© Höyhens · CC BY-SA 3.0 · Commons
Schiefer Schillerporling (Chaga)
VorsichtChaga · (Inonotus obliquus)
Borstenscheiblingsverwandte (Hymenochaetaceae)
Beschreibung
Auf Birkenstämmen bildet der Schiefe Schillerporling eine schwarze, rissige, an verbrannte Kohle erinnernde Wucherung – das Sklerotium, das von Oktober bis April geerntet wird und zur Verwandtschaft der Borstenscheiblinge gehört. Es enthält Beta-Glucane, Betulin beziehungsweise Betulinsäure (aus der Birkenrinde aufgenommen), Inotodiol, dunkles Melanin, Polyphenole und Phytosterole wie Ergosterol. In sibirischer und nordeuropäischer Volksheilkunde wird das zerkleinerte Sklerotium zu Tee oder Tinktur verarbeitet und als allgemeines Stärkungsmittel bei Verdauungsbeschwerden sowie zur Unterstützung des Immunsystems überliefert; eine unbelegte volkstümliche Anwendung betrifft auch Krebserkrankungen. Auffällig ist der sehr hohe Oxalatgehalt des Sklerotiums: Chronischer Konsum kann die Nieren belasten, weshalb bei Nierenerkrankungen oder Nierensteinen Zurückhaltung geboten ist. Mögliche Wechselwirkungen bestehen mit Gerinnungshemmern und blutzuckersenkenden Medikamenten; in Schwangerschaft und Stillzeit wird von der Anwendung abgeraten.
Traditionell wird die zerkleinerte schwarze Knolle als langes Dekokt (Tee) aufgekocht und in der russischen und sibirischen Volksmedizin als Magen-Darm-Mittel und allgemeines Stärkungsmittel getrunken.
In der russischen Volksmedizin seit dem 15. Jahrhundert volkstümlich gegen Krebs eingesetzt; eine Heilwirkung beim Menschen ist wissenschaftlich nicht belegt.
Alkoholische Auszüge (Tinkturen) und Doppelextrakte werden als Nahrungsergänzung verwendet, um sowohl wasser- als auch alkohollösliche Bestandteile (Triterpene, Polyphenole) zu erfassen.
Getrocknetes, gemahlenes Sklerotium wird als Pulver oder in Kapseln als Nahrungsergänzungsmittel angeboten; die Qualität schwankt stark wegen uneinheitlicher Verarbeitung.
Quellen: [1]
Chaga enthält sehr hohe Mengen an Oxalaten (ca. 2.800-11.200 mg/100 g); chronischer Konsum kann zu Nierenschäden (Oxalat-Nephropathie) führen - bei Nierenerkrankungen oder Nierensteinen meiden. Mögliche Wechselwirkung mit Gerinnungshemmern (z.B. Warfarin) und Blutzucker-senkenden Medikamenten. Eine belegte Heilwirkung beim Menschen fehlt; nicht als Ersatz für ärztliche Behandlung verwenden. In Schwangerschaft/Stillzeit meiden.
Es gibt keine Untersuchungen an Schwangeren. Angesichts der sehr hohen Oxalatmenge und der beschriebenen Nierenschäden ist Chaga in der Schwangerschaft nicht angebracht.
Keine Daten zu Übergang in die Muttermilch. Ohne solche Daten und bei der bekannten Nierenbelastung ist von der Anwendung abzuraten.
Nicht untersucht. Die Oxalatmenge ist bezogen auf das Körpergewicht bei Kindern noch bedeutsamer als bei Erwachsenen.
Wechselwirkungen
Gerinnungshemmer und Thrombozytenhemmer
Chaga-Extrakt hemmte im Tiermodell die Blutplättchen-Verklumpung. Ein zusätzlicher Effekt zu gerinnungshemmenden Medikamenten ist denkbar; die klinische Bedeutung ist nicht bekannt.
Blutzuckersenkende Mittel (Antidiabetika)
Im Laborversuch senkte Chaga den Blutzucker zusätzlich zu blutzuckersenkenden Wirkstoffen. Ob das im Menschen zutrifft, ist offen — bei Diabetesbehandlung den Blutzucker im Auge behalten.
Erntet wird: Sklerotium (Knolle)
- Tageszeit:
- Geerntet wird im Winter an lebenden Birken, wenn der Saft steht. Der schwarze Auswuchs wird nicht vollständig abgetragen — ein Rest bleibt am Baum, damit er nachwachsen kann, und die Rinde darunter darf nicht verletzt werden. Chaga wächst über Jahre; ein sauber abgeernteter Stamm trägt frühestens nach einem Jahrzehnt wieder. Auf fremdem Grund ist die Ernte ohne Erlaubnis des Waldbesitzers nicht zulässig.
- Trocknung:
- Noch feucht in walnussgroße Stücke schlagen — durchgetrocknet ist das Sklerotium so hart, dass es kaum zu zerkleinern ist. Danach bei höchstens 50 Grad oder luftig im Warmen trocknen, bis es bricht statt sich zu biegen.
- Lagerung:
- 24 Monate — Trocken, luftig und dunkel. Nicht luftdicht verpacken, solange noch Restfeuchte im Kern sitzt — dann schimmelt es von innen.
- Beta-Glucans (polysaccharides)Polysaccharid
Wasserlösliche Beta-D-Glucane (bis ca. 35 % im Reinextrakt), immunmodulierend und entzündungshemmend in Laborstudien.
- Betulin / Betulinic acidSonstige
Aus der Birke aufgenommene Triterpene mit proapoptotischen Effekten in Laborversuchen.
- InotodiolSonstige
Lanosteroid-Triterpen, untersucht auf zytotoxische und entzündungshemmende Wirkung.
- MelaninSonstige
Hoher Melaningehalt bedingt die schwarze Färbung des Sklerotiums; antioxidative Eigenschaften.
- Polyphenols / phenolic acidsPhenolsäure
Phenolische Verbindungen mit antioxidativen Eigenschaften.
- Phytosterols (ergosterol, lanosterol)Sonstige
Sterole als sekundäre Inhaltsstoffe.
- OxalatesSonstige
Sehr hohe Konzentrationen - sicherheitsrelevant (Nieren).
- [3]MonographieTherapeutic properties of Inonotus obliquus (Chaga mushroom): A review (PMC11132974)(abgerufen: 2026-05-31)
- [5]MonographieChaga Mushroom — About Herbs, Memorial Sloan Kettering Cancer Center(abgerufen: 2026-08-22)
- [1]WikipediaInonotus obliquus — Wikipedia (English)(abgerufen: 2026-05-31)
- [2]WikipediaSchiefer Schillerporling — Wikipedia (Deutsch)(abgerufen: 2026-05-31)
- [4]CommonsFile:Inonotus obliquus, Finland.jpg — Wikimedia Commons(abgerufen: 2026-05-31)