© EecherplazGinkgo06.jpg: Cayambe derivative work: Ginkgotree (talk) · CC BY-SA 3.0 · Commons
Ginkgo
Vorsicht🐾Ginkgo biloba · (Ginkgo biloba)
Ginkgogewächse (Ginkgoaceae)
Beschreibung
Die fächerförmigen, an der Spitze oft leicht eingekerbten Blätter gelten als botanisches Wahrzeichen des Ginkgo, eines lebenden Fossils, dessen Art seit über 200 Millionen Jahren nahezu unverändert existiert und heute weltweit als Stadtbaum gepflanzt wird. Genutzt werden die im Herbst gesammelten Blätter, die Flavonolglykoside, Ginkgolide und Bilobalid enthalten. Standardisierte Extrakte gelten laut EMA als gut untersucht zur Unterstützung von Konzentration und Gedächtnis sowie der Durchblutung im Alter; traditionell werden ähnliche Anwendungen auch bei Ohrensausen beschrieben. Ginkgoextrakte können die Blutgerinnung hemmen, weshalb vor Operationen und bei Einnahme von Gerinnungshemmern wie Warfarin oder ASS unbedingt der Arzt informiert werden sollte. Die fleischige Samenschale reifer Früchte enthält stark allergene Ginkgolsäuren und sollte nur mit Handschuhen berührt werden; die Samen selbst enthalten das neurotoxische Ginkgotoxin und dürfen bei Kindern, in der Schwangerschaft und bei Epilepsie nicht verzehrt werden.
In der Schwangerschaft KONTRAINDIZIERT
Ginkgo-Blattextrakte in der Schwangerschaft kontraindiziert: Antikoagulanzieneffekt erhöht Blutungsrisiko sub partu; Ginkgotoxin aus Samen könnte teratogen wirken. EMA und ESCOP empfehlen strikte Meidung therapeutischer Dosen in Schwangerschaft. Gelegenheitlicher Genuss kleiner Mengen gekochter Nüsse in der japanischen/chinesischen Küche wird teils toleriert, ist aber bei Schwangerschaft nicht empfohlen.
Bei Kindern KONTRAINDIZIERT
Standardisierte Ginkgo-Blattextrakte für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren nicht empfohlen (EMA) — keine Sicherheitsdaten. Ginkgosamen (Nüsse) bei Kindern strikt kontraindiziert: Ginkgotoxin verursacht bei Kindern besonders leicht Krampfanfälle (niedrigere Krampfschwelle, höhere relative Aufnahme pro kg KG). Vergiftungsfälle (teils tödlich) durch Massenverzehr von Ginkgonüssen bei japanischen und chinesischen Kindern beschrieben.
Kritische Wechselwirkungen mit:
Antikoagulanzien und Thrombozytenaggregationshemmer (Warfarin, Phenprocoumon, ASS, Clopidogrel, Heparin, NOAK) · Antiepileptika (Phenobarbital, Phenytoin, Carbamazepin, Valproat)
Standardisierter Trockenextrakt (EGb 761) zur Verbesserung kognitiver Funktion und Lebensqualität bei leichter Demenz — einzige Ginkgo-Zubereitung mit EMA-Well-Established-Use-Status.
Anleitung & Dosierung
STANDARDISIERTER TROCKENEXTRAKT (well-established use, EMA): Standardisierte Trockenextrakte aus Ginkgoblättern, z. B. EGb 761 (Tebonin) oder LI 1370, Droge-Extrakt-Verhältnis 35–67:1, Auszugsmittel Aceton 60 % V/V, standardisiert auf 22–27 % Flavonolglykoside und 5–7 % Terpenlaktone. Tagesdosis 120–240 mg Trockenextrakt, aufgeteilt auf 2–3 Einzeldosen zu den Mahlzeiten. Indikation laut EMA: Verbesserung der kognitiven Funktion sowie der Lebensqualität bei älteren Patienten mit leichter Demenz. Wirkungseintritt frühestens nach 4–6 Wochen Dauertherapie. NICHT ohne ärztliche Diagnose bei bestätigter Demenz anwenden — Ginkgo ersetzt keine Therapie neurodegenerativer Erkrankungen. Vor geplanten Operationen und bei Antikoagulanzientherapie Arzt informieren (Blutungsrisiko).
