (1–2 g) gemeinsam mit Thymian oder Spitzwegerich zu einem Erkältungs- und Fieberinfus abkochen (10 Minuten köcheln, abseihen). 3× täglich warm trinken bei Erkältungen, Grippe-ähnlichen Infekten und fieberhaften Atemwegserkrankungen. Volkstradition in Mittel- und Westeuropa — Alant galt als 'Allheilmittel' (Panazee) im Mittelalter (vgl. Hildegard von Bingen, Physica ca. 1150 n. Chr.). Antibakterielles Potenzial des Alantolactons in vitro beschrieben (inkl. gegen Mycobacterium tuberculosis), jedoch keine klinischen Humanstudien — traditionelle Evidenz. Nicht als Ersatz für ärztliche Behandlung bei schweren Infektionen.
- Trockenmenge
- 1–2 g
- Anwendungen/Tag
- 3×
- Max. Anwendungsdauer
- 2 Wochen
WICHTIG — KONTAKTALLERGIE-RISIKO: Die Sesquiterpenlactone des Alants (Alantolacton, Isoalantolacton, Dihydroisoalantolacton) gehören zu den stärksten pflanzlichen Kontaktallergenen der Korbblütler-Familie (Asteraceae). Schon kurzer Hautkontakt mit frischem Wurzelsaft oder Pflanzenmaterial kann bei sensibilisierten Personen schwere allergische Kontaktdermatitis auslösen. Einnahme: Bei Asteraceae-Allergie (Beifuß, Kamille, Arnika, Sonnenhut) ist auch eine innere Anwendung zu meiden — kreuzallergische Reaktionen möglich. Erste Anwendung immer mit niedrigster Dosis; bei Hautreizungen, Juckreiz, Schwellungen, Atembeschwerden oder Magen-Darm-Beschwerden SOFORT absetzen und ärztliche Hilfe aufsuchen. Kommission E hat Alant wegen unzureichendem Nutzen-Risiko-Verhältnis NICHT positiv bewertet (Negativmonographie). Kein EMA-Monograph vorhanden. Keine Langzeitanwendung ohne ärztliche Begleitung.
Alantwurzel-Zubereitungen sind in der Schwangerschaft kontraindiziert. Sesquiterpenlactone und ätherisches Öl können uterusstimulierend wirken. Historisch in der Volksmedizin als Emmenagogum (menstruationsfördernd) und in hohen Dosen als Abortivum verwendet — niemals in der Schwangerschaft anwenden.
Sicherheit in der Stillzeit nicht belegt. Sesquiterpenlactone können in die Muttermilch übergehen und beim Säugling allergische oder toxische Reaktionen verursachen. Anwendung in der Stillzeit daher kontraindiziert.
Alantwurzel-Zubereitungen sind für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren nicht geeignet — keine Sicherheitsdaten, hohes Allergiepotenzial der Sesquiterpenlactone, Risiko gastrointestinaler Nebenwirkungen. Äußerliche Anwendung (Umschläge) ebenfalls kontraindiziert wegen Kontaktsensibilisierungsrisiko.
Wechselwirkungen
Antidiabetika und Insulin
Inulin (bis zu 44 % in der Trockenwurzel) ist ein prebiotisches Fructooligosaccharid mit nachgewiesener blutzuckersenkender Wirkung bei regelmäßiger Einnahme. In Kombination mit Antidiabetika oder Insulin additiv blutzuckersenkend — Risiko von Hypoglykämien. Blutzucker regelmäßig kontrollieren; ggf. Dosisanpassung durch den Arzt.
Hepatotoxische Arzneimittel (z. B. Paracetamol, Isoniazid, Statine, Methotrexat)
Hohe Dosen von Alantwurzel-Zubereitungen können bei Überdosierung hepatotoxisch wirken (Sesquiterpenlactone). Kombination mit anderen potenziell lebertoxischen Substanzen erhöht das Risiko einer Leberschädigung. Leber- und Nierenwerte überwachen bei gleichzeitiger Langzeitanwendung.
Sedativa und Hypnotika (Benzodiazepine, Z-Substanzen, Barbiturate)
Alant besitzt in der Volksmedizin leicht sedierende Eigenschaften. Eine potenzielle additive Wirkungsverstärkung mit Sedativa ist theoretisch möglich — Vorsicht bei gleichzeitiger Anwendung. Klinische Daten fehlen; Evidenz nur aus traditioneller Nutzung.
Kontraindikationen
- Allergie gegen Alant (Inula helenium) oder andere Korbblütler (Asteraceae/Compositae), insbesondere Arnika, Kamille, Beifuß, Sonnenhut oder Ringelblume.
- Schwangerschaft und Stillzeit (alle Zubereitungen, intern und extern).
- Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren.
- Schwere Leber- oder Gallenerkrankungen (Gallensteine, akute Cholezystitis) — choleretische Wirkung kann Koliken auslösen.
- Bekannte Überempfindlichkeit gegen Sesquiterpenlactone (Alantolacton-Typ) — auch bei Erstanwendung Hauttestung empfohlen.
