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Kohlrabi
Kohlrabi · (Brassica oleracea var. gongylodes)
Kreuzblütler (Brassicaceae)
Beschreibung
Beim Kohlrabi isst man weder Wurzel noch Blatt, sondern die verdickte Sprossachse — eine Knolle, die über der Erde sitzt und ringsum von Blattstielen besetzt ist. Geerntet wird von Mai bis Oktober; jung geerntet ist sie zart und fast ohne Fasern, große Knollen werden holzig. Mit rund 62 Milligramm Vitamin C je 100 Gramm übertrifft die rohe Knolle viele Zitrusfrüchte, dazu kommen Kalium, Kupfer und Senfölglykoside wie Glucoraphanin, aus dem beim Kauen Sulforaphan entsteht. Die Blätter landen meist im Abfall, enthalten aber etwa doppelt so viel Vitamin C und ein Vielfaches an Provitamin A wie die Knolle — jung und gedünstet sind sie ein vollwertiges Gemüse. Kohlrabi gilt als besonders mild und leicht verdaulich; nur bei sehr großen Mengen über Wochen können die Senföle die Jodaufnahme der Schilddrüse hemmen.
Kohlrabi ist außerordentlich reich an Vitamin C: Die Sprossknolle enthält ca. 62 mg/100 g (ca. 69–102 % des Tagesbedarfs). Damit übertrifft er viele Zitrusfrüchte. Weitere wichtige Nährstoffe: Kalium (ca. 350–380 mg/100 g), Kupfer (ca. 0,13 mg/100 g, 14 % DV), Vitamin B6 (ca. 0,15 mg/100 g) und Ballaststoffe (ca. 3,6 g/100 g). Roh in Scheiben als Snack, gerieben im Salat oder als Rohkoststick — roh ist der Vitamin-C-Gehalt am höchsten, da Vitamin C hitzeempfindlich ist. Die Schale ist holzig-faserig und wird vor dem Rohverzehr abgeschält.
In der deutschen und mitteleuropäischen Küchentradition ist Kohlrabi ein typisches Frühjahrs- und Sommergemüse für Kinder und Kranke — mild, leicht verdaulich, wenig Ballaststoffe in jungen Knollen. Die Volksmedizin empfiehlt Kohlrabi bei Verdauungsbeschwerden und als schonende Kost bei Magenproblemen. Junge Blätter (besonders reich an Vitamin C — ca. doppelt so viel wie die Knolle) werden wie Blattgemüse zubereitet. In Teilen Frankreichs werden die Knollen geraspelt und wie Sauerkraut fermentiert konserviert.
In der indischen Ayurveda-Tradition wird Kohlrabi (bekannt als 'Ganth Gobi') bei Pitta-Störungen (Überhitzungszuständen des Körpers) empfohlen — als kühlende, erfrischende Speise. In Kaschmir wird Kohlrabi (Mŏnji) mit Blättern und Stiel als Hauptgericht mit leichter Brühe über Reis serviert. Darüber hinaus setzte die traditionelle europäische Volksmedizin Kohlrabi bei Erkältungsbeschwerden und allgemeiner Erschöpfung ein — plausibel durch den hohen Vitamin-C-Gehalt.
Die Blätter des Kohlrabis sind nutritiv bedeutend: Sie enthalten ca. doppelt so viel Vitamin C und etwa das 100-fache an Carotin (Provitamin A) im Vergleich zur Knolle. Junge Blätter können roh im Salat, als Suppe oder gedünstet wie Kohl verwendet werden. In der Volksmedizin Südasiens und des östlichen Mittelmeerraums werden Kohlrabiblätter bei Erkältungen und Entzündungen eingesetzt. Ältere Blätter werden vor dem Verzehr blanchiert, um die Bitterstoffe zu reduzieren.