- Anwendungen/Tag
- 2×
- Max. Anwendungsdauer
- 24 Wochen
⚠ Altersbeschränkung: ≥ 18 Jahre — Laut EMA nur für Erwachsene — für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren keine ausreichenden Sicherheitsdaten.
Standardisierter Ginkgo-Trockenextrakt zur symptomatischen Behandlung der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (PAVK Fontaine II) — laut EMA-Monographie traditionelle Anwendung.
Anleitung & Dosierung
STANDARDISIERTER TROCKENEXTRAKT — periphere Durchblutung (EMA traditionelle Anwendung): Wie oben (EGb 761 / LI 1370), 120–160 mg täglich in 2 Einzeldosen. Indikation: symptomatische Behandlung der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (PAVK) Stadium II nach Fontaine (schmerzfreie Gehstrecke verlängern). Ergänzend zu Gehübungen (Laufbandtherapie). Ärztliche Diagnosestellung obligatorisch vor Selbstbehandlung. Wirkungseintritt nach 6–8 Wochen; Therapiedauer laut EMA bis zu 6 Monate beobachtet.
- Anwendungen/Tag
- 2×
- Max. Anwendungsdauer
- 12 Wochen
⚠ Altersbeschränkung: ≥ 18 Jahre — Laut EMA nur für Erwachsene.
Standardisierter Ginkgo-Extrakt bei altersassoziiertem Tinnitus und Schwindel vaskulärer Ursache — laut EMA-Monographie traditionelle Anwendung.
Anleitung & Dosierung
STANDARDISIERTER TROCKENEXTRAKT — Tinnitus / Schwindel (EMA traditionelle Anwendung): 120–160 mg täglich in 2 Einzeldosen (EGb 761). Indikation: symptomatische Behandlung von altersassoziiertem Tinnitus und Schwindel vaskulärer Ursache. Wirksamkeit am besten belegt bei vaskulär bedingten Beschwerden, weniger bei rein idiopathischem Tinnitus. Ärztliche Abklärung der Ursache vor Beginn. Kein Ersatz für spezifische HNO-Therapie. Bei plötzlichem Hörverlust oder Schlaganfall: sofortiger Notarztruf.
- Anwendungen/Tag
- 2×
- Max. Anwendungsdauer
- 16 Wochen
⚠ Altersbeschränkung: ≥ 18 Jahre — Nur Erwachsene (EMA).
Traditioneller Blattaufguss zur Unterstützung von Durchblutung und mentaler Frische — geringere Wirkstoffkonzentration als standardisierte Extrakte, EMA: traditional use.
Anleitung & Dosierung
AUFGUSS (traditionelle Anwendung): 2–3 g getrocknete, grob zerkleinerte Ginkgoblätter mit 200 ml siedendem Wasser übergiessen, zugedeckt 10 Minuten ziehen lassen, abseihen. 2× täglich zu den Mahlzeiten. WICHTIG: Ein einfacher Blattaufguss enthält zwar Flavonolglykoside und Ginkgolide, aber in deutlich geringerer und variabler Konzentration als standardisierte Extrakte — eine klinisch belegte Wirksamkeit wie bei EGb 761 ist für Teeaufgüsse nicht belegt. Teeform gilt als traditionelle Anwendung (EMA: traditional use) zur Unterstützung der Durchblutung und mentalen Frische bei vorübergehender Erschöpfung. Anwendung über 8 Wochen ohne Besserung: ärztliche Abklärung.
- Trockenmenge
- 2–3 g
- Anwendungen/Tag
- 2×
- Max. Anwendungsdauer
- 8 Wochen
⚠ Altersbeschränkung: ≥ 18 Jahre — Nur Erwachsene — keine Sicherheitsdaten für Kinder.
