© Franz Eugen Köhler, Köhler's Medizinal-Pflanzen · Public domain · Commons
Lorbeerkirsche
Giftig🐾Prunus laurocerasus · (Prunus laurocerasus)
Rosengewächse (Rosaceae)
Beschreibung
Als einer der häufigsten Heckensträucher Mitteleuropas prägt die Lorbeerkirsche (Rosaceae) mit ihren glänzend dunkelgrünen Blättern und schwarzen Steinfrüchten viele Gärten – und ist zugleich eine der häufigsten Ursachen pflanzlicher Vergiftungen bei Kindern und Haustieren. Blätter, Samen, Blüten und Rinde enthalten cyanogene Glykoside (Prunasin in den Blättern, Amygdalin in den Kernen), die bei Verletzung des Gewebes Blausäure freisetzen und die Zellatmung blockieren; bereits wenige zerkaute Samenkerne können schwere Vergiftungssymptome auslösen. Im 18. und 19. Jahrhundert wurde destilliertes Kirschlorbeerwasser als Hustenmittel eingesetzt, geriet jedoch wegen unkalkulierbarer Blausäure-Konzentration und zahlreicher Todesfälle außer Gebrauch; einzig homöopathische Zubereitungen ab der Verdünnungsstufe D6 gelten als unbedenklich, da sie keine pharmakologisch wirksame Menge mehr enthalten. Beim Häckseln der Hecke entstehen Blausäuredämpfe, weshalb dies ausschließlich im Freien geschehen sollte. Bei Verdacht auf Vergiftung ist umgehend der Notruf zu verständigen.
Nur äußerlich anwenden!
Diese Pflanze darf NICHT innerlich eingenommen werden. Nur Umschläge, Salben, Bäder.
In der Schwangerschaft KONTRAINDIZIERT
Cyanid passiert die Plazentaschranke; auch geringe HCN-Mengen können fetale Hypoxie verursachen. Jede Anwendung von Kirschlorbeer-Zubereitungen unterhalb der homöopathischen D6-Potenz ist in der Schwangerschaft absolut kontraindiziert.
In der Stillzeit KONTRAINDIZIERT
Cyanid und seine Metaboliten (Thiocyanat) treten in die Muttermilch über und können beim Säugling Schilddrüsenfunktionsstörungen sowie Atemdepression auslösen. Stillzeit: kontraindiziert.
Bei Kindern KONTRAINDIZIERT
Kinder reagieren wegen geringerer Körpermasse extrem empfindlich auf HCN. Die attraktiven schwarzen Beeren der häufig in Gärten verwendeten Heckenpflanze sind eine der Hauptursachen pflanzlicher Vergiftungen in der Pädiatrie. Aufklärung über Pflanzenidentität und Verzehr-Verbot zwingend. Bei vermutetem Verzehr von Kernen oder Blättern sofortige ärztliche Konsultation.
Kritische Wechselwirkungen mit:
Atemdepressiva (Opioide wie Morphin, Codein, Fentanyl) · Benzodiazepine und Z-Substanzen (Diazepam, Lorazepam, Zolpidem)
Volksmedizinische Verwendung kühler Auflagen aus zerquetschten frischen Blättern bei Hautausschlägen, Insektenstichen und kleineren Entzündungen. Die antiseptische Wirkung wurde dem freigesetzten HCN zugeschrieben — heute wegen perkutaner Resorptionsgefahr und unkalkulierbarer Dosis obsolet. Reine ethnografische Dokumentation, keine Anwendungsempfehlung.
Im 19. Jahrhundert vereinzelt dokumentierte Anwendung schwacher Kirschlorbeer-Blatt-Aufgüsse als Augenbad bei Bindehautreizung. Die Anwendung wurde bereits im viktorianischen England als riskant eingestuft und ist heute strikt kontraindiziert — Augenkontakt mit HCN-haltigen Lösungen führt zu Hornhautschäden und systemischer Resorption über Schleimhäute. Reine historische Dokumentation.
Quellen: [3]
Historische Verwendung getrockneter Blätter zur Insektenbekämpfung in Sammelbehältern (Schmetterlingskästen, Käfersammlungen) — die freigesetzte Blausäure tötet Insekten innerhalb von Minuten ('killing jar' der entomologischen Praxis). Diese Verwendung ist nicht medizinisch, dokumentiert aber die HCN-Freisetzung in Form einer praktischen Anwendung. Reine Dokumentation, gefährliche Praxis.
