© Jacob Sturm (Johann Georg Sturm, Deutschlands Flora in Abbildungen, 1796) · Public domain · Commons
Gewöhnlicher Erdrauch
VorsichtCommon fumitory · (Fumaria officinalis)
Mohngewächse (Papaveraceae)
Beschreibung
Der Gewöhnliche Erdrauch ist eine einjährige, krautige Pflanze von 10 bis 50 cm Höhe mit zart gefiederten, blaugrünen Blättern und einem oft niederliegenden bis aufsteigenden Wuchs. Von April bis Oktober trägt er in lockeren Trauben zahlreiche kleine, rosa bis purpurne Blüten mit dunkelroter Spitze, aus denen kugelige Früchtchen hervorgehen. Die Pflanze gilt als typisches Acker- und Ruderalkraut auf nährstoffreichen Böden. Arzneilich genutzt wird das blühende Kraut (Fumariae herba), also die oberirdischen Teile, die isochinolinartige Alkaloide wie Protopin enthalten. Traditionell wird Erdrauch bei Verdauungsbeschwerden im Zusammenhang mit dem Gallefluss eingesetzt.
In der Schwangerschaft KONTRAINDIZIERT
Wegen fehlender Unbedenklichkeitsdaten wird die Anwendung während der Schwangerschaft nicht empfohlen.
In der Stillzeit KONTRAINDIZIERT
Wegen fehlender Daten wird die Anwendung während der Stillzeit nicht empfohlen.
Bei Kindern KONTRAINDIZIERT
Anwendung bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren mangels Daten nicht empfohlen.
Traditioneller Erdrauchtee zur Anregung des Galleflusses bei Verdauungsbeschwerden wie Völlegefühl, Blähungen und langsamer Verdauung.
Anleitung & Dosierung
1,5 bis 2 g fein geschnittenes Kraut mit etwa 250 ml siedendem Wasser übergießen, zugedeckt 10 Minuten ziehen lassen, abseihen und mehrmals täglich vor den Mahlzeiten trinken.
- Trockenmenge
- 1.5–2 g
- Anwendungen/Tag
- 3×
- Max. Anwendungsdauer
- 2 Wochen
Erdrauchtinktur als praktische Darreichungsform zur traditionellen Anregung des Galleflusses bei dyspeptischen Beschwerden.
Anleitung & Dosierung
Tinktur (1:5, Ethanol 45 % V/V): 0,5 bis 1 ml als Einzeldosis, insgesamt 1 bis 4 ml täglich, jeweils vor den Mahlzeiten in etwas Wasser einnehmen.
- Flüssigkeit
- 0.5–1 ml
- Anwendungen/Tag
- 3×
- Max. Anwendungsdauer
- 2 Wochen
⚠ Altersbeschränkung: ≥ 18 Jahre — Anwendung bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren wird mangels Daten nicht empfohlen.
Die Kommission E empfiehlt Erdrauchkraut bei krampfartigen Beschwerden im Bereich von Gallenblase, Gallenwegen und Magen-Darm-Trakt; die Alkaloide wirken leicht spasmolytisch.
Anleitung & Dosierung
Als Aufguss zubereitet, wie von der Kommission E bei krampfartigen Beschwerden im Bereich von Galle und Magen-Darm-Trakt beschrieben; mehrmals täglich frisch zubereitet trinken.
- Trockenmenge
- 1.5–2 g
- Anwendungen/Tag
- 3×
- Max. Anwendungsdauer
- 2 Wochen
In einer randomisierten Doppelblindstudie zeigte eine Creme mit Fumaria officinalis und Silymarin bei leichtem bis mittelschwerem Ekzem eine mit Mometason vergleichbare Besserung des SCORAD-Werts.
Anleitung & Dosierung
Äußerlich als Creme oder Salbe auf die betroffenen Hautstellen auftragen; in einer Studie wurde eine standardisierte Creme zweimal täglich über zwei Wochen verwendet. Selbst hergestellte Auszüge nur äußerlich und auf intakter Haut anwenden.
- Trockenmenge
- 5–10 g
- Anwendungen/Tag
- 2×
- Max. Anwendungsdauer
- 2 Wochen
Volkstümlich gilt Erdrauch als blutreinigendes Mittel, das bei Hautunreinheiten und chronischen Hautleiden innerlich angewendet wurde; diese Anwendung ist nicht wissenschaftlich belegt.
Anleitung & Dosierung
Als Aufguss zubereitet und kurmäßig getrunken; volkstümlich als 'blutreinigender' Frühjahrstee bei unreiner Haut verwendet. Wegen fehlender Belege nur kurzzeitig und maßvoll anwenden.
- Trockenmenge
- 1.5–2 g
- Anwendungen/Tag
- 2×
- Max. Anwendungsdauer
- 2 Wochen
Traditionelle Anwendung der Tinktur zur Unterstützung von Leber und Galle; die Alkaloide sollen den Gallefluss anregen.
