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Waldmeister
VorsichtGalium odoratum · (Galium odoratum)
Rötegewächse (Rubiaceae)
Beschreibung
Erst beim Antrocknen entfaltet Waldmeister seinen charakteristischen Heuduft nach frisch gemähtem Gras, der auf das enthaltene Cumarin zurückgeht und die Pflanze zur bekannten Zutat der Maibowle gemacht hat. Geerntet wird das Kraut kurz vor und während der Blüte im Mai und Juni, wenn auch Iridoide wie Asperulosid sowie Gerbstoffe enthalten sind. Volksheilkundlich wird ein leichter Aufguss abends bei Unruhe und Einschlafproblemen getrunken, traditionell auch bei Verdauungs- und Leberbeschwerden. Wegen des Cumaringehalts von bis zu einem Prozent in der Trockenmasse sollte die tägliche Aufnahme begrenzt bleiben, da größere Mengen Kopfschmerzen und Benommenheit auslösen und bei häufigem Verzehr die Leber belasten können. Feucht gelagertes Kraut kann zudem das stark blutverdünnende Dicumarin bilden, weshalb Waldmeister stets trocken und nur in Maßen verwendet werden sollte.
In der Schwangerschaft KONTRAINDIZIERT
Nicht in der Schwangerschaft anwenden; Cumarin und Iridoidglykoside können die Gebärmutter stimulieren.
Kritische Wechselwirkungen mit:
Antikoagulanzien (Warfarin, Phenprocoumon)
Aufguss aus getrocknetem Kraut (1–2 g pro Tasse) bei Nervosität, Schlafstörungen und Spannungskopfschmerzen. Die Iridoidglykoside (Asperulosid) und das aus Cumaringlykosiden entstehende Cumarin wirken leicht sedativ und krampflösend.
Anleitung & Dosierung
- Trockenmenge
- 1–2 g
- Anwendungen/Tag
- 2×
- Max. Anwendungsdauer
- 4 Wochen
Volksmedizinisch bei Leberleiden, Gallenwegserkrankungen und Ikterus eingesetzt. Die krampflösenden und entzündungshemmenden Eigenschaften der Iridoidglykoside (Asperulosid, Monotropein) stützen diesen Einsatz.
Anleitung & Dosierung
- Trockenmenge
- 1–2 g
- Anwendungen/Tag
- 2×
- Max. Anwendungsdauer
- 3 Wochen
Als mildes Diuretikum bei leichten Harnwegsreizungen und zur unterstützenden Durchspülungstherapie eingesetzt. Die Cumarinderivate wirken gefäßerweiternd und fördern die Nierendurchblutung.
Anleitung & Dosierung
- Trockenmenge
- 1–2 g
- Anwendungen/Tag
- 3×
- Max. Anwendungsdauer
- 2 Wochen
Abgekühlter Aufguss oder frisch zerquetschtes Kraut als feuchte Kompresse bei kleinen Wunden, Hautreizungen und Verbrennungen leichten Grades. In-vitro-Studien belegen antioxidative und wundheilungsfördernde Eigenschaften der Polyphenole.
Kurz welkes oder maximal 2–24 Stunden vorgetrocknetes frisches Kraut als Aromageber in der Maibowle und Kräuterlikören. Maximal 3–3,5 g frisches Kraut pro Liter (BfR-Empfehlung, Cumarin ≤ 0,1 mg/kg Körpergewicht/Tag). Trockenes Kraut verliert durch Sublimation einen Teil des Cumarins.
Volksmedizinisch bei Venenschwäche und Krampfadern eingesetzt. Cumarin und Rutin stabilisieren die Kapillarwände und hemmen die Blutgerinnung moderat; bei Einnahme von Gerinnungshemmern kontraindiziert.
Enthält Cumarin (ca. 0,28 % im Frischkraut, ca. 1 % in der Trockenmasse vor Sublimation). Tägliche Cumarinaufnahme auf max. 0,1 mg/kg Körpergewicht begrenzen (BfR). Größere Mengen verursachen Kopfschmerzen, Benommenheit und können bei häufigem Verzehr die Leber schädigen. Feuchtes Lagern begünstigt die Bildung von Dicumarin (starkes Antikoagulans — Blutungsrisiko).