Nur historische Dokumentation — NICHT anwenden
Diese inneren Anwendungen sind historisch überliefert. Diese Pflanze ist hochgiftig — eine Selbstanwendung kann schwere Vergiftungen oder den Tod verursachen. Nur zur Dokumentation, ausdrücklich KEINE Handlungsempfehlung.
Historische pharmazeutische Verwendung von Aqua Laurocerasi (Kirschlorbeerwasser) als sedatives und antispasmodisches Mittel bei trockenem Reizhusten, Keuchhusten, Asthma und Magenkrämpfen. Die Destillation der frischen Blätter setzt durch β-Glucosidase Blausäure (HCN) frei, die in Konzentrationen von etwa 0,1 % im Destillat enthalten war. Im 19. Jahrhundert in der Britischen und Französischen Pharmakopöe gelistet, wegen unkalkulierbarer HCN-Konzentration und zahlreicher Todesfälle in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts obsolet geworden.
Anleitung & Dosierung
Verwendung von Tinctura Laurocerasi (Kirschlorbeer-Tinktur) im 18. und 19. Jahrhundert als Antitussivum und mildes Beruhigungsmittel — meist in Dosen von 5–10 Tropfen, niemals höher. Die Wirkung beruht auf der HCN-induzierten Hemmung der Atemzentren. Heute strikt obsolet: kein therapeutisches Fenster, da der HCN-Gehalt frischer Blätter stark schwankt (Saison, Lichtexposition, Alter der Pflanze) und sich zwischen Chargen um Faktor 10 unterscheiden kann.
Anleitung & Dosierung
Lebensmittelhistorische Verwendung weniger Tropfen Kirschlorbeerwasser als Bittermandelaroma-Ersatz in Likören, Pudding und Konfitüren (insbesondere in Süd- und Osteuropa, 19./frühes 20. Jahrhundert). Wegen Vergiftungsfällen ist die Verwendung zur Lebensmittelaromatisierung in der EU heute durch die Aromenverordnung (EG) Nr. 1334/2008 streng limitiert (max. 1 mg HCN/kg in Lebensmitteln). Verwendung in häuslicher Küche absolut nicht empfohlen.
Homöopathische Verwendung von Laurocerasus (Mutter-Tinktur aus frischen Blättern, ab D3) bei Atemnot, krampfartigem Husten, Herzklopfen mit Zyanose und nächtlichen Beklemmungen. Üblicherweise in Potenzen ab D6 — diese enthalten keine pharmakologisch wirksamen HCN-Mengen mehr. Homöopathische Fertigpräparate sind in Deutschland, Frankreich und der Schweiz arzneimittelrechtlich zugelassen.
Anleitung & Dosierung
⚠ Nur äußerlich anwenden
GIFTIG — BLÄTTER, SAMEN, BLÜTEN UND RINDE. Prunus laurocerasus (Kirschlorbeer, Lorbeerkirsche) zählt zu den häufigsten Heckenpflanzen Mitteleuropas und ist eine der häufigsten Vergiftungsquellen bei Kindern und Haustieren. Alle Pflanzenteile außer dem reifen Fruchtfleisch enthalten cyanogene Glykoside (Prunasin in Blättern, Amygdalin in Samen), die nach Verletzung durch das pflanzeneigene Enzym β-Glucosidase Blausäure (HCN) freisetzen. Die Samen (Steinkerne) der schwarzen Steinfrüchte enthalten besonders hohe Glykosidkonzentrationen; bereits 5–10 zerkaute Samen können schwere Vergiftungserscheinungen verursachen. HCN hemmt die Cytochrom-c-Oxidase der Atmungskette und blockiert die zelluläre Sauerstoffverwertung. Symptome treten innerhalb von Minuten bis Stunden auf: bittere Mandel-/Marzipan-Atemgeruch, Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, Tachypnoe, Krämpfe, Bewusstlosigkeit, Atemstillstand. Beim Häckseln der Hecke entstehen HCN-Dämpfe — nur im Freien, NICHT in geschlossenen Räumen häckseln und Häckselgut nicht kompostieren. Bei Vergiftungsverdacht: SOFORT Notruf 112 und Giftnotruf. Antidote: Hydroxocobalamin (Cyanokit®) und/oder 4-Dimethylaminophenol als Erstlinien-Therapie. ASPCA-Einstufung (abgerufen 2026-08-10): für Hunde und Katzen giftig. Die ASPCA stuft die ganze Gattung so ein.
Cyanid passiert die Plazentaschranke; auch geringe HCN-Mengen können fetale Hypoxie verursachen. Jede Anwendung von Kirschlorbeer-Zubereitungen unterhalb der homöopathischen D6-Potenz ist in der Schwangerschaft absolut kontraindiziert.
