© Eckard Wolff-Postler · CC BY-SA 3.0 · Commons
Schwarzer Rettich
VorsichtBlack Spanish radish · (Raphanus sativus var. niger)
Kreuzblütler (Brassicaceae)
Beschreibung
Der Schwarze Rettich ist eine Winterform des Gartenrettichs: außen von rauer, mattschwarzer Schale, innen fest und schneeweiß, deutlich schärfer als ein Radieschen. Geerntet wird er im Herbst; kühl und feucht gelagert hält er bis ins Frühjahr und war deshalb lange ein wichtiges Wintergemüse. Die Schärfe stammt von Senfölglykosiden, die beim Reiben oder Schneiden zu Isothiocyanaten aufgespalten werden. Genau darauf beruht die arzneiliche Anwendung: Die Kommission E hat frischen Rettich beziehungsweise seinen Saft bei Verdauungsbeschwerden anerkannt, die vom Gallefluss ausgehen — die Bitter- und Scharfstoffe regen Speichel, Magensaft und Gallefluss an und bringen eine träge Verdauung in Gang. Ein altes Hausmittel ist Rettichsaft mit Honig bei Husten, über Nacht aus einer ausgehöhlten Knolle gezogen. Vorsicht bei empfindlichem Magen: Bei Gastritis, Magengeschwür, Reflux oder akuten Gallenkoliken ist er nicht geeignet.
Frischer schwarzer Rettich (Saft oder geriebene Wurzel) ist von der deutschen Kommission E als Cholagogum bei dyspeptischen Beschwerden biliären Ursprungs zugelassen. Die Isothiocyanate aus dem Abbau der Glucosinolate — vor allem Glucoraphenin und Glucoraphasatin — stimulieren die Gallenproduktion und -ausschüttung. Unterstützt die Entgiftungsleistung der Leber.
Anleitung & Dosierung
Frischer Rettichsaft: 30–40 ml unverdünnter Saft vor den Mahlzeiten (3-mal täglich). Oder: 50–100 g frisch geriebene Rettichwurzel täglich. Kommission-E-Tagesdosis 50 ml frischer Saft verteilt auf 3 Gaben.
- Anwendungen/Tag
- 3×
Bei Völlegefühl und träger Verdauung empfiehlt die Kommission E schwarzen Rettich als bitterstoffhaltiges Verdauungsmittel. Die scharfen Senfölglykoside regen Magendrüsensekretion und Darmmotorik an. Traditionell auch als Magenreiniger und Leberstärkungsmittel bekannt.
Anleitung & Dosierung
50–100 g frisch geriebene Rettichwurzel oder 30–40 ml Frischsaft zu den Hauptmahlzeiten.
- Anwendungen/Tag
- 3×
Traditionell wurde schwarzer Rettichsaft mit Honig als Hustenmittel und Schleimlöser eingesetzt. Ein Tee aus getrockneten Rettichscheiben ist weniger verbreitet, wirkt aber mild schleimlösend durch Senföle und Saponine.
Anleitung & Dosierung
5–10 g getrocknete Rettichscheiben in 200 ml Wasser 10 Minuten köcheln, abseihen. Alternativ: 1–2 Esslöffel frischer Rettichsaft mit Honig 3-mal täglich.
- Trockenmenge
- 5–10 g
- Anwendungen/Tag
- 3×
Laborstudien zeigen, dass wässriger schwarzer Rettich-Extrakt in humanen Leberzellen (HepG2) Cytochrom-P450-Enzyme (CYP1A1) und Phase-II-Entgiftungsenzyme (GST) hochreguliert. Dies unterstützt die Elimination von Mutagenen und Kanzerogenen. In einer Tierstudie beschleunigte Rettichdiät die Ausscheidung des Karzinogens DMBA.
Anleitung & Dosierung
30–50 ml frischer Rettichsaft täglich, nüchtern. Oder 50–100 g frisch geriebene Wurzel zu den Mahlzeiten.