In der traditionellen indischen Medizin und in Teilen des Nahen Ostens wird Kohlrabisaft äußerlich bei Haarausfall auf die Kopfhaut aufgetragen — eine Volkspraxis ohne klinische Belege. Innerlich: Der hohe Vitamin-C-Gehalt unterstützt die Kollagensynthese (relevant für Haut, Wunden, Bindegewebe). Kohlrabi enthält zudem Glucosinolate, die zu Isothiocyanaten hydrolysiert werden und in Laborstudien chemoprotektive Wirkung zeigen.
Kohlrabi enthält Glucosinolate (Schwefel-enthaltende Sekundärstoffe), zu denen Glucoraphanin, Glucoiberin, Glucobrassicin und weitere zählen. Beim Schneiden oder Kauen werden diese durch das Enzym Myrosinase zu Isothiocyanaten (u.a. Sulforaphan, Indol-3-Carbinol) hydrolysiert. Diese Verbindungen werden in epidemiologischen Studien und Laborversuchen mit der Prävention von Dickdarm- und Prostatakrebs in Verbindung gebracht. Goitrogene Wirkung (Schilddrüsenhemmung) bei sehr hohem Verzehr möglich.
Kohlrabi wird klassisch gedünstet oder gekocht als Beilage (mit Butter und Kräutern), zu Püree verarbeitet, in Eintöpfen und Suppen verwendet oder für Füllungen und Aufläufe genutzt. In Teilen Deutschlands und Österreichs ist Kohlrabi-Cremesuppe ein klassisches Hausrezept. Der milde, leicht süßliche Geschmack ergibt sich aus Äpfelsäure, Citronensäure und natürlichem Zucker. Beim Dünsten und kurzen Kochen bleiben Glucosinolate besser erhalten als beim langen Kochen.
Kohlrabi ist ein mildes, gut verträgliches Gemüse. Bei sehr hohem und regelmäßigem Verzehr (mehrere Hundert Gramm täglich über Wochen) können Glucosinolat-Abbauprodukte goitrogen wirken und die Jodaufnahme in die Schilddrüse hemmen — bei normaler Ernährungsmenge klinisch unbedeutsam. Personen mit Schilddrüsenerkrankungen und Jodmangel sollten extreme Mengen meiden. Beim Erhitzen werden Glucosinolate und ihr Abbauprodukt Sulforaphan partiell inaktiviert — roh oder kurz gedünstet enthält Kohlrabi die meisten Glucosinolate.
Kohlrabi ist in normalen Speisemengen in Schwangerschaft und Stillzeit unbedenklich. Wertvolle Vitamin-C- und Kaliumquelle. Extreme Mengen aus Vorsicht meiden (goitrogene Wirkung bei sehr hohem Verzehr).
Unbedenklich in normalen Speisemengen. Kohlrabi kann wie andere Kreuzblütler bei manchen Säuglingen Blähungen (via Muttermilch) begünstigen — bei Unverträglichkeit vorübergehend reduzieren.
Kohlrabi ist ab dem Beikostalter (ca. 7–8 Monate) gut geeignet — mild, süßlich, wenig Ballaststoffe in jungen Knollen. Weich dünsten für Kleinkinder. Als Rohkost-Snack für ältere Kinder ab ca. 2 Jahren geeignet.
Wechselwirkungen
Schilddrüsenhormonpräparate / Jodide
Glucosinolat-Abbauprodukte (Goitrin, Thiocyanate) können die Jodaufnahme in die Schilddrüse kompetitiv hemmen und bei Jodmangel die Schilddrüsenfunktion beeinträchtigen. Bei normalen Verzehrmengen klinisch unbedeutsam; bei gleichzeitiger Einnahme von Schilddrüsenmedikamenten bei sehr hohem Kreuzblütlerkonsum ärztliche Rücksprache empfehlenswert.
Kontraindikationen
- Bekannte Schilddrüsenerkrankung mit Jodmangel — sehr hohe Verzehrmengen vermeiden, normale Speisemengen sind unbedenklich.
