© Walther Otto Müller, in Köhler's Medizinal-Pflanzen (1887), Plate 120 · Public domain · Commons
Faulbaum
Vorsicht🐾Alder buckthorn · (Frangula alnus)
Kreuzdorngewächse (Rhamnaceae)
Beschreibung
Der Faulbaum (Frangula alnus, syn. Rhamnus frangula) ist ein dornenloser, sommergrüner Strauch von 2 bis 6 Metern Höhe aus der Familie der Kreuzdorngewächse mit dunkler Rinde und auffallend zitronengelber Innenrinde. Arzneilich genutzt wird die getrocknete Rinde von Stämmen und Zweigen, die Faulbaumrinde (Frangulae cortex). Sie enthält Anthrachinon-Glykoside (Glucofrangulin A und B, Frangulin A und B) und wirkt als mild abführendes Mittel auf den Dickdarm. Die Rinde muss vor der Verwendung mindestens ein Jahr gelagert oder erhitzt werden, da frische Rinde heftiges Erbrechen auslöst.
In der Schwangerschaft KONTRAINDIZIERT
In der Schwangerschaft nicht anwenden; stimulierende Anthrachinon-Abführmittel werden in der Schwangerschaft nicht empfohlen.
In der Stillzeit KONTRAINDIZIERT
In der Stillzeit nicht anwenden, da Metaboliten in die Muttermilch übergehen können.
Bei Kindern KONTRAINDIZIERT
Nicht bei Kindern unter 12 Jahren anwenden.
Kritische Wechselwirkungen mit:
Herzglykoside (z. B. Digoxin)
Kurzfristige gelegentliche Verstopfung
Anleitung & Dosierung
0,5 bis 2,5 g getrocknete, mindestens ein Jahr gelagerte Faulbaumrinde mit 150 ml heißem Wasser übergießen, 10 bis 15 Minuten ziehen lassen und abseihen. Einmal täglich, vorzugsweise abends, einnehmen. Die Dosis ist auf 10 bis 30 mg Hydroxyanthracen-Derivate (berechnet als Glucofrangulin A) pro Tag standardisiert; stets die niedrigste wirksame Dosis verwenden. Nicht länger als eine Woche ohne ärztlichen Rat anwenden.
- Trockenmenge
- 0.5–2.5 g
- Anwendungen/Tag
- 1×
- Max. Anwendungsdauer
- 1 Wochen
⚠ Altersbeschränkung: ≥ 12 Jahre — Nur für Erwachsene und Jugendliche über 12 Jahren.
Standardisierter Extrakt gegen Verstopfung
Anleitung & Dosierung
Flüssige oder standardisierte Trockenextrakt-Zubereitungen aus Faulbaumrinde werden so dosiert, dass 10 bis 30 mg Hydroxyanthracen-Derivate (als Glucofrangulin A) pro Tag erreicht werden. Einmal täglich abends einnehmen, immer die individuell niedrigste wirksame Dosis. Nur kurzfristig, maximal eine Woche. Fertige standardisierte Präparate sind zuverlässiger dosierbar als selbst angesetzte Tinkturen.
- Anwendungen/Tag
- 1×
- Max. Anwendungsdauer
- 1 Wochen
⚠ Altersbeschränkung: ≥ 12 Jahre — Nur für Erwachsene und Jugendliche über 12 Jahren.
Traditionelle Anregung der Verdauung
Anleitung & Dosierung
Volkstümlich wurde ein schwacher Aufguss der gereiften Rinde als sanftes Mittel zur Anregung der Darmtätigkeit und der Verdauung verwendet. 0,5 bis 2 g gelagerte Rinde mit 150 ml heißem Wasser überbrühen, 10 Minuten ziehen lassen. Diese Anwendung ist traditionell und nicht durch klinische Studien belegt; dieselben Sicherheitsgrenzen wie bei der abführenden Anwendung gelten.
- Trockenmenge
- 0.5–2 g
- Anwendungen/Tag
- 1×
- Max. Anwendungsdauer
- 1 Wochen
⚠ Altersbeschränkung: ≥ 12 Jahre — Nur für Erwachsene und Jugendliche über 12 Jahren.
Faulbaumrinde ist ein anthrachinonhaltiges, stimulierendes Abführmittel und darf nur kurzfristig (maximal eine Woche) und nicht ohne ärztlichen Rat dauerhaft angewendet werden. Frische Rinde ist giftig und löst heftiges Erbrechen, Übelkeit und kolikartige Bauchschmerzen aus; nur mindestens ein Jahr gelagerte oder bei 80 bis 100 °C erhitzte Rinde darf verwendet werden. Auch Beeren und Blätter sind giftig. Nicht anwenden in Schwangerschaft, Stillzeit und bei Kindern unter 12 Jahren. Längerer oder übermäßiger Gebrauch kann zu Elektrolytverlusten, insbesondere Kaliumverlust, Gewöhnung, Verschlimmerung der Verstopfung (atonischer Dickdarm) und harmloser Verfärbung des Urins führen. Bei anhaltenden Beschwerden ärztlichen Rat einholen.
