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Vogelbeere
VorsichtSorbus aucuparia · (Sorbus aucuparia)
Rosengewächse (Rosaceae)
Beschreibung
Leuchtend orangerote Beerentrauben zieren im Herbst diesen anspruchslosen Baum aus der Familie der Rosengewächse (Rosaceae), der auch in höheren Gebirgslagen noch gedeiht und traditionell erst nach dem ersten Frost geerntet wird. Die Früchte enthalten Vitamin C, Sorbit, Carotine sowie die Flavonoide Isoquercitrin und Quercetin-Glykoside. Volksmedizinisch wird ein Tee aus den verarbeiteten Beeren bei Erkältungsbeschwerden und leichtem Fieber getrunken, als Gurgellösung bei Halsschmerzen genutzt oder zu Mus und Gelee verarbeitet; auch die Rinde findet in Umschlägen Verwendung. WICHTIG: Rohe Früchte der Wildform enthalten Parasorbinsäure, die Übelkeit und Magenreizung auslösen kann — erst durch Kochen, Dörren oder Frosteinwirkung wandelt sie sich vollständig in die unbedenkliche Sorbinsäure um. Die Kerne enthalten cyanogene Glykoside und müssen vor der Verarbeitung stets entfernt werden.
In der österreichischen und mitteleuropäischen Volksmedizin wurden Vogelbeeren als Tee, Sirup oder Gelee bei Erkältungen, Grippe, Husten, Bronchitis und Fieber eingesetzt. Voraussetzung ist stets eine ausreichende Hitzebehandlung, die die Parasorbinsäure in ungiftige Sorbinsäure umwandelt.
Anleitung & Dosierung
5–10 g getrocknete (oder gefrostete) Vogelbeeren mit 250 ml Wasser 15 Minuten köcheln lassen, abseihen. Niemals rohe Früchte verwenden.
- Trockenmenge
- 5–10 g
- Anwendungen/Tag
- 2×
Frisch gepresster oder leicht erwärmter Vogelbeerensaft wurde zur Gurgellösung bei Heiserkeit und Halsschmerzen verwendet. Sänger nutzten ihn traditionell zur Pflege der Stimmbänder.
Quellen: [1]
Gekochte oder gefrostete Vogelbeeren werden zu Gelee, Marmelade, Kompott, Chutneys oder saurem Sirup verarbeitet und als Beilage zu Wild- und Lammgerichten verwendet. Spezielle Kultursorten ('Moravica', 'Edulis') sind parasorbinsäurearm und für den Rohverzehr geeignet.
Volksmedizinisch wurden Vogelbeerzubereitungen als leichtes Diuretikum und Laxativum sowie bei Hämorrhoiden und Nierenerkrankungen eingesetzt. Der Sorbitgehalt trägt zu einer mild abführenden Wirkung bei.
Anleitung & Dosierung
Blüten und Blätter wurden volksmedizinisch als Teeersatz und bei Rheuma sowie Gicht gebraucht. Achtung: Blätter enthalten cyanogene Glykoside und sollten nur gelegentlich und in kleinen Mengen verwendet werden.
Quellen: [4]
Rindenabkochungen wurden äußerlich bei Hauterkrankungen und als adstringierende Waschung (traditionell auch gynäkologisch) genutzt. PFAF dokumentiert die Rinde als Mittel gegen Durchfall und vaginalem Ausfluss.
Quellen: [4]
Kultursorten wie 'Konzentra' und 'Rosina' (Sorbaria edulis-Gruppe) sind arm an Parasorbinsäure und können nach dem ersten Frost auch roh verzehrt werden. Diese Züchtungen sind nährstoffreich und enthalten Vitamin C, Carotine, Sorbitol und Flavonoide.
Rohe Wildform-Früchte enthalten Parasorbinsäure (4–7 mg/g Frischgewicht), die Übelkeit, Erbrechen und Magenschleimhautreizung verursachen kann. Kochen, Dörren oder Frosteinwirkung wandelt die Parasorbinsäure vollständig in unbedenkliche Sorbinsäure um. Kerne/Samen enthalten cyanogene Glykoside — stets entfernen. Blätter nur gelegentlich und in kleinen Mengen als Tee verwenden.