Anleitung & Dosierung
Tinktur in Wasser verdünnt vor den Mahlzeiten; traditionell zur Unterstützung der Leber- und Gallentätigkeit. Bei länger anhaltenden Beschwerden ärztlichen Rat einholen.
- Flüssigkeit
- 0.5–1 ml
- Anwendungen/Tag
- 2×
- Max. Anwendungsdauer
- 2 Wochen
⚠ Altersbeschränkung: ≥ 18 Jahre — Nicht für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren empfohlen.
Erdrauch sollte nicht in höheren Dosen oder über längere Zeit angewendet werden, da große Mengen der Alkaloide (insbesondere Protopin) im Tierversuch Erregung und Krämpfe auslösen können. Bei anhaltenden Verdauungsbeschwerden oder Gelbsucht ist ärztlicher Rat einzuholen.
⏱ Max. Daueranwendung: 2 Wochen
Wegen fehlender Unbedenklichkeitsdaten wird die Anwendung während der Schwangerschaft nicht empfohlen.
Wegen fehlender Daten wird die Anwendung während der Stillzeit nicht empfohlen.
Anwendung bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren mangels Daten nicht empfohlen.
Wechselwirkungen
CYP1A2-Substrate
Inhaltsstoffe des Erdrauchs können die Expression von CYP1A1 und CYP1A2 in menschlichen Leberzellen erhöhen, was theoretisch den Abbau betroffener Arzneistoffe beeinflussen könnte.
Kontraindikationen
- Verschluss der Gallenwege, Gallensteinleiden oder andere Erkrankungen der Gallenblase ohne ärztliche Abklärung.
- Bekannte Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff.
Erntet wird: Blühendes Kraut (oberirdische Teile)
- Tageszeit:
- An einem trockenen Vormittag nach dem Abtrocknen des Taus, während der Vollblüte.
- Trocknung:
- Locker ausgebreitet im Schatten an einem luftigen Ort schonend trocknen; nicht über 40 °C, um die Alkaloide zu schonen.
- Lagerung:
- 12 Monate — Trocken, lichtgeschützt und luftdicht in dunklen Gefäßen aufbewahren.
- ProtopinAlkaloidAnteil: ca. 1 %Krautige Teile
Hauptalkaloid vom Protopin-Typ; leicht spasmolytisch und mitverantwortlich für die Wirkung auf den Gallefluss.
- AllocryptopinAlkaloidKrautige Teile
Isochinolinalkaloid, das neben Protopin zu den charakteristischen Inhaltsstoffen zählt.
- Weitere Benzylisochinolin-Alkaloide (u. a. Scoulerin, Sinactin, Cryptopin)AlkaloidKrautige Teile
Begleitende Isochinolinalkaloide, die den Gesamtalkaloidgehalt von etwa 1 % mitbestimmen.
- FumarsäurePhenolsäureKrautige Teile
Namensgebende Pflanzensäure; veresterte Fumarsäurederivate werden in der Schuppenflechte-Therapie genutzt.
- Hydroxyzimtsäuren (Kaffeesäure, Chlorogensäure)PhenolsäureKrautige Teile
Phenolische Säuren, teils als Hydroxyzimtsäure-Äpfelsäure-Ester, mit antioxidativen Eigenschaften.
- Flavonoide (Rutin, Quercetin-Glykoside)FlavonoidKrautige Teile
Flavonoide tragen zur antioxidativen Wirkung des Krauts bei.
- GerbstoffeGerbstoffKrautige Teile
Gerbstoffe verleihen dem Kraut leicht adstringierende Eigenschaften.
- KaliumsalzeMineralstoffKrautige Teile
Kaliumsalze werden mit der traditionell beschriebenen leicht harntreibenden Wirkung in Verbindung gebracht.
- [1]MonographieFumariae herba - herbal medicinal product | European Medicines Agency (EMA)(abgerufen: 2026-06-08)
- [2]MonographieFinal European Union herbal monograph on Fumaria officinalis L., herba (Revision 1)(abgerufen: 2026-06-08)
- [3]MonographieFumariae herba (Fumitory) - ESCOP Monograph 2018(abgerufen: 2026-06-08)
- [4]MonographieErdrauch - Gemeiner oder Gewöhnlicher Erdrauch (Fumaria officinalis L.) - Arzneipflanzenlexikon (Kommission-E-Bewertung)(abgerufen: 2026-06-08)
- [5]MonographieEffect of herbal cream containing Fumaria officinalis and silymarin for treatment of eczema: A randomized double-blind controlled clinical trial (Avicenna J Phytomed, 2022, PMC9090317)(abgerufen: 2026-06-08)
- [6]WikipediaFumaria officinalis - Wikipedia (English)(abgerufen: 2026-06-08)
- [7]WikipediaGewöhnlicher Erdrauch - Wikipedia (Deutsch)(abgerufen: 2026-06-08)
- [9]CommonsFile:Fumaria officinalis Sturm46.jpg - Wikimedia Commons(abgerufen: 2026-06-08)
- [8]WikidataFumaria officinalis (Q157618) - Wikidata(abgerufen: 2026-06-08)
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