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Schlehdorn
Vorsicht🐾Prunus spinosa · (Prunus spinosa)
Rosengewächse (Rosaceae)
Beschreibung
Ihre dornigen Zweige und die dicht stehenden weißen Blüten machen den Schlehdorn (Rosaceae) schon im zeitigen Frühjahr zu einem markanten Element der Heckenlandschaft. Die tiefblauen Früchte schmecken vor dem ersten Frost extrem herb, da ihr Gerbstoffgehalt erst durch Kälte oder Einfrieren von rund 10 g/l auf unter die Hälfte sinkt und roh genießbar wird. Ein Aufguss aus den getrockneten Früchten ist von der Kommission E als Gurgellösung bei leichten Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut anerkannt; Blütentee wurde volksheilkundlich als schweißtreibendes, mild harntreibendes und verdauungsförderndes Mittel getrunken. Aus reifen, frostgegangenen Früchten entsteht zudem der traditionelle Schlehenlikör. Wichtig: Die Kerne enthalten das blausäurebildende Glykosid Amygdalin und dürfen niemals zerkaut oder gemahlen werden; auch die Blätter sind ungeeignet für Tee. Reines Fruchtfleisch und die getrockneten Blüten sind hiervon nicht betroffen.
Aufguss aus getrockneten Schlehfrüchten als Mundspülung oder Gurgellösung bei leichten Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut. Die Kommission E hat eine Positivmonographie für Pruni spinosae fructus für diese äußerliche Indikation ausgestellt.
Anleitung & Dosierung
2–4 g getrocknete, entsteinte Früchte mit 200 ml kochendem Wasser aufgießen, 15 Minuten ziehen lassen, abseihen. Abkühlen und mehrmals täglich gurgeln.
- Trockenmenge
- 2–4 g
Blütenaufguss bei Magen-Darm-Beschwerden, leichter Verstopfung und Blasen-Nieren-Unterstützung. Volksheilkundlich über Jahrhunderte überliefert; Kommission-E-Negativmonographie wegen fehlender Wirksamkeitsbelege, keine Sicherheitsbedenken.
Anleitung & Dosierung
1–2 g getrocknete Blüten (kurz nach dem Aufblühen geerntet) mit 200 ml kochendem Wasser übergießen, 10 Minuten ziehen lassen, abseihen.
- Trockenmenge
- 1–2 g
- Anwendungen/Tag
- 2×
Schlehen nach dem ersten Frost roh gegessen oder als Konfitüre und Saft verarbeitet. Der Frost (oder Tiefkühlen) setzt den Gerbstoffgehalt von ca. 10 g/l auf unter 5 g/l herab und mildert die extreme Adstringenz. Traditionell als Stärkungsmittel nach Infektionskrankheiten verwendet.
Schlehenlikör oder -geist (Sloe Gin) aus reifen, gefrosteten Früchten; volksheilkundlich als Magenbitter und Aufbaumittel nach Erschöpfung eingesetzt. Kein therapeutischer Beleg, jedoch Teil langer europäischer Überlieferung.
Blütenaufguss traditionell als schweißtreibendes und fiebersenkendes Mittel bei Erkältungskrankheiten. PFAF dokumentiert diaphoretische und fiebersenkende Eigenschaften der Blüten.
Quellen: [2]
Blütenaufguss volksheilkundlich als mildes Diuretikum bei Blasen- und Nierenbeschwerden eingesetzt. PFAF beschreibt die Blüten als aperient (abführend), diuretisch und depurativ.
WICHTIG: Kerne der Schlehen enthalten das Blausäureglykosid Amygdalin. Kerne niemals zerkauen oder mahlen; nur Fruchtfleisch verwenden. Blätter ebenfalls Amygdalin-haltig – nicht als Tee verwenden. Früchte vor Frost stark adstringierend; nach Frost oder Einfrieren wesentlich milder. ASPCA-Einstufung (abgerufen 2026-08-10): für Hunde und Katzen giftig. Die ASPCA stuft die ganze Gattung so ein.
