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Gemeine Esche
VorsichtFraxinus excelsior · (Fraxinus excelsior)
Ölbaumgewächse (Oleaceae)
Beschreibung
Die Gemeine Esche gehört mit bis zu 40 Metern zu den höchsten Laubbäumen Europas; an windigen, offenen Standorten bleibt sie bei 15 bis 20 Metern. Kennzeichnend sind die gefiederten Blätter aus meist neun bis dreizehn Teilblättern, die im Herbst noch grün abfallen, und die auffällig samtschwarzen Winterknospen. Botanisch zählt sie zu den Ölbaumgewächsen und ist damit mit Olive und Flieder verwandt. Genutzt werden die im Mai und Juni gesammelten Blätter, die Oleuropein, Rutin sowie die Cumarine Fraxin und Fraxetin enthalten. In der europäischen Volksmedizin dient ein Blättertee als harntreibendes Mittel und traditionell bei leichten Gelenkbeschwerden; das enthaltene Mannitol wirkt zudem mild abführend. Bei Herz- oder Nierenschwäche ist ein solcher Spültee nicht geeignet. Seit einigen Jahrzehnten bedroht das Eschentriebsterben die Bestände in weiten Teilen Europas.
Eschenblätter-Tee wird in der europäischen Volksmedizin traditionell bei leichten Gelenkbeschwerden und rheumatischen Erkrankungen eingesetzt. Die entzündungshemmende Wirkung wird auf das Zusammenspiel von Secoiridoiden (Oleuropein, Ligstrosid), Flavonoiden (Rutin) und Hydroxyzimtsäuren zurückgeführt. Die EMA/HMPC-Monographie (EMA/HMPC/239271/2011) klassifiziert diese Indikation als traditionelle Anwendung.
Anleitung & Dosierung
1,5–5 g getrocknete, zerkleinerte Eschenblätter mit 150 ml kochendem Wasser übergießen, 10 Minuten ziehen lassen, abseihen. Bis zu 3 Tassen täglich trinken.
- Trockenmenge
- 1.5–5 g
- Anwendungen/Tag
- 3×
Eschenblätter-Tee wird traditionell als Aquaretikum (harntreibendes Mittel) zur Unterstützung der Nierenfunktion und bei leichten Harnwegsbeschwerden eingesetzt. Mannitol und Kaliumsalze in den Blättern fördern die Diurese. Die EMA/HMPC-Monographie führt diese Indikation als traditionelle pflanzliche Anwendung.
Anleitung & Dosierung
1,5–5 g getrocknete Eschenblätter in 150 ml kochendem Wasser 10 Minuten ziehen lassen. Ausreichend Flüssigkeit (mind. 2 Liter täglich) zuführen.
- Trockenmenge
- 1.5–5 g
- Anwendungen/Tag
- 3×
Alkoholischer Rindenextrakt junger Eschenzweige wurde in der Volksmedizin bei Gelenkrheumatismus und Fieber eingesetzt. Die Rinde enthält höhere Anteile an Iridoid-Bitterstoffen und Cumarinen (Fraxin, Fraxetin, Esculin) als die Blätter.
Anleitung & Dosierung
Fertigpräparat oder 1:5-Tinktur (Ethanol 40–60 %): 50 Tropfen bis zu 3-mal täglich, nicht länger als 4 Wochen ohne ärztliche Absprache.
- Anwendungen/Tag
- 3×
In der traditionellen Volksmedizin wurden Eschenblätter wegen ihrer milden purgierenden Wirkung bei Obstipation und Verdauungsträgheit genutzt. Das enthaltene Mannitol wirkt osmotisch abführend. Diese Anwendung ist im wissenschaftlichen Sinne nicht belegt.
Anleitung & Dosierung
2–4 g getrocknete Blätter in 200 ml heißem Wasser 10 Minuten ziehen lassen. Abends trinken.
- Trockenmenge
- 2–4 g
- Anwendungen/Tag
- 2×
Eschenrinde wurde in Europa historisch als Alternative zur Chinarinde (Chinin) bei Wechselfieber (Malaria-ähnliche Erkrankungen) eingesetzt. Die bitteren Iridoid-Glykoside wirken tonisch. Diese Anwendung ist heute obsolet und lediglich historisch dokumentiert.
Anleitung & Dosierung
2–5 g zerkleinerte Eschenrinde in 250 ml Wasser 15 Minuten köcheln, abseihen. Historische Anwendung — bei Fieber immer ärztlichen Rat einholen.
- Trockenmenge
- 2–5 g
- Anwendungen/Tag
- 2×
Frische oder gedämpfte Eschenblätter wurden volksmedizinisch als feuchter Umschlag auf schlecht heilende Wunden, Geschwüre und Hautleiden gelegt. Der Gerbstoffgehalt wirkt adstringierend und mäßig antiseptisch.
Vollbäder mit konzentriertem Eschenblätter-Aufguss wurden traditionell bei Gicht und rheumatischen Gelenkschmerzen angewendet. Die Wärme und möglicherweise transdermale Absorption der Phenolsäuren unterstützen die lokale Durchblutung.
