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Citronella-Geranie
Vorsicht🐾Pelargonium 'citrosum' · (Pelargonium citrosum)
Storchschnabelgewächse (Geraniaceae)
Beschreibung
Die Citronella-Geranie ist eine gärtnerische Hybride mit tief eingeschnittenem Laub, kleinen rosa-violetten Blüten und einem zitronig-rosigen Duft, der beim Berühren freigesetzt wird. Bekannt wurde sie unter Handelsnamen wie Mückenschocker oder Mosquito Plant. Dieses Versprechen hält sie allerdings nicht: Eine kontrollierte Feldstudie von Matsuda und Kollegen aus dem Jahr 1996 fand keine nennenswerte Schutzwirkung gegen stechende Mücken — die Pflanze duftet, aber sie vertreibt nicht. Als Duft- und Kübelpflanze bleibt sie dennoch robust, pflegeleicht und in Sinnes- und Duftgärten geschätzt, weil ihr Aroma erst durch Berührung entsteht. Aus den Blättern lässt sich ein leichter, zitroniger Genusstee aufgießen; ein industriell destilliertes Citrosum-Öl gibt es dagegen nicht. Vorsicht bei der Haut: Citronellol und Geraniol gelten als Allergene, zerquetschte Blätter gehören nicht auf gereizte oder verletzte Haut.
Volksbelief und Marketing-Anwendung: Die als 'Citronella-Geranie', 'Mückenschocker' oder 'Mosquito Plant' im Handel verkaufte Hybride wird als angeblich mückenabwehrende Topfpflanze vermarktet. WISSENSCHAFTLICH UMSTRITTEN: Die kontrollierte Feldstudie von Matsuda et al. (1996, Journal of the American Mosquito Control Association) zeigte, dass P. citrosum keinen besseren Mückenschutz bietet als ein Kontroll-Topf — Mückenlandungen waren statistisch gleich. Tisgratog et al. (2016) bestätigten dies für Aedes-Mücken. Die intakte Pflanze gibt zu wenig flüchtige Geraniol-/Citronellol-Mengen ab, um als Repellent zu wirken; nur ein direkt auf die Haut geriebenes, zerquetschtes Blatt erzeugt eine sehr schwache, lokal begrenzte und kurzlebige Wirkung. Trotzdem bleibt die Pflanze ein verbreitetes Element in Hobbygärten — als Duftpflanze, nicht als verlässlicher Mückenschutz.
Anleitung & Dosierung
⚠ Altersbeschränkung: ≥ 2 Jahre — Bei Kindern unter 2 Jahren kein hautnaher Einsatz zerquetschter Pelargonien-Blätter — Citronellol und Geraniol sind potente Hautallergene.
Duftgartenpflanze: Trotz der widerlegten Mücken-Werbeversprechen ist die Citronella-Geranie eine attraktive, robuste Topfpflanze mit zitronig-rosigem Blattduft, kleinen rosa-violetten Blüten und attraktiv eingeschnittenem Laub. In Sinnes- und Duftgärten geschätzt für die haptische Erfahrung (Duftfreisetzung beim Berühren) und als pflegeleichte Balkon- und Fensterbankpflanze. Geeignet für Therapie- und Demenzgärten, da das Berühren der Blätter olfaktorische Reize erzeugt.
Volksbrauch (selten, im Vergleich zu P. graveolens und P. odoratissimum schwach dokumentiert): Aufguss aus frischen Blättern als leichter, zitronig-rosig duftender Genusstee. Das Aroma erinnert an eine Mischung aus Citronella-Gras und Rosengeranie. Wegen der vergleichsweise jungen Hybrid-Geschichte (kommerziell ab den 1980er Jahren) gibt es keine traditionelle Heilkunde-Verwendung — die Anwendung ist rein modern und vergnügungsorientiert.
Anleitung & Dosierung
1-2 g (2-3 frische oder 1 TL getrocknete) zerkleinerte Citronella-Geranien-Blätter mit 200 ml kochendem Wasser übergießen, zugedeckt 8 Minuten ziehen lassen, abseihen. 1-2 Tassen täglich. Frische Blätter geben ein deutlich kräftigeres Aroma als getrocknete.