- Bekannte Überempfindlichkeit gegenüber Kreuzblütlern (Brassicaceae) — Kohlrabi meiden.
Erntet wird: Sprossknolle
- Tageszeit:
- Ernte bei trockenem Wetter bevorzugen. Optimale Größe: Faustgroß (ca. 5–8 cm Durchmesser bei frühen Sorten, bis 15–20 cm bei Lagersorten). Überreife Knollen werden holzig und bitter — bei reifem Klopfen hört man einen hohlen Ton (ähnlich reifer Wassermelone). Wochenernte möglich: Frühsorten ab Mai, Sommersorten Juni–August, Herbstsorten September–Oktober.
- Trocknung:
- ERNTE: Mit einem scharfen Messer bodennah abschneiden. Blätter nicht sofort entfernen — sie schützen die Knolle vor dem Austrocknen. Beschädigte oder welke Blätter entfernen. Kohlrabi wächst NICHT nach (kein Cut-and-come-again). LAGERUNG: Frühe Sorten nur wenige Tage bis max. 2 Wochen haltbar (Kühlschrank, feuchtes Tuch, 0–4 °C). Späte Lagersorten: Kühler/Sandbett bei 0–4 °C und 90–95 % Luftfeuchtigkeit, bis zu mehrere Monate. Blätter vor der Lagerung entfernen.
- Lagerung:
- 3 Monate — Frühe Sorten: Kühlschrank 0–4 °C, 1–2 Wochen. Lagersorten: Keller im Sandbett, 0–4 °C, 90–95 % Luftfeuchtigkeit, mehrere Monate. Blätter abschneiden. Nicht neben Äpfeln lagern (Ethylen-Empfindlichkeit).
- Tageszeit:
- Blätter zeitgleich mit der Knolle ernten oder bereits früher abnehmen. Nur frische, unbeschädigte junge Blätter verwenden. Sehr nahrhaft: ca. doppelt so viel Vitamin C wie die Knolle, ca. 100-faches Carotin.
- Trocknung:
- Blätter frisch verwenden (max. 1–2 Tage im Kühlschrank). Nicht trocknen — Blätter verlieren Aroma und Nährstoffe schnell. Alternativ kurz blanchieren (1 Minute) und einfrieren.
- Lagerung:
- 0.25 Monate — Blätter frisch: max. 1–2 Tage im Kühlschrank, in feuchtem Tuch. Eingefroren nach Blanchieren: bis 12 Monate.
- Ascorbinsäure (Vitamin C)VitaminAnteil: ca. 62 mg/100 g (Sprossknolle, roh)Frucht
Außerordentlich hoher Vitamin-C-Gehalt für ein Gemüse — ca. 69–102 % des empfohlenen Tagesbedarfs pro 100 g Knolle. In den Blättern ca. doppelt so hoch. Vitamin C ist essenziell für Kollagensynthese, Immunfunktion und antioxidativen Schutz. Hitzeempfindlich — Rohverzehr oder kurzes Dünsten maximiert den Gehalt.
- Glucosinolate (Glucoraphanin, Glucoiberin, Glucobrassicin u.a.)GlykosidAnteil: ca. 4,89 µmol/g Trockengewicht (Gesamtgehalt)Frucht
Schwefelhaltige Sekundärstoffe, charakteristisch für Kreuzblütler. In Kohlrabi dominieren Indolyl-Glucosinolate (Glucobrassicin, Neoglucobrassicin) sowie aliphatische Formen (Glucoraphanin, Glucoiberin). Myrosinase hydrolysiert sie beim Schneiden/Kauen zu Isothiocyanaten (Sulforaphan) und Indolen (Indol-3-Carbinol) — in Laborstudien mit chemoprotektiver Wirkung assoziiert. Goitrogen in sehr hohen Mengen.
- KaliumMineralstoffAnteil: ca. 350–380 mg/100 g (Sprossknolle)Frucht
Gut verfügbare Kaliumquelle. Kalium ist essenziell für Regulation von Blutdruck, Herzrhythmus und neuromuskuläre Erregungsleitung. Zubereitung ohne langes Wässern erhält den Kaliumgehalt besser.
