© Agnieszka Kwiecień, Nova · CC BY-SA 4.0 · Commons
Echtes Johanniskraut
Vorsicht🐾Hypericum perforatum · (Hypericum perforatum)
Hypericaceae (Hypericaceae)
Beschreibung
Zerreibt man die gelben Blüten des Echten Johanniskrauts zwischen den Fingern, tritt ein rötlicher Saft aus – daher der volkstümliche Name Rotöl für den in Öl ausgezogenen Blütenauszug, der traditionell äußerlich bei Sonnenbrand und kleinen Wunden verwendet wird. Innerlich als Tee dient das blühende Kraut traditionell bei vorübergehender geistiger Erschöpfung und nervöser Unruhe mit Einschlafproblemen. Für Extrakte mit höherem Hyperforin-Gehalt ist die Wirksamkeit bei leichten bis mittelschweren depressiven Verstimmungen durch EMA-Monographien als „well established use" anerkannt, wobei der Wirkungseintritt meist erst nach etwa vier Wochen einsetzt. Entscheidend ist dabei die Vorsicht: Johanniskraut zählt zu den wechselwirkungsreichsten Heilpflanzen überhaupt, da es den Abbau zahlreicher Medikamente beschleunigt – von der Antibabypille bis zu Blutverdünnern. Vor jeder Einnahme sollte daher unbedingt ärztlicher oder pharmazeutischer Rat eingeholt werden, insbesondere bei bestehender Dauermedikation. Während der Anwendung ist zudem intensive Sonnenbestrahlung zu meiden, da die Haut photosensibler reagieren kann.
In der Schwangerschaft KONTRAINDIZIERT
Laut EMA nicht empfohlen — Tierstudien zeigten Hinweise auf reproduktionstoxische Effekte.
In der Stillzeit KONTRAINDIZIERT
Laut EMA nicht empfohlen — Sicherheit in der Stillzeit nicht belegt.
Bei Kindern KONTRAINDIZIERT
Laut EMA bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren nicht empfohlen (innerlich) bzw. unter 12 Jahren bei äußerer Anwendung.
Kritische Wechselwirkungen mit:
Hormonelle Kontrazeptiva (Pille, Vaginalring, Pflaster) · Cumarin-Antikoagulanzien (Warfarin, Phenprocoumon) · Immunsuppressiva (Cyclosporin, Tacrolimus, Sirolimus, Everolimus) · HIV-Protease-Inhibitoren und Reverse-Transkriptase-Hemmer · Antidepressiva (SSRI, SNRI, MAO-Hemmer, Buspiron)
Traditionelle Anwendung bei vorübergehender geistiger Erschöpfung — sanfter Aufguss mit niedrigem Hyperforin-Gehalt und entsprechend geringerem Wechselwirkungs-Profil als Extrakte.
Anleitung & Dosierung
AUFGUSS: 1,5–2 g zerkleinertes getrocknetes Johanniskraut (blühende oberirdische Teile) mit 150 ml siedendem Wasser übergießen, 10 Minuten zugedeckt ziehen lassen, abseihen. 2–3 mal täglich eine frisch zubereitete Tasse trinken, Tagesgesamtmenge 3–6 g. Bei vorübergehender geistiger Erschöpfung. Hinweis: Tee enthält nur sehr geringe Mengen Hyperforin (< 1 mg/Tag) — daher deutlich geringeres Wechselwirkungs-Risiko als alkoholische Extrakte. Wirkung kann erst nach einigen Tagen einsetzen.
- Trockenmenge
- 1.5–2 g
- Anwendungen/Tag
- 3×
- Max. Anwendungsdauer
- 2 Wochen
⚠ Altersbeschränkung: ≥ 18 Jahre — Laut EMA nur für Erwachsene — bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren liegen keine ausreichenden Daten zur sicheren Anwendung vor.
Quellen: [1]
Traditionelle Anwendung zur unterstützenden Behandlung von nervöser Unruhe und damit verbundenen Einschlaf-Schwierigkeiten.