- Trockenmenge
- 1–2 g
- Anwendungen/Tag
- 2×
- Max. Anwendungsdauer
- 4 Wochen
Aromatherapeutische Volksanwendung: Zerquetschte frische Blätter oder ein selbstgemachter Mazerat-Ölauszug verströmen einen zitronig-rosigen Duft, der in der Hobby-Aromatherapie als entspannend und stimmungsaufhellend gilt. Wichtig: Es gibt keine industrielle Wasserdampfdestillation eines genuinen 'P. citrosum'-Öls auf dem Markt — kommerzielle Geranium-Öle stammen aus P. graveolens oder P. capitatum. Die Wirkung ist sehr schwach im Vergleich zu echtem Geranium-Bourbon-Öl.
Anleitung & Dosierung
⚠ Altersbeschränkung: ≥ 6 Jahre — Bei Kindern unter 6 Jahren wegen Citronellol-/Geraniol-Anteil keine intensive Anwendung. Bei Säuglingen und Kleinkindern ganz meiden.
Zerquetschte Blätter der Citronella-Geranie NIEMALS auf gereizte oder verletzte Haut auftragen — Citronellol und Geraniol gelten als Allergene (in der EU-Kosmetik-Verordnung als deklarationspflichtige Duftstoffe gelistet) und können bei wiederholtem Kontakt eine Kontaktdermatitis auslösen. Vor Erstanwendung 24-h-Hauttest. WICHTIG — wissenschaftliche Ehrlichkeit: Die kommerzielle Vermarktung als 'Anti-Mücken-Pflanze' bzw. 'Mückenschocker' ist durch zwei kontrollierte Studien (Matsuda et al. 1996; Tisgratog et al. 2016) WIDERLEGT — die intakte Pflanze hat keine signifikante mückenabwehrende Wirkung. Wer auf zuverlässigen Mückenschutz angewiesen ist (Reisen in Malaria- oder Dengue-Gebiete, empfindliche Personen), MUSS auf zertifizierte Repellenten wie DEET, Icaridin oder IR3535 zurückgreifen. Eine Citronella-Geranie auf der Terrasse ersetzt keinen wirksamen Mückenschutz. Zusätzlich: Die EMA-HMPC-Pelargonium-Monographie bezieht sich AUSSCHLIESSLICH auf Pelargonium sidoides (Atemwegs-Erkältung); für P. citrosum gibt es KEINE EMA-Monographie und keinen 'Well-established use'-Status. ASPCA-Einstufung (abgerufen 2026-08-10): für Hunde und Katzen giftig. Die ASPCA stuft die ganze Gattung so ein.
⏱ Max. Daueranwendung: 4 Wochen
Küchenmengen (z.B. einzelne Blätter im Tee) gelten als unbedenklich. Auf Mazerat-Hautöle und intensiven Hautkontakt mit zerquetschten Blättern in der Schwangerschaft mangels Sicherheitsdaten verzichten. Innerliche Einnahme ätherischen Öls meiden.
Küchenmengen unbedenklich. Mazerat-Öle und Hautanwendung mangels Daten nur zurückhaltend einsetzen; Öle nicht auf Brust und Brustwarzen auftragen, solange das Kind gestillt wird.
Zerquetschte Citronella-Geranien-Blätter und Mazerat-Öle bei Säuglingen und Kindern unter 2 Jahren NICHT hautnah anwenden. Bei Kindern 2-6 Jahren nur stark verdünnt (max. 0,5 %) und nicht im Gesicht. Insbesondere KEINE Anwendung als angeblichen Mückenschutz bei Kindern in Risikogebieten — hier ausschließlich pädiatrisch geprüfte Repellenten (Icaridin 10 %, IR3535) verwenden.
Wechselwirkungen
CYP2B6-/CYP3A4-Substrate
Citronellol, Geraniol und Linalool können in höheren Konzentrationen Cytochrom-P450-Enzyme (vor allem CYP2B6) modulieren. Theoretische Wechselwirkungen mit Bupropion, Efavirenz, Ketamin und anderen CYP2B6-Substraten sind denkbar — bei aromatherapeutischer Hautanwendung kaum klinisch relevant, bei oraler Einnahme ätherischer Öle Vorsicht.
