© Robert Flogaus-Faust · CC BY 4.0 · Commons
Kleines Immergrün
Giftig🐾Vinca minor · (Vinca minor)
Hundsgiftgewächse (Apocynaceae)
Beschreibung
Als immergrüner Bodendecker überzieht das Kleine Immergrün mit glänzend dunkelgrünen Blättern und blauvioletten Blüten von April bis Juni schattige Gehölzränder und Friedhöfe. Die Pflanze enthält zahlreiche Indolalkaloide, darunter Vincamin sowie Vincaminorein, Minovin und Eburnamenin, daneben Flavonoide und Gerbstoffe. Historisch wurde blühendes Kraut volksheilkundlich als Tinktur bei Kreislaufbeschwerden und nervösen Zuständen sowie äußerlich bei Hautverletzungen verwendet. Ganze Pflanzenteile gelten jedoch als giftig: Der Gesamtalkaloidgehalt liegt bei 0,2 bis 0,7 Prozent, und deutsche Behörden widerriefen 1986 die Zulassung sämtlicher Gesamtkraut-Präparate, nachdem Tierversuche Blutschäden durch Begleitalkaloide gezeigt hatten. Erlaubt sind heute ausschließlich isolierte Vincamin-Fertigarzneimittel unter ärztlicher Verordnung. Immergrün ist zudem giftig für Haustiere, kontraindiziert bei Hirntumoren und in der Schwangerschaft zu meiden.
In der Schwangerschaft KONTRAINDIZIERT
Anwendung während der Schwangerschaft kontraindiziert — sowohl Gesamtkraut als auch Vincamin-Präparate.
In der Stillzeit KONTRAINDIZIERT
Stillzeit: kontraindiziert wegen fehlender Sicherheitsdaten und Alkaloidtoxizität.
Bei Kindern KONTRAINDIZIERT
Nicht für Kinder geeignet — Alkaloidgehalt toxisch, keine pädiatrischen Sicherheitsdaten.
Historisch in der europäischen Volksmedizin äußerlich als adstringierender Umschlag bei kleinen Wunden und Hautreizungen verwendet, da das Kraut Gerbstoffe enthält. Diese äußerliche Anwendung ist von der Rücknahme der deutschen Zulassung nicht betroffen, ist aber wissenschaftlich nicht gut belegt.
Anleitung & Dosierung
Quellen: [1]
Nur historische Dokumentation — NICHT anwenden
Diese inneren Anwendungen sind historisch überliefert. Diese Pflanze ist hochgiftig — eine Selbstanwendung kann schwere Vergiftungen oder den Tod verursachen. Nur zur Dokumentation, ausdrücklich KEINE Handlungsempfehlung.
Vincamin, das Hauptalkaloid aus den Blättern des Kleinen Immergrüns, wirkt vasodilatatorisch und erhöht den regionalen cerebralen Blutfluss. In der europäischen Volksmedizin wurden Zubereitungen aus dem Kraut bei Schwindel, Tinnitus und cerebrovaskulärer Insuffizienz eingesetzt. Seit 1986 ist in Deutschland die Zulassung für Präparate aus dem Gesamtkraut widerrufen; isoliertes Vincamin (synthetisch oder pflanzlich) ist weiterhin zugelassen.
Anleitung & Dosierung
In der Volksmedizin Zentral- und Südeuropas wurde Immergrün-Tinktur bei Gedächtnisschwäche, Konzentrationsstörungen und altersassoziierten kognitiven Beeinträchtigungen verwendet. Vincamin zeigt in Studien neuroprotektive und anti-hypoxische Eigenschaften sowie modulierende Effekte auf die neuronale Homöostase.
Anleitung & Dosierung
Volksmedizinisch in Europa bei Herzrhythmusstörungen und peripheren Durchblutungsstörungen eingesetzt. Vincamin bewirkt durch Vasodilatation eine Verbesserung der Sauerstoff- und Glucoseverwertung im Gehirn. Die Anwendung bei Herzerkrankungen ohne ärztliche Aufsicht ist nicht empfohlen.
Anleitung & Dosierung
In der mittelalterlichen und neuzeitlichen europäischen Volksmedizin bei Menstruationsbeschwerden eingesetzt. Albertus Magnus erwähnte die Pflanze im 13. Jahrhundert. Wegen der nachgewiesenen Toxizität des Gesamtkrauts ist eine innerliche Anwendung als Aufguss heute nicht mehr empfehlenswert.
Anleitung & Dosierung
Volksmedizinisch bei Angstzuständen und nervöser Erschöpfung eingesetzt. Neuere Forschungen zeigen, dass Gesamtpflanzenextrakte eine siebenfach höhere orale Bioverfügbarkeit gegenüber isolierten Verbindungen aufweisen können — dieser Synergie-Effekt wird diskutiert, begründet aber keine Selbstmedikation mit nicht zugelassenen Präparaten.