Anleitung & Dosierung
AUFGUSS bei nervöser Unruhe und Einschlafproblemen: 2–3 g zerkleinertes Johanniskraut mit 150 ml siedendem Wasser übergießen, 10 Minuten zugedeckt ziehen lassen, abseihen. 2 mal täglich trinken — eine Tasse tagsüber, eine Tasse etwa eine Stunde vor dem Schlafengehen. Unterstützt sanft bei innerer Unruhe und Einschlaf-Schwierigkeiten.
- Trockenmenge
- 2–3 g
- Anwendungen/Tag
- 2×
- Max. Anwendungsdauer
- 2 Wochen
⚠ Altersbeschränkung: ≥ 18 Jahre — Laut EMA nur für Erwachsene.
Quellen: [1]
Klinisch belegte Anwendung (EMA well-established use) bei leichten bis mittelschweren depressiven Episoden bzw. zur Kurzzeitbehandlung leichter depressiver Beschwerden. WICHTIG: Aufgrund des Hyperforin-Gehalts ausgeprägte Wechselwirkungen mit zahlreichen Medikamenten — vor Einnahme unbedingt mit Arzt oder Apothekerin abklären.
Anleitung & Dosierung
Standardisierter Trockenextrakt (z.B. DER 3–7:1, Methanol-Auszug; DER 3–6:1, Ethanol-80%-Auszug; DER 2,5–8:1, Ethanol-50–68%-Auszug) — typische Tagesdosis 600–1800 mg, aufgeteilt auf 1–3 Einzelgaben. Nur als Fertigarzneimittel mit deklariertem Hypericin- und Hyperforin-Gehalt anwenden. Wirkungseintritt erst nach etwa 4 Wochen — vorher nicht aufgeben. Bei leichten depressiven Episoden Dauerbehandlung möglich; bei symptomatischer Behandlung leichter depressiver Beschwerden maximal 6 Wochen. Wenn sich die Symptome nicht bessern oder verschlimmern: ärztlich abklären.
- Trockenmenge
- 0.3–1.8 g
- Anwendungen/Tag
- 3×
- Max. Anwendungsdauer
- 6 Wochen
⚠ Altersbeschränkung: ≥ 18 Jahre — Laut EMA nur für Erwachsene.
Quellen: [1]
Traditionelle äußerliche Anwendung als Rotöl bei kleinen Hautentzündungen (Sonnenbrand) und kleinen Wunden — der typische rote Farbton stammt vom Hypericin.
Anleitung & Dosierung
JOHANNISKRAUT-ÖL (Rotöl): Fertig hergestelltes Ölmazerat dünn auf die betroffene Hautstelle auftragen, mehrmals täglich. Zur symptomatischen Behandlung leichter Hautentzündungen (z.B. Sonnenbrand) und unterstützend bei der Heilung kleiner Wunden. Selbstherstellung: voll erblühte Johanniskraut-Blüten in kaltgepresstes Olivenöl einlegen, 4–6 Wochen an einem warmen, sonnigen Platz ziehen lassen — das Öl färbt sich tiefrot. WICHTIG: Behandelte Hautstellen während und nach der Anwendung nicht direktem Sonnenlicht oder UV-Bestrahlung aussetzen.
- Anwendungen/Tag
- 3×
- Max. Anwendungsdauer
- 1 Wochen
⚠ Altersbeschränkung: ≥ 12 Jahre — Laut EMA nur ab 12 Jahren bei äußerlicher Anwendung.
