© Dinesh Valke · CC BY-SA 2.0 · Commons
Roselle (Hibiskus)
VorsichtRoselle · (Hibiscus sabdariffa)
Malvengewächse (Malvaceae)
Beschreibung
Die Roselle ist eine einjährige Malvenpflanze aus den Tropen, die ein bis drei Meter hoch wird. Was als „Hibiskusblüte" im Tee liegt, ist gar nicht die Blüte: Es sind die fleischigen, tiefroten Kelchblätter, die sich nach dem Abfallen der Blüte um die Fruchtkapsel schließen und dann geerntet werden. Ihre Farbe stammt von Anthocyanen, die Säure von Zitronen-, Apfel- und Hibiskussäure; dazu kommen Vitamin C und Schleimstoffe. Getrunken wird der Aufguss auf der ganzen Welt unter eigenen Namen — Karkade in Ägypten, Bissap in Westafrika, Agua de Jamaica in Mexiko —, heiß wie kalt. Im Handel wird die Ware oft als „Hibiskus" geführt, ohne die Art zu nennen; für den Tee ist Hibiscus sabdariffa gemeint, nicht der Zier-Hibiskus aus dem Blumentopf. In klinischen Studien zeigte der Aufguss eine leichte blutdrucksenkende Wirkung. Wer blutdrucksenkende Medikamente einnimmt, sollte das wissen, weil sich die Effekte addieren können.
In der Schwangerschaft KONTRAINDIZIERT
Nicht empfohlen. Tierversuche deuten auf ein mögliches Risiko hin, belastbare Daten am Menschen fehlen. Das betrifft den regelmäßigen Teekonsum ebenso wie Präparate.
Aus den getrockneten Kelchblättern wird traditionell ein säuerlicher, roter Tee zubereitet, der weltweit als Erfrischungsgetränk getrunken wird. Kalt angesetzt schmeckt er milder, weil sich weniger Gerbstoff löst.
Anleitung & Dosierung
Ein bis zwei Teelöffel getrocknete Kelchblätter mit 250 ml kochendem Wasser übergießen, fünf bis zehn Minuten ziehen lassen. Für kalten Ansatz dieselbe Menge über Nacht in kaltem Wasser stehen lassen.
- Anwendungen/Tag
- 3×
Quellen: [3]
Eine Zusammenfassung von 17 randomisierten Studien fand eine Senkung des systolischen (oberen) Blutdrucks um im Mittel 7,1 mmHg; beim unteren Wert und beim Blutzucker war der Unterschied nicht bedeutsam. Beim LDL-Cholesterin ergab sich ein kleiner Rückgang um 6,8 mg/dl. Verwendet wurden 15 mg bis 9 g täglich, als Kapsel oder als Tee, über 15 bis 90 Tage. Die Autoren nennen ein mittleres Verzerrungsrisiko, stark schwankende Präparate und zu kleine Studien — sie fordern längere und besser kontrollierte Untersuchungen. Der Tee ersetzt keine Behandlung.
Quellen: [1]
In heißen Ländern gilt der gekühlte Aufguss als Durstlöscher und wird traditionell wegen seines Vitamin-C-Gehalts geschätzt. Ein Teil des Vitamins geht beim Aufbrühen mit kochendem Wasser verloren — der Kaltansatz erhält mehr davon.
Quellen: [3]
Kann den Blutdruck senken und mit blutdrucksenkenden Medikamenten (z. B. ACE-Hemmern) zusammenwirken; Vorsicht auch bei Diabetes-Medikamenten, da der Blutzucker beeinflusst werden kann. In Schwangerschaft und Stillzeit nicht empfohlen, da die Sicherheit nicht belegt ist und Tierdaten auf ein mögliches Risiko hindeuten. Bei Medikation oder Erkrankung vor regelmäßigem Konsum ärztlich abklären. Der Aufguss ist deutlich sauer — bei häufigem Trinken über den Tag verteilt kann er den Zahnschmelz angreifen; mit Wasser nachspülen hilft.
Nicht empfohlen. Tierversuche deuten auf ein mögliches Risiko hin, belastbare Daten am Menschen fehlen. Das betrifft den regelmäßigen Teekonsum ebenso wie Präparate.
Es liegen keine belastbaren Daten zur Stillzeit vor. Ohne solche Daten ist von regelmäßigem Konsum abzuraten.
Als gelegentliches Getränk üblich. Wegen der blutdrucksenkenden Wirkung und der Säure ist täglicher Konsum in größeren Mengen bei kleinen Kindern nicht angebracht.
Wechselwirkungen
Blutdrucksenker (ACE-Hemmer, Diuretika, Sartane)
Hibiskus senkte in Studien den oberen Blutdruck um im Mittel 7 mmHg. Zusammen mit einer laufenden Behandlung können die Effekte sich addieren und der Druck zu weit fallen.
Blutzuckersenkende Mittel
Ein Einfluss auf den Blutzucker wird beschrieben, war in der Zusammenfassung der Studien aber nicht bedeutsam. Bei Diabetes-Behandlung trotzdem im Blick behalten.
Hydrochlorothiazid und Diclofenac
Für diese beiden Wirkstoffe wurde eine veränderte Ausscheidung bzw. Aufnahme unter Hibiskus beschrieben. Bei regelmäßigem Konsum ärztlich ansprechen.
Kontraindikationen
- Schwangerschaft und Stillzeit.
- Niedriger Blutdruck — der Aufguss kann ihn weiter senken.
Erntet wird: Kelchblätter
- Tageszeit:
- Etwa zwei bis drei Wochen nach der Blüte, wenn die Kelche prall und tiefrot sind, aber die Fruchtkapsel darin noch nicht aufgeplatzt ist. Später werden sie holzig.
- Trocknung:
- Kapsel herauslösen, die Kelchblätter im Schatten oder bei höchstens 40 °C trocknen. Sonne bleicht die Anthocyane aus — richtig getrocknete Ware ist dunkelrot, nicht bräunlich.
- Lagerung:
- 12 Monate — Luftdicht und dunkel. Die Kelche ziehen Feuchtigkeit an und verkleben dann; ein Trockenmittel im Glas hilft.
- Anthocyane (Delphinidin-/Cyanidin-Sambubioside)FlavonoidBlüte
Farbstoffe der Kelchblätter; empfindlich gegen Licht und lange Hitze.
- Organische Säuren (Zitronen-, Hibiskus-, Apfel-, Weinsäure)SonstigeBlüte
Machen etwa 15–30 % der Trockenmasse aus und geben dem Aufguss seine Säure.
- Vitamin CVitaminBlüte
- Schleimstoffe (Polysaccharide)SchleimstoffBlüte
- Polyphenole und GerbstoffeGerbstoffBlüte
- Mineralstoffe (Kalium, Calcium, Eisen)MineralstoffBlüte
- [1]MonographieEffects of Hibiscus sabdariffa on blood pressure and cardiometabolic markers: systematic review and meta-analysis (Nutrition Reviews 2022, PMC9086798)(abgerufen: 2026-08-20)
- [2]MonographieHibiscus Sabdariffa: Uses, Side Effects, Interactions (WebMD)(abgerufen: 2026-06-23)
- [3]MonographieEgyptian Herbal Monograph: Hibiscus sabdariffa L. (Egyptian Drug Authority)(abgerufen: 2026-06-23)
- [4]CommonsFile:Hibiscus sabdariffa (6309645399).jpg — Wikimedia Commons(abgerufen: 2026-06-23)