Nicht in der Schwangerschaft anwenden; Cumarin und Iridoidglykoside können die Gebärmutter stimulieren.
Keine ausreichenden Daten; vorsorglich meiden.
Wegen des Cumaringehalts bei Kindern unter 12 Jahren nur nach ärztlichem Rat und in sehr geringen Mengen anwenden.
Wechselwirkungen
Antikoagulanzien (Warfarin, Phenprocoumon)
Cumarin und Dicumarin aus feuchtem Kraut können die gerinnungshemmende Wirkung verstärken; erhöhtes Blutungsrisiko.
Thrombozytenaggregationshemmer (Aspirin, Clopidogrel)
Additive Hemmung der Thrombozytenfunktion durch Cumarinderivate möglich.
Kontraindikationen
- Einnahme von Antikoagulanzien (Cumarin-Antagonismus — verstärkte Blutungsneigung).
- Bekannte Überempfindlichkeit gegenüber Galium-Arten oder Rötegewächsen.
- Schwere Lebererkrankungen (Cumarinmetabolisierung beeinträchtigt).
Erntet wird: Kraut vor und während der Blüte
- Tageszeit:
- Morgens nach Tauabtrocknung; Kraut möglichst kurz vor Beginn der Blüte oder während der Blüte ernten.
- Trocknung:
- Für die Maibowle: 2–24 Stunden welken lassen (entwickelt Cumarinduft), dann frisch verwenden. Für Tee/Trocknung: bei max. 40 °C trocknen; Cumarin sublimiert teilweise bei längerer Trocknung.
- Lagerung:
- 12 Monate — Trocken (nicht feucht!) lagern — feuchte Lagerung fördert Bildung von Dicumarin. Dicht schließende Behälter, lichtgeschützt.
- CumarinSonstigeAnteil: ca. 0,28 % (Frischkraut); bis 1 % (Trockenmasse vor Sublimation)Krautige Teile
Entsteht beim Trocknen aus den Cumaringlykosiden (cis- und trans-Melilosid) durch enzymatische Hydrolyse; verantwortlich für den typischen Heuduft. Sedativ, krampflösend, vasodilatorisch; in Überdosierung hepatotoxisch.
- AsperulosidGlykosidAnteil: ca. 0,05 %Krautige Teile
Iridoidglykosid; antientzündlich und immunmodulatorisch; einer der Leitinhaltsstoffe von Galium odoratum.
- MonotropeinGlykosidAnteil: ca. 0,04 %Krautige Teile
Iridoidglykosid; kommt zusammen mit Asperulosid vor; antientzündliche Eigenschaften.
- RutinFlavonoidKrautige Teile
Flavonoidglykosid; stabilisiert Kapillarwände; antioxidative und venenschützende Eigenschaften.
- Quercetin-DerivateFlavonoidKrautige Teile
Quercetin- und Kaempferol-Glykoside; antioxidativ und leicht entzündungshemmend.
- Chlorogensäure (Chlorogenic acid)PhenolsäureKrautige Teile
Phenolcarbonsäure; antioxidative Eigenschaften; in G. odoratum neben Neochlorogensäure nachgewiesen.
- Gerbstoffe (Tannine)GerbstoffKrautige Teile
Hydrolysierbare und kondensierte Gerbstoffe in geringen Mengen; adstringierend.
- [3]MonographieWoodruff, Sweet — Uses, Benefits & Dosage (Drugs.com Natural Products)(abgerufen: 2026-05-21)
- [4]MonographieComprehensive analysis of natural products of Galium odoratum focusing on coumarin formation during drying (PubMed 40122276)(abgerufen: 2026-05-21)
- [5]MonographieAntioxidant and burn healing potential of Galium odoratum extracts (PMC3764671)(abgerufen: 2026-05-21)
- [6]MonographiePhenolic Content and Anti-Inflammatory Activity of Galium odoratum Extracts in Murine Macrophages (PMC11672921)(abgerufen: 2026-05-21)
- [2]BuchPlants For A Future — Galium odoratum(abgerufen: 2026-05-21)
- [1]WikipediaWaldmeister (Wikipedia DE)(abgerufen: 2026-05-21)