Anleitung & Dosierung
100 g getrocknete Eschenblätter in 2 Liter Wasser 10 Minuten kochen, abseihen und in die Badewanne (37–38 °C) geben. Bad 15–20 Minuten.
Quellen: [7]
Bei Herz- oder Niereninsuffizienz kein Spültee anwenden (erhöhte Flüssigkeitszufuhr kontraindiziert). Bei Fieber, Blut im Urin, Schmerzen beim Wasserlassen oder geschwollenen Gelenken mit Fieber sofort ärztlichen Rat einholen. Bekannte Überempfindlichkeit gegen Oleaceen (Olive, Flieder) beachten — Kreuzreaktionen möglich.
⏱ Max. Daueranwendung: 4 Wochen
Keine Daten zur Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit vorhanden. Aus Vorsichtsgründen nicht anwenden.
Keine Sicherheitsdaten verfügbar. Anwendung in der Stillzeit nicht empfohlen.
Keine Daten für Kinder unter 12 Jahren vorhanden. Traditionelle Anwendung auf Erwachsene beschränkt.
Wechselwirkungen
Diuretika
Additive diuretische Wirkung möglich; Elektrolytverluste (Kalium) könnten verstärkt werden.
Kontraindikationen
- Herzinsuffizienz oder Niereninsuffizienz (bei Aquaretika-Anwendung)
- Bekannte Überempfindlichkeit gegen Fraxinus excelsior oder andere Oleaceen
Erntet wird: junge Blätter, Rinde junger Zweige
- Tageszeit:
- Morgens nach dem Abtrocknen des Taus
- Trocknung:
- Locker ausgebreitet bei 35–40 °C trocknen oder an einem luftigen, schattigen Ort. Blätter müssen rascheln, bevor sie gelagert werden.
- Lagerung:
- 12 Monate — In gut verschlossenen, dunklen Gläsern oder Papiertüten, trocken und kühl lagern.
- Tageszeit:
- Keine Tageszeit-Einschränkung; Rinde junger Zweige (2–4 cm Durchmesser) schälen.
- Trocknung:
- Rindenstücke bei max. 40 °C trocknen. Rinde ist trocken, wenn sie sich sauber brechen lässt.
- Lagerung:
- 24 Monate — Dunkel, trocken und gut verschlossen lagern; Holzgeruch als Qualitätsindikator.
- OleuropeinGlykosidAnteil: 0,5–2 %Blatt
Secoiridoid-Glykosid, Leitsubstanz der Oleaceen; hemmt proinflammatorische Zytokine (TNF-α, IL-6) in vitro.
- LigstrosidGlykosidBlatt
Weiteres Secoiridoid in Eschenblättern; zeigt anti-inflammatorische Aktivität durch Reduktion von IL-1β.
- Rutin (Rutoside)FlavonoidBlatt
Dominantes Flavonoid in Eschenblättern; antioxidativ und kapillarstabilisierend.
- FraxinGlykosidRinde
Coumarin-Glykosid der Eschenrinde; wirkt entzündungshemmend und antioxidativ.
- FraxetinSonstigeRinde
Aglykonteil von Fraxin; Cumarin-Derivat; hemmt Lipoxygenase und wirkt antioxidativ. (Kategorie 'other', da Cumarine kein eigenes Enum besitzen.)
- MannitolSonstigeAnteil: 0,5–1,5 %Blatt
Zuckeralkohol in Eschenblättern und -rinde; verantwortlich für die diuretische Wirkung.
- Chlorogensäure / NeochlorogensäurePhenolsäureBlatt
Hydroxyzimtsäure-Derivate in Eschenblättern; antioxidativ, in vitro anti-entzündlich.
- TannineGerbstoffRinde
Hydrolysierbare und kondensierte Gerbstoffe in Rinde und Blättern; adstringierend und mäßig antiseptisch.
- [1]MonographieEMA/HMPC Monograph: Fraxini folium — Final Community Herbal Monograph (EMA/HMPC/239271/2011)(abgerufen: 2026-05-22)
- [2]MonographieSarfraz et al. (2017): Fraxinus — A Plant with Versatile Pharmacological and Biological Activities. Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine, DOI 10.1155/2017/4269868(abgerufen: 2026-05-22)
- [3]MonographieKołtun-Jasion et al. (2023): Bio-Guided Isolation of Compounds from Fraxinus excelsior Leaves with Anti-Inflammatory Activity. Int. J. Mol. Sci. 24(4):3750, DOI 10.3390/ijms24043750(abgerufen: 2026-05-22)
- [4]BuchMaud Grieve: A Modern Herbal — Ash (Fraxinus excelsior), botanical.com(abgerufen: 2026-05-22)
- [5]BuchKing's American Dispensatory: Fraxinus. Henriette's Herbal Homepage(abgerufen: 2026-05-22)
- [6]BuchPlants For A Future (PFAF): Fraxinus excelsior(abgerufen: 2026-05-22)
- [7]BuchArzneipflanzenlexikon: Ash (Fraxinus excelsior) — medicinal use, dosage, safety(abgerufen: 2026-05-22)