© Franz Eugen Köhler, Köhler's Medizinal-Pflanzen · Public domain · Commons
Lorbeerkirsche
Giftig🐾Prunus laurocerasus · (Prunus laurocerasus)
Rosengewächse (Rosaceae)
Beschreibung
Die Lorbeerkirsche, auch Pontische Lorbeer-Kirsche oder umgangssprachlich Kirschlorbeer genannt, ist eine Pflanzenart aus der Familie der Rosengewächse (Rosaceae). In den gemäßigten Breiten Europas wird sie als Zierstrauch in Parks und Gärten verwendet, obwohl alle Teile der Pflanze giftig sind, sie leicht verwildert und als invasive Pflanzenart ökologische Probleme verursacht. Natürlicherweise kommt sie nur in Kleinasien vor.
Nur äußerlich anwenden!
Diese Pflanze darf NICHT innerlich eingenommen werden. Nur Umschläge, Salben, Bäder.
In der Schwangerschaft KONTRAINDIZIERT
Cyanid passiert die Plazentaschranke; auch geringe HCN-Mengen können fetale Hypoxie verursachen. Jede Anwendung von Kirschlorbeer-Zubereitungen unterhalb der homöopathischen D6-Potenz ist in der Schwangerschaft absolut kontraindiziert.
In der Stillzeit KONTRAINDIZIERT
Cyanid und seine Metaboliten (Thiocyanat) treten in die Muttermilch über und können beim Säugling Schilddrüsenfunktionsstörungen sowie Atemdepression auslösen. Stillzeit: kontraindiziert.
Bei Kindern KONTRAINDIZIERT
Kinder reagieren wegen geringerer Körpermasse extrem empfindlich auf HCN. Die attraktiven schwarzen Beeren der häufig in Gärten verwendeten Heckenpflanze sind eine der Hauptursachen pflanzlicher Vergiftungen in der Pädiatrie. Aufklärung über Pflanzenidentität und Verzehr-Verbot zwingend. Bei vermutetem Verzehr von Kernen oder Blättern sofortige ärztliche Konsultation.
Kritische Wechselwirkungen mit:
Atemdepressiva (Opioide wie Morphin, Codein, Fentanyl) · Benzodiazepine und Z-Substanzen (Diazepam, Lorazepam, Zolpidem)
- UmschlagBlattÄußerlichVolksmedizin
Volksmedizinische Verwendung kühler Auflagen aus zerquetschten frischen Blättern bei Hautausschlägen, Insektenstichen und kleineren Entzündungen. Die antiseptische Wirkung wurde dem freigesetzten HCN zugeschrieben — heute wegen perkutaner Resorptionsgefahr und unkalkulierbarer Dosis obsolet. Reine ethnografische Dokumentation, keine Anwendungsempfehlung.
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- BadBlattÄußerlichVolksmedizin
Im 19. Jahrhundert vereinzelt dokumentierte Anwendung schwacher Kirschlorbeer-Blatt-Aufgüsse als Augenbad bei Bindehautreizung. Die Anwendung wurde bereits im viktorianischen England als riskant eingestuft und ist heute strikt kontraindiziert — Augenkontakt mit HCN-haltigen Lösungen führt zu Hornhautschäden und systemischer Resorption über Schleimhäute. Reine historische Dokumentation.
- RohBlattÄußerlichVolksmedizin
Historische Verwendung getrockneter Blätter zur Insektenbekämpfung in Sammelbehältern (Schmetterlingskästen, Käfersammlungen) — die freigesetzte Blausäure tötet Insekten innerhalb von Minuten ('killing jar' der entomologischen Praxis). Diese Verwendung ist nicht medizinisch, dokumentiert aber die HCN-Freisetzung in Form einer praktischen Anwendung. Reine Dokumentation, gefährliche Praxis.
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Nur historische Dokumentation — NICHT anwenden
Diese inneren Anwendungen sind historisch überliefert. Diese Pflanze ist hochgiftig — eine Selbstanwendung kann schwere Vergiftungen oder den Tod verursachen. Nur zur Dokumentation, ausdrücklich KEINE Handlungsempfehlung.
- TinkturBlattInnerlichTraditionell
Historische pharmazeutische Verwendung von Aqua Laurocerasi (Kirschlorbeerwasser) als sedatives und antispasmodisches Mittel bei trockenem Reizhusten, Keuchhusten, Asthma und Magenkrämpfen. Die Destillation der frischen Blätter setzt durch β-Glucosidase Blausäure (HCN) frei, die in Konzentrationen von etwa 0,1 % im Destillat enthalten war. Im 19. Jahrhundert in der Britischen und Französischen Pharmakopöe gelistet, wegen unkalkulierbarer HCN-Konzentration und zahlreicher Todesfälle in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts obsolet geworden.
Anleitung & Dosierung
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- TinkturBlattInnerlichTraditionell
Verwendung von Tinctura Laurocerasi (Kirschlorbeer-Tinktur) im 18. und 19. Jahrhundert als Antitussivum und mildes Beruhigungsmittel — meist in Dosen von 5–10 Tropfen, niemals höher. Die Wirkung beruht auf der HCN-induzierten Hemmung der Atemzentren. Heute strikt obsolet: kein therapeutisches Fenster, da der HCN-Gehalt frischer Blätter stark schwankt (Saison, Lichtexposition, Alter der Pflanze) und sich zwischen Chargen um Faktor 10 unterscheiden kann.
Anleitung & Dosierung
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- Ätherisches ÖlBlattInnerlichVolksmedizin
Lebensmittelhistorische Verwendung weniger Tropfen Kirschlorbeerwasser als Bittermandelaroma-Ersatz in Likören, Pudding und Konfitüren (insbesondere in Süd- und Osteuropa, 19./frühes 20. Jahrhundert). Wegen Vergiftungsfällen ist die Verwendung zur Lebensmittelaromatisierung in der EU heute durch die Aromenverordnung (EG) Nr. 1334/2008 streng limitiert (max. 1 mg HCN/kg in Lebensmitteln). Verwendung in häuslicher Küche absolut nicht empfohlen.
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- TinkturBlattInnerlichVolksmedizin
Homöopathische Verwendung von Laurocerasus (Mutter-Tinktur aus frischen Blättern, ab D3) bei Atemnot, krampfartigem Husten, Herzklopfen mit Zyanose und nächtlichen Beklemmungen. Üblicherweise in Potenzen ab D6 — diese enthalten keine pharmakologisch wirksamen HCN-Mengen mehr. Homöopathische Fertigpräparate sind in Deutschland, Frankreich und der Schweiz arzneimittelrechtlich zugelassen.
Anleitung & Dosierung
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