Essbare Samen (Ginkgonüsse) — ausschliesslich gegart, max. 5–10 Nüsse/Tag für Erwachsene; rohe Samen und Samenschale giftig/allergisierend (Ginkgotoxin, Ginkgolsäuren).
Anleitung & Dosierung
GINKGONÜSSE (Samen, gegart): Die fleischige Samenschale (Sarkotesta) wird abgelöst — Vorsicht: Enthält Ginkgolsäuren und kann bei Hautkontakt starke Kontaktallergien (ähnlich Giftefeu) auslösen, Handschuhe tragen. Den harten Steinkern (eigentliche 'Nuss') aushöhlen oder mit Schale weich kochen (10–15 Min.). In der japanischen und chinesischen Küche traditionell in Gerichten wie Chawanmushi (Eierstich), Congee oder als Beilage zu Sushi/Sashimi verwendet, kurz in der Pfanne geröstet, oder auf dem Grill in der Schale. Rohe Samen enthalten 4'-O-Methylpyridoxin (MPN, 'Ginkgotoxin') — in größeren Mengen neurotoxisch (Krampfanfälle möglich). MAXIMALDOSIS für Erwachsene: nicht mehr als 5–10 gekochte Nüsse pro Tag. Kinder, Schwangere und Personen mit Epilepsie oder Vitamin-B6-Mangel: KEINE Ginkgonüsse.
Volksheilkundliche Ginkgotinktur bei geistiger Erschöpfung und Konzentrationsschwäche — kein standardisierter Extrakt, geringerer Evidenzgrad als EGb 761.
Anleitung & Dosierung
VOLKSHEILKUNDLICHE GINKGOTINKTUR (1:5 in 50–60 % Ethanol): 1–2 ml (~20–40 Tropfen) 3× täglich in etwas Wasser oder Saft. Volksheilkundliche Anwendung bei geistiger Erschöpfung, Konzentrationsschwäche und allgemeiner Kreislaufschwäche. Nicht mit standardisierten Extrakten gleichzusetzen — kein definierter Standardgehalt an Flavonolglykosiden. Nicht bei gleichzeitiger Einnahme von Antikoagulanzien oder Thrombozytenaggregationshemmern ohne ärztliche Rücksprache. Keinesfalls bei Kindern anwenden. Wegen Ethanolgehalt nicht bei Alkoholerkrankung, Lebererkrankung oder Epilepsie.
- Flüssigkeit
- 1–2 ml
- Anwendungen/Tag
- 3×
- Max. Anwendungsdauer
- 8 Wochen
TCM-inspirierter Blattaufguss bei Atemwegsbeschwerden und Husten — begrenzte westliche Evidenz; bitte keine verschriebenen Asthmamedikamente eigenmächtig absetzen.
Anleitung & Dosierung
VOLKSMEDIZINISCHER ATEMWEGSAUFGUSS: 1–2 g getrocknete Ginkgoblätter mit 200 ml heissem Wasser übergiessen, 8 Minuten ziehen lassen, abseihen. 2× täglich. In der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) werden Ginkgoblätter und -samen bei Asthma, chronischem Husten und Keuchhusten eingesetzt — die Terpenlaktone (insbesondere Bilobalid) sollen bronchodilatatorisch und entzündungshemmend wirken. Klinische Belege für diese Indikation in der westlichen Phytotherapie sind begrenzt. Nicht als Ersatz für verschriebene Asthma-Medikamente anwenden.