Kontraindikationen
- Bekannte Überempfindlichkeit gegenüber Pelargonien, Citronellol, Geraniol, Linalool oder anderen Geraniaceen.
- Säuglinge und Kinder unter 2 Jahren — keine hautnahe Anwendung zerquetschter Blätter oder Mazerat-Öle.
- Reise in Malaria-, Dengue- oder Zika-Risikogebiete: Die Citronella-Geranie ist KEIN zugelassenes Repellent und darf zertifizierte Mückenrepellenten (DEET, Icaridin, IR3535) NICHT ersetzen. Verlassen auf die Pflanze stellt ein medizinisches Risiko dar.
- Akute, nässende Hautentzündung oder gereizte Schleimhäute — Anwendung verschieben bis zur Abheilung.
- Katzen und kleine Hunde im Haushalt: ätherische Geranium-Öle sind für Heimtiere toxisch (laut ASPCA — gilt für alle Pelargonium-Arten). Keine direkte Hautanwendung am Tier; Diffuser nur in Räumen, die das Tier verlassen kann.
Erntet wird: Blätter (zerrieben)
- Tageszeit:
- Am frühen Vormittag bei trockenem Wetter, sobald der Tau abgetrocknet ist und vor der großen Mittagshitze — dann ist der Gehalt an ätherischem Öl am höchsten. Blütenlose, kräftige Triebspitzen bevorzugen; junge Blätter aromatischer als ältere.
- Trocknung:
- Blätter und beblätterte Triebe in dünner Schicht auf Tüchern oder Gitterhorden in einem warmen, luftigen, schattigen Raum trocknen (max. 35 °C). Direkte Sonne meiden — der zitronig-rosige Duft geht sonst rasch verloren. Nach dem Trocknen luftdicht in dunklen Glasdosen lagern.
- Lagerung:
- 6 Monate — In dunklen, fest schließenden Glas- oder Blechgefäßen kühl und trocken aufbewahren. Aroma verflüchtigt sich rasch — innerhalb von 6 Monaten verbrauchen, frisch ist deutlich kräftiger.
- Ätherisches Öl (Citronella-Geranien-Öl)Ätherisches ÖlAnteil: 0.05-0.15 %Blatt
Wasserdampfdestillat aus frischen Blättern — kommerziell praktisch nicht verfügbar. Ausbeute deutlich geringer als bei P. graveolens (Bourbon-Öl). Profil: zitronig-rosig mit ausgeprägter Citronellol- und Geraniol-Note, jedoch in niedrigerer Konzentration. Die Hybrid-Genealogie ist umstritten; vermutet wird eine Kreuzung aus P. graveolens und P. spec. mit erhöhtem Citral-Anteil.
- citronellolÄtherisches ÖlAnteil: 15-30 %Blatt
Monoterpenalkohol — Hauptbestandteil. Anteil etwas geringer als im klassischen Geranium-Bourbon-Öl (P. graveolens, 20-40 %). Verantwortlich für den rosig-zitronigen Untergrund und eine schwache, lokal begrenzte mückenabwehrende Wirkung (nur bei freigesetzter Substanz aus zerquetschten Blättern). EU-deklarationspflichtiger Duftstoff-Allergen.
- geraniolÄtherisches ÖlAnteil: 5-15 %Blatt
Zweite Leitsubstanz. Süßlich-rosiger Duft, antioxidativ, antimikrobiell und mild entzündungshemmend; theoretisch repellent gegen Mücken — die intakte Pflanze setzt aber zu wenig Geraniol an die Umgebungsluft ab, um Mücken fernzuhalten (Matsuda 1996). EU-deklarationspflichtiger Allergen.
- linaloolÄtherisches ÖlAnteil: 3-10 %Blatt
Monoterpenalkohol mit beruhigender, leicht angstlösender Wirkung — typischer Begleitstoff im Citronella-Geranien-Öl. EU-deklarationspflichtiger Duftstoff-Allergen.