- Anwendungen/Tag
- 1×
In der mittel- und osteuropäischen Volksmedizin wird geriebener schwarzer Rettich mit Essig und Öl als Beilage bei schweren Speisen serviert, um die Verdauung anzuregen und Fettüberladung entgegenzuwirken. Die Isothiocyanate stimulieren Gallenfluss und Pankreas-Enzyme.
Anleitung & Dosierung
Frisch geriebene schwarze Rettichwurzel mit Olivenöl, Apfelessig und Salz abschmecken. Als Salat oder Beilage servieren.
- Anwendungen/Tag
- 1×
Alkoholischer Frischauszug aus schwarzem Rettich (1:5, 45 % Ethanol) bewahrt flüchtige Isothiocyanate besser als Trockenextrakte. Traditionell zur Gallenregulation und Leberstimulation eingesetzt.
Anleitung & Dosierung
40–50 Tropfen der 1:5-Tinktur (Ethanol 40–45 %) vor den Mahlzeiten, 3-mal täglich. Nicht bei Gallensteinen anwenden ohne ärztliche Rücksprache.
- Anwendungen/Tag
- 3×
Frischer schwarzer Rettichsaft wurde volksmedizinisch äußerlich bei Hautpilzinfektionen und innerlich als allgemeines Stärkungs- und Immunmittel eingesetzt. Raphanin (Isothiocyanat) zeigt antimikrobielle Aktivität gegen diverse Bakterien und Pilze in vitro.
Anleitung & Dosierung
Frischer Presssaft äußerlich auf befallene Hautstellen auftragen oder täglich 20–30 ml frischen Saft trinken.
- Anwendungen/Tag
- 1×
Schwarzer Rettich kann bei empfindlichen Personen Magenschleimhautreizungen und Sodbrennen auslösen. Bei vorbestehenden Magengeschwüren, Gastritis, Refluxkrankheit oder akuten Gallenkoliken nicht anwenden. Schilddrüsenfunktionsstörungen: Isothiocyanate (Abbauprodukte der Glucosinolate) können in hohen Dosen die Schilddrüse belasten (goitrogenic effect) — bei bestehenden Schilddrüsenerkrankungen ärztlichen Rat einholen. Bei Gallensteinen: Rettich regt die Gallenblasenkontraktion an, was bei Gallensteinen kolikartige Schmerzen auslösen kann.
Als Nahrungsmittel in üblichen Mengen unbedenklich. Medizinische Dosen (Safttherapie) in der Schwangerschaft aus Vorsicht meiden — keine Sicherheitsstudien für therapeutische Dosierung vorhanden.
Als Nahrungsmittel unbedenklich. Scharfe Geschmacksstoffe (Isothiocyanate) können in die Muttermilch übergehen und beim Säugling Koliken auslösen. Große Mengen meiden.
Als Nahrungsmittel (kleine Mengen) für Kinder über 4 Jahren geeignet. Medizinische Saftkuren für Kinder unter 12 Jahren nicht empfohlen — fehlende Dosierungsdaten.
Wechselwirkungen
Levothyroxin / Schilddrüsenpräparate
Isothiocyanate aus Glucosinolaten können die Schilddrüsenhormonsynthese beeinflussen und die Wirkung von Schilddrüsenmedikamenten abschwächen.
CYP1A1-substrat Arzneimittel
Schwarzer Rettich-Extrakt induziert CYP1A1 in Leberzellen; mögliche Beeinflussung des Abbaus von CYP1A1-Substraten (z.B. Theophyllin, manche Krebsmedikamente).
Kontraindikationen
- Akute Gallenkoliken oder Gallenwegsverschluss
- Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüre, akute Gastritis
- Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) — goitrogene Wirkung der Isothiocyanate
Erntet wird: Knolle (Herbst-Winter)
- Tageszeit:
- Keine Tageszeit-Einschränkung; Ernte nach dem ersten leichten Frost für intensiveren Geschmack
- Trocknung:
- Für Heilzwecke frisch verwenden (Frischsaft) oder in dünne Scheiben schneiden und bei 40–50 °C trocknen. Getrocknete Scheiben mahlen oder ganz lagern.