- Trockenmenge
- 1–2 g
- Anwendungen/Tag
- 2×
- Max. Anwendungsdauer
- 4 Wochen
WICHTIG: Ginkgo-Blattextrakte (v. a. EGb 761) können die Blutgerinnung hemmen und das Blutungsrisiko erhöhen — vor Operationen, zahnärztlichen Eingriffen und bei jeder Antikoagulations- oder Thrombozytenaggregationshemmer-Therapie (Warfarin, Phenprocoumon, ASS, Clopidogrel, Heparin) unbedingt den Arzt informieren und Rücksprache halten. Ginkgoblüten-Samenschale (Sarkotesta) enthält Ginkgolsäuren — starkes Allergen, löst Kontaktdermatitis aus (ähnlich Giftefeu/Anacardiaceae). Beim Umgang mit frischen Früchten/Samen ausschließlich Handschuhe tragen. Ginkgosamen (Nüsse) enthalten Ginkgotoxin (4'-O-Methylpyridoxin) — in großen Mengen neurotoxisch, Krampfanfälle bei Kindern und Erwachsenen möglich. Nur gegart und in kleinen Mengen (max. 5–10 Nüsse/Tag Erwachsene) konsumieren. Bei Epilepsie, Vitamin-B6-Mangel, Schwangerschaft und Kindern: Samen strikt meiden.
⏱ Max. Daueranwendung: 24 Wochen
Ginkgo-Blattextrakte in der Schwangerschaft kontraindiziert: Antikoagulanzieneffekt erhöht Blutungsrisiko sub partu; Ginkgotoxin aus Samen könnte teratogen wirken. EMA und ESCOP empfehlen strikte Meidung therapeutischer Dosen in Schwangerschaft. Gelegenheitlicher Genuss kleiner Mengen gekochter Nüsse in der japanischen/chinesischen Küche wird teils toleriert, ist aber bei Schwangerschaft nicht empfohlen.
Keine ausreichenden Daten zur Sicherheit von Ginkgo-Blattextrakten in der Stillzeit. EMA empfiehlt Meidung therapeutischer Dosen. Ginkgolsäuren und Ginkgotoxin könnten in die Muttermilch übergehen — Samen in der Stillzeit strikt meiden.
Standardisierte Ginkgo-Blattextrakte für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren nicht empfohlen (EMA) — keine Sicherheitsdaten. Ginkgosamen (Nüsse) bei Kindern strikt kontraindiziert: Ginkgotoxin verursacht bei Kindern besonders leicht Krampfanfälle (niedrigere Krampfschwelle, höhere relative Aufnahme pro kg KG). Vergiftungsfälle (teils tödlich) durch Massenverzehr von Ginkgonüssen bei japanischen und chinesischen Kindern beschrieben.
Wechselwirkungen
Antikoagulanzien und Thrombozytenaggregationshemmer (Warfarin, Phenprocoumon, ASS, Clopidogrel, Heparin, NOAK)
Ginkgolide B hemmen den Plättchen-aktivierenden Faktor (PAF) und hemmen additiv die Thrombozytenaggregation. Klinische Berichte über erhöhte INR-Werte und spontane Blutungen (Subduralhämatome, retinale Blutungen) bei Kombination mit Warfarin oder ASS. Klinisch relevantes Risiko — Kombination strikt meiden oder nur unter engmaschiger ärztlicher Kontrolle mit regelmässigen Gerinnungskontrollen.
Antiepileptika (Phenobarbital, Phenytoin, Carbamazepin, Valproat)
Ginkgotoxin (4'-O-Methylpyridoxin) aus Ginkgosamen antagonisiert Vitamin B6 (Pyridoxal-5'-phosphat), senkt die GABAerge Hemmung und kann die Krampfschwelle herabsetzen. Bei gleichzeitiger Antiepileptika-Therapie erhöhtes Anfallsrisiko bei Samenkonsum. Ginkgo-Blattextrakte (kein Ginkgotoxin) interagieren enzymatisch mit CYP-Enzymen (CYP3A4-Induktion), was Serumspiegel von Antiepileptika verändern kann.
SSRI / SNRI (Fluoxetin, Sertralin, Paroxetin, Venlafaxin)
Mehrere Fallberichte über serotonerge Überaktivierung und Blutungsereignisse (z. B. Hirnblutung) bei gleichzeitiger Einnahme von Ginkgo und serotonerg wirksamen Antidepressiva. Mechanismus: additive Thrombozytenfunktionshemmung + mögliche Interaktion über Monoaminoxidase-Hemmung. Kombination nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung und unter ärztlicher Kontrolle.