Quellen: [1]
ACHTUNG — STARKE WECHSELWIRKUNGEN: Johanniskraut (vor allem als alkoholischer Extrakt mit >1 mg Hyperforin/Tag) ist die pharmakologisch wirksamste Heilpflanze und induziert die Leberenzyme CYP3A4, CYP2B6, CYP2C9, CYP2C19 sowie das Transportprotein P-Glykoprotein. Dadurch wird der Abbau zahlreicher Arzneimittel beschleunigt und deren Wirkung kann versagen — z.B. die Pille (Schwangerschafts-Risiko trotz Einnahme!), Blutverdünner vom Cumarin-Typ, Immunsuppressiva nach Transplantation, HIV-Medikamente, bestimmte Krebsmedikamente, Digoxin, Theophyllin, manche Antidepressiva. Vor jeder Einnahme Arzt oder Apothekerin informieren. Bei gleichzeitiger Einnahme von SSRI besteht Gefahr eines Serotonin-Syndroms. Enzym-Induktion klingt erst etwa 1 Woche nach Absetzen wieder ab. Vor geplanten Operationen mindestens 1 Woche vorher absetzen. PHOTOSENSIBILISIERUNG: Während Einnahme intensive Sonneneinstrahlung und Solarium meiden. Wirkungseintritt bei Depression erst nach etwa 4 Wochen. Wenn sich depressive Symptome nicht bessern, sich verschlimmern oder Suizidgedanken auftreten: sofort ärztlich abklären. ASPCA-Einstufung (abgerufen 2026-08-10): für Hunde und Katzen giftig.
⏱ Max. Daueranwendung: 6 Wochen
Laut EMA nicht empfohlen — Tierstudien zeigten Hinweise auf reproduktionstoxische Effekte.
Laut EMA nicht empfohlen — Sicherheit in der Stillzeit nicht belegt.
Laut EMA bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren nicht empfohlen (innerlich) bzw. unter 12 Jahren bei äußerer Anwendung.
Wechselwirkungen
Hormonelle Kontrazeptiva (Pille, Vaginalring, Pflaster)
Johanniskraut induziert CYP3A4 und beschleunigt den Abbau der Östrogen- und Gestagen-Komponenten. Folge: Plasmaspiegel sinken, es kann zu Zwischenblutungen und vor allem zu Empfängnis trotz korrekter Pillen-Einnahme kommen. Frauen unter hormoneller Kontrazeption müssen zusätzlich nicht-hormonell verhüten.
Cumarin-Antikoagulanzien (Warfarin, Phenprocoumon)
Beschleunigter Abbau über CYP2C9 senkt Plasmaspiegel und gerinnungshemmende Wirkung — INR-Wert fällt, Thrombose-Risiko steigt. Gleichzeitige Anwendung laut EMA kontraindiziert.
Immunsuppressiva (Cyclosporin, Tacrolimus, Sirolimus, Everolimus)
Drastische Senkung der Plasmaspiegel. Bei Transplantierten dokumentierte Abstoßungsreaktionen — gleichzeitige Anwendung laut EMA kontraindiziert.
HIV-Protease-Inhibitoren und Reverse-Transkriptase-Hemmer
Senkung der antiviralen Plasmaspiegel mit Resistenz- und Therapieversagens-Risiko — gleichzeitige Anwendung laut EMA kontraindiziert.
Antidepressiva (SSRI, SNRI, MAO-Hemmer, Buspiron)
Pharmakodynamische Wechselwirkung — Johanniskraut hat selbst serotonerge Wirkung. Gefahr eines Serotonin-Syndroms mit Schwitzen, Tachykardie, Fieber, Erregung, Verwirrung, Zittern.
Digoxin
Induktion von P-Glykoprotein senkt Digoxin-Spiegel — Risiko des Wirkverlusts bei Herzinsuffizienz oder Vorhofflimmern.
Theophyllin
Beschleunigter Abbau senkt Plasmaspiegel — Risiko unzureichender Bronchodilatation bei Asthma/COPD.
Allgemein- und Regionalanästhetika (vor Operationen)
Mögliche Wechselwirkungen mit Narkose-Medikamenten. Johanniskraut mindestens 1 Woche vor einer geplanten Operation absetzen.
Kontraindikationen
- Überempfindlichkeit gegenüber Johanniskraut oder einem der Inhaltsstoffe.
