Donum ∞ Dei
Foto von Gefleckter Schierling

© Köhlers Medizinalpflanzen · Public domain · Commons

Gefleckter Schierling

Giftig🐾

Conium maculatum · (Conium maculatum)

Doldenblütler (Apiaceae)

Beschreibung

Ein rot gefleckter Stängel und ein intensiver, an Mäuseurin erinnernder Geruch beim Zerreiben der Blätter verraten den Gefleckten Schierling — ein auffälliger Doldenblütler feuchter, stickstoffreicher Standorte, der von Juni bis August blüht. Alle Pflanzenteile enthalten das Piperidin-Alkaloid Coniin, in unreifen Früchten am stärksten konzentriert. Historisch wurde Schierlingsextrakt äusserlich bei Gicht und innerlich als Krampflöser eingesetzt, in der Antike diente ein Aufguss aus den Früchten sogar als Hinrichtungsmittel; homöopathisch wird die Pflanze in stark verdünnter Form angewendet. Diese Anwendungen sind ausschliesslich historisch beziehungsweise ohne moderne Wirksamkeitsbelege dokumentiert. Der Gefleckte Schierling zählt zu den tödlichsten heimischen Wildpflanzen: Coniin lähmt die Muskulatur bis zum Atemstillstand, und die Art wird leicht mit Petersilie oder Kerbel verwechselt. Sammeln und Anwenden sind Laien dringend zu untersagen.

  • SalbeBlattÄußerlichTraditionell

    Historische externe Anwendung von Schierlings-Salben und -Ölauszügen bei Gicht, schmerzhaften Geschwüren, Tumoren und entzündeten Lymphknoten. Bereits in mittelalterlichen Kräuterbüchern (15.–16. Jahrhundert) sowie bei Nicholas Culpeper (1650er) für äusserliche Schwellungen empfohlen; im 18. Jahrhundert durch den Wiener Arzt Anton von Störck als „auflösendes und veränderndes" Mittel propagiert. Officinal in Pharmakopöen 1864–1934. Heute wegen Toxizität (Hautresorption von Coniin) verlassen.

    Anleitung & Dosierung

    Quellen: [1] [2] [4]

  • UmschlagBlattÄußerlichVolksmedizin

    Volksmedizinische externe Anwendung als Umschlag bei Mastitis, malignen Tumoren (besonders Brust), Analfissuren und Hämorrhoiden. Im 18. und 19. Jahrhundert breit als Krebs-Mittel propagiert. Plants for a Future berichtet von „ointments and oils" zur Behandlung dieser Indikationen. Heute wegen unsicherer Wirksamkeit und systemischer Toxizität nicht mehr eingesetzt.

    Anleitung & Dosierung

    Quellen: [1] [4]

  • TinkturKrautige TeileÄußerlichVolksmedizin

    Antike und mittelalterliche Verwendung als Sedativum und Schlafmittel: Dioscorides (Materia Medica, 1. Jh.) und Plinius der Ältere (Naturalis Historia) beschreiben Schierling (gr. kōneion, lat. cicuta) als äusseres Schmerzmittel und in geringen Mengen als Beruhigungsmittel. In Pharmakopöen wurde Conii herba als Sedativum geführt — dosisabhängig hochgradig toxisch.

    Anleitung & Dosierung

    Quellen: [1] [5]

Nur historische Dokumentation — NICHT anwenden

Diese inneren Anwendungen sind historisch überliefert. Diese Pflanze ist hochgiftig — eine Selbstanwendung kann schwere Vergiftungen oder den Tod verursachen. Nur zur Dokumentation, ausdrücklich KEINE Handlungsempfehlung.

  • TinkturKrautige TeileInnerlichTraditionell

    Historische pharmazeutische Verwendung von Schierlings-Extrakt (Extractum Conii) als Antispasmodikum bei Tetanus, Keuchhusten und epileptischen Krampfanfällen im 18. und 19. Jahrhundert. Coniin wirkt am nikotinergen Acetylcholinrezeptor — bei zu hoher Dosis aufsteigende Lähmung. Heute durch Benzodiazepine und moderne Antikonvulsiva ersetzt; pharmazeutische Anwendung obsolet.

    Anleitung & Dosierung

    Quellen: [2] [4] [5]

  • TinkturKrautige TeileInnerlichVolksmedizin

    Homöopathische Verwendung von Conium maculatum (D6–C30), typischerweise als Konstitutionsmittel bei drüsigen Verhärtungen, Schwindel bei älteren Menschen, Lähmungserscheinungen und prämenstruellen Beschwerden. Reine homöopathische Verdünnungsstufen (ab C12) enthalten keine pharmakologisch wirksamen Coniin-Mengen. Verbreitet in der klassischen Homöopathie.

    Anleitung & Dosierung

    Quellen: [3] [4]

  • RohFruchtInnerlichVolksmedizin

    Historisch-juridische Verwendung des Schierlingsbechers im klassischen Athen (5./4. Jh. v. Chr.) als Hinrichtungsmittel — bekannteste Anwendung: die Hinrichtung des Sokrates 399 v. Chr., dokumentiert in Platons Dialog Phaidon. Zubereitung aus zerstossenen, unreifen Früchten und Wurzeln in Wasser oder Wein. Platon beschreibt die aufsteigende Lähmung von den Füssen nach oben bei klarem Bewusstsein. Rein historisches Kulturphänomen — keine Anwendungsempfehlung.

    Anleitung & Dosierung

    Quellen: [2] [5] [6]

Mehr aus dieser Familie · Doldenblütler

DEENFRESBG