CYP3A4- und CYP2C9-Substrate (Ciclosporin, Tacrolimus, Statine, Calciumblocker, Midazolam u. a.)
In-vitro- und klinische Studien weisen auf eine moderate Induktion von CYP3A4 und mögliche Hemmung von CYP2C9 durch Ginkgoextrakt hin. Konsequenz: beschleunigter Abbau von Ciclosporin (Abstoßungsrisiko bei Transplantationspatienten) und anderen CYP3A4-Substraten; veränderte Exposition von CYP2C9-Substraten (z. B. Warfarin — klinisch doppeltes Interaktionsrisiko). Klinische Relevanz im Einzelfall abklären.
Insulin und orale Antidiabetika (Sulfonylharnstoffe, Glitazone, GLP-1-Analoga)
Tierexperimentelle und einzelne klinische Daten deuten auf eine Beeinflussung der Insulinsekretion und -sensitivität durch Ginkgoextrakte hin. Risiko einer Hypoglykämie oder Wirkungsabschwächung möglich. Blutzucker bei Kombination regelmässig kontrollieren.
Kontraindikationen
- Überempfindlichkeit gegen Ginkgo biloba oder andere Ginkgoaceae; bekannte Allergie gegen Urushiol-haltige Pflanzen (Giftefeu, Mangoschalenöl) — erhöhtes Risiko einer Kreuzreaktion auf Ginkgolsäuren.
- Schwangerschaft und Stillzeit — therapeutische Dosen von Ginkgo-Blattextrakten strikt meiden; Samen in Schwangerschaft und Stillzeit vollständig meiden.
- Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren (Blattextrakte); Kinder jedweden Alters für Ginkgosamen.
- Bestehende Blutgerinnungsstörungen (Hämophilie, Thrombozytopenie) oder laufende Therapie mit Antikoagulanzien oder Thrombozytenaggregationshemmern ohne ausdrückliche ärztliche Genehmigung.
- Epilepsie oder anderen Krampferkrankungen — Ginkgosamen strikt kontraindiziert; Blattextrakte nur nach sorgfältiger ärztlicher Abwägung.
- Geplante Operationen oder invasive Eingriffe: Ginkgo-Präparate mindestens 2 Wochen vor dem Eingriff absetzen (Blutungsrisiko).
Erntet wird: Blätter (Herbst)
- Tageszeit:
- An trockenem, sonnigem Vormittag (9–12 Uhr) sammeln, wenn der Morgentau abgetrocknet ist. Für therapeutische Zwecke: Grüne bis leicht gelblich werdende Blätter im Spätsommer bis frühen Herbst (August–September) — dann ist der Flavonol- und Terpenlakton-Gehalt am höchsten, bevor die Herbst-Gelbfärbung einsetzt. Blätter sollten makelllos und frei von Insektenfraß, Schimmel und Krankheitsflecken sein.
- Trocknung:
- Blätter sorgfältig einzeln oder in dünnen Lagen auf Trockensieben oder Tüchern ausbreiten. Im Schatten, gut belüftet, bei max. 40 °C trocknen (Wäschetrockner-Einstellung 'kalt/lüften' oder Dörrgerät Schonprogramm). Vollständig getrocknet (ca. 1–2 Wochen natürliche Trocknung) und trocken zerbrechlich sein. Ginkgolsäuren-Gehalt in Blättern relativ gering, trotzdem beim Umgang mit Mengen von frischen Blättern Handschuhe empfehlenswert, besonders bei Allergikern. Nach der Trocknung: dicht in Glas- oder Blechbehälter füllen, lichtgeschützt lagern.
- Lagerung:
- 12 Monate — Luftdicht, lichtgeschützt, kühl und trocken. Innerhalb eines Jahres aufbrauchen — Flavonolglykoside und Terpenlaktone nehmen bei längerer Lagerung ab.