Erntet wird: Wurzelstock (Herbst)
- Tageszeit:
- Trockene Herbsttage (Oktober bevorzugt) — Inulingehalt ist im Herbst nach dem Blüten am höchsten (bis 44 % in der Trockenwurzel). Morgens nach Abtrocknen des Taus ernten. Zweijährige oder ältere Pflanzen bevorzugen — im ersten Jahr ist der Wurzelstock noch zu klein und inulinarm.
- Trocknung:
- Wurzelstock ausgraben (Grabegabel, tief einstechen — Pfahlwurzel kann >50 cm tief reichen), Erde abschütteln und mit Bürste säubern, grobe Seitenwurzeln trennen. Wurzel in 0,5–1 cm dicke Scheiben oder Längsstreifen schneiden (frisch leichter zu schneiden als getrocknet). Einlagig auf Gitter oder Siebe legen, Dörrgerät bei 40–50 °C oder Backofen bei leicht geöffneter Tür 8–12 Stunden trocknen, bis die Scheiben beim Biegen brechen. Alternativ: Streifen bündeln und luftig aufhängen (nur bei sehr trockenem Herbstwetter, Schimmelgefahr). Ätherisches Öl verflüchtigt sich bei >60 °C — Trocknungstemperatur einhalten. WICHTIG: Beim Schneiden und Trocknen Handschuhe und Atemschutz tragen — frischer Wurzelsaft enthält hochkonzentrierte Sesquiterpenlactone und kann bereits bei Erstkontakt Sensibilisierung auslösen.
- Lagerung:
- 24 Monate — Luftdicht in dunklen Glas- oder Keramikgefäßen, trocken, kühl (<20 °C) und lichtgeschützt. Gut getrocknete Droge hält 2 Jahre — Inulingehalt bleibt stabil, ätherisches Öl nimmt leicht ab. Bei Feuchtigkeitsaufnahme (Verklumpen) oder muffigem Geruch entsorgen. Getrennt von anderen Drogen aufbewahren wegen Geruchabgabe.
- Tageszeit:
- Sonnige Vormittage im Hochsommer (Juli–August) — frisch aufgeblühte Blütenköpfe ernten, wenn die Strahlenblüten vollständig geöffnet sind. Sammelfenster kurz (jede Pflanze blüht nur 1–2 Wochen). Blüten werden volksmedizinisch weniger als Droge eingesetzt als die Wurzel — gelegentlich als Teebeimischung.
- Trocknung:
- Blütenköpfe direkt nach der Ernte einlagig auf Gitter ausbreiten und rasch bei 30–35 °C im Schatten trocknen (keine direkte Sonne — Chlorophyll und Flavonoide bleiben besser erhalten). Oder in Dörrgerät bei max. 35 °C. Sehr feuchtigkeitsempfindlich — Schimmelgefahr bei >50 % relativer Luftfeuchtigkeit. Pollenallergen: Wer auf Korbblütlerpollen allergisch reagiert, sollte auch getrocknete Blüten mit Schutzhandschuhen handhaben. Getrocknete Blüten können Teedrogen beigemischt werden (Erkältungstees, Hustenmischungen).
- Lagerung:
- 12 Monate — Luftdicht in dunklen Gläsern oder Pergaminbeuteln, kühl und trocken. Innerhalb 1 Jahr aufbrauchen — Pollengehalt und Flavonoide nehmen nach 12 Monaten deutlich ab. Bei Verfärbung oder muffigem Geruch entsorgen.
- Alantolacton und Isoalantolacton (Sesquiterpenlactone, Eudesmanolid-Typ)SesquiterpenAnteil: 1-4 %Wurzel
Leitsubstanzen des Echten Alants. Alantolacton und Isoalantolacton sind bicyclische Eudesmanolide mit starkem Kontaktallergiepotenzial — gehören zu den häufigsten Ursachen phytogener Kontaktdermatitis bei Gärtnern und Heilpflanzenpraktikern. In vitro antimikrobiell (u. a. gegen Mycobacterium tuberculosis und Staphylococcus aureus), antifungal und in Tierversuchen anthelmintisch (Wurmmittel). Klinisch keine ausreichenden Humanstudien.
- Inulin (Fructooligosaccharide, DP 2–60)PolysaccharidAnteil: 20-44 %Wurzel
Mengenhauptkomponente der Wurzel — bis zu 44 % in der getrockneten Herbstwurzel. Wasserlösliches Fructan (β-2,1-glycosidisch verknüpfte Fructose-Ketten). Nicht resorbierbar im Dünndarm, wird im Dickdarm von Bifidobacterien fermentiert (prebiotischer Effekt). Verantwortlich für den süßlichen Geschmack und leichten Karamellton des Dekokts (Bildung von Fructose und HMF beim Erhitzen). Forschungsobjekt als Diabetiker-Zuckerersatz und Nahrungsergänzung.
