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Foto von Lorbeerkirsche

© Franz Eugen Köhler, Köhler's Medizinal-Pflanzen · Public domain · Commons

Lorbeerkirsche

Giftig🐾

Prunus laurocerasus · (Prunus laurocerasus)

Rosengewächse (Rosaceae)

Beschreibung

Als einer der häufigsten Heckensträucher Mitteleuropas prägt die Lorbeerkirsche (Rosaceae) mit ihren glänzend dunkelgrünen Blättern und schwarzen Steinfrüchten viele Gärten – und ist zugleich eine der häufigsten Ursachen pflanzlicher Vergiftungen bei Kindern und Haustieren. Blätter, Samen, Blüten und Rinde enthalten cyanogene Glykoside (Prunasin in den Blättern, Amygdalin in den Kernen), die bei Verletzung des Gewebes Blausäure freisetzen und die Zellatmung blockieren; bereits wenige zerkaute Samenkerne können schwere Vergiftungssymptome auslösen. Im 18. und 19. Jahrhundert wurde destilliertes Kirschlorbeerwasser als Hustenmittel eingesetzt, geriet jedoch wegen unkalkulierbarer Blausäure-Konzentration und zahlreicher Todesfälle außer Gebrauch; einzig homöopathische Zubereitungen ab der Verdünnungsstufe D6 gelten als unbedenklich, da sie keine pharmakologisch wirksame Menge mehr enthalten. Beim Häckseln der Hecke entstehen Blausäuredämpfe, weshalb dies ausschließlich im Freien geschehen sollte. Bei Verdacht auf Vergiftung ist umgehend der Notruf zu verständigen.

  • UmschlagBlattÄußerlichVolksmedizin

    Volksmedizinische Verwendung kühler Auflagen aus zerquetschten frischen Blättern bei Hautausschlägen, Insektenstichen und kleineren Entzündungen. Die antiseptische Wirkung wurde dem freigesetzten HCN zugeschrieben — heute wegen perkutaner Resorptionsgefahr und unkalkulierbarer Dosis obsolet. Reine ethnografische Dokumentation, keine Anwendungsempfehlung.

    Quellen: [3] [4]

  • BadBlattÄußerlichVolksmedizin

    Im 19. Jahrhundert vereinzelt dokumentierte Anwendung schwacher Kirschlorbeer-Blatt-Aufgüsse als Augenbad bei Bindehautreizung. Die Anwendung wurde bereits im viktorianischen England als riskant eingestuft und ist heute strikt kontraindiziert — Augenkontakt mit HCN-haltigen Lösungen führt zu Hornhautschäden und systemischer Resorption über Schleimhäute. Reine historische Dokumentation.

    Quellen: [3]

  • RohBlattÄußerlichVolksmedizin

    Historische Verwendung getrockneter Blätter zur Insektenbekämpfung in Sammelbehältern (Schmetterlingskästen, Käfersammlungen) — die freigesetzte Blausäure tötet Insekten innerhalb von Minuten ('killing jar' der entomologischen Praxis). Diese Verwendung ist nicht medizinisch, dokumentiert aber die HCN-Freisetzung in Form einer praktischen Anwendung. Reine Dokumentation, gefährliche Praxis.

    Quellen: [1] [3]

Nur historische Dokumentation — NICHT anwenden

Diese inneren Anwendungen sind historisch überliefert. Diese Pflanze ist hochgiftig — eine Selbstanwendung kann schwere Vergiftungen oder den Tod verursachen. Nur zur Dokumentation, ausdrücklich KEINE Handlungsempfehlung.

  • TinkturBlattInnerlichTraditionell

    Historische pharmazeutische Verwendung von Aqua Laurocerasi (Kirschlorbeerwasser) als sedatives und antispasmodisches Mittel bei trockenem Reizhusten, Keuchhusten, Asthma und Magenkrämpfen. Die Destillation der frischen Blätter setzt durch β-Glucosidase Blausäure (HCN) frei, die in Konzentrationen von etwa 0,1 % im Destillat enthalten war. Im 19. Jahrhundert in der Britischen und Französischen Pharmakopöe gelistet, wegen unkalkulierbarer HCN-Konzentration und zahlreicher Todesfälle in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts obsolet geworden.

    Anleitung & Dosierung

    Quellen: [2] [4]

  • TinkturBlattInnerlichTraditionell

    Verwendung von Tinctura Laurocerasi (Kirschlorbeer-Tinktur) im 18. und 19. Jahrhundert als Antitussivum und mildes Beruhigungsmittel — meist in Dosen von 5–10 Tropfen, niemals höher. Die Wirkung beruht auf der HCN-induzierten Hemmung der Atemzentren. Heute strikt obsolet: kein therapeutisches Fenster, da der HCN-Gehalt frischer Blätter stark schwankt (Saison, Lichtexposition, Alter der Pflanze) und sich zwischen Chargen um Faktor 10 unterscheiden kann.

    Anleitung & Dosierung

    Quellen: [3] [4]

  • Ätherisches ÖlBlattInnerlichVolksmedizin

    Lebensmittelhistorische Verwendung weniger Tropfen Kirschlorbeerwasser als Bittermandelaroma-Ersatz in Likören, Pudding und Konfitüren (insbesondere in Süd- und Osteuropa, 19./frühes 20. Jahrhundert). Wegen Vergiftungsfällen ist die Verwendung zur Lebensmittelaromatisierung in der EU heute durch die Aromenverordnung (EG) Nr. 1334/2008 streng limitiert (max. 1 mg HCN/kg in Lebensmitteln). Verwendung in häuslicher Küche absolut nicht empfohlen.

    Quellen: [2] [3]

  • TinkturBlattInnerlichVolksmedizin

    Homöopathische Verwendung von Laurocerasus (Mutter-Tinktur aus frischen Blättern, ab D3) bei Atemnot, krampfartigem Husten, Herzklopfen mit Zyanose und nächtlichen Beklemmungen. Üblicherweise in Potenzen ab D6 — diese enthalten keine pharmakologisch wirksamen HCN-Mengen mehr. Homöopathische Fertigpräparate sind in Deutschland, Frankreich und der Schweiz arzneimittelrechtlich zugelassen.

    Anleitung & Dosierung

    Quellen: [4] [5]

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