- Tageszeit:
- Samen (Früchte) im Herbst nach Vollreife (September–Oktober) sammeln, wenn sie vom Baum fallen oder sich leicht von den Zweigen lösen. NUR unter weiblichen Bäumen sammeln (nur diese tragen Früchte). Dicke Gummihandschuhe tragen — die fleischige, gelblich-orange Samenschale (Sarkotesta) riecht nach Buttersäure/Käse und enthält hohe Mengen Ginkgolsäuren (starke Kontaktallergen).
- Trocknung:
- Fleischige Außenschale (Sarkotesta) UMGEHEND entfernen — am besten unter freiem Himmel oder mit guter Belüftung (starker Geruch). Harte Steinkerne (Innenschale) abwaschen, an der Luft bei Raumtemperatur trocknen lassen (ca. 1–2 Wochen). Getrocknete Kerne für die Küche aufbewahren. WICHTIG: Samen nur gegart verwenden. Kerne können im Tiefkühler (−18 °C) bis zu 6 Monate gelagert werden. Für pharmazeutische Zwecke: Ginkgosamen werden nicht verwendet (Ginkgotoxin-Risiko) — standardisierte Extrakte werden ausschliesslich aus Blättern hergestellt.
- Lagerung:
- 6 Monate — Getrocknete Kerne kühl und trocken lagern (bis 6 Monate); für längere Haltbarkeit einfrieren (bis 6 Monate bei −18 °C). Samenschale (Sarkotesta) stets sofort entsorgen — nicht mit Haushaltsabfall mengen, da Allergierisiko für nachfolgende Personen.
- Flavonolglykoside (Quercetin-, Kaempferol-, Isorhamnetin-3-O-Glykoside)FlavonoidAnteil: 0.5-1.8 %Blatt
Quantitative Leitsubstanzen des Blattes. Standardisierter EGb-761-Extrakt enthält 22–27 % Flavonolglykoside (bezogen auf Extrakt). Wirken antioxidativ (Radikalfänger), hemmen die Lipidperoxidation, vermindern Kapillarpermeabilität und tragen zur Endothelprotektion bei. Hauptfraktion aus Quercetin-3-Rutinosid (Rutin), Quercetin-3-Glucosid und den analogen Kaempferol- und Isorhamnetin-Glykosiden.
- Ginkgolide A, B, C, J (Diterpenlaktone)SonstigeAnteil: 0.06-0.23 %Blatt
Ginkgo-spezifische Diterpenlaktone mit einzigartiger Käfig-Terpenstruktur (t-Butygroup). Ginkgolid B ist der potenteste Antagonist des Plättchen-aktivierenden Faktors (PAF) bekannter natürlicher Herkunft — PAF-Antagonismus erklärt den Teil der antiallergischen, bronchodilatatorischen und thrombozyteninhibitorischen Wirkung. Standardisiert: EGb 761 enthält 5–7 % Terpenlaktone gesamt. Ginkgolide sind für das erhöhte Blutungsrisiko mitverantwortlich.
- Bilobalid (Sesquiterpenlakton)SesquiterpenAnteil: 0.1-0.26 %Blatt
Sesquiterpenlakton und wesentlicher Bestandteil der Terpenlakton-Fraktion in EGb 761 (~ca. 2,6 % des Extrakts). Neuroprotektive Wirkung (schützt mitochondriale Membranintegrität, hemmt GABA-A-Rezeptor-Modulation), verbessert zerebrale Durchblutung. Bilobalid fehlt ausserhalb der Ginkgoales vollständig — evolutionär einzigartige Verbindung.
- Ginkgolsäuren (Alkylphenole; hauptsächlich C13:0-, C15:1-, C17:2-Homologe)PhenolsäureAnteil: 0.0001-0.0005 %Blatt
Allergene und potenziell mutagene/cytotoxische Verbindungen, strukturverwandt mit Urushiolen (Giftefeu). In standardisierten pharmazeutischen Extrakten auf unter 5 ppm limitiert (EMA-Vorgabe) — entfernt im Herstellungsprozess. In Frischblatt-Tees und Eigenpräparaten deutlich höher. Die frische Samenschale (Sarkotesta) enthält hohe Konzentrationen — löst Kontaktdermatitis aus.