- KupferMineralstoffAnteil: ca. 0,13 mg/100 g (ca. 14 % DV)Frucht
Bemerkenswert hoher Kupfergehalt für ein Gemüse. Kupfer ist Cofaktor von Enzymen der Eisenstoffwechsels (Coeruloplasmin), der antioxidativen Abwehr (Cu/Zn-SOD) und der Kollagensynthese (Lysyloxidase). Relevant für Immunfunktion und Bindegewebsintegrität.
- Sulforaphan (aus Glucoraphanin)SonstigeAnteil: entsteht enzymatisch bei ZellverletzungFrucht
Sulforaphan ist kein direkter Pflanzenstoff, sondern entsteht durch Myrosinase-Aktivierung aus dem Glucosinolat Glucoraphanin beim Schneiden oder Kauen. In Laborstudien zeigt Sulforaphan Phase-II-Enzym-Induktion (Entgiftung), antioxidative und entzündungshemmende Wirkung sowie Hemmung von Krebszelllinien. Kochen inaktiviert die Myrosinase; Rohverzehr oder leichtes Dämpfen ergibt höhere Sulforaphan-Mengen.
- Ballaststoffe (Cellulose, Pektin, Lignin)PolysaccharidAnteil: ca. 3,6 g/100 g (Sprossknolle, roh)Frucht
Kohlrabi enthält für ein wasserreiches Gemüse (ca. 91 % Wasser) vergleichsweise viele Ballaststoffe. Unlösliche Ballaststoffe (Cellulose, Lignin) fördern die Darmperistaltik; lösliche (Pektin) wirken präbiotisch. Die äußere Schicht enthält holzige Fasern (Lignin) — diese werden vor dem Verzehr abgeschält.
- Vitamin B6 (Pyridoxin)VitaminAnteil: ca. 0,15 mg/100 gFrucht
Vitamin B6 ist Cofaktor im Aminosäurestoffwechsel, der Neurotransmittersynthese (Serotonin, Dopamin, GABA) und der Hämoglobinsynthese. 100 g Kohlrabi decken ca. 11–12 % des Tagesbedarfs. Weniger hitzeempfindlich als Vitamin C.
- Äpfelsäure und Citronensäure (organische Säuren)SonstigeAnteil: Hauptträger des charakteristischen GeschmacksFrucht
Äpfelsäure (Malic acid) und Citronensäure sind die dominierenden organischen Säuren in Kohlrabi und verantwortlich für den milden, leicht säuerlich-süßlichen Geschmack der Knolle. Sie beeinflussen die Mineralstoffverfügbarkeit (Chelatbildner) und die Magenazidität. Beide Säuren kommen auch im Citratzyklus des menschlichen Metabolismus vor.
- [1]MonographieUSDA FoodData Central — Kohlrabi, raw (SR Legacy)(abgerufen: 2026-05-22)
- [5]MonographieKohlrabi Nutrition Facts and Health Benefits — nutrition-and-you.com(abgerufen: 2026-05-22)
- [6]MonographiePlants For A Future (PFAF) — Brassica oleracea database entry(abgerufen: 2026-05-22)
- [7]MonographieCliniTox Giftpflanzen — Brassica oleracea L.: schwach giftig (+) (Institut für Veterinärpharmakologie und -toxikologie, Universität Zürich)(abgerufen: 2026-08-10)
- [2]WikipediaKohlrabi (Wikipedia EN)(abgerufen: 2026-05-22)
- [3]WikipediaKohlrabi (Wikipedia DE)(abgerufen: 2026-05-22)
- [4]WikidataKohlrabi — Wikidata (Q147202)(abgerufen: 2026-05-22)
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Quelle: Helga und Margarete Langerhorst, Mein gesunder Naturgarten (eigene Kuration)