Cyanid und seine Metaboliten (Thiocyanat) treten in die Muttermilch über und können beim Säugling Schilddrüsenfunktionsstörungen sowie Atemdepression auslösen. Stillzeit: kontraindiziert.
Kinder reagieren wegen geringerer Körpermasse extrem empfindlich auf HCN. Die attraktiven schwarzen Beeren der häufig in Gärten verwendeten Heckenpflanze sind eine der Hauptursachen pflanzlicher Vergiftungen in der Pädiatrie. Aufklärung über Pflanzenidentität und Verzehr-Verbot zwingend. Bei vermutetem Verzehr von Kernen oder Blättern sofortige ärztliche Konsultation.
Wechselwirkungen
Atemdepressiva (Opioide wie Morphin, Codein, Fentanyl)
Cyanid aus Prunus laurocerasus-Zubereitungen hemmt die Cytochrom-c-Oxidase und blockiert die zelluläre Atmung; Opioide deprimieren zusätzlich die zentrale Atemregulation. Kombination führt zu rasch progredienter Hypoxie mit Bewusstlosigkeit und Atemstillstand.
Benzodiazepine und Z-Substanzen (Diazepam, Lorazepam, Zolpidem)
Sedative Atemdepression durch Benzodiazepine summiert sich mit der HCN-bedingten zellulären Atmungshemmung; erhöhte Gefahr nicht erkannter beginnender Cyanid-Vergiftung wegen Sedierung der Frühsymptome (Kopfschmerz, Unruhe).
Nitrate (Nitroglycerin, Isosorbiddinitrat)
Nitrate werden therapeutisch zur Methämoglobinbildung als Cyanid-Antidot eingesetzt — unkontrollierte Komedikation mit cyanogenen Pflanzenpräparaten kann jedoch zu paradoxer Verschlechterung führen, wenn die Methämoglobinämie ohne medizinische Überwachung den Sauerstofftransport zusätzlich kompromittiert.
MAO-Hemmer (Phenelzin, Tranylcypromin)
MAO-Hemmer beeinflussen den Aminstoffwechsel; gleichzeitige Cyanid-Belastung kann durch verzögerten Rhodanase-vermittelten Abbau zu Akkumulation führen. Klinische Evidenz beschränkt, aber Kombination prinzipiell zu vermeiden.
Thyreostatika (Carbimazol, Thiamazol/Methimazol)
HCN wird im Körper teilweise zu Thiocyanat metabolisiert, einem natürlichen Inhibitor der Schilddrüsenfunktion; gleichzeitige Thyreostatika-Therapie kann zu Hypothyreose verstärkt werden — insbesondere bei chronischer subletaler Exposition (z. B. häufiger Verzehr cyanogener Lebensmittel).
Kontraindikationen
- Jede Selbstanwendung als Pflanzenprodukt aus frischen Blättern oder Kernen (Tee, Tinktur, Aufguss, Saft) — absolut kontraindiziert wegen schwankendem HCN-Gehalt
- Chronische Atemwegserkrankungen (COPD, schweres Asthma) — eingeschränkte Cyanid-Toleranz wegen reduzierter pulmonaler Reserve
- Bekannte Leber- oder Niereninsuffizienz — verzögerter Cyanid-Abbau über Rhodanase-System
- Anämie und Hämoglobinopathien (z. B. Sichelzellanämie) — reduzierte Sauerstofftransportkapazität verstärkt zelluläre Hypoxie
- Schilddrüsenunterfunktion — Thiocyanat als HCN-Metabolit verstärkt Hypothyreose
- Schwangerschaft, Stillzeit, Kinder und Jugendliche (siehe oben)
Erntet wird: Blätter und Samen
- Tageszeit:
- Frische, voll entwickelte Blätter aus dem Frühsommer bis Hochsommer; ausschließlich für homöopathische oder lehr-/demonstrationsbezogene Zwecke. Wegen der Flüchtigkeit von Blausäure und der raschen enzymatischen Aktivität müssen Blätter direkt nach dem Schnitt verarbeitet werden — Trocknung zerstört die Wirkkomponente weitgehend.
- Trocknung:
- Schonende Lufttrocknung möglich, jedoch reduziert sich der HCN-Gehalt um >90 %. Frischverarbeitung in homöopathischen oder pharmazeutischen Betrieben ist üblich.
- Tageszeit:
- Steinkerne aus den reifen, schwarz-violetten Steinfrüchten im Spätsommer und Frühherbst; ausschließlich für phytochemische oder forensische Analytik bzw. Saatgutgewinnung für Baumschulen. Keine Verwendung als Lebens- oder Heilmittel.