- 4'-O-Methylpyridoxin (Ginkgotoxin)SonstigeAnteil: 0.005-0.06 %Samen
Vitamin-B6-Antimetabolit, der Glutamat-Decarboxylase hemmt und die GABA-Synthese reduziert. In Ginkgosamen (Nüssen) vorhanden, in Blattextrakten kaum messbar. Ursache von Vergiftungsfällen ('Shijin-boke' in Japan): Übelkeit, Erbrechen, Krampfanfälle. Besonders gefährlich für Kinder (relative Dosis höher, niedrigere Krampfschwelle). Pyridoxin (Vit. B6) gilt als Antidot bei Vergiftungen.
- Proanthocyanidine (Catechin, Epicatechin, Procyanidin B1, B2)GerbstoffAnteil: 7-12 %Blatt
Oligomere und polymere Proanthocyanidine machen mengenmässig den grössten Polyphenolanteil der Ginkgoblätter aus, werden aber bei der Herstellung standardisierter Extrakte zum Teil entfernt. Antioxidative und vaskuloprotektive Eigenschaften; tragen zur adstringierenden Wirkung von Blattaufgüssen bei.
- Shikimasäure (Shikimat) und organische Säuren (Ascorbin-, Hydroxybenzoesäure)PhenolsäureAnteil: 2-4 %Blatt
Shikimasäure ist ein Intermediat der Aromaten-Biosynthese und in grünen Ginkgoblättern in auffällig hohen Konzentrationen vorhanden. Geringe pharmakologische Eigenaktivität beim Menschen; dient im Blatt eher als Biosynthesevorstufe der phenolischen Verbindungen. Mildly antioxidativ, wahrscheinlich unbedeutend für therapeutische Wirkung standardisierter Extrakte.
- Steroide und Triterpene (Sitosterol, Stigmasterol, Sitosterol-Glykoside)SonstigeAnteil: 0.2-0.4 %Blatt
Pflanzensterole und -steronglykoside mit bekannter milder cholesterinsenkender Wirkung. Beitrag zur Gesamtwirkung von Ginkgo-Extrakten wahrscheinlich gering. In standardisierten Präparaten als Begleitstoffe vorhanden, kein Standardisierungsparameter.
- [1]MonographieEMA/HMPC/321097/2012 — European Union herbal monograph on Ginkgo biloba L., folium (Final, 2015)(abgerufen: 2026-05-21)
- [2]MonographieESCOP Monographs — Ginkgo folium (Ginkgo Leaf), 2nd edition supplement 2009(abgerufen: 2026-05-21)
- [3]MonographieKommission E — Ginkgo biloba Blätter (Ginkgoblätter), Monographie positiv, BAnz Nr. 133, 1994 (überarbeitet 1998)(abgerufen: 2026-05-21)
- [4]MonographieWHO Monographs on Selected Medicinal Plants — Volume 1: Folium Ginkgo (Ginkgo Leaf)(abgerufen: 2026-05-21)
- [5]MonographiePlants For A Future (PFAF) — Ginkgo biloba database entry(abgerufen: 2026-05-21)
- [9]MonographieCliniTox Giftpflanzen — Ginkgo biloba L.: giftig + (Institut für Veterinärpharmakologie und -toxikologie, Universität Zürich)(abgerufen: 2026-08-10)
- [6]BuchWichtl, Max (Hrsg.) — Teedrogen und Phytopharmaka, 5. Aufl., Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 2009: Ginkgo biloba — Ginkgoblätter(abgerufen: 2026-05-21)
- [7]WikipediaGinkgo (Wikipedia DE)(abgerufen: 2026-05-21)
- [8]WikipediaGinkgo biloba (Wikipedia EN)(abgerufen: 2026-05-21)