- citral (geranial + neral)Ätherisches ÖlAnteil: 1-5 %Blatt
Aldehyd-Gemisch — verantwortlich für die zitronige Top-Note, die P. citrosum von P. graveolens (eher rosig) und P. odoratissimum (apfelig) abhebt. In Citronella-Gras (Cymbopogon nardus) deutlich höher konzentriert; in P. citrosum nur in geringen Mengen vorhanden. Bekannter Duftstoff-Allergen und mild hautirritierend bei direktem Kontakt.
- beta-caryophylleneSesquiterpenAnteil: 1-4 %Blatt
Sesquiterpen mit entzündungshemmender Wirkung und Affinität zum CB2-Rezeptor des Endocannabinoid-Systems. Trägt eine leicht würzig-holzige Note zum Duftprofil bei.
- citronellyl formateÄtherisches ÖlAnteil: 2-6 %Blatt
Estriger Begleitstoff — verleiht dem Öl eine fruchtig-blumige Top-Note. Trägt zur entspannenden Wirkung der zerquetschten Blätter in der Hobby-Aromatherapie bei.
- Gerbstoffe (kondensierte Gerbstoffe)GerbstoffAnteil: 2-4 %Blatt
Adstringierende Polyphenole — typisch für Pelargonium-Blätter; tragen zur leicht zusammenziehenden Wirkung wässriger Auszüge bei. Bei P. citrosum aus Hybrid-Genealogie etwas geringer als bei der reineren P. graveolens.
- [1]MonographieMatsuda B.M., Surgeoner G.A., Heal J.D., Tucker A.O., Maciarello M.J. (1996) — Essential oil analysis and field evaluation of the citrosa plant 'Pelargonium citrosum' as a repellent against populations of Aedes mosquitoes. Journal of the American Mosquito Control Association 12(1): 69-74.(abgerufen: 2026-05-27)
- [2]MonographieTisgratog R., Sanguanpong U., Grieco J.P., Ngoen-Klan R., Chareonviriyaphap T. (2016) — Plants traditionally used as mosquito repellents and the implication for their use in vector control. Acta Tropica 157: 136-144.(abgerufen: 2026-05-27)
- [4]MonographiePlants For A Future — Pelargonium citrosum (Citronella geranium / Mosquito plant)(abgerufen: 2026-05-27)
- [5]MonographieU.S. Centers for Disease Control and Prevention (CDC) — Mosquito Bite Prevention for Travelers (recommended EPA-registered repellents: DEET, picaridin/icaridin, IR3535, oil of lemon eucalyptus)(abgerufen: 2026-05-27)
- [6]MonographieRoyal Horticultural Society (RHS) — Pelargonium 'Citrosa' / Citronella-scented geranium cultivar profile(abgerufen: 2026-05-27)
- [7]MonographieLalli J.Y.Y., Viljoen A.M., Baser K.H.C., Demirci B., Oezek T. (2008) — The essential oil composition and chemotaxonomical appraisal of South African Pelargoniums (Geraniaceae). Journal of Essential Oil Research 20(2): 152-160.(abgerufen: 2026-05-27)
- [8]MonographieASPCA Animal Poison Control — Geranium (Pelargonium species)(abgerufen: 2026-08-10)
- [3]WikipediaPelargonium 'citrosum' (Wikipedia EN)(abgerufen: 2026-05-27)
Verbreitung in Europa
🪴 Zuhause anbauen
- ☀ Licht
- volle Sonne
- 💧 Wasser
- alle paar Tage
- 🌱 Erde
- Geranien-Erde
- 🪴 Topf
- 20 cm
- ⭐ Schwierigkeit
- ★☆☆ einfach
- 🐾 Haustiere
- für Haustiere giftig
Tipps:
- Wirkung am stärksten beim Berühren oder Zerreiben der Blätter.
- Auf Balkontisch oder Sitzplatz stellen für Mückenschutz beim Essen.
- Im Winter hell und kühl (5-12°C).
Pflege-Tipps sind allgemeine Empfehlungen aus Indoor-Gardening-Praxis, keine wissenschaftlichen Quellen.