In der Schwangerschaft nicht anwenden; stimulierende Anthrachinon-Abführmittel werden in der Schwangerschaft nicht empfohlen.
In der Stillzeit nicht anwenden, da Metaboliten in die Muttermilch übergehen können.
Nicht bei Kindern unter 12 Jahren anwenden.
Wechselwirkungen
Herzglykoside (z. B. Digoxin)
Durch Kaliumverlust bei längerem Gebrauch kann die Wirkung und Toxizität von Herzglykosiden verstärkt werden.
Diuretika
Gemeinsame Anwendung kann den Kaliumverlust verstärken und das Elektrolytungleichgewicht vergrößern.
Kortikosteroide
Verstärkter Kaliumverlust bei gleichzeitiger Anwendung mit Nebennierenrinden-Steroiden.
Antiarrhythmika
Ein durch Kaliumverlust verursachtes Elektrolytungleichgewicht kann die Wirkung von Antiarrhythmika beeinflussen.
Kontraindikationen
- Darmverschluss (Ileus) und Verengung des Darms
- Darmatonie (Verlust der Muskelkraft des Darms)
- Blinddarmentzündung (Appendizitis)
- Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa)
- Bauchschmerzen unbekannter Ursache
- Schwere Dehydratation mit Wasser- und Salzverlust
- Kinder unter 12 Jahren
- Schwangerschaft und Stillzeit
Erntet wird: Rinde von Stämmen und Zweigen
- Tageszeit:
- Im Frühjahr bis Frühsommer, wenn sich die Rinde gut vom Holz löst (Saftfluss).
- Trocknung:
- Rinde von Stämmen und Zweigen schälen und an der Luft bzw. in der Sonne trocknen. Vor der arzneilichen Verwendung mindestens ein Jahr lagern oder bei 80 bis 100 °C erhitzen, damit die frischen, brechreizerregenden Anthranole oxidieren.
- Lagerung:
- 24 Monate — Trocken, vor Licht und Feuchtigkeit geschützt; frühestens nach einjähriger Reifung verwenden.
- Glucofrangulin AGlykosidAnteil: min. 7%Rinde
Anthrachinon-Glykosid und arzneilich bestimmende Leitsubstanz; die Rinde muss laut Arzneibuch mindestens 7 % Glucofranguline (berechnet als Glucofrangulin A) enthalten.
- Glucofrangulin BGlykosidRinde
Anthrachinon-Glykosid, das gemeinsam mit Glucofrangulin A die abführende Wirkung trägt.
- Frangulin AGlykosidRinde
Anthrachinon-Glykosid (Emodin-Rhamnosid), entsteht beim Reifen aus den Glucofrangulinen.
- Frangulin BGlykosidRinde
Anthrachinon-Glykosid der Faulbaumrinde, mitverantwortlich für die abführende Wirkung.
- EmodinGlykosidRinde
Anthrachinon-Aglykon; in frischer Rinde liegen reaktive Vorstufen vor, die das Erbrechen verursachen und beim Lagern oder Erhitzen oxidiert werden.
- Gerbstoffe (Tannine)GerbstoffRinde
Adstringierende Begleitstoffe der Rinde.
- FlavonoideFlavonoidRinde
Sekundäre Pflanzenstoffe in geringerer Menge.
- [1]MonographieEuropean Union herbal monograph on Rhamnus frangula L. (Frangula alnus Miller), cortex (Revision 1)(abgerufen: 2026-06-12)
- [2]MonographieFrangula bark summary for the public (HMPC) - European Medicines Agency(abgerufen: 2026-06-12)
- [3]MonographieAssessment report on Rhamnus frangula L., cortex (Revision 1) - European Medicines Agency(abgerufen: 2026-06-12)
- [8]MonographieCliniTox Giftpflanzen — Frangula alnus Mill.: stark giftig ++ (Institut für Veterinärpharmakologie und -toxikologie, Universität Zürich)(abgerufen: 2026-08-10)
- [4]WikipediaFaulbaum - Wikipedia (deutsch)(abgerufen: 2026-06-12)
- [5]WikipediaFrangula alnus - Wikipedia(abgerufen: 2026-06-12)
- [7]CommonsFile:Rhamnus frangula - Köhler's Medizinal-Pflanzen-120.jpg - Wikimedia Commons(abgerufen: 2026-06-12)
- [6]WikidataFrangula alnus (Q161139) - Wikidata(abgerufen: 2026-06-12)
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