Anleitung & Dosierung
Das Kleine Immergrün ist in allen Pflanzenteilen giftig (Gesamtalkaloidgehalt 0,2–0,7 %). In Deutschland wurde 1986 die Zulassung für alle Präparate aus dem Gesamtkraut widerrufen, da Tierversuche Blutschäden durch Begleitalkaloide zeigten. Nur isoliertes Vincamin in zugelassenen Fertigpräparaten ist erlaubt. Kontraindiziert bei Hirntumoren wegen möglicher intrakranieller Druckerhöhung. Nicht in der Schwangerschaft anwenden.
⏱ Max. Daueranwendung: 12 Wochen
Anwendung während der Schwangerschaft kontraindiziert — sowohl Gesamtkraut als auch Vincamin-Präparate.
Stillzeit: kontraindiziert wegen fehlender Sicherheitsdaten und Alkaloidtoxizität.
Nicht für Kinder geeignet — Alkaloidgehalt toxisch, keine pädiatrischen Sicherheitsdaten.
Wechselwirkungen
Antihypertensiva
Vincamin wirkt vasodilatatorisch und kann den blutdrucksenkenden Effekt von Antihypertensiva verstärken.
Herzglykoside (Digoxin)
Hohe Dosen von Vinca minor-Extrakten können die Resorption von Digoxin vermindern.
Antikoagulantien / Thrombozytenaggregationshemmer
Theoretisches Interaktionspotenzial; Vincamin kann Antikoagulantien-Effekte verstärken und das Blutungsrisiko erhöhen.
Kontraindikationen
- Hirntumoren und erhöhter Hirndruck (Gefahr intrakranieller Blutungen).
- Schwere Hypotonie (Vincamin wirkt blutdrucksenkend).
- Schwere Herzerkrankungen ohne ärztliche Überwachung.
- Bekannte Überempfindlichkeit gegenüber Vinca-Alkaloiden.
Erntet wird: blühendes Kraut
- Tageszeit:
- Blühende und nichtblühende Triebe in den Morgen- oder Vormittagsstunden schneiden.
- Trocknung:
- So schnell wie möglich trocknen, Maximaltemperatur 45 °C. In einer Schicht auf Trockensieben ausbreiten oder zu kleinen Bündeln binden und kopfüber aufhängen.
- Lagerung:
- 12 Monate — Trocken, dunkel und luftdicht lagern. Wegen der Toxizität des Rohmaterials: sicher für Kinder und Tiere unzugänglich aufbewahren.
- Tageszeit:
- Frisch-grüne Blätter vor der Vollblüte sammeln — dann ist der Vincamingehalt am höchsten.
- Trocknung:
- Schonend bei maximal 45 °C trocknen, um Alkaloidverluste zu minimieren.
- Lagerung:
- 12 Monate — Kühl, dunkel und trocken; für Kinder und Tiere unzugänglich.
- VincaminAlkaloidAnteil: 0.05-0.07 %Krautige Teile
Dominantes Indolalkaloid; repräsentiert ca. 20–25 % aller Alkaloide der Pflanze. Vasodilatatorische und neuroprotektive Eigenschaften; erhöht den cerebralen Blutfluss.
- VincaminoreinAlkaloidKrautige Teile
Eines der Begleitalkaloide; in Blättern und Stängeln nachgewiesen. Zu klinischen Eigenschaften gibt es wenig Daten.
- MinovinAlkaloidKrautige Teile
Indolalkaloid, aus dem Gesamtkraut isoliert. Zu den Begleitalkaloiden, auf die der Blutschaden in Tierversuchen zurückgeführt wird.
- MinovincinAlkaloidKrautige Teile
Weiteres Begleitalkaloid aus dem Kraut, in phytochemischen Analysen identifiziert.
- EburnameninAlkaloidBlatt
Sekundäres Alkaloid der Blätter, zusammen mit Vincamin als Hauptalkaloid beschrieben.
- Quercetin-GlycosideFlavonoidKrautige Teile
Flavonoide mit antioxidativen Eigenschaften; in Extrakten aus dem Gesamtkraut nachgewiesen.
- ChlorogensäurePhenolsäureKrautige Teile
Phenolsäure mit antioxidativer Aktivität; in hydroalkoholischen Maceratextrakten aus Vinca minor identifiziert.
- Gerbstoffe (Tannine)GerbstoffKrautige Teile
Adstringierende Verbindungen; Grundlage der historischen äußerlichen Anwendung bei Wunden und Hautreizungen.
- [2]MonographieLesser Periwinkle (Vinca minor): Benefits, Safety, Uses — Herbal Reality(abgerufen: 2026-05-22)
- [3]MonographieDetermination of Active Ingredients, Mineral Composition and Antioxidant Properties of Hydroalcoholic Macerates of Vinca minor L. — Molecules 2023, 28(15), 5667(abgerufen: 2026-05-22)
- [1]WikipediaKleines Immergrün (Wikipedia DE)(abgerufen: 2026-05-22)