- Gleichzeitige Einnahme von Cumarin-Antikoagulanzien.
- Gleichzeitige Einnahme von Immunsuppressiva.
- Gleichzeitige Einnahme von HIV-Medikamenten.
- Schwangerschaft und Stillzeit.
- Innerliche Anwendung bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren; äußerliche Anwendung bei Kindern unter 12 Jahren.
Erntet wird: blühendes Kraut
- Tageszeit:
- Klassisch um den Johannistag (24. Juni) und in den Wochen danach — an einem trockenen, sonnigen Vormittag schneiden, sobald der Tau abgetrocknet ist.
- Trocknung:
- Die blühenden oberen 15–30 cm der Pflanze sammeln. Zu kleinen Sträußen binden und kopfüber an luftigem, schattigem Ort hängen. Temperatur unter 35 °C halten, damit Hypericin und ätherisches Öl erhalten bleiben.
- Lagerung:
- 12 Monate — Lichtgeschützt in dunklen Gläsern oder Blechdosen lagern — Hypericin ist licht- und sauerstoffempfindlich.
- Tageszeit:
- Für die Öl-Herstellung nur die voll erblühten Einzelblüten an einem sonnigen Vormittag pflücken — Blüten zwischen den Fingern zerreiben: färben sie sich tief rot, ist der Hypericin-Gehalt optimal.
- Trocknung:
- Für Johanniskraut-Öl: frisch pflücken und sofort verarbeiten. Für getrocknete Blüten: einlagig im Schatten bei unter 35 °C trocknen.
- Lagerung:
- 12 Monate — Getrocknete Blüten lichtgeschützt aufbewahren. Selbst angesetztes Rotöl in dunklen Glasflaschen kühl lagern.
- Hypericin und Pseudohypericin (Naphthodianthrone)GlykosidAnteil: 0,1–0,3 %Blüte
Rote Farbstoffe — typisch für das Johanniskraut-Öl. Tragen zur antidepressiven Wirkung bei und sind Hauptträger der Photosensibilisierung.
- Hyperforin (Phloroglucin-Derivat)BitterstoffAnteil: 2–4 % (Trockenkraut)Blüte
Hauptverursacher der Wechselwirkungen: induziert dosisabhängig CYP3A4, CYP2B6, CYP2C9, CYP2C19 und P-Glykoprotein. Wässriger Tee enthält nur sehr geringe Mengen (< 1 mg/Tag) — alkoholische Extrakte deutlich mehr.
- Flavonoide (Hyperosid, Rutin, Quercitrin, Quercetin, Isoquercitrin)FlavonoidAnteil: 2–4 %Krautige Teile
Tragen zur Gesamtwirkung bei — antioxidative und mild entzündungshemmende Eigenschaften.
- Biflavonoide (Amentoflavon, Biapigenin)FlavonoidBlüte
Charakteristisch für Hypericum — werden zur Identitätsprüfung herangezogen.
- Gerbstoffe (Catechin-Typ)GerbstoffAnteil: 6–15 %Krautige Teile
Tragen zur leicht zusammenziehenden, wundheilenden Wirkung des Öls bei.
- Ätherisches ÖlÄtherisches ÖlAnteil: 0,05–0,3 %Blüte
Geringe Menge — enthält α-Pinen, β-Pinen, Sesquiterpene und n-Alkane.
- [1]MonographieEMA/HMPC/7695/2021 — European Union herbal monograph on Hypericum perforatum L., herba (Final, Revision 1, 23 November 2022)(abgerufen: 2026-05-18)
- [2]MonographieASPCA Animal Poison Control — Klamath Weed (Hypericum perforatum)(abgerufen: 2026-08-10)
- [3]MonographieCliniTox Giftpflanzen — Hypericum perforatum L.s.str.: giftig + (Institut für Veterinärpharmakologie und -toxikologie, Universität Zürich)(abgerufen: 2026-08-10)