- Ätherisches Öl (Alantcampher / Alantol, Azulen-Precursoren)Ätherisches ÖlAnteil: 1-3 %Wurzel
Komplex aus bicyclischen Sesquiterpenen und Sesquiterpenalkohole (Alantol, Dihydroisoalantolacton, Eugenol-Spuren). Das charakteristisch süß-würzig-campherartige Aroma stammt aus diesen flüchtigen Bestandteilen. Antimikrobielle Eigenschaften in vitro; bei der Wasserdampfdestillation der Wurzel entsteht Azulen (blau, antiinflammatorisch) als Abbauprodukt. Basis des historischen Parfüm-Inhaltsstoffs 'Alantcampher' in der Riechmittelindustrie.
- Helenin (Gemisch von Alantolacton + Isoalantolacton, historische Bezeichnung)SesquiterpenAnteil: 1-4 %Wurzel
Historisch-pharmakognostischer Begriff für das rohe Sesquiterpen-Lacton-Gemisch aus Alantwurzel, wie es im 19. und frühen 20. Jahrhundert als Anthelmintikum (Wurmmittel) isoliert und eingesetzt wurde. Entspricht heute dem analytisch getrennten Alantolacton/Isoalantolacton-Paar. Wegen starker Allergenität und toxischer Wirkung bei Überdosierung aus dem medizinischen Gebrauch weitgehend verschwunden.
- Phenolcarbonsäuren (Kaffeesäure, Chlorogensäure, Hydroxyzimtsäure-Derivate)PhenolsäureAnteil: 0.5-1.5 %Wurzel
Antioxidative Begleitstoffe der Alantwurzel. Kaffeesäure-Derivate hemmen in vitro die Lipoxygenase (antiinflammatorischer Beitrag). Chlorogensäure ist ein bekannter Hemmer der Glucose-6-Phosphatase und trägt zur blutzuckersenkenden Gesamtwirkung des Inulin-Kaffeesäure-Komplexes bei. Sinken nach der Trocknung und Lagerung der Droge ab.
- Triterpene und Phytosterole (β-Sitosterol, Stigmasterol, Dammarandiol)SonstigeAnteil: 0.5-1 %Wurzel
β-Sitosterol und Stigmasterol sind ubiquitäre Phytosterole mit mild antiinflammatorischen und immunmodulierenden Eigenschaften. Dammarandiol ist ein tetracyclisches Triterpen; seine Funktion in Inula helenium ist wenig erforscht. Beitragen zur Gesamtmatrix des Vollextrakts ohne dominierende pharmakologische Einzelwirkung.
- Bitterstofffe / Bittersäuren (nicht-lacton-gebundene Terpenbitterstoffe)BitterstoffAnteil: 0.3-1 %Wurzel
Bitter-aromatische Terpenverbindungen ohne abgeschlossene Lactonstruktur, verantwortlich für die choleretische und appetitanregende Wirkung in der volksheilkundlichen Anwendung als Bittertonikum (Amarum aromaticum). Wirken auf TAS2R-Bittergeschmacksrezeptoren und stimulieren reflektorisch Gallen- und Magensaftsekretion.
- Schleimpolysaccharide (saure Heteroglykane, nicht-Inulin-Fraktion)SchleimstoffAnteil: 1-3 %Wurzel
Begleitende Schleimfraktion der Alantwurzel — heterogene saure Polysaccharide (Arabinogalaktane, Pektinstoffe). Wirken mild reizlindernd auf Schleimhäute des Atemwegs- und Verdauungstrakts und ergänzen die schleimlösende Sesquiterpen-Wirkung. Gehen ins Wasserdekokt über, werden durch Ethanol in Tinkturen weniger gut extrahiert.
- [1]MonographieESCOP Monographs — Inulae radix (Elecampane Root), 2nd edition 2003 / Supplement 2009(abgerufen: 2026-05-21)
- [5]MonographiePlants For A Future (PFAF) — Inula helenium database entry(abgerufen: 2026-05-21)
- [2]BuchWichtl, Max (Hrsg.) — Teedrogen und Phytopharmaka: Ein Handbuch für die Praxis auf wissenschaftlicher Grundlage, 5. Aufl. 2009, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart — Inulae radix (S. 313–316)(abgerufen: 2026-05-21)
- [3]BuchHänsel, Rudolf; Sticher, Otto — Pharmakognosie – Phytopharmazie, 9. Aufl. 2010, Springer Medizin — Abschnitt Inula helenium / Sesquiterpenlactone (S. 885–888)(abgerufen: 2026-05-21)
- [4]BuchMadaus, Gerhard — Lehrbuch der biologischen Heilmittel, Band I: Inula helenium (Echter Alant), 1938, Leipzig (Public Domain)(abgerufen: 2026-05-21)
- [6]WikipediaEchter Alant (Wikipedia DE)(abgerufen: 2026-05-21)
- [7]WikipediaInula helenium — Elecampane (Wikipedia EN)(abgerufen: 2026-05-21)
Klassische Zitate
"Wer ein schwaches Lungenleiden hat, der koche Alantwurzel in reinem Wein und trinke ihn warm."