- Trocknung:
- Trocknung der ausgespülten Kerne bei Raumtemperatur unter Belüftung; Amygdalin bleibt im trockenen Samen über Jahre stabil. Aufbewahrung als Giftstoff zu kennzeichnen.
- PrunasinGlykosidAnteil: 0.5-1.5 % (Blätter / leaves)
Cyanogenes Glykosid; (R)-Mandelonitril-β-D-Glucosid (C14H17NO6); Hauptglykosid der Kirschlorbeerblätter; wird durch β-Glucosidase enzymatisch in Glucose, Benzaldehyd und Blausäure gespalten. Verantwortlich für den bittermandelartigen Geruch zerquetschter Blätter.
- AmygdalinGlykosidAnteil: 1-5 % (Samenkerne / kernels)
Cyanogenes Disaccharid-Glykosid; biosynthetisches Folgeprodukt des Prunasins durch UDP-Glucosyltransferase. Hauptglykosid der Steinkerne (Samen). Wird sequenziell durch Amygdalin-β-Glucosidase zunächst zu Prunasin, dann durch Prunasin-β-Glucosidase zu Mandelonitril und schließlich durch Mandelonitril-Lyase zu Benzaldehyd und HCN gespalten.
- β-Glucosidase (Prunase, Amygdalase)SonstigeAnteil: nicht quantifiziert
Pflanzeneigenes Enzymkomplex, räumlich von den cyanogenen Glykosiden getrennt gelagert; wird bei Gewebeverletzung freigesetzt und katalysiert die HCN-Freisetzung. Dieses Zwei-Kompartimente-System ist die biochemische Grundlage der pflanzlichen Fraßabwehr.
- Hydrogen cyanide (HCN, Blausäure)SonstigeAnteil: 0.1-0.2 % (frische Blätter, freisetzbar / fresh leaves, releasable)
Sekundärer Toxin, durch enzymatische Hydrolyse aus Prunasin/Amygdalin freigesetzt. Hemmt die Cytochrom-c-Oxidase der Atmungskette (Komplex IV); blockiert die zelluläre Sauerstoffverwertung. Letale Dosis Mensch: 0.5–3.5 mg HCN/kg Körpergewicht oral, etwa 50 mg insgesamt.
- BenzaldehydÄtherisches ÖlAnteil: nicht quantifiziert
Aromatischer Aldehyd, entsteht zusammen mit HCN bei der enzymatischen Spaltung von Prunasin und Amygdalin. Verantwortlich für den charakteristischen Bittermandel-/Marzipan-Geruch zerquetschter Blätter — diagnostisches Erkennungsmerkmal bei Vergiftungsverdacht.
- Gerbstoffe (Catechin-Gerbstoffe)GerbstoffAnteil: 1-3 %
Kondensierte Catechin-Gerbstoffe in Blättern und Rinde; adstringierende Wirkung; beitragend zur biologischen Aktivität der Pflanze, jedoch nicht für die Toxizität relevant.
- Flavonoide (Quercetin- und Kaempferol-Glykoside)FlavonoidAnteil: 0.2-0.8 %
Sekundäre Pflanzenstoffe mit antioxidativen Eigenschaften; in Blättern und reifen Früchten nachgewiesen; physiologisch unbedeutend gegenüber der HCN-Toxizität.
- Anthocyane (im reifen Fruchtfleisch)FlavonoidAnteil: nicht quantifiziert
Verantwortlich für die schwarzviolette Farbe der reifen Steinfrüchte; das reife Fruchtfleisch selbst ist relativ glykosidarm und süßlich, der Steinkern darin jedoch hochtoxisch.
- [6]MonographieASPCA Animal Poison Control — Cherry (Prunus spp.)(abgerufen: 2026-08-10)
- [7]MonographieCliniTox Giftpflanzen — Prunus laurocerasus L.: stark giftig ++ (Institut für Veterinärpharmakologie und -toxikologie, Universität Zürich)(abgerufen: 2026-08-10)
- [3]BuchPlants For A Future — Prunus laurocerasus(abgerufen: 2026-05-26)
- [4]BuchMaud Grieve: A Modern Herbal — Cherry Laurel (botanical.com, 1931)(abgerufen: 2026-05-26)
- [1]WikipediaPrunus laurocerasus — Wikipedia (EN)(abgerufen: 2026-05-26)
- [2]WikipediaCherry laurel water — Wikipedia (EN)(abgerufen: 2026-05-26)
- [5]WikidataPrunus laurocerasus — Wikidata Q157508(abgerufen: 2026-05-26)