Rohe Früchte in der Schwangerschaft meiden. Verarbeitete Früchte (Gelee, Kompott, Saft aus gekochten Beeren) gelten in üblichen Lebensmittelmengen als unbedenklich.
Keine ausreichenden Daten; verarbeitete Früchte in Lebensmittelmengen gelten als unbedenklich.
Kinder nicht mit rohen Wildbeeren füttern. Kernfreie, gut erhitzte Zubereitungen (Gelee, Kompott) sind ab dem Kleinkindalter unbedenklich.
Kontraindikationen
- Rohe Beeren der Wildform nicht verzehren (Parasorbinsäure).
- Samen stets entfernen (cyanogene Glykoside).
Erntet wird: reife Früchte (nach erstem Frost)
- Tageszeit:
- Nach dem ersten Frost ernten (natürliche Umwandlung der Parasorbinsäure) oder direkt nach der Ernte im Tiefkühler frosten (mind. 24 Std. bei −18 °C).
- Trocknung:
- Früchte (kernfrei) bei 50–60 °C im Dörrgerät trocknen; Rohtrocknung nur bei Kultursorten mit niedrigem Parasorbinsäuregehalt.
- Lagerung:
- 12 Monate — Getrocknete Beeren dunkel und trocken lagern; frische Früchte können eingefroren und monatelang aufbewahrt werden.
- Tageszeit:
- Blütendolden bei trockenem Wetter ernten, wenn die Blüten zu etwa zwei Dritteln geöffnet sind.
- Trocknung:
- Blüten locker auf Sieben bei Raumtemperatur an schattiger, luftiger Stelle trocknen.
- Lagerung:
- 12 Monate — Getrocknet in dunklen Gläsern, vor Feuchtigkeit und Licht geschützt.
- Parasorbinsäure (Parasorbic acid)SonstigeAnteil: 0.04-0.07 %Frucht
Cyclisches Lakton; reizt rohe die Magenschleimhaut. Wird durch Erhitzen oder Frost vollständig zu ungiftiger Sorbinsäure umgewandelt (4–7 mg/g Frischgewicht).
- Vitamin C (Ascorbinsäure)VitaminFrucht
Signifikanter Vitamin-C-Gehalt; historisch als Antiskorbut-Mittel genutzt. Kochverlust ca. 33 %.
- SorbitolSonstigeFrucht
Zuckeralkohol; leicht abführend, früher als Diabetiker-Zuckerersatz genutzt (industrielle Herstellung heute nicht mehr aus Vogelbeeren).
- Isoquercitrin und Quercetin-GlykosideFlavonoidAnteil: ca. 1,11 % TGBlüte
Dominante Flavonoide der Blüten (bis 1,11 % Trockengewicht); antioxidativ und entzündungshemmend.
- Proanthocyanidine (kondensierte Tannine)GerbstoffFrucht
Hauptverantwortlich für den adstringierenden Geschmack der Beeren; antioxidativ.
- Carotine (Provitamin A)SonstigeAnteil: ca. 2,5 mg/100 gFrucht
Pigmente, die zur orangeroten Fruchtfarbe beitragen; Vorstufe von Vitamin A.
- Chlorogensäure und Pseudodepside der ChinasäurePhenolsäureBlüte
In Blütenextrakten als Hauptphenolsäuren identifiziert; antioxidativ.
- Cyanogene GlykosideGlykosidSamen
In Samen; setzen bei Kontakt mit Wasser Blausäure frei. Samen stets entfernen — kein Gesundheitsrisiko bei kernfreier Verarbeitung.
- [3]MonographieThe Sorbus spp.—Underutilised Plants for Foods and Nutraceuticals: Review on Polyphenolic Phytochemicals and Antioxidant Potential(abgerufen: 2026-05-22)
- [5]MonographieCliniTox Giftpflanzen — Sorbus aucuparia L.: schwach giftig (+) (Institut für Veterinärpharmakologie und -toxikologie, Universität Zürich)(abgerufen: 2026-08-10)
- [4]BuchPFAF Plant Database — Sorbus aucuparia(abgerufen: 2026-05-22)
- [1]WikipediaVogelbeere (Wikipedia DE)(abgerufen: 2026-05-22)
- [2]WikipediaSorbus aucuparia (Wikipedia EN)(abgerufen: 2026-05-22)