Keine ausreichenden Sicherheitsdaten für medizinische Anwendung in der Schwangerschaft. Schlehenfrüchte als Lebensmittel (ohne Kerne) in üblichen Mengen unbedenklich.
Keine systematischen Daten. Früchte als Lebensmittel in kleinen Mengen vertretbar.
Kinder unter 18 Jahren: bei medizinischer Anwendung kein ausreichender Sicherheitsnachweis. Früchte als Konfitüre in kleinen Mengen unbedenklich; Kerne unbedingt meiden.
Kontraindikationen
- Überempfindlichkeit gegenüber Rosaceae.
- Zerkleinerte oder gemahlene Kerne (Amygdalin-Freisetzung führt zu Blausäurevergiftung).
Erntet wird: Blüten (April-Mai), Früchte nach Frost (Spätherbst)
- Tageszeit:
- Morgens an trockenen Tagen; Blüten kurz nach dem Öffnen ernten, bevor die Pollen ausstäuben.
- Trocknung:
- Sofort dünn auslegen und bei maximal 35 °C im Schatten oder Dörrgerät trocknen. Blüten sind sehr empfindlich.
- Lagerung:
- 12 Monate — In Papiertüten oder luftdichten Gläsern kühl und dunkel lagern.
- Tageszeit:
- Nach den ersten Frösten (oder nach dem Einfrieren); idealerweise morgens ernten.
- Trocknung:
- Früchte ohne Kerne bei 50–60 °C trocknen oder einfrieren. Kerne bei der Verarbeitung immer entfernen.
- Lagerung:
- 24 Monate — Gefroren bis 2 Jahre; getrocknet in dunklen Gläsern 1 Jahr.
- AmygdalinGlykosidSamen
Cyanogenes Glykosid in den Kernen; wird bei Zerkleinern enzymatisch zu Blausäure abgebaut. Im Fruchtfleisch nur Spuren.
- Gerbstoffe (Tannine)GerbstoffAnteil: 0.5-1.0 %Frucht
Hauptverantwortlich für die extreme Adstringenz vor dem Frost; Gehalt sinkt durch Frost von ~10 g/l auf unter 5 g/l im Fruchtsaft.
- Flavonoide (Quercetin, Rutin)FlavonoidBlüte
Flavonoide in den Blüten; tragen zu adstringierenden und antioxidativen Eigenschaften bei.
- AnthocyaneFlavonoidFrucht
Verantwortlich für die tiefblaue bis schwarze Färbung der reifen Schlehen; antioxidativ.
- Triterpene und SteroleSonstigeBlüte
Sekundärmetabolite der Blüten; genaue pharmakologische Rolle noch nicht abschließend geklärt.
- Organische Säuren (Äpfelsäure, Citronensäure)PhenolsäureFrucht
Hauptsäuren der reifen Früchte; verantwortlich für das säuerliche Geschmacksprofil und Beitrag zur Konservierung.
- PektinPolysaccharidFrucht
Gelierfähiges Polysaccharid; wichtig für die Herstellung von Konfitüren und Gelees aus Schlehen.
- [1]MonographieKommission E Monographie – Pruni spinosae fructus – Äußerliche Anwendung bei Mund-/Rachenentzündungen (via PFAF, Arzneipflanzenlexikon)(abgerufen: 2026-05-21)
- [6]MonographieASPCA Animal Poison Control — Cherry (Prunus spp.)(abgerufen: 2026-08-10)
- [7]MonographieCliniTox Giftpflanzen — Prunus spinosa L.: schwach giftig (+) (Institut für Veterinärpharmakologie und -toxikologie, Universität Zürich)(abgerufen: 2026-08-10)
- [2]BuchPlants For A Future – Prunus spinosa(abgerufen: 2026-05-21)
- [5]BuchArzneipflanzen-Lexikon – Schlehdorn (Prunus spinosa)(abgerufen: 2026-05-21)
- [3]WikipediaSchlehdorn (Wikipedia DE)(abgerufen: 2026-05-16)
- [4]WikipediaPrunus spinosa (Wikipedia EN)(abgerufen: 2026-05-21)