- Lagerung:
- 3 Monate — Frische Wurzel: kühl (4–8 °C), dunkel, hohe Luftfeuchtigkeit — bis 3 Monate haltbar. Getrocknet: luftdicht, dunkel, bis 12 Monate.
- Tageszeit:
- Morgens oder am Vormittag bei trockenem Wetter ernten, wenn die Samenschoten gelb-braun und trocken sind
- Trocknung:
- Samenschoten nachtrocknen lassen, dann dreschen und Samen in Papiertüten oder dunklen Gläsern trocken lagern.
- Lagerung:
- 36 Monate — Trocken, kühl, lichtgeschützt. Keimfähigkeit prüfen vor Aussaat.
- GlucorapheninGlykosidAnteil: 0,3–1,5 %Wurzel
Häufigstes Glucosinolat im schwarzen Rettich; Vorläufer von Raphanin (Sulforaphen); zeigt cholagoge und induzierende Wirkung auf Phase-II-Enzyme.
- GlucoraphasatinGlykosidWurzel
Zweithäufigstes Glucosinolat; Abbauprodukt ist ein potentes Isothiocyanat; antioxidativ und antimikrobiell.
- Raphanin (Isothiocyanate-Gemisch)SonstigeWurzel
Enzymatisches Abbauprodukt der Glucosinolate durch Myrosinase; wirksame antimikrobielle Komponente; scharf-bittered Geschmack des Rettichs.
- MyrosinaseSonstigeWurzel
Pflanzliches Enzym (Thioglucosidase), das Glucosinolate in reaktive Isothiocyanate spaltet. Wird bei Zerkleinerung oder Kauen aktiviert.
- AnthocyaneFlavonoidWurzel
Geben der schwarzen Schale und dem roten Fleisch mancher Rettichsorten ihre dunkle Farbe; antioxidativ. Hauptsächlich Pelargonidin-Derivate.
- Vitamin C (Ascorbinsäure)VitaminAnteil: 20–30 mg/100 g FrischgewichtWurzel
Schwarzer Rettich ist eine gute Vitamin-C-Quelle; Ascorbinsäure wirkt antioxidativ und unterstützt die Eisenaufnahme.
- Folat (Folsäure)VitaminWurzel
Enthält relevante Mengen Folat; wichtig für Zellteilung und DNA-Synthese.
- KaliumMineralstoffWurzel
Hoher Kaliumgehalt trägt zur Herz-Kreislauf-Funktion und milden diuretischen Wirkung bei.
- [1]MonographieFechner et al. (2011): Screening, Identification and Quantification of Glucosinolates in Black Radish (Raphanus sativus L. niger) Based Dietary Supplements using LC-PDA-LC-MS. J Chromatogr A 1218(39):7033–7039(abgerufen: 2026-05-24)
- [2]MonographieBranka et al. (2014): Raphanus sativus L. var niger as a Source of Phytochemicals for the Prevention of Cholesterol Gallstones. Phytother Res 28(2):288–293(abgerufen: 2026-05-24)
- [3]MonographieHanlon et al. (2007): Aqueous Extract from Spanish Black Radish (Raphanus sativus L. Var. niger) Induces Detoxification Enzymes in the HepG2 Human Hepatoma Cell Line. J Agric Food Chem 55(16):6439–6446(abgerufen: 2026-05-24)
- [4]MonographieHerr et al. (2012): Spanish Black Radish (Raphanus sativus L. Var. niger) Diet Enhances Clearance of DMBA and Diminishes Toxic Effects on Bone Marrow Progenitor Cells. Nutr Cancer 64(8):1287–1296(abgerufen: 2026-05-24)
- [5]MonographieShim et al. (2007): Antioxidant and Choleretic Properties of Raphanus sativus L. Sprout (Kaiware Daikon) Extract. J Agric Food Chem 54(22):8292–8299(abgerufen: 2026-05-24)
- [7]BuchPlants For A Future (PFAF): Raphanus sativus — Radish(abgerufen: 2026-05-24)
- [6]WikipediaWikipedia EN: Black radish(abgerufen: 2026-05-24)
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Quelle: Helga und Margarete Langerhorst, Mein gesunder